Warum Reiter ihr Geld lieber in gute Sitzschulungen statt neue Pauschen am Sattel investieren sollten

Pauschen am Sattel – Fluch oder Segen?

Xenophon 20.07.2026
Redaktion von Redaktion
Schon beim Militär gab es Pauschen, die dem Reiter im Sattel Halt geben sollen. In der Sportreiterei tauchten sie in den 1980er-Jahren an Spring- und Dressursätteln auf. Das war für viele Reiter der Anfang vom Ende des unabhängigen Sitzes.

So, wie jedes Lebewesen seine individuelle Art der Fortbewegung und Körperhaltung hat, so hat auch jeder Reiter im Rahmen der in der Reitlehre vorgegebenen Position einen ganz eigenen Sitz. Um den Bewegungen des Pferdes geschmeidig folgen zu können, bewegt der Reiter sich im Sattel in alle Richtungen – vor und zurück, auf und ab und dazu seitlich in alle Richtungen. Das sind minimale Positionsveränderungen im Sattel, die das Pferd aber sofort spürt, und die der Sattel gestatten muss.

Das ist umso wichtiger vor dem Hintergrund, dass der Reiter den Bewegungen ja nicht nur folgt, sondern sie durch Gewichts- und Schenkelhilfen im Zusammenspiel mit den Zügelhilfen auch aktiv beeinflusst. Um sich differenziert mit dem Pferd verständigen zu können, ist der losgelassene, ausbalancierte und handunabhängige Sitz eine unabdingbare Voraussetzung.

Zur losgelassenen Balance findet der Reiter aber nur, wenn er sein individuelles Gleichgewicht nutzen kann und nicht durch einen unpassenden Sattel oder eben die Pauschen am Sattel daran gehindert wird.


Unterstützung – okay, Blockade – ein NoGo


Dass Pauschen im englischen „Blocks“ genannt werden, kommt nicht von ungefähr, denn häufig blockieren sie den Reiter im Sattel eher, als dass sie ihn unterstützen. Pauschen sollen dem Reiter Halt geben und ihm helfen, sein Bein in der richtigen Position zu halten und sein Gleichgewicht zu finden. Was sie nicht sollen: den ausbalancierten, handunabhängigen Sitz ersetzen oder gar stören. Doch genau das ist es, was man landauf landab immer wieder sieht – Reiter, die sich geradezu an ihren Pauschen „festklemmen“, statt aus dem tiefen Sitz im Sattel heraus mit frei „hängendem“ Bein im Schwerpunkt ihr Gleichgewicht zu finden. Das wirkt sich auf den gesamten Sitz des Reiters aus, damit auf seine Einwirkung und damit auch aufs Pferd.



Falscher Sitz „dank“ Pauschen


Ein anderes Problem sind von vornherein falsch positionierte und/oder falsch geformte Pauschen, die den Reiter in eine ungünstige Position setzen. Bei Dressursätteln sieht man beispielsweise oft Pauschen, die in vertikal dem Schnitt des Sattelblatts folgen, obwohl der Oberschenkel des Reiters in einer schrägen Position auf dem Sattelblatt zum Liegen kommt. Die Folge: Der Reiter muss den Oberschenkel weiter als vorgesehen nach hinten führen, oder er stößt mit dem Knie an die Pausche oder er zieht das Knie über die Pausche, um dem Druck auszuweichen. Das ganze Sitzgefühl wird gestört bzw. kann sich gar nicht korrekt ausbilden. Auch lassen solche Pauschen keine unterschiedlichen Steigbügellängen zu. Die sind jedoch nicht nur eine Frage der Beinlänge, sondern auch des individuellen Sitzgefühls.


Fazit: lieber Sitzschulung statt Pauschen


Wer Probleme hat, sein Gleichgewicht im Sattel zu finden, sollte nicht auf die scheinbar naheliegendste Lösung reinfallen und sich mittels Pauschen und/oder einem besonders tiefen Sattel auf dem Pferd festklemmen. Zum einen wird dadurch nur das Symptom und nicht die Ursache bekämpft, zum anderen ist es nicht gerade pferdefreundlich, denn je eingeklemmter der Reiter sitzt, desto weniger kann er sich den Pferdebewegungen anpassen. Wer als Reiter ernsthaft an sich arbeiten will, kommt nicht umhin, den steinigen Weg zu gehen, und Gleichgewicht und Balance im Sattel durch Sitzschulung zu erlernen. Der Lohn für die Mühe ist ein ganz neues Reitgefühl, weil ganz nebenbei die Kommunikation mit dem Pferd über die Hilfengebung quasi en passant präziser und dadurch feiner wird.


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