Ein Interview mit Philipp Schulze Topphoff, dem "Neuen" im Bereiterteam bei Ludger Beerbaum

Philipp Schulze Topphoff: „Ich habe mir das ziemlich lange überlegt“

Interview 21.07.2026
Philipp Schulze Topphoff und der achtjährige Cortez FZ in der Youngster Tour beim TSCHIO Aachen im Mai, wo sie Neunte im Finale wurden.
Foto: sportfotos-lafrentz.de Philipp Schulze Topphoff und der achtjährige Cortez FZ in der Youngster Tour beim TSCHIO Aachen im Mai, wo sie Neunte im Finale wurden. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Am Rande des Global Champions Tour-Turniers in Riesenbeck haben wir mit Springreiter Philipp Schulze Topphoff über seinen neuen Alltag, Pferde, Zukunftspläne und Ziele gesprochen.

Seit April ist Philipp Schulze Topphoff Bereiter im Team von Ludger Beerbaum in Riesenbeck. Der 27-Jährige gehörte schon als Ponyreiter regelmäßig zu deutschen Nationenpreis- und Championatsteams, gewann im Sattel von Mentos Junior 2013 und 2014 Mannschaftsgold und Bronze bei U16-Europameisterschaften und wurde mit Concordess NRW zweimal Europameister der jungen Reiter, einmal in der Mannschafts- und einmal in der Einzelwertung. Concordess war es auch, die ihm seine ersten Weltcup-Erfolge bescherte und ihn 2022 zum Finale begleitete.


Mit Riesenbeck kam Schulze Topphoff schon als U25-Reiter in Berührung, als er für das Global Champions League Team Riesenbeck International angeheuert wurde und direkt erfolgreich war. Nun ist er wieder im GCL Team, allerdings nicht mehr als „Externer“, sondern als Riesenbecker.


Wie sieht sein Leben aus nach dem Umzug von Havix- nach Riesenbeck? Ein Interview


EQUI PAGES: Wie lange bist du jetzt schon hier?

Philipp Schulze Topphoff: Ich glaube, seit zweieinhalb Monaten bin ich jetzt hier. Mitte April war es genau.


Und erzähl mal, wie ist es? Inwiefern ist es anders als früher zu Hause? Ich meine, hauptsächlich geritten bist du ja auch schon vorher.

Genau, geritten wird am Ende des Tages auch hier. Das ist irgendwo eine Parallele, aber im Detail ist es dann doch ein bisschen anders. Es ist natürlich etwas weniger selbstbestimmt, eher eine Struktur, die es hier gibt. Diese Struktur bringt aus meiner Sicht den Vorteil mit sich, dass ich mich wirklich komplett und voll auf die Pferde selbst konzentrieren kann. Ich weiß, ich habe Zeit für sie, dann kann ich mir auch mal gerne mehr Zeit nehmen, weil das eben meine Hauptaufgabe ist.


Zu Hause war es ja irgendwo so ein bisschen der ganze Betrieb, in Anführungszeichen, um den ich mich kümmern musste – oder was heißt kümmern, das hab ich auch immer gerne gemacht. Aber auf jeden Fall lag da immer noch irgendwas anderes an, was dann neben dem Reiten zu tun war.


Aber gemistet hast du zu Hause nicht, oder?

Doch, klar!


Okay, dann beschreib mal konkret, wie sah dein Alltag zu Hause aus und was ist jetzt anders?

Ja, ganz simpel: Familienbetrieb ohne Angestellte zu Hause. Da muss man einfach alles selbst machen. Wir hatten schon Hilfe, meistens morgens im Stall, so ab sieben Uhr. Dann werden die Boxen nach dem Füttern einmal gemacht, und dann wird geritten. Dazwischen gab es was zu essen, wie es eben passte. Und dann noch den Rest, in Anführungszeichen, geritten, was noch nicht fertig war.


Jetzt ist es vom Grundsatz her ein bisschen ähnlich: in den Stall kommen, reiten. Dann gibt es mit dem Rest der Reiter zusammen eine Pause – zumindest wird sie angeboten, über einen Zeitraum von zwei Stunden. Wer dann genau wann geht, muss man im Detail sehen, je nachdem, wie weit man mit den Pferden ist und wie viel man schaffen will. Manchmal reiten wir bis zwölf Uhr, manchmal bis eins oder halb eins, das ist unterschiedlich. Aber vom groben Grundsatz her ist es so gedacht, dass von zwölf bis zwei Uhr theoretisch Mittagspause ist, und am Nachmittag wird dann nach einer kurzen Erholungspause weitergemacht, bis fertig geritten ist – je nachdem, wie viel an dem Tag ansteht. Grobe Idee ist, so gegen fünf Uhr fertig zu sein.


Klar, wenn’s mal bis sechs dauert, oder wenn Kunden kommen, um Pferde zu probieren, oder ein Pferd von extern kommt, das wir ankaufen und probieren möchten, und sich Termine aus irgendeinem Grund nicht anders vereinbaren lassen – dann wird’s mal spät, dann ist das eben so. Aber es ist jetzt nicht so, dass jeden Tag bis abends um acht, neun Uhr gearbeitet wird. Nein, nein, so muss man sich das nicht vorstellen.


Hast du seitdem du hier bist schon etwas mitgenommen, was das Management der Pferde angeht, oder reiterlich, oder was auch immer? 

Ich bin natürlich dabei, ich versuche wirklich, alles mitzunehmen. Hier im Stall wird natürlich ganz viel Wert auf die Durchlässigkeit der Pferde gelegt – dieses grundsätzliche Arbeiten an der Basis, an den Basics, damit das funktioniert. Parcoursreiten machen wir gar nicht wahnsinnig oft, außer auf dem Turnier natürlich. Dann gucken wir uns Videos zusammen an, sprechen darüber und analysieren das Ganze etwas. Aber meistens, wenn irgendwas nicht so läuft, wie wir uns das vorstellen, kommen wir am Ende doch immer wieder auf die Basisarbeit zurück. Darauf wird wahnsinnig viel Wert gelegt – dass ein gewisses Grundmaß an Durchlässigkeit da ist, um es dann im Parcours so leicht wie möglich zu haben. Denn am Ende ist es ja unser aller Ziel, dass so ein Parcours für den Zuschauer wahnsinnig leicht aussieht. Das ist die Idee dahinter. Eigentlich soll es im Idealfall ganz harmonisch und ganz einfach aussehen.


Die Pferde, die du jetzt reitest – hast du eigene mitgenommen? Hast du jetzt reine Beritt-Pferde? Oder werden dir auch Pferde gestellt, mit denen du in der Global Champions League Punkte sammeln sollst? Oder reitest du hier deine eigenen?  

Teils, teils. Am Ende geht es da aber weniger nach Besitzverhältnissen. Wenn wir soweit sind, dass ich Teamspringen reiten kann, dann gehen die Pferde an den Start, mit denen am Ende das beste Ergebnis zu erwarten ist. Klar, ich hab zwei Pferde mitgenommen, Carla und Clemens. Die sind wieder ein bisschen auf dem Weg nach oben. Sie waren ein bisschen raus, nicht ganz in der Form, wie wir sie gerne gehabt hätten, aber jetzt wieder auf einem guten Weg.


Die Pferde hier sind – nicht alle, aber größtenteils – erstmal jüngere Pferde, so von sechs bis acht. Dann haben wir noch eine etwas erfahrenere Stute und einen Wallach, der ist schon 13 und ist schon Drei- und Vier-Sterne-Große Preise gegangen. Den lerne ich gerade noch besser kennen, aber wir haben da auch schon ein paar Ergebnisse.


Und von den Nachwuchspferden, welches ist da dein nächster Hoffnungsträger?

Wir haben unter anderem zwei Sechsjährige, Ferrari (v. Farfelu de Muze) und Ascaro O (v. Asca Z). Dann Cortez FZ – da würde ich sagen, ruhen ziemlich große Hoffnungen drauf. Der ist immerhin schon achtjährig, da sind wir schon näher dran an dem, wo wir mal hinwollen. Der ist mit acht Jahren schon ein Rankingspringen geritten und hat sich platziert.


Du reitest dieses Wochenende aber nicht im Global Champions League Team?

Nee, ich bin ja erst vor diesem Wochenende eingewechselt worden, vorher war ich noch gar nicht im Team. Dieses Transferfenster wurde jetzt genutzt, um mich einzuwechseln. Grobe Prognose, wenn es gut läuft: vielleicht Mitte September – wenn meine eigenen Pferde wieder soweit sind und ich mich mit dem Achtjährigen noch etwas mehr zusammengefunden habe.


Ist es denn tatsächlich so, dass es hier nach dem Hochdien-Prinzip läuft – erst normale junge Pferde, dann irgendwann bessere?

Hochdienen würde ich das jetzt nicht nennen. Ich kann da nur für mich sprechen. Aber zumindest in meinem Fall ist es schon so, dass ich nach ein paar wenigen Wochen ins Team eingewechselt worden bin. Man wechselt ja nicht einfach jemanden ein und gibt ihm dann Pferde, die nicht passen. Natürlich kriege ich jüngere Pferde, aber die sind jetzt nicht vier oder fünf, sondern sechsjährig und aufwärts. Es ist also weder das ganz junge Extrem, aber natürlich auch nicht so, dass ich hier ankomme und am Sonntag stehen die Pferde für Fünf-Sterne-Springen parat (lacht).


Was war überhaupt deine Motivation, nach Riesenbeck zu wechseln? Wolltest du mal weg von zu Hause?

Nein, überhaupt nicht. Ich war eigentlich völlig zufrieden damit, wie es lief. Aber als dann Kontakt zu uns aufgenommen wurde, hört man sich das natürlich erstmal an. Wenn der FC Bayern anruft, jetzt mal metaphorisch gesprochen, dann hört man sich zumindest an, was er zu sagen hat. Ich hab mir das ziemlich lange überlegt, das hat ein paar Wochen gedauert, und dann den Entschluss getroffen, dass ich es gerne probieren würde.


Und hast du es bis jetzt nicht bereut? Zu Hause fehlt ja eine Arbeitskraft.

Das stimmt, aber das läuft trotzdem. Es waren immer zu wenig Boxen, egal wie viele Pferde da waren – wir hatten wirklich immer alle Hände voll zu tun. Jetzt ist es zumindest ein bisschen entspannter. Marie (seine Schwester, 29, ebenfalls einst Medaillensammlerin im Nachwuchslager, Anm. d. Red.) reitet wieder ein bisschen mehr. Vorher war es oft so, dass ich neue, bessere Pferde bekam, schon allein weil sie Vollzeit arbeiten geht und ich in Vollzeit geritten bin. Jetzt bekommt sie völlig nachvollziehbar ihre Chance, und das macht sie glaube ich auch richtig gut. Mein Vater reitet zu Hause relativ viel und hat ein paar Boxen an eine junge Schülerin vergeben, die er gerne weiterbringt.


Habt ihr hier in Riesenbeck eine Perspektive vereinbart, oder ist das unbefristet?

Das ist eine offene Geschichte. Ziel ist schon, dass wir über mehrere Jahre erfolgreich zusammenarbeiten, aber sonst: Ende offen.


War das immer ein Traum für dich?

Was heißt Traum … Ich war ja immer zu Hause mein eigener Herr, in Anführungszeichen, von meinem Vater mal abgesehen. Dass es mir vorher nicht gut gefallen hätte, kann ich nicht sagen, ich wollte auch nicht unbedingt weg. Aber im Nachhinein: Das ist natürlich eine Traumadresse, wo man gerne hin möchte und bestehen möchte. Die Leute, die von hier rausgegangen sind, sind schon Weltklassereiter geworden, oder sind hier auch geblieben.


Stichwort Weltklasse – denkst du schon darüber nach, oder gehst du erstmal Schritt für Schritt?

Klar, es war schon immer mein Ziel, den roten Rock zu tragen, im Nationenpreis, und irgendwann auch mal im Championat. Das will man als Sportler, denke ich, da kann ich wohl für die meisten sprechen. Das versuche ich nach wie vor.


Hast du das Gefühl, dass du jetzt unter einem anderen Druck stehst, wo du für diesen Stall reitest?

Was heißt „Druck“ – wir versuchen natürlich so viele Hebel wie möglich in Bewegung zu setzen, damit es einigermaßen gut klappt. Und natürlich gibt es auch eine gewisse Erwartungshaltung, wenn sich alle oder viele für dieses Ziel bemühen, dass man als Reiter zumindest das tut, was in seiner Macht steht, um in den zwei Minuten das Bestmögliche abzurufen. Das ist klar, das wird erwartet. Das kann man Druck nennen, ja, ein bisschen schon. Und wenn man mit diesem grauen Sakko aufs Turnier kommt, wird man möglicherweise ein bisschen anders angesehen.


Ist Druck etwas, womit du gut umgehen kannst?

Ja, ich glaube schon. Also, bis jetzt (lacht). Das ist ja in Teamspringen immer so, dass es da ein bisschen mentalen Druck gibt. Das geht eigentlich ganz gut.


Gibt es bei euch stallinterne Konkurrenz?

Das klingt fast ein bisschen negativ, so, als würde man es dem anderen nicht gönnen. Das ist absolut nicht so (lacht)! Wir versuchen eher, das Positive daraus zu ziehen, dass wir zusehen, dass jeder gute Ergebnisse erzielt. Es ist vielleicht eher gesunder Wettbewerb, wir haben jeder unsere Stallgasse und unser Team und nach außen sind wir ein Team Beerbaum Stables.




Einen Tag nachdem wir das Gespräch mit Philipp Schulze Topphoff geführt haben, ritt er besagten Hoffnungsträger Cortez FZ (das FZ steht für die Züchterin des gekörten Cornet Obolensky-Sohnes, Franca Zanetti) auf Platz zwei im Großen Preis der Zwei-Sterne-Tour. Tags darauf war ein „Recorded Warning“ bei der FEI eingetragen. Dazu sagte Philipp Schulze-Topphoff: „Als ich in den Parcours gegangen bin, war noch alles in Ordnung. Als wir rauskamen, hatte Cortez eine Stelle an der Seite, die man bei einem Braunen oder Fuchs gar nicht gesehen hätte, aber er ist ein Schimmel. Dadurch hat er auch eine sehr empfindliche Haut, erst recht wenn er schwitzt. Ich ärgere mich wahnsinnig über mich selbst, dass das passiert ist! Aber Regeln sind dazu da, dass sie eingehalten werden und es ist gut, dass es sie gibt.“


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