Charlott-Maria Schürmann und Dante's Pearl OLD – die gemeinsame Geschichte, ein Interview
Interview Charlott-Maria Schürmann über Dante’s Pearl: „Ich würde es jedem Reiter gönnen, dieses Gefühl einmal zu fühlen“
Dante's Pearl OLD und Charlott-Maria Schürmann bei den Deutschen Meisterschaften in Balve 2026. Foto: sportfotos-lafrentz.de Charlott-Maria Schürmann und Dante’s Pearl kamen zu den Deutschen Meisterschaften als „the one to watch“ und fuhren mit einer Medaille nach Hause. Wenige Tage später folgte dann die Kadernominierung. Wir wollten mehr wissen. Über „Pearlie“, ihre private Seite und ob immer alles so reibungslos verlaufen ist, wie man das bei einer Traumkarriere mutmaßt. Deswegen haben wir uns auf den Deutschen Meisterschaften ausführlich mit Charlott-Maria Schürmann unterhalten:
EQUI PAGES: Du bist in einer etwas anderen Situation auf einmal bei diesen Deutschen Meisterschaften, wie fühlt sich das an?
Charlott-Maria Schürmann: So ein bisschen surreal, ich glaube, es ist noch nicht so richtig angekommen. Hätte mir das einer vor einem halben Jahr gesagt, Dritter in der ersten Runde bei den Senioren, dann hätte ich gesagt: ja OK, unterschreib ich, nehmen wir, nehmen wir. Aber ja, es ist cool, absolut, es ist schon ein Traum. Dieses Pferd ist einfach außergewöhnlich.
Erzähl mal bitte eure Geschichte.
Ich habe sie siebenjährig bekommen von einer Freundin von mir, die hat sie auf der P.S.I. fünfjährig gekauft. Dann hatte sie sie ein Jahr in der Schweiz und dann musste sie aber auf aus beruflichen Gründen so ein bisschen zurückstecken mit dem Reiten und hat dann gesagt, ich hab hier ein Pferd, aber das muss, glaube ich, zu dir, nimmst du sie? Ich habe gar nicht recherchiert, was das für ein Pferd ist, was sie da gekauft hatte auf der P.S.I. Dann kam sie da vom Anhänger und dachte ich so: Wow, so ein schönes Pferd habe ich noch nie gesehen.
Das kommt ja noch hinzu, Dante’s Pearl OLD ist ja nicht nur gut, die ist auch noch wunderschön. Weiß sie das auch ein bisschen?
Ja, sie setzt sich schon gerne in Szene. Sie ist schon wirklich ein ganz feines Pferd, also in allem vom Charakter her, t das Verhalten mit anderen Pferden. Sie ist wirklich in allem einfach very smart.
Siebenjährig –auf was für einem Ausbildungsstand war sie da ungefähr?
(Fliegende Galopp-) Wechsel waren da und dann haben wir erst mal den Rest erarbeitet. Wir mussten erst ein bisschen zusammenfinden, sie hat schon sehr viel Geist und ist wach und elektrisch und hatte auch wirklich wenig Turniererfahrung. Bis wir uns dann so nach ein paar Monaten so ein bisschen eingeknufft haben, dann haben wir eine kleine M-Dressur geritten. Es hat auch immer schon ganz gut geklappt, aber sie war schon noch umweltorientiert und nervös. Im Grunde haben wir siebenjährig nur ein bisschen Routine gesammelt, aber nicht wahnsinnig viel geritten. Wir sind so peu a peu zusammengewachsen und dann ist sie eine Jungpferde-S gegangen. Dann habe ich auch mal aufgegeben, weil sie mir alles vorweggenommen hat.
Das will man aber auch ein bisschen, oder? Wenn sie so Geist haben und sagen, ich zeig es dir, ich weiß schon, was du möchtest.
Sie ist halt so schlau und ihr fällt da ja nix schwer. Aber im Grunde war das Schwierigste, dieses Warten und diese Ruhe. Ich kann mir Zeit nehmen dafür: Das war so das, was sie lernen musste. Sie musste nie lernen, wie sie trabt, wie sie zu galoppieren hat, aber sie musste einfach lernen zu warten.
Auf der anderen Seite ist das natürlich ein Eifer, der einem dann im internationalen Sport nicht gerade im Wege steht …
Das kommt mir jetzt zugute.
Wann hast du angefangen Richtung 3*-Niveau zu trainieren. Also Passage, Piaffe, Serienwechsel und so weiter?
Sie ist neunjährig Nürnberger Burg-Pokal gegangen, im Finale in der Festhalle war sie so ein bisschen flott unterwegs und war aber gut. Dann ist sie sofort zehnjährig Louisdor Preis-Qualifikationen gegangen und hat sich im April schon qualifiziert in Hagen. Wir haben den ganzen Sommer (des Vorjahrs) eigentlich schon geübt, weil sie sich auch früh qualifiziert hatte für das Finale im Nürnberger Burg-Pokal. Deswegen hatte ich die ganzen Sommer nicht so viel Druck neunjährig und ich habe dann einfach so spielerisch Piaffe und Passagen ein bisschen eingebaut. Und dann ging es schnell, von Dezember bis April, dass sie das dann ganz gut gemanagt hat.
Wenn du sagst, wir, mit wem trainierst du?
Ich trainiere mit Santiago Damil und mit Monica Theodorescu.
Gab es irgendwann mal schon so einen Moment, in dem du dachtest, hier haben wir ein Punkt, den versteht sie nicht?
Nee, eigentlich nicht. Also es hat sicherlich ein bisschen gedauert, bis sie klassisch piaffieren gelernt hat: In den Jungpferde-Grand Prixs und Louisdor war das noch so ein bisschen getrickst, gefummelt. Da habe ich ein bisschen das genommen, wie es ihr gerade leichtfiel. Diesen Sprung, wo wir jetzt sind, das hat ein bisschen gedauert, aber es hat sie super verstanden.
Nun hat man ein schönes Pferd, ein Pferd, das im Finale des Nürnberger Burg-Pokal gegangen ist, das gut in der Louisdor-Quali war, dann ist man schon mal nationale Spitze in Deutschland, im Jungpferdebereich. Dann der nächste Schritt in den „Erwachsenensport“, wie ist der gewesen?
Im Louisdor-Finale müssen sie ja am Ende ja auch schon Grand Prix gehen. Das Ziel war immer, dass sie das schafft, zehnjährig. Und hat sie dann ja auch geschafft. Wir sind nach Guxhagen gefahren, haben einmal national da geritten, dort sie auch gewonnen.
Dass das ein besonderes Pferd ist, das wusste ich von Tag eins. Ich freu mich so sehr für das Pferd, weil das Pferd gehört dahin, wo es jetzt ist. Dass jetzt alles so geklappt hat, dass wir zueinander gefunden haben, dass sie die Kraft hat, das Vertrauen bekommen hat. Sie liebt diesen Sport, sie liebt es, da rein zu traben und es wird mucksmäuschenstill. Wenn sie los trabt und man hört so, „wow“, das nimmt sie auch wahr. Sie wird dann eher noch größer, sie ist stolz auf sich selbst.
Was ist das für ein Gefühl in der Prüfung? Kurze Seite noch mal einmal aufnehmen. Du weißt, abwenden, Diagonale, Trabverstärkung…
Im Grunde, ist es von A bis Z einfach ein Genuss. Es ist einfach ein Geschenk, dieses Pferd. Ob sie jetzt steht, ob sie jetzt zulegt, aber auch diese wahnsinnigen Traversalen. Also es ist, es gibt nichts Schöneres.
Ich würde es jedem Reiter gönnen, dieses Gefühl einmal zu fühlen.
Wie sieht so ein ganz normaler Alltag von Dante’s Pearl zuhause aus?
Ich mache immer kurze Phasen, also sie wird vier Tage die Woche geritten und dann geht sie viel raus, kriegt ganz viel Physio, Grasen. Schon viel drumherum.
Also, sie ist eine Prinzessin und wird entsprechend behandelt?
Ja, absolut und das hat sie sich auch verdient.
Ein internationales Turnier und dann kommen auf einmal Wertnoten, die jetzt nicht mehr im unteren 70-Prozent- Bereich sind – was ja international auch eine Leistung ist, die in vielen anderen Nationen schon mal eine Nominierung für ein Championat sind. Was war das für ein Gefühl?
Na ja, also unser erstes internationales Turnier war ja Lier im März und das war nicht so gut.
… umweltorientiert
Ja, da waren wir sehr wach. Da habe ich mich so ein bisschen zwei Jahre zurückversetzt gefühlt, in meiner ersten Jungpferde-S, wo ich auch aufgegeben habe. Da dachte ich so, oh mein Gott, jetzt fängt das von vorne an. So sind wir gestartet. Aber das war auch ganz gut so am Ende, weil dann wurde der ganze Druck genommen. Vielleicht mache ich mir da selber dann auch den Druck, weil man das Pferd bestmöglich präsentieren will, weil sie so besonders ist.
Aus Fehlern lernen
Aber gut, das ging so schön in eine Hose, dass wir danach gesagt haben – OK, schlechter werden kannst du nicht mehr. Und wir haben erstmal gesehen, wo wir stehen und dass sie Routine braucht. Und ich auch, weil ich habe ja auch schon lange keinen Grand Prix mehr geritten. (Charlott-Maria Schürmann hatte mehr als zwei Jahre keinen Grand Prix mehr geritten).
Monica (Theodorescu) sagt immer, Grand Prix Reiten ist schwer. Gut Grand Prix Reiten ist noch schwerer und da hat sie vollkommen recht.
Dann kam das Turnier in Tolbert.
Genau, wir sind nach Tolbert gefahren, weil mein Ziel war schon, dass ich Hagen reite. Die Stute liebt Hagen, sie kommt aus Hagen und es ist um die Ecke, ist immer ein Traumturnier. Dann haben wir uns überlegt: Das erste Mal draußen, ich glaub, wir sollten mal nach draußen fahren. Das war auch gut so. Der Grand Prix war viel, viel besser. Das Warm-up war, fühlte sich schon sensationell an. In der Prüfung selber waren sehr, sehr viele Flüchtigkeitsfehler. Aber im Special war es dann schon so, dass da nicht viel passiert ist und wir dann auch schon gewinnen konnten.
Dann zehn Tage später direkt nach Hagen. Das hat ihr gut getan, dieser kurze Abstand, dass sie einfach so ein bisschen in der drin blieb im Turniermodus und ich auch.
OK, aber dann, wie, wie ging es dann nach den zwei Siegen in Hagen weiter?
Ich habe mit Monica ein Plan gemacht mit Balve als Ziel. Ich brauchte Routine, ich brauchte noch was zwischen Hagen und Balve. Dann blieb nur München oder Hamburg. Und da ich das Münchner Turnier total toll finde, ist natürlich super weit, aber habe ich gesagt, ich würde gern nach München fahren.
Genannt wart ihr zunächst im CDI3*.
Ja, weil ich das auch ganz naiv genannt habe. Ich hab ja auch nicht damit gerechnet, dass das alles so eskaliert. Und dann hat Moni gesagt, ja, also ich glaube, wir ändern das mal. Dann reite ich halt 5*. Es war echt cool, Wahnsinn. Bis danhin mein bester Grand Prix. Bis auf die letzte Linie, das war echt mein Fehler. Dann hab ich gesagt, OK, Gott sei Dank, besser es passiert mir hier als in Balve.
Was war das Learning aus München?
Also lernen total aus unseren Fehlern. Wir lernen uns in der Prüfung mehr kennen. Wo braucht sie mehr Hilfe? Wo kann ich schon so richtig Platz geben und sie so ein bisschen zelebrieren? Der Special war wirklich sensationell in München, dass ich dann da mit 77 Prozent rauskomme! Da sind mir die Tränen geflossen, da war ich fix und foxi mit meinen Nerven: Da dachte ich, mein Gott, dass ich das überhaupt mal erreiche, ist Wahnsinn.
Wenn ein wunderschönes schwarzes Pferd 77 Prozent in einen internationalen Grand Prix Special geht, dann stehen meistens die üblichen Verdächtigen mit dicken Scheckbüchern oder wedeln mit den Millionen… Die Stute ist ja im Schweizer Besitz, eine ursprünglich deutsche Familie, die in der Schweiz ansässig ist.
Das Pferd steht nicht zum Verkauf. Das Pferd ist auch bis 2028 darüber hinaus im Artland zu Hause (lacht) im deutschen Artland zu Hause.
Und wie erlebt das die Besitzerin?
Das ist eine gute Freundin. Sie ist total happy und wir haben ganz engen Kontakt und alle freuen sich mit, die ganze Familie. Ihr erstes Pony kam von mir. Meine Mama hat ihn damals mit einem Anhänger in die Schweiz gefahren. Also wir kennen uns schon wirklich, seitdem wir kleine Kinder sind, deswegen ist das wirklich eine tolle Freundschaft. Pearl hat uns noch mehr zusammengeschweißt und wir leben den Traum jetzt alle zusammen.
Hat sie irgendwelche Eigenarten, gibt es irgendwas, was sie mag oder was sie gar nicht mag?
Was sie nicht so mag – weil sie so schön ist, geht ja jeder immer zu ihr. Wenn wir viel Besuch haben oder viele Schüler kommen: Wo ist denn Dantes Pearl? Das mag sie so zweimal und dann sagt sie auch so: ,Nee, nicht schon wieder, das Gesicht streicheln‘, da ist sie schon so ein bisschen Diva. Sie liebt die Aufmerksamkeit, aber es ist irgendwann dann auch genug. Und sie braucht immer ihr Fenster, sie guckt Tag und Nacht raus. Ich habe ja auch überall Kameras, ich sehe das immer.
Auf dem Paddock – erster Moment gleich wälzen oder erst mal sonnen?
Sie ist gar nicht wild, wälzen und dann easy. Das ist jetzt nicht so ein Pferd, was jetzt ausflippen würde. Sie ist schon sehr bedacht in dem, was sie tut. Sie ist nicht tollpatschig. Es gibt ja so Pferde, die kommen überall gegen oder stolpern. Das würde sie niemals tun.
Gab es von internationalen Reitern irgendwelche Reaktionen? Von internationalen Händlern ja ganz offensichtlich, so hab ich das verstanden. Aber auch Reiter?
Jeder kennt uns als Paar ja schon lange und jeder weiß auch, dass es auch nicht immer einfach war, also dass wir auch uns dahin gearbeitet haben. Und meine Reitkollegen sind so lieb und freuen sich echt alle mit uns, dass wir das jetzt so dahin geschafft haben. Zum Beispiel Fabi (Fabienne Müller-Lütkemeier). Mit Fabi habe ich schon Euro geritten in Ermelo 2009 und sie war die erste, die mich mit Tränen umarmt hat. Sie hat gesagt, ich gönne es dir so sehr, weil ja jeder weiß, wie viel wir arbeiten, wie viel Herzblut wir da reinstecken.
Danke!
Das Gespräch führte Jan Tönjes
Weitere Infos zu den Shootings Stars haben wir in dem Artikel „10 Dinge über Dante’s Pearl OLD und Charlott-Maria Schürmann“ zusammengefasst.
Auch zum Vater von Dante’s Pearl, Dante Weltino haben wir ein Feature verfasst.



