Amateure im Pferdesport: Über 90 Prozent aller Turnierreiter sind Amateure – was heißt das eigentlich genau?
Amateure im deutschen Pferdesport – Turnierreiten ja, gegen Profis nein
Wer den Status „Amateur“ im deutschen Turniergeschehen tragen darf, ist klar definiert. Foto: sportfotos-lafrentz.de Amateure – was nach Sport nach Feierabend, nach Hobby, oder sogar nach „vom Können her in der zweiten Reihe“ klingt, ist ein eigenes Universum.
LPO regelt Amateurstatus
Der Status „Amateur“ ist im deutschen Reitsport klar definiert. Weil für alles, was sich im Turniersport messen möchte, die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN, neuerdings Pferdesport Deutschland) zuständig ist, tritt sie auch hier auf den Plan. Genauer: ein einziger Satz in den Durchführungsbestimmungen der Leistungs-Prüfungs-Ordnung (LPO). In § 20.6.6. steht:
Amateur ist, wer gewerbsmäßig kein Einkommen erzielt
- nicht durch den Beritt fremder Pferde
- nicht durch Reitunterricht,
- nicht durch regelmäßigen Pferdehandel.
Die Grenze liegt bei der Vergütung für geringfügig Beschäftigte, dem sogenannten Minijob. Ausbildungsvergütungen für angehende Pferdewirte zählen dabei nicht als gewerbsmäßiges Einkommen, sie sind ausdrücklich ausgenommen.
Wie es zu dem Status „Amateur“ im Turniersport kam
Bis 2013 gab es für Amateure keine eigene Prüfungskategorie. Wer als Hobbyreiter gegen Berufsreiter und hocherfolgreiche Amateure mit vier und mehr Turnierpferden antrat, ging in der Regel leer aus. Pech gehabt. Abhilfe sollten die „geschlossenen Prüfungen“ schaffen. Sperriger Name, dahinter aber eine simple Idee: die Besten unter Gleichen ermitteln.
Das geht seit 2013. Und es werden auch schon in der Ausschreibung Ross und Reiter genannt: Amateurprüfungen. Die sind keine Gnade des Veranstalters, sondern Pflicht: Seit 2013 müssen Veranstalter mindestens 20 Prozent ihrer Prüfungen für Amateure ausschreiben. Wer es nachlesen möchte: § 23.3 LPO regelt Details.
Was können die reitenden Amateure für den Reitsport machen?
EQUI PAGES widmet dem Amateursport in den drei olympischen Disziplinen eine ausführliche Serie mit Hintergrundinformationen. Dabei wollen wir das Geschehen in Deutschland beleuchten, einen Blick in andere Länder und deren Umgang mit Amateuren im Reitsport betrachten und am Ende in einem Live Event die Frage klären, welchen Beitrag Amateurinnen und Amateure leisten können, um den Pferdesport proaktiv zu gestalten. Gerade auch angesichts öffentlicher Diskussionen lautet deswegen der Gedanke: „Reitsport in der Krise – und was wir dagegen tun“
Leistungsklasse entscheidet mit
Der Amateurstatus hängt allerdings nicht nur am Faktor Einkommen. Wer die Leistungsklasse 7, 6 oder 5 hat, wird automatisch als Amateur eingestuft.
Ab Leistungsklasse 4 spielt die Anzahl platzierter Pferde eine Rolle
Komplizierter wird es ab Leistungsklasse 4, 3 oder 2: Hier zählt, ob in der zurückliegenden Saison – vom 1. Oktober des vorletzten bis zum 30. September des letzten Jahres – mit nicht mehr als drei verschiedenen Pferden Erfolge in der jeweiligen Disziplin erzielt wurden. Erfolge in Dressurpferde- und Springpferdeprüfungen zählen mit hinein, Ponyerfolge dagegen nicht. Selbst wenn man sich für einen lupenreinen Amateurreiter hält, kann der Status also bei Erfolgen mit vier Pferden nicht mehr aufrechterhalten werden. Vorsicht: Wer aus Gefälligkeit vielleicht ausnahmsweise einmalig ein schwieriges Pferd für die Nachbarin auf der Stallgasse in einer Springpferdeprüfung reitet und die Runde zu einer Platzierung führt, verliert den Status, wenn er oder sie in derselben Saison mit drei anderen Pferden „ins Geld“ geritten ist.
Zu gut, Drei-Sterne-Niveau, LK 1 – „wir müssen leider draußen bleiben“
Wer Leistungsklasse 1 hat oder mehr als einen Erfolg in Klasse S*** oder höher vorweisen kann, ist raus aus dem Amateurlager – zumindest in der Disziplin, in der die Erfolge errungen wurden. Pferdewirtschaftsmeister und Pferdewirte „Klassische Reitausbildung“ dürfen grundsätzlich nicht in Amateurprüfungen starten. Es sei denn, der Berufswechsel liegt vier Jahre zurück.
Bereiter gelernt, Job gewechselt – alles Amateur, oder was?
Auf Antrag kann in solche einem Fall der Amateurstatus gewährt werden. Alles, was man braucht, ist ein Formular und ein Kreuzchen bei „Meine abgeschlossene Ausbildung zum Pferdewirt Klassische Reitausbildung ist länger als 4 Jahre her“. Des weiteren wird eine eidesstattliche Erklärung benötigt, in der bezeugt wird, dass der oder die Unterzeichende kein gewerbsmäßiges Einkommen im Pferdesektor erzielt. Diese Einstufung wird bei jeder Fortschreibung der Jahresturnierlizenz neu überprüft. Wer berechtigt ist, sie zu tragen wird im Portal Nennung Online mit dem entsprechenden Zusatz „(Amateur)“ hinter der Leistungsklasse geführt.
Wer über 1,50 Meter springt, verliert seinen Pass
International wird es noch strenger – und das betrifft speziell den Springsport. Wer als „CSI-Amateur-Reiter“ bei internationalen Turnieren antreten will, braucht eine gesonderte Lizenz, ausgestellt von der FN (hier geht’s zum Formular). Das kostet 100 Euro plus Mehrwertsteuer, FEI-Registrierung inklusive. Das Mindestalter beträgt 14 Jahre. Zwölf- und Dreizehnjährige dürfen zwar an CSIAm-Prüfungen teilnehmen, allerdings nur bis zu einer Höhe von 1,30 Metern. Die Pferde müssen mindestens sechs Jahre alt sein, bei Amateur-Championaten mindestens sieben.
Drum prüfe, wer ewig hohe Sprünge überwindet…
Und dann die Klausel, die es in sich hat: Wer im laufenden Kalenderjahr auf einem nationalen oder internationalen Turnier startet, bei dem der erste Umlauf einer Springprüfung 1,50 Meter oder mehr misst, verliert seinen Amateur-Status – sofort, für den kompletten Rest des Jahres.
Diese Aufstufung kann erst nach einer Wartezeit, in Abstimmung mit der FN, rückgängig gemacht werden. Das gehrt aber keinesfalls im selben Kalenderjahr. Wer die Amateur-Lizenz besitzt, ist bei gemischten CSI/CSIAm-Turnieren in Deutschland außerdem grundsätzlich von den übrigen CSI-Prüfungen ausgeschlossen.
Internationale Amateur-Prüfungen im Springen
International ausgeschriebene Amateurturniere gibt es in zwei Varianten: CSIAm-A mit Preisgeld, CSIAm-B ohne. Die maximale Nenngebühr pro Pferd liegt bei 1.500 Euro ohne Mehrwertsteuer – der Rest, Stallgeld, Transport, Hotel, Zollgebühren, geht ohnehin zulasten der Teilnehmenden.
Organisationen für Amateure im deutschen Turniersport
Es gibt unterschiedliche Initiativen, die sich den Amateurinnen und Amateuren besonders widmen. Viele davon sind regional organisiert. Die beiden größten Vereine, die sich im Amateurbereich auf Turnieren engagieren, sind der Amateur Springreiterclub (ASC) und die Förderkreis Amateur und Berufsreiter (FAB).


