Erster Verein im Reitsport für reine Amateure: So funktioniert der Förderkreis Amateur- und Berufsreitsport (FAB).

FAB Förderkreis für Amateur- und Berufsreitsport: seit 30 Jahren mit eigenem (Turnier-)System

Feature 07.08.2026
FAB Förderkreis für Amateur- und Berufsreitsport (FAB) Foto: acebook.com/FAB.Foerderkreis/ FAB Förderkreis für Amateur- und Berufsreitsport (FAB) Foto: acebook.com/FAB.Foerderkreis/
Amateur und Profi müssen nicht in Konkurrenz zueinander stehen. Aus diesem Gedanken heraus wurde der FAB, der Förderkreis für Amateur- und Berufsreitsport e.V., gegründet. Weit vor der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) wurde für Amateure ein komplettes Turnier-System erdacht für Springen und Dressur auf drei Leistungsniveaus. Und Trainerinnen oder Trainer werden auch ausgezeichnet.

Den FAB gibt es seit den 1990er-Jahren. Damals wurde ein eigenes Turniersystem entwickelt  – im Fokus: der Amateur mit eigener Amateurdefinition und eigenen Prüfungen in Dressur und Springen. Außerdem, und das ist die eigentliche Besonderheit, mit einer Wertung, in der die Trainerinnen und Trainer der Amateure selbst zu Gewinnern werden können. Neben dem Strahlen des Siegers kann sich seine Trainerin oder sein Trainer auch über finanzielle Anerkennung freuen. Das war neu und ist bis heute ein Alleinstellungsmerkmal des Förderkreis für Amateur- und Berufsreitsport.


Ein Amateur unterscheidet sich vom Profi weder durch Zeit, noch Geld, noch Talent


So steht es sinngemäß in den FAB-Leitlinien. Dieser Satz ist Programm. Wer beim FAB als „Nichtberufsmäßiger Turnierteilnehmer“ – so der offizielle Begriff – gilt, darf gewerbsmäßig kein Einkommen erzielen: nicht durch den Beritt fremder Pferde, nicht durch Reitunterricht, nicht durch Pferdehandel.


Strenge Regeln


Insoweit deckt sich die FAB-Definition weitestgehend mit der LPO-Amateurdefinition der FN. Ein „Nichtberufsmäßiger Turnierteilnehmer“ darf laut Amateurstatuten des FAB in der zurückliegenden Saison – vom 1. Oktober des vorletzten bis zum 30. September des letzten Jahres – mit höchstens drei verschiedenen Pferden Erfolge in der jeweiligen Disziplin erzielt haben. Wird diese Zahl überschritten, ist der Teilnehmer nicht mehr für FAB-Prüfungen berechtigt. Er oder sie müssen die Vorgabe dann erst über zwei folgende Turnierjahre wieder einhalten, ehe eine Rückkehr möglich ist. Eine Ausnahme gibt es: Wer beim eigenen Landesverband einen Antrag stellt und dort weiterhin den FN-Amateurstatus zugesprochen bekommt, wird auch vom FAB anerkannt.


Azubis dürfen zunächst beim FAB starten


Auch für Auszubildende gibt es klare Regeln: Sie gelten im ersten und zweiten Ausbildungsjahr bei höchstens Leistungsklasse 3 ebenfalls als „Nichtberufsmäßige Turnierteilnehmer“. Ihr tariflich geregeltes Ausbildungsentgelt zählt dabei ausdrücklich nicht als „schädliches Einkommen“. Noch eine Ausnahme gibt es: Wer Aufwandsentschädigungen aus einer gemeinnützigen Tätigkeit im eigenen Verein erwirtschaftet, also etwas für die (Reit-)Gemeinschaft leistet, kann dafür bis 556 Euro im Monat erhalten, ohne seinen Amateurstatus zu gefährden. Damit wird Reiterinnen und Reitern, die sich in Vereinsämtern engagieren, trotzdem der Zugang zu den FAB Turnierprüfungen freigehalten.




Was als Einkommen gilt – und was nicht


Die FAB-Amateurstatuten definieren Einkommen denkbar weit: Jedes Entgelt für Beritt oder Unterricht zählt, auch Sachbezüge. Selbst wenn das Geld an einen Dritten fließt. Wird ein Reiter unentgeltlich von einem berufsmäßigen Kollegen für dessen Beritt-Pferd eingesetzt, gilt er dabei ausdrücklich als „Nichtberufsmäßiger Reiter“. Nicht als Einkommen zählen Trinkgelder und gelegentliche, nicht an eine Gegenleistung gekoppelte Geschenke. Wer die Bedingungen im Laufe der Saison nicht mehr erfüllt, ist verpflichtet, dies dem Veranstalter und der FAB-Geschäftsstelle selbst mitzuteilen und den Start zurückzuziehen – Veranstalter dürfen bei bekanntgewordenen Verstößen disqualifizieren, müssen dem betroffenen Reiter zuvor aber Gelegenheit zur Stellungnahme geben.




L, M, S – für jede Leistungsstufe die passende Prüfung


Geritten wird beim „Ersten Großen FAB Amateur-Cup“, der FAB-Turnierserie mit verschiedenen Stationen, in den beiden Disziplinen Dressur und Springen, jeweils in den Klassen L, M und S. Das Prinzip: Wer sich als Amateur in seiner Leistungsklasse mit anderen Amateuren misst, statt gegen Berufsreiter oder hocherfolgreiche Vielstarter mit vier und mehr Turnierpferden anzutreten, hat eine realistische Chance auf Ehrenpreis und Platzierung.


Aus den Qualifikationsergebnissen errechnet sich eine laufende FAB-Serienwertung: Sieger einer Prüfung erhalten 35 Punkte, der Zweite 32, der Dritte 30 – von dort an wird in Zweierschritten weitergerechnet. Jede Teilnehmerin oder jeder Teilnehmer bekommt dabei nur die Punktzahl seines bestplatzierten Pferdes gutgeschrieben, weitere platzierte Pferde desselben Reiters werden aus der Wertung gestrichen und die nachfolgenden Teilnehmerinnen oder Teilnehmer rücken nach. Punkte sammeln kann grundsätzlich nur, wer FAB-Mitglied oder Probemitglied ist – platzierte Reiter ohne FAB-Mitgliedschaft werden für die Wertung schlicht so behandelt, als wären sie nicht platziert worden.


Am Ende der Qualifikationsserie stehen Landesfinals und ein bundesweites Finale, zu denen sich die besten Amateure nach Rangliste qualifizieren. Die Ergebnisse einer Qualifikation muss dabei kein Teilnehmer selbst nachmelden – die Veranstalter übermitteln sie automatisch an den FAB-Ergebnisdienst.


Wenn der Trainer mitgewinnt


Die eigentliche Besonderheit des FAB-Systems liegt jedoch nicht bei den Reitern, sondern bei deren Ausbildern. „Reiter lassen ihre Trainer siegen“, hat sich der FAB auf seine Fahne geschrieben. Mit jeder gewonnenen Prüfung erhält der Trainer des siegreichen Reiters oder der siegreichen Reiterin eine Anerkennung von 50 Euro, der Trainer des Zweitplatzierten 30 Euro, der des Drittplatzierten 20 Euro.


Je „wertiger“ das Turnier, desto mehr Anerkennung für die fürs Training Verantwortlichen


Bei den FAB-Landesmeisterschaften in Dressur und Springen der Klassen L, M und S steigen die Beträge: 300 Euro für den Trainer des Landesmeisters, 200 Euro für den des Landes-Vizemeisters, 100 Euro für den des Drittplatzierten. Die höchste Stufe erreichen die Bundesfinals des „Ersten Großen FAB Amateur-Cups“: Es wird vierstellig! Der Trainer des FAB-Meisters erhält 1.000 Euro. Wenn der Schützling Vizemeister wird, gibt‘s 500 Euro. Und für die Bronzeposition in der Bundeswertung sind es immerhin noch 250 Euro für Trainerin oder Trainer. Hat ein Reiter keinen FAB-Trainer angegeben, verfällt das Preisgeld ersatzlos.


Trainerinnen oder Trainer müssen im FAB Mitglied sein


Damit ein Trainer überhaupt an dieser Wertung teilnehmen kann, muss er selbst FAB-Mitglied sein. Im FAB-Universum gelten er oder sie dann automatisch als „Profi“ und dürfen im Gegenzug selbst keine Cup-Punkte im Sattel sammeln. Voraussetzung für die Auszahlung ist außerdem eine unterschriebene Trainererklärung sowie ein Nachweis der fachlichen Mindestqualifikation: ein Trainer-C-Schein oder eine abgeschlossene Berufsausbildung im Pferdesport.


Wechselt ein Reiter während der Saison den Ausbilder, ist auch das klar geregelt: Der Trainerwechsel muss der FAB-Geschäftsstelle schriftlich mit Namen des alten und neuen Trainers sowie des betroffenen Pferdes mitgeteilt werden, gewertet wird nach dem Eingangsdatum bei der Geschäftsstelle.




Was der FAB kostet



  • Jahresbeitrag Vollmitglied (ab 01.01.2026): 95 Euro

  • Jahresbeitrag reduziert (Jugendliche bis 18 Jahre automatisch, ab 18 Jahren mit Schüler-/Studenten-/Azubi-Nachweis): 70 Euro

  • Aktivenbeitrag L-Serie: 25 Euro*

  • Aktivenbeitrag M-Serie: 50 Euro*

  • Aktivenbeitrag S-Serie: 75 Euro* *fällig bei Abgabe der ersten Nennung der jeweiligen Serie, einmalig pro Kalenderjahr

  • Probemitgliedschaft: 40 Euro einmalig pro Kalenderjahr (wird bei Umwandlung in eine ordentliche Mitgliedschaft im selben Jahr angerechnet)

  • Trainer-Vollmitgliedschaft: 85 Euro pro Kalenderjahr




Probemitglieder können an drei FAB-Qualifikationen unabhängig vom eigenen Landesverband teilnehmen und sammeln dabei „Schattenpunkte“, die bei Umwandlung in eine ordentliche Mitgliedschaft in reguläre Serienpunkte umgewandelt werden. Eine Probemitgliedschaft steht ausschließlich Reiterinnen und Reitern offen, die zuvor noch nie Probe- oder ordentliches FAB-Mitglied waren.


Der FAB-Trainerpreis auf einen Blick































Ebene1. Platz Trainer2. Platz Trainer3. Platz Trainer
Einzelne FAB-Qualifikation50 €30 €20 €
FAB-Landesmeisterschaft (L, M, S)300 €200 €100 €
FAB-Bundesfinale1.000 €500 €250 €

Voraussetzung: Der Trainer ist FAB-Mitglied und hat eine gültige Trainererklärung samt Qualifikationsnachweis (Trainer-C-Schein oder abgeschlossene Berufsausbildung) bei der Geschäftsstelle eingereicht.


Bundesweit organisiert, regional verwurzelt


Anders als die Landesverbände der FN-Struktur organisiert sich der FAB nicht über eigene Regionaleinheiten mit festen Gebietsansprechpartnern, sondern zentral über seine Geschäftsstelle in Bergisch Gladbach. Dabei wird eng mit den bestehenden Landesverbandsstrukturen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung kooperiert.


Das Herz liegt im Rheinischen


Formal ist der FAB Anschlussverband des Landesverbandes Rheinland und Mitglied im Deutschen Reiter- und Fahrerverband (DRFV). Auf Partnerebene kooperiert er zudem mit dem Bayerischen Reiter- und Fahrerverband sowie mit dem Pferdesportverband Rheinland, über die auch ein Teil der Qualifikationsturniere läuft.


Ich möchte eine FAB-Qualifikation ausrichten – was muss ich tun?


Wer als Veranstalter selbst eine FAB-Qualifikation ausrichten möchte, kann sich unabhängig vom Landesverband direkt bei der Geschäftsstelle bewerben – der FAB unterstützt die Turniere mit Ehrenpreisen und, bei reinen FAB-Prüfungen ohne externe Amateur-Konkurrenz, zusätzlich mit Zuschüssen zum Preisgeld: 100 Euro je Abteilung in Klasse L, 150 Euro in Klasse M, pauschal 300 Euro in der Dressur-Klasse S und 500 Euro im Springen der Klasse S.


Vom Nischenprojekt zum bundesweiten Verband


Die Wurzeln des FAB reichen gut 30 Jahre zurück. Gegründet wurde der Förderkreis von Wolfgang Maus und Martin Meister – beide sind dem Verein bis heute als Ehrenmitglieder verbunden, gemeinsam mit Sylvia Geuss-Kierdorf, Ingrid Baruch und Erhard Pott.


Die Überzeugungsarbeit gegenüber Landesverbänden und FN, welche Relevanz die Idee einer eigenständigen Amateurförderung war, kostete einen langen Atem: Das ginng nicht ohne Reibung. Zeitweise stand der Fortbestand des Vereins sogar zur Debatte.


Impulse von FAB in den „normalen“ Reitsport


Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im November 2017 stand eine mögliche Liquidation des Vereins im Raum. Die Mitglieder wollten aber weitermachen und es kam zu einem personellen Neuanfang. Auch neue Ideen wurden umgesetzt, beispielsweise die Präzisionszeitprüfung im Springen – mittlerweile LPO-konform als Springprüfung mit Idealzeit nach § 535 der Leistungsprüfungsordnung (LPO). Auch ein Pilotprojekt mit Para- und Regelsport-Amateuren gemeinsam in einer Prüfung wurde ausprobiert. Nicht zuletzt reklamiert der Verein auch die Aufnahme des Begriffs „Amateur“ in die LPO als eigenen Erfolg jahrelangen Drängens seitens des FAB.




FAB-Geschäftsstelle


FAB e.V. Postfach 10 01 01 51401 Bergisch Gladbach


Tel.: 02204 424794 oder 0176 34655494 Fax: 02204 424793 E-Mail: office@fabev.de Web: www.fabev.de Instagram: @fabev_


Telefonische Sprechzeiten: Montag und Mittwoch 9–11 Uhr, Dienstag und Donnerstag 14–16 Uhr


Wichtige Formulare zum Download





Was können die reitenden Amateure für den Reitsport machen?


EQUI PAGES widmet dem Amateursport in den drei olympischen Disziplinen eine ausführliche Serie mit Hintergrundinformationen. Dabei wollen wir das Geschehen in Deutschland beleuchten, einen Blick in andere Länder und deren Umgang mit Amateuren im Reitsport betrachten und am Ende in einem Live Event die Frage klären, welchen Beitrag Amateurinnen und Amateure leisten können, um den Pferdesport proaktiv zu gestalten. Gerade auch angesichts öffentlicher Diskussionen lautet deswegen der Gedanke: „Reitsport in der Krise – und was wir dagegen tun




 


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