
Wie schön kann ein Pferd sein? Justin Verboomens Zonik Plus. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Er sagt es nicht nur, er lebt es – Justin Verboomen geht es nicht in erster Linie um Prozente und Platzierungen, ihm geht es um das Gefühl mit seinem Pferd. Ein Sieg, der sich im Sattel nicht wie ein Sieg anfühlte, ist nichts wert. „Das Gefühl ist mir wichtiger als das Gewinnen“, sagt er. Er sucht die Harmonie, die Einheit mit seinem Pferd. Das ist das Geheimnis seines Erfolges. Im Sattel seines bildschönen Hengstes Zonik Plus hat er die Dressurwelt aufgemischt, wurde mit ihm zweifacher Europameister in Crozet, hat im ersten Anlauf den großen Dressurpreis von Aachen gewonnen. Plötzlich ist Belgien eine Dressurnation. Das liegt an Verboomens Reiterei, aber vor allem auch an seinem besonderen Pferd. So dachte man. Bis er im vergangenen Winter den Don Juan de Hus-Sohn Djembe de Hus von null auf hundert zu einem der interessantesten Pferde der ganzen Hallensaison machte.
Zonik Plus ist ein Showman, Djembe de Hus wirkte (inzwischen ist er verkauft, was von Anfang an geplant war) dagegen wie Verboomen selbst – voller Talent, aber zu schüchtern, um es zu zeigen. Wenn Verboomen mit Zonik Plus im Viereck tanzt, hat man den Eindruck, es ist das Talent des Pferdes, das alles überstrahlt. Wenn er Djembe de Hus vorstellte, war klar, dass es Verboomens Talent war, das diese Leistungen ermöglicht hat – der Fuchs voller Unsicherheit und Zweifel, sein Reiter voller Gefühl, wie viel er fordern darf und wann er Djembe de Hus Zeit lassen muss. Das zu sehen war geradezu eine Offenbarung. Noch viel mehr als mit dem Schwarzen. Es gab einem den Glauben daran zurück, dass Höchstleistungen im Viereck auch MIT dem Pferd und FÜR das Pferd möglich sind. Man darf wohl sagen, Justin Verboomen hat der Dressur für alle sichtbar das Klassische Moment zurückgegeben. Das kommt nicht von ungefähr.
Der 1987 geborene Justin Verboomen ist mit Pferden großgeworden. Schon sein Vater war Ausbilder, spezialisiert auf iberische Pferde, PREs und Lusitanos, geprägt durch Ikonen wie Nuno Oliveira. Das hat Justin Verboomens Arbeit geprägt. Er sagt: „Ich bin echt dankbar und glücklich, dass ich diese Pferde reiten konnte. Denn in der Regel sind sie körperlich nicht so stark wie Warmblüter. Man muss also wirklich auf ihre Psyche und aufpassen, dass man sie nicht überfordert. Man muss Wege finden, ihnen eher zu helfen, als nur zu fordern.“
Die Arbeit mit sensiblen Pferden wie Djembe de Hus, sie dazu zu bringen, loszulassen, sich zu entspannen und dadurch ihr Potenzial entfalten zu können, das sei es, was er am Reiten genießt. Das sieht man nicht nur, das spürt man, wenn man den Belgier reiten sieht. Dabei arbeitet er heute weitgehend allein. Lediglich bei der Ausbildung von Zonik Plus hatte er etwas Hilfe durch die Deutsche Claudia Kicheiss, von der Verboomen sagt, sie sei weder eine professionelle Reiterin noch Trainerin. Aber sie habe ein untrügliches Auge, geschult durch endlose Stunden, in denen sie Reiter und Pferde beobachtet hat, live und via ClipMyHorse.
Ob professionell oder nicht, bei Zonik Plus hat sie jedenfalls einen „guten“ Job gemacht. Der Rappe ist ein Rheinländer, ein Sohn des Zonik aus einer Mutter v. Hohenstein-Donnerhall, gezogen in Portugal. Dort hat Justin Verboomen ihn entdeckt. Eigentlich war er auf der Suche nach einem Lusitano, der das Potenzial hat, sportlich oben mitzumischen. Aber er fand kein Pferd, bei dem es „Klick“ gemacht hätte, auch nicht in Portugal. Er sei einigermaßen frustriert gewesen, als er nach weiterer vergeblicher Besichtigungstour mit Bekannten in einem Restaurant saß und sie sich über den Tag unterhielten. Ein Tischnachbar hörte das Gespräch und sagte, er wüsste vielleicht, wo er ein Pferd finden könnte, wie er es suchte. Verboomen gab der Sache eine Chance – und fand Zonik Plus. Der Beginn einer großartigen Geschichte, die noch lange nicht auserzählt ist.