
Cathrine Laudrup-Dufour. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Roskilde ist weit über Dänemark bekannt für sein Festival. Von David Bowie mit zu den Rolling Stones haben sich Superstars aus Pop und Rock hier die Ehre gegeben. In der Nähe des Städtchens bei Kopenhagen, in Hvalsø, kam am 2. Januar 1992 Cathrine Laudrup-Dufour zur Welt. Ihre Eltern Mona und Peter Dufour betrieben ein Unternehmen für industrielle Reinigung. Pferden spielten in der Familie zunächst keine Rolle. Das änderte sich, als eine Freundin die Fünfjährige mit zur Reitschule nahm. Und – bämm! – der Pferdevirus zuschlug.
Mit zwölf Jahren gehörte Cathrine bereits dem dänischen Ponykader an. Im Sattel von Moonlight sammelte sie erste internationale Erfahrung und Meriten. Rune Willum war der erste Trainer in den frühen Jahren. Der wollte zunächst keine Ponyreiterin unterrichten. Aber die Familie blieb hartnäckig.
Der Schwede Aithon war das Pferd, das sie im Juniorensport begleitete. Das Paar gewann Medaillen bei dänischen und Europameisterschaften der Junioren und Jungen Reiter. Nach der Schule begann Cathrine ein Studium der Freizeit- und Sportmanagement am University College Zealand, das sie nach einem Jahr zugunsten des Sports wieder aufgab.
Im Frühjahr 2010 probierte die 17-Jährige einen siebenjährigen Dänischen Warmblüter aus, dessen ursprünglich geplanter Verkauf geplatzt war: Atterupgaards Cassidy v. Caprimond. Kaum jemand traute dem Wallach damals eine Grand-Prix-Karriere zu. Cathrine bewies das Gegenteil. Der Weg mit Cassidy führte über Erfolge bei Junioren- und Jungen-Reiter-Europameisterschaften direkt in die Weltspitze der Senioren. Und dort sogar auch aufs Treppchen – beinahe ein modernes Märchen.
2016 debütierte das Paar in Rio de Janeiro bei Olympischen Spielen, Platz 13 in der Einzelwertung. Es folgten die Europameisterschaften 2017 in Göteborg, wo Cathrine mit Cassidy Bronze in der Einzelwertung und Silber mit der Mannschaft gewann, und 2019 in Rotterdam erneut Bronze in der Einzelwertung im Grand Prix Special. Cassidy, „mein Herzenspferd“, ist nicht nur das prägende Pferd ihrer Karriere, er ist nach wie vor die absolute Nummer eins im Stall der Dänin auch nach der sportlichen Pensionierung.
Mit Bohemian ging es bei den coronabedingt verschobenen Olympischen Spielen 2021 in Tokio weiter: Rang vier in der Einzelwertung, Rang vier mit der Mannschaft. Den nächsten, entscheidenden Karrieresprung markierte dann der Westfale Vamos Amigos v. Vitalis. Mit ihm führte Cathrine Laudrup-Dufour Dänemark 2022 bei der Weltmeisterschaft in Herning zu Mannschafts-Gold, dazu kamen zwei Silbermedaillen in der Einzelwertung. Beim Weltcupfinale desselben Jahres in Leipzig wurde das Paar Zweiter.
2023 verfügte Cathrine Laudrup-Dufour über kein geeignetes Championatspferd. Bohemian war verkauft in die USA, Vamos Amigos an die Britin Anabella Pidgley. Ausgerechnet aus Großbritannien kam in diesem Moment die Rettung. Braun, Hannoveraner, championatserfahren: Mount St John Freestyle, die zuvor unter Charlotte Dujardin, unter anderem bei den Weltreiterspielen 2018 in Tryon am Start war. Bei der Europameisterschaft 2019 in Rotterdam war das Paar disqualifiziert worden wegen Bluts am Sporn. Bis 2021 war die Fidermark-Tochter noch mit Dujardin international am Start. Dann trennten sich die Wege der beiden.
Gemeinsam mit ihren langjährigen Sponsoren, der Familie Zinglersen, übernahm Cathrine im Oktober 2023 einen hälftigen Anteil an der damals 14-jährigen Hannoveraner Stute. Die ersten zwei Turnierstart zeigten: das passt! Im Dezember 2032 in Kronenberg debütierten die beiden mit über 80 Prozent. Auch in Herning im März 2024 siegten sie zweimal mit Noten jenseits der 80 Prozent. Und dann kam schon Paris, die Olympischen Spiele vorm Schloss von Versailles.
Dort ritt Cathrine Laudrup-Dufour mit Freestyle im Grand Prix die zweitbeste und im Grand Prix Special die höchstbewertete Runde aller Teilnehmer. Dieser Ritt sicherte Dänemark Mannschafts-Silber, beinahe wäre es Gold gewesen. In der Kür reichte es „nur“ zu Rang fünf – die Stute wirkte an diesem Tag sichtlich matt.
2025 knüpfte das Paar an seine Erfolge an, auch auf Championatsebene: Bei der Europameisterschaft in Crozet gewann Cathrine mit dem dänischen Team Bronze, dazu kamen zwei Silbermedaillen in der Einzelwertung, im Grand Prix Special und in der Kür.
Cathrine Laudrup-Dufour bestreitet im Vergleich zu vielen Konkurrentinnen deutlich weniger Turniere im Jahr. Für die Weltrangliste, die sie seit 2025 immer wieder angeführt hat, reicht diese ausgesuchten Start aber aus. Trainiert wird sie seit vielen Jahren von Kyra Kyrklund und Prinzessin Nathalie zu Sayn-Wittgenstein.
Cathrines Familie stammt aus dem Umland von Kopenhagen. Auch heute lebt sie mit ihrer Frau Rasmine Laudrup-Dufour auf einer kleinen Reitanlage in der Nähe des nördlich der Hauptstadt gelegenen Fredensborg. Rasmine, selbst Amateur-Springreiterin, ist die Tochter des früheren Fußballprofis Brian Laudrup, der in Dänemark ein Superstar war.
Die beiden lernten sich 2019 beim CDI-W in Herning kennen, heirateten im Dezember 2023 auf Schloss Kokkedal bei Kopenhagen und wurden im Mai 2025 Eltern einer gemeinsamen Tochter, Palma Laudrup-Dufour. Cathrine ist im Pferdesport eine der sichtbarsten Fürsprecherinnen für die LGBTQ+-Community – nicht zuletzt durch ihre eigene, 2023 erschienene Biografie „Passage“, in der sie auch über den Weg zu sich selbst schreibt.
Sie ist regelmäßig Gym und zeigt ihrer Community gern, dass Erfolg in der Dressur nicht nur im Sattel eine schweißtreibende Angelegenheit ist. Und das noch vor dem Frühstück!
Auch geschäftlich läuft es gut bei Cathrine Laudrup-Dufour: eigene Trainingsvideos, eine eigene Modelinie gemeinsam mit Rasmine, dazu ein Instagram-Account, der zum festen Bestandteil ihres Alltags gehört. Markenzeichen: der tägliche Barista-Moment des Morgenkaffees.