
Christoph Wahler und Carjatan S beim Vetcheck bei den Olympischen Spielen in Paris 2024. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Christoph Wahler ist Hengsthalter in dritter und Buschreiter in zweiter Generation. Als viertes Kind von Burkhard und Ingrid Wahler kam Christoph, „Chrischi“, nicht umhin, sich mit Pferden quasi von der ersten Sekunde seines Lebens an zu umgeben. Auf dem Klosterhof Medingen bei Bad Bevensen in der Lüneburger Heide, dem Sitz der Familie Wahler, lautet das Geschäftsmodell lange schon Hengsthaltung und Pferdeverkauf.
Christophs Großvater Eugen Wahler, kein Ostpreuße, sondern Niedersachse, aber einer mit dem Faible fürs Trakehner Pferd, hatte den niedersächsischen Hof mit seinem roten Klinker und dem charakteristischen Fachwerk 1960 erwerben können. Zunächst züchtete er dort Trakehner Pferde. Später baute er die erste private Hengstleistungsprüfungsanstalt Deutschlands hier auf. Und er kümmerte sich auch um die Vermarktung von Pferden, vorwiegend junger Trakehner Pferde. Als Auktionsleiter kooperierte er lange mit dem Trakehner Verband zusammen. Damals übrigens mit der im Frühjahr 2026 verstorbenen bekannten Pferdejournalistin Donata von Preußen als Assistentin der Geschäftsleitung.
Auch als Hengstaufzüchter feierte Eugen Wahler Erfolge. Und er züchtete auch bedeutende Hengste, Stuten und Sportpferde. Sein Sohn Burkhard, Christophs Vater, wurde im Sattel von Prätorius v. Brandy xx, einem Wallach aus der Zucht seines Vaters, 1986 deutscher Meister in der Vielseitigkeit. Der Wallach, der aus Eugen Wahlers Lieblingsfamilie, der der Peraea stammte, diente später noch als Lehrpferd und verhalf der nächsten Generation von Wahler Kindern in den Sattel.
Während Christophs älterer Bruder Caspar eher dem Fu0ßball zugeneigt war und sehr gut mit Zahlen umgehen kann – er arbeitet im Finanzsektor in London – waren die beiden Schwestern häufiger im Stall. Theresa, Mannschafts-Europameisterin der Jungen Reiter und Trägerin des goldenen Reitabzeichens für Dressurerfolge bis Siege in Grand Prix, und Isabell, die auch an Junioren-Europameisterschaften in der Vielseitigkeit erfolgreich teilgenommen hat, sind von Anfang an mit dem Pferdevirus infiziert. Dass das jüngste der vier Wahler Kinder einmal den Klosterhof übernehmen würde, zeichnete sich spätestens ab, als Christoph im Vielseitigkeitssport seine ersten internationalen Erfolge feiern konnte.
1987 ersteigerte Burkhard Wahler den Trakehner Reservesiegerhengst Caprimond, der sich als Stempelhengst herausstellen sollte. Seine lebensgroße Bronzestatue grüßt die Besucher auf dem Klosterhof. Unter der Ägide von Burkhard Wahler kamen aber auch Hengst anderer Populationen in den Hengststall des Klosterhofs. Der berühmteste ist sicherlich De Niro. Der Donnerhall-Sohn, den Burkhard Wahler gemeinsam mit seinem Studienfreund Tönne Böckmann 1995 beim Hengstmarkt in Verden ersteigert hatte, hat Zeit seines Lebens auf dem Klosterhof gedeckt.
Er führte über mehrere Jahre lang die Weltrangliste der besten Dressurpferdevererber an. Bei den Olympischen Spielen in London 2012 stellte er die meisten Nachkommen im Dressurviereck. Einige davon kamen mit Edelmetall von den Olympischen Spielen wieder nach Hause.
Zu diesem Zeitpunkt war die Hengstleistungsprüfungsanstalt schon Geschichte. Der Fokus lag nun ausschließlich auf Hengsthaltung und Pferdehandel.
Im Jahr 2020 übernahm mit Christoph Wahler die dritte Generation den Klosterhof Medingen.
„Chrischi“ Wahler nahm zweimal an Junioren- und dreimal an Europameisterschaften der Jungen Reiter teil. In dieser Altersklasse gewann er zwei Silbermedaillen mit der Mannschaft und die Bronzemedaille in der Einzelwertung 2015 im Sattel des Iren Green Mount Flight.
Nach dem Abitur verließ Christoph Wahler den Klosterhof, um an der Bundeswehrsportschule in Warendorf die Ausbildung zum Pferdewirt zu absolvieren. Parallel studierte er ein paar Semester Landwirtschaft. Anschließend konnte er im Rahmen eines fünfmonatigen Praktikums im Stall des schwedischen Springreiters Rolf-Göran Bengtsson Einblicke in den internationalen Springsport erlangen.
Seinen internationalen Durchbruch im Seniorenlager feierte Christoph Wahler mit dem Holsteiner Carjatan S. Im Jahr 2019, gerade 25 Jahre alt, war er in Luhmühlen bei der Europameisterschaft als Einzelreiter am Start und wurde 20. Zwei Jahre später lief es noch besser: In Avenches in der Schweiz ritt er 2021 den imposanten Holsteiner als Einzelreiter auf Platz sieben bei der EM. Seinen bisher größten Erfolg feierte er im Jahr 2022, als er mit der deutschen Mannschaft im italienischen Pratoni del Vivaro Mannschaftsweltmeister wurde. Im Folgejahr war er bei der Europameisterschaft in Haras du Pin in Frankreich am Start, wo er den undankbaren vierten Platz in der Einzelwertung erreichte. Mit der Mannschaft gab es die Silbermedaille, ein Trost für das verpasste Podium.
Im Folgejahr wurde das Paar dann für die Olympischen Spiele in Paris nominiert. Dort verlor der Schimmel nach ungefähr der Hälfte der Strecke nach einem Tiefsprung, die Beine und Wahler verließ unfreiwillig den Sattel. Damit war die Mannschaft leider nicht mehr vollständig. Das Springen am kommenden Tag konnte Christoph Wahler aber dennoch reglementgemäß reiten und lieferte eine Nullrunde.
Nach den Spielen vorm Schloss von Versailles ging Carjatan S in sportliche Frührente. Er dient jetzt als Lehrpferd für Justus von Paepcke. Mit Familie von Paepcke verbindet Familie Wahler nicht nur eine freundschaftliche Beziehung seit Jahrzehnten, sondern sie sind es auch, denen Christoph sein nächstes Championatspferd, verdankt: D’Accord FRH, Hannoveraner v. Diarado, den Christa von Paepcke in Bredeneek im Holsteinischen aus einer Aarking xx-Mutter gezogen hat. Ihn hat Christoph Wahler schon in Fünf-Sterne-Prüfungen an den Start gebracht. In Lexington waren die beiden 2024 Neunte, in Badminton 2025 Siebte.
D’Accord gewann nach einer Verletzungspause Anfang 2026 die letzte Sichtung für die Weltmeisterschaft in Aachen, die in Avenches (SUI) ausgetragen wurde. Wochen zuvor war er bei seinem Comeback Dritter der Deutschen Meisterschaften in Luhmühlen geworden.
Der Hannoveraner ist das wahrscheinlich größte Vielseitigkeitspferd, das im internationalen Sport an den Start geht. Er ist bekannt dafür, nahezu immer in die Zeit zu kommen, beziehungsweise nur wenige Sekunden mehr als die Optimum Time zu benötigen. Das macht ihn wichtig für jede Mannschaft.
Seit Ende 2025 steht auf dem Klosterhof noch ein weiteres Vier-Sterne-Pferd: Der französische Schimmel Gainsbourg de Bedon v. Mylord Carthago, mit dem Wahler in Avenches 2026 Dritter wurde.
Christoph Wahler kennt übrigens Aachen und Weltmeisterschaften: Denn in einem großen Schaubild, das bei der Weltmeisterschaft 2006 in der Aachener Soers von den deutschen Zuchtverbänden gestaltet wurde, war er mit seinem Vater dabei. Mit dem Trakehner Hengsten Caprimond und dessen Sohn Hohenstein zählten Sie zu den erklärten Publikumslieblingen in der großen Hengstquadrille. Christoph war damals gerade zwölf Jahre jung.
Langeweile ist ein Begriff, der im Wahler‘schen Wortschatz keinen Platz hat. Christoph Wahler ist nicht nur Hengsthalter, sondern organisiert auch jährlich eine Reitpferdeauktion und mehrere Fohlenauktionen. Dazu ist er auch noch Turnierveranstalter auf dem Klosterhof. Und weil offensichtlich immer noch Kapazitäten bestanden, nimmt er sich seit 2025 auch noch als Nationaltrainer der indonesischen Vielseitigkeitsreiter an. Die Reiterinnen und Reiter aus Fernost wollen sich unter Anleitung des Mannschaftsweltmeisters und Olympiareiters auf größere sportliche Ziele vorbereiten.
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