Bundeschampionat der fünfjährigen Dressurpferde 2026 an Viva Weltina

Viva Weltina mit „Reitkultur auf allerhöchstem Niveau“ zum Bundeschampionatstitel

Zucht
Symbolfoto Dressur Bundeschampionat.
Foto: Mirka Nilkens Symbolfoto Dressur Bundeschampionat. Foto: Mirka Nilkens
Der Titel beim Bundeschampionat der fünfjährigen Dressurpferde 2026 ging nach Hannover, an die Zweitplatzierte der Qualifikation.

Das war die Hannoveraner Fuchsstute Viva Weltina v. Viva Gold-Dante Weltino aus der Zucht von Marietta Kappelhoff-Dorenkamp, im Besitz von Ralf Hartmann und mit Carola Koppelmann im Sattel.


In Sachen Farbe und Abzeichen kommt die Stute ganz nach dem Papa, hat aber viel mehr körperliche Substanz, steht über viel Boden und kann sich so bereits jetzt sehr gut ausbalancieren, auch im Außengalopp.


Viva Weltina verfügt über drei gleichmäßig gute Grundgangarten, die sie heute in großer Natürlichkeit zeigte. Sie ließ sich bereits sicher in Richtung Versammlung zurückführen und überzeugte auf der anderen Seite auch mit Schub und Go in den Verstärkungen. Besonders der zweite einfache Wechsel war ein Highlight.


Kleine Abers: Der Übergang vom Galopp in den Trab bei C war etwas stockend und das anschließende Zügel aus der Hand kauen lassen hätte etwas mehr Dehnung zur Hand hin vertragen. Aber ansonsten – Nicole Nockemann übersetzte die Wertnoten für die Richter mit einem Kommentar, und der positiver kaum hätte ausfallen können.


Kommentierung der Wertnoten


Schon Nockemanns einleitender Satz ließ erahnen, wohin die Reise geht: „Das war eine Vorstellung, die glaube ich noch häufig in Schulungen vorkommen wird, weil die verbindet so genau das, was wir hier sehen wollen: Reitausbildung, Harmonie, Vertrauen, Mentalität.“


Die Kommentierung der Einzelnoten begann sie stets mit dem Trab. Hier lobte sie bei Viva Weltina die Kombination aus „ein so hohes Maß an Natürlichkeit mit sportlichem Engagement aus einer sicher getragenen Hinterhand“.  Die Stute habe eine „unglaubliche Bereitschaft, Last aufzunehmen für die Volten“ gezeigt, die sie dann wiederum „richtig zelebriert durch die Wendungen“ vorgetragen hat. Nockemann: „So wollen wir, dass junge Pferde traben. Das muss zu einer besonderen Wertung führen – 9,6.“


Zum Schritt sagte sie: „Unbeeindruckt von äußeren Einflüssen, sehr losgelassen, da vielleicht für die allerhöchsten Bewertungen etwas mehr Schulterfreiheit und dann auch das Überfußen auf der gleichen Seite zeigen. Aber, und das ist das allerwichtigste, wir wollen, dass die Pferde mit dem ganzen Körper Schritt gehen. Das hat das Pferd gezeigt, 8,6.“


Den Galopp beschrieb Nicole Nockemann als „metronomartig“, wo sich ein Sprung an den anderen reiht. Und auch hier hob sie die Bereitschaft, Last aufnehmen hervor und die Möglichkeiten, die sich darauf für den Außengalopp ergeben. Zudem habe die Stute zugelegt „in der Fähigkeit, das Tempo die ganze lange Seite in der Geraderichtung durchzuhalten“. Auf der anderen Seite seien die einfachen Wechsel mit ganz viel Losgelassenheit in beiden Übergängen und mit einer „direkt klaren Schrittphase“ gelungen. Wertnote: 9,3.


Das alles schlug sich auch den letzten beiden Teilnoten wieder. „Bei der Durchlässigkeit blieben keine Wünsche offen. Das war Reitkultur auf allerhöchstem Niveau. Vielleicht beim Zügel aus der Hand kauen lassen den Ganaschenwinkel ein ganz kleines bisschen mehr öffnen, aber hier sind wir ganz nah am Optimum, 9,7 für die Durchlässigkeit.“


Zusammen mit 9,5 für den Gesamteindruck ergab das ein Endergebnis von 9,34.


Da Viva Weltina erstes Pferd nach der kurzen Pause im Finale war, wusste Carola Koppelmann es noch nicht, aber sie und ihre Fuchsstute, die seit Beginn dieser Saison zusammen auf Turnieren unterwegs waren, hatten gerade den Ritt zum Titel der fünfjährigen Dressurpferde beim Bundeschampionat 2026 gezeigt.


Wieder Silber für Benjamin Franklin


Bereits vierjährig gewannen der Celler Landbeschäler Benjamin Franklin und Gestüterin Janina Tietze Silber bei den Reitpferdehengsten in Warendorf. Nun wurde der Bon Vivaldi-Royal Blend-Sohn aus der Zucht von Wilhelm Kamps erneut Zweiter. In der Qualifikation hatten er und Tietze die Nase noch vor Viva Weltina gehabt. Doch heute sahen die Richter den elastischen Braunen hinter der Stute.


Auch bei Benjamin Franklin gefiel die Natürlichkeit der Bewegungen in der Trabtour und das gut herangeschlossene Hinterbein, mit dem der Hengst immer ins Bergauf arbeitete. Er floss von einer Lektion zur nächsten, ob in den Wendungen, im Arbeitstempo, versammelt oder im Mitteltrab. Dabei war Janina Tietze immer wieder bemüht, sein Genick oben zu halten und die Nase vor die Senkrechte zu bekommen. Da schaute man gerne zu.


Im Schritt hätte man sich ein noch weiteres Durchfußen gewünscht. Das Angaloppieren am Ende der Diagonalen war etwas verwischt mit ein paar Trabtritten, die Galoppade selbst dann aber wieder sehr deutlich ins Bergauf und mit gutem Durchsprung vorgetragen. Auch zeigte er Hengst bereits eine deutliche Versammlungsbereitschaft und flog im Mittelgalopp nur so die lange Seite herunter. Der Außengalopp auf der rechten Hand war im Durchsprung nicht ganz gleichmäßig, aber das Zügel aus der Hand kauen lassen zum Schluss gelang noch einmal sehr schön ausbalanciert und mit Dehnung.


Kommentar und Wertnoten


Es dauerte, bis die Noten verkündet wurden. Aber dann legte Nicole Nockemann los und fing direkt an, von der „unglaublich tollen, ausdrucks- und kraftvollen“ Trabtour zu schwärmen. „Das Pferd will arbeiten und zeigt diesen Ausdruck – den Ausdruck, dass das Pferd leistungsbereit ist und dass das mit der Energie gesteigert wird. Das ist nahe am Ideal.“ Dass es nicht die 10,0 wurde, erklärte Nockemann mit einem „ganz geringen“ Ausweichen in der Volte rechts. Die Gesamtnote daher heute 9,7.


Zum Schritt sagte sie, die Richter könnten attestieren, dass das Pferd direkt losgelassen und auch fleißig durch den Körper geschritten ist. Für die absolute Höchstnote hätte es „noch mehr Schulterfreiheit und Überfußen“ gebraucht. Aber 8,8 ist ja auch eine hohe Note.


Im Galopp sahen die Richter „sehr viele perfekte Kriterien“ – der Mittelgalopp an der langen Seite ins Bergauf. Eine 9,6 gab es für den Galopp. Das nicht ganz sichere Gleichmaß im Außengalopp rechts nahmen die Richter mit in die Durchlässigkeitsnote von 8,8. Hier lobte Nockemann Energie und Eifer, aber neben dem Außengalopp rechts bemängelten sie auch eine Taktunsicherheit im ersten einfachen Wechsel nach besagtem Außengalopp rechts – beides wichtige Kriterien in der Klasse L, so dass es diesmal keine 9 wurde.


Dafür war der Gesamteindruck 9,5 für „einen absoluten Spitzensportler auf dem richtigen Weg mit dem richtigen Mindset“, so Nockemann.


Bronze an den schönen Schwarzen


Bronze ging gleich an das erste Pferd der Prüfung, den wunderschönen westfälischen Rappen Le Noir, ein Sohn des Nürnberger Burg-Pokal Siegers Life Time aus einer Desperados-Mutter. Gezogen wurde Le Noir von Antonius Richter, Besitzer ist die Domus Equus Niedner SC, im Sattel sitzt seit Beginn seiner Turnierkarriere im vergangenen Jahr mit ersten Reitpferdeprüfungen die in Luxemburg beheimatete Französin Justine Ludot.


Vor drei Wochen waren Ludot und Le Noir auch bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde am Start gewesen. Hier ging der Rappe ein bisschen unter. Dabei besticht der Hengst mit drei guten Grundgangarten, die von großer Natürlichkeit geprägt sind, einem eifrigen Hinterbein, das auch im bereits sehr klein angelegten Kurzkehrt immer mit trat, einem hohen Maß an Eleganz und einem zufriedenen Gesamteindruck. Letzterer wäre noch ein bisschen schöner gewesen, wenn das Genick stabiler der höchste Punkt geblieben wäre.


Vor dem Angaloppieren zackelte der Rappe kurz an und in den Wendungen nach Links hätte man sich noch etwas sichere Stellung und Biegung gewünscht, was sich später in der Durchlässigkeitswertnote niederschlug, aber die 8,86 zum Auftakt der Prüfung konnte sich sehen lassen.


Kommentar zum Ritt


Gleich das erste Pferd gab Nicole Nockemann Anlass zum Schwärmen: „Die Trabarbeit von A bis Z geprägt von einer Leichtfüßigkeit, einer Eleganz und einer guten Elastizität, konnte die Reiterin wirklich auch dadurch brillieren, dass sie jedes Tempo richtig zur Zeit brachte. Es war in einem Arbeitstrab die Schlangenlinien sicher, beide Mitteltrabsequenzen mit einer guten Schulterfreiheit und einem gleichmäßigen Abfußen und auch schon eine sichere Versammlungsbereitschaft. Die Linksvolte noch etwas wenig gestellt. Aber die Güte der Trabarbeit heute mit 9,0 bewertet.“


Und so ging es weiter: „Der Schritt brillierte mit sehr sicherem Fleiß und einem guten durch den Körper schreiten und das Pferd trat auch sehr gewissenhaft an das Gebiss heran, akzeptierte den verlängerten Zügel, ohne den Takt jemals zu unterbrechen. In der ganz letzten Rückführung vor dem Angaloppieren hätten wir uns noch mehr Stabilität vorstellen können, deshalb 8,5.“


„Im Galopp war eine großartige Bergauftendenz erkennbar. Die Sprünge wurden größer und weiter, ohne sich in der Frequenz zu verändern. Und dann aber auch mit einer stabilen Anlehnung in eine gute versammelte Sequenz und – auch bedeutend – der Wechsel vom Handgalopp zum Außengalopp wurde sehr sicher vorgetragen. Daher für die Galopparbeit 9,0.“


„Bei der Durchlässigkeit sahen wir eine Kurzkehrtwendung, die sehr gleichmäßig im Ablauf gezeigt wurde, ein sehr zufriedenes Zügel aus der Hand kauen lassen.“ Kleine Mankos: „Der erste Wechsel war nicht ganz perfekt im Übergang zum Schritt und die Stellung in der Trabarbeit darf noch etwas gleichmäßiger werden. 8,8.“


Für den Gesamteindruck gab es ebenfalls ein glattes „sehr gut“.


Knappes Rennen um die Medaillen


Hinter der 8,86 auf dem Bronzerang folgten mit je zwei Hundertsteln Abstand die Plätze vier und fünf. Eine 8,84 gab es für den hoch eleganten Oldenburger Dunkelfuchswallach Louboutin v. Las Vegas-Feinrich (Z.: Eva Krijnen), den Ricarda Mombach für Besitzerin Julia de Ridder vorstellte. Er erhielt die 9 in Trab, Galopp und Perspektive. Dazu eine 8,5 im Schritt und 8,7 in der Durchlässigkeit.


Fünfter wurde der von Tessa Frank präsentierte Hannoveraner Jovian-Franklin-Sohn Marco Polo e Fonteabeti aus Zucht und Besitz der Soc. Agricola Allevamento Fonteabeti. Er trabte für eine 9,2, galoppierte für 9,5, hatte allerdings heute nur einen 7,6er Schritt. Zusammen mit 8,8 in der Durchlässigkeit und 9,0 für die Perspektive ergab eine 8,82.


Alle Ergebnisse finden Sie hier.


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