Lord Europe, Dynamic Dream und Next Level stellen Pavo Cup-Sieger der Niederlande

Perfect Ritme, Real Dream und So You Can Dance sind die „niederländischen Bundeschampions“

Zucht
Real Dream unter Sadie Smith bei der WM Junge Dressurpferde. Am vergangenen Wochenende gewann er den Pavo Cup mit Lottie Fry.
Foto: sportfotos-lafrentz.de Real Dream unter Sadie Smith bei der WM Junge Dressurpferde. Am vergangenen Wochenende gewann er den Pavo Cup mit Lottie Fry. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Was in Deutschland das Bundeschampionat, ist für junge Dressurpferde in den Niederlanden der Pavo Cup. Dies sind die Champions 2026, die von einer prominenten Fremdreiterin mit beurteilt wurden.

Während in Warendorf das Bundeschampionat lief, trafen sich einige der besten vier-, fünf- und sechsjährigen Nachwuchsdressurpferde der Niederlande in Ermelo zum Pavo Cup. Becky Moody war als Fremdreiterin geladen, um bei den drei Pferden mit den höchsten Wertnoten unter dem eigenen Reiter das Gefühl im Sattel objektiv zu bewerten.


Sechsjährige


Die Anforderungen für Sechsjährigen sind im Pavo Cup die gleichen wie beim Bundeschampionat und den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde – eine Prüfung auf Dressurpferde-M Niveau. Allerdings dürfen die Pferde in den Niederlanden bereits auf Kandare vorgestellt werden.


Das Rappen-Trio, das es ins Finale schaffte, waren Port-au-Prince v. Desperado-De Niro mit Emmelie Scholtens, Pythagoras WK v. All At Once-Vitalis mit Franka Loos und Perfect Ritme v. Lord Europe-Negro unter Kim Noordijk.


Letztere hatten die höchste Vornote aus dem ersten Teil des Finales gehabt, 91,4 Prozent, die sich aus 9,3 im Trab, 9,6 im Galopp, (für den sehr begrenzten Raumgriff großzügigen) 7,9 im Schritt, 9,4 für die in der Tat sehr schöne und fließende Runde in der Harmonie und 9,5 für den Gesamteindruck ergaben. Die Note für die Harmonie wäre sogar noch höher ausgefallen, wäre es der Reiterin gelungen, den Rahmen etwas mehr zu öffnen, wie die Richter der Reiterin mit auf den Weg gaben.


Auch Becky Moody schien sich sehr wohl zu fühlen, lobte insbesondere die natürliche Balance, die Perfect Ritme mitbringt. Man müsse nur aufpassen, dass er im Hinterbein nicht zu langsam wird. Ihre Wertnote für den eleganten Rappen, der dieses Jahr Rang 15 bei der WM in Verden belegte: 9,6.


Für die Gesamtbewertung im Pavo Cup werden die Ergebnisse des Halbfinales in Ermelo, des Finales und des Fremdreitertests addiert. Perfect Ritme war in allen Bereichen der Beste: 89 Prozent im Halbfinale, 91,4 im Finale plus 96,0 von Fremdreiterin Moody ergaben einen ziemlich deutlichen Sieg mit 276,4 Punkten.


Silber für den WM-Fünften


9,2 gab Scholtens dem Fünftplatzierten der WM in Verden, dem Hengst Pythagoras WK aus dem Erfolgsstamm des Stalls 104 BV von Willeke Bos (Jameson RS2, Jatilinda …), dem sie einen „unglaublichen Motor“ bescheinigte. Erste Ansätze, ihn im Galopp noch ein wenig mehr zu versammeln, beantwortete der Rappe jedenfalls direkt mit einem Galopp, aus dem sie ohne weiteres eine Arbeitspirouette hätte reiten können.


Die Vorboten, mit denen Franka Loos und Pythagoras ins Fremdreitertest-Finale eingezogen waren, lauteten 8,5 im Schritt, 9,0 im Trab, 8,8 im Galopp, 9,0 für die Harmonie und 8,9 für den Gesamteindruck, 88,4 Prozent in Summe. Hinzu kamen 87 Prozent aus dem Halbfinale und die 92 von Moody, Endergebnis: 267,4 Punkte.


Bronze für Scholtens‘ Nachwuchshoffnung


Zum zweiten Mal nach 2024 stellte Emmelie Scholtens den schön gezeichneten Wallach Port-au-Prince beim Pavo Cup vor. Damals kamen sie nicht unter die Top drei, aber jetzt. Der Rappe ist seinem Vater Desperado, der mit Scholtens u.a. bei der EM 2019 in Rotterdam im Team war, optisch wie aus dem Gesicht geschnitten und sei ihm auch ansonsten sehr ähnlich, sagt Scholtens. Als die beiden vor zwei Jahren in Amsterdam Subli Champion wurde, sagte sie, es sei als säße sie wieder im Sattel von Desperado als er jung war. Letztes Jahr hatte Port-au-Prince weniger zu tun, weil Scholtens ihr zweites Kind zur Welt gebracht hat. Jetzt beim Pavo Cup überzeugte er mit gleichmäßig hohen Bewertungen zwischen 8 und 9 in allen Bereichen: 8,6 im Schritt, 8,7 in Trab, Galopp und Gesamteindruck, 8,8 im Bereich Harmonie. Von Becky Moody gab es eine glatte 9.


Im Halbfinale hatte Port-au-Prince noch vor Pythagoras gelegen mit 87,8 Prozent. Die, zusammen mit dem Finalergebnis und den 90 Prozent von Moody führten zu 264,8 Punkten in Summe.


Fünfjährige


Zum Champion der Fünfjährigen, die in den Niederlanden zu zweit aufs Viereck dürfen, avancierte mit knappem Vorsprung der gekörte WM-Finalist Real Dream v. Dynamic Dream-Negro. Er war vor wenigen Wochen Achter in der Qualifikation der WM der jungen Dressurpferde und erreichte das Finale, wo er allerdings einen der hinteren Plätze belegte. In Verden saß noch Sadie Smith im Sattel. Die Britin hatte den Beritt in Vertretung für Team Dreams eigentliche Reiterin Charlotte Fry übernommen, da diese wenige Tage später schon bei der WM in Aachen an den Start gehen sollte, wo sie dann ja Doppelweltmeisterin wurde mit ihrem Glamourdale. Beim Pavo Cup stellte Fry Real Dream wieder selbst vor.


Die beiden brachten genau 90 Prozent in den Fremdreitertest ein, 8,5 für Schritt und Tran, 9,7 für den Galopp, 9,2 für die Harmonie und 9,1 für den Gesamteindruck. Vom Fremdreiter Robin Bernoski gab es dann noch eine 9,2 oben drauf.


Im Halbfinale war es für Real Dream noch nicht so gut gelaufen, wie später. Hier waren die beiden mit 83,6 Prozent hinter ihren Konkurrenten gelandet. Die 90 Prozent im Finale gaben schließlich den Ausschlag für einen knappen Sieg mit zwei Zehnteln Vorsprung. 265,6 Punkte hatten die beiden in Summe, 265,4 waren es beim Zweitplatzierten.


Fremdreiters Liebling


Die zweithöchste Bewertung des Finales unter dem eigenen Reiter hatten eigentlich Grunsven-Schülerin Lina Uzunhasan (USA) und ihr eigenes Pferd Magic McKee v. Total McLaren-Negro erzielt: 88,8 Prozent, 8,5 im Schritt, 8,8 im Trab, 9,3 im Galopp, dazu jeweils 8,9 für Harmonie und Gesamteindruck. Doch beim Fremdreitertest fehlte der gekörte Hengst, der wie eine elegantere Version seines Großvaters Totilas wirkt.


Davon profitierte zum einen der von Emmelie Scholtens vorgestellte Prämienhengst Rockstar Millionaire, ein Sohn von Lisa Müllers D’avie aus einer Sandro Hit-Silvano N-Mutter. Als Hengst kennt er es, auch fremde Reiter im Sattel zu haben und bewegte sich mit Bernoski äußerst locker und entspannt durchs Viereck, so dass der ihm eine 9,5 bzw. 95 Prozent bescheinigte. Zuvor war Rockstar Millionaire mit 85 Prozent aus dem Halbfinale gekommen und mit 85,4 aus dem Finale, wo er in Trab und Galopp eine 9,2 bzw. 9,5 bekommen hatte, im Schritt allerdings nur 7,0. Harmonie und Gesamteindruck: 8,5.


Der rote Fels


Dank des Rückzugs von Magic McKee war der Fuchs Red Rock v. Mowgli V.O.D.-Bordeaux unter seiner Mitbesitzerin Geertje Hoogendorn ins Finale nachgerückt. Mit 8,5 in allen Teilbereichen kamen die beiden auf 85 Prozent im Finale Teil A – dem gleichen Ergebnis wie im Halbfinale. Von Fremdreiter Bernoski gab es genau 90 Prozent für den Fuchs, der ziemlich unter Strom zu stehen schien, aber dennoch seinen Job machte. Endergebnis: 260 Punkte.


Vierjährige


Die Vierjährigen gehen in den Niederlanden ebenfalls zu zweit aufs Viereck und werden auf Dressurpferdeprüfung Klasse A Niveau vorgestellt. Hier war die Entscheidung höchst spannend. Der Sieger des Halbfinales, So You Can Dance v. Next Level-Ferguson unter Gerrel Vink, musste im Finale Franka Loos und So Nice den Vortritt lassen. Das Zünglein an der Waage war Fremdreiterin Becky Moody, die So You Can Dance zwar nicht die allerbesten Reiteigenschaften ihrer drei Testkandidaten bescheinigte, aber immer noch drei Prozent mehr als So Nice. Dadurch ging So You Can Dance mit 89 Prozent aus dem Halbfinale, 90,8 aus dem Finale (Schritt 8,5, Trab 9,3, Galopp 9,4, Harmonie 9,0, Gesamteindruck 9,2) und 94 Prozent von der reitenden Richterin Becky Moody mit 273,8 Punkten als Sieger aus dem Pavo Cup 2026 hervor.


Silber für Son of Zalome


Wenn zwei sich streiten freut sich der Dritte, und das war in diesem Fall Son of Zalome v. Vitalis-Aljano unter Robert-Jan de Visser. Sie waren zweitbestes Paar im Halbfinale und beendeten das Finale unter dem eigenen Reiter als Dritte mit 87,6 Prozent (Schritt 8,4, Trab 8,8, Galopp 9, Harmonie und Gesamteindruck 8,8). Wäre es allein nach Becky Moody gegangen, sie wäre wohl gar nicht mehr abgestiegen von dem herrlich galoppierenden Braunen. Sie gab ihm 95 Prozent und lobte unter anderem seine Reaktivität auf der einen Seite, aber auch die Gelassenheit auf der anderen Seite. Außerdem sei der Braune wunderbar zu regulieren. Alles in allem kam Son of Zalome dadurch auf 269,2 Punkte und gewann Silber.


So Nice – der Name ist Programm


Ehe der Oldenburger Prämienhengst So Perfect v. Sezuan gelegt und als Sportpferd an das Gestüt Lövsta in Schweden verkauft wurde, lieferte er einige bemerkenswerte Nachkommen. Einer davon ist der nobel auf gemachte Braune So Nice aus einer Ziesto-Mutter, den Franka Loos in Ermelo präsentierte. Der Wallach war Dritter im Halbfinale mit 85,2 Prozent, avancierte dann aber zum Sieger des Finales mit 91,4 Prozent, wo er im Schritt 8,8, im Trab 9,0, im Galopp 9,3, für die Harmonie 9,4 und für den Gesamteindruck 9,2 erhielt. Das bedeutete ein Endergebnis von 91,4 Prozent.


Die Chemie zwischen ihm und Becky Moody schien allerdings nicht wirklich zu stimmen. Der Wallach hob sich auf raus, guckte, drückte den Rücken weg, kam nicht recht zum losgelassenen Schwingen. Moody gab ihm trotzdem noch 91 Prozent, bestätigte das Talent, das der Wallach unter seiner eigenen Reiterin bereits demonstriert hatte und lobte die unendliche Energie, mit der der So Nice mitarbeitet. Sie sagte, der Wallach habe sich unsicher mit einer fremden Reiterin gefühlt. So seien die Anlehnungs- und Balanceprobleme zu erklären, die vorher nicht erkennbar waren. Mit 267,6 Punkten holte So Nice schlussendlich Bronze.


 


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