Viva Las Vegas Bundeschampion der sechsjährigen Dressurpferde

Viva Las Vegas Bundeschampion Nummer zwei in 2026 für Viva Gold

Zucht
Charlott-Maria Schürmann und Viva Las Vegas bei der Weltmeisterschaft der jungen Dressurpferde 2025. Foto: sportfotos-lafrentz.de Charlott-Maria Schürmann und Viva Las Vegas bei der Weltmeisterschaft der jungen Dressurpferde 2025. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Der Bundeschampion der sechsjährigen Dressurpferde 2026 heißt Viva Las Vegas und ist der zweite Schärpenträger in 2026, der von Viva Gold abstammt.

Nach Viva Weltina bei den Fünfjährigen war es nun Viva Las Vegas, der eindrucksvoll demonstrierte, dass Isabell Werths große Zukunftshoffnung Viva Gold OLD nicht nur selbst alle Qualitäten hat, die es fürs große Viereck braucht, sondern dass er diese auch zuverlässig vererbt.


Sein Sohn Viva Las Vegas, ebenfalls Hengst mit Oldenburger Equidenpass, der von Reinhard Baumgartner aus einer Foundation-Mutter gezogen wurde, ist seinem Papa in einigen Punkten ähnlich. Er ist genauso hübsch, bringt genauso viel Mechanik mit, vielleicht aber sogar noch mehr Elastizität als Viva Gold. Charlott-Maria Schürmann bildet den Braunen für Besitzerin Anne Haggenmüller aus und konnte ihn 2025 für die Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde qualifizieren.


Die Turniereinsätze des Paares in diesem Jahr lassen sich an einer Hand abzählen. In Elmlohe ging der Hengst seine erste Dressurpferdeprüfung Klasse M und gewann die Qualifikation fürs Bundeschampionat mit 8,54. Das war Ende Juli. Das nächste Turnier war Warendorf. Hier gewannen sie schon die Qualifikation – und heute setzten sie noch eins drauf.


Sie gewannen das Finale mit einer 9,06. Das war etwas weniger als in der Quali. Vielleicht fehlte dem Hengst nach den anstrengenden Tagen mit Stallzeltaufenthalt und all den Stunden zwischen den Prüfungen heute etwas die Kraft. Er war besonders in der Trabtour nicht ganz so stabil in Gleichgewicht und Selbsthaltung wie noch am Donnerstag. Aber er zeigte trotzdem eine sehr ansprechende Runde.


Besonders mit seiner enormen Schulterfreiheit kann Viva Las Vegas im Trab immer punkten. Am besten gelang den beiden heute die Galopptour, wo der Hengst sich schon sehr gut trug und bereits sicher durchgesprungene und auch schon sehr ausdrucksvolle Wechsel zeigte.


Kommentar


„Wow! Dieser Trabablauf hat unheimlich viel positive Energie. Dieser Hengst nimmt einen direkt für sich ein“, leitete Kommentatorin Nicole Nockemann ihre Übersetzung der Richternoten ein. Sie merkte aber auch an, dass es während der Trabtour kurze hörbare Balanceprobleme gab, in denen der Hengst sich mit den Hufen „gegriffen“ hat. „Das braucht noch mehr Losgelassenheit durch die ganze Trabtour“, so Nockemann. Aber sie räumte auch ein, dass diese Trabtour viel von den jungen Pferden fordert. Da sei es einem jungen Pferd auf den vielen Metern gestattet, dass es kurz die Balance nicht ganz halten kann. Für die Trabarbeit gab es eine 9,3.


Im Schritt lobten die Richter die Taktstabilität und den gesteigerten Raumgriff in der Verstärkung aus dem Mittelschritt, sahen aber in der Rückführung kurz vor den Schrittpirouetten noch Verbesserungspotenzial, 8,0.


Was den Galopp angeht, konnte Nockemann fast nur schwärmen – vom Durchsprung der runden Galoppade, den gebeugten Hansen, der ausgeprägten Schwebephase und dem Raumgewinn in den Verstärkungen und den sehr sehr sicheren und gut vorbereiteten Wechseln. „Da sind wir ganz nah am Höchstmaß“, ergo: 9,5.


Dass es in der Durchlässigkeit nicht mehr wurden als 9,0 begründete Nicole Nockemann mit dem Greifen in der Trabtour und einem kurzen Balanceverlust in einer Schrittpirouette. Gleichzeit lobte sie aber die Einstellung des Hengstes. „Ein junges Pferd, das so lange hoch konzentriert performt, bekommt auch ein Sehr gut.“


Im Gesamteindruck für den „Topsportler mit klarer Perspektive“ gab es eine 9,5. Fazit: Champion mit 9,06.


Rucke di Guh, Blut ist am Schuh …


Riesenjubel – aber auch der Hinweis von Zuschauerseite, dass der Hengst in der Fesselbeuge eine leichte Blutung hatte. Das musste passiert sein, als er sich während der Prüfung mit den Hinterhufen gegriffen hatte. Die Richter zogen das LPO Reglement zu Rate und kamen zu dem Schluss, dass das Pferd tierärztlich kontrolliert werden sollte, dass der Vorfall aber keine weiteren Konsequenzen nach sich zieht, weil die Blutung außerhalb des reiterlichen Einflussbereiches lag. Der Tierarzt gab Entwarnung. Es war nur ein Kratzer und die Blutung hatte praktisch sofort aufgehört. Für die Siegerehrung bekam Viva Las Vegas trotzdem Dispens.


Eindrucksvoller Fiete


Ein ganz anderer Typ Pferd, aber nicht weniger beeindruckend als Viva Las Vegas ist der westfälische Hengst Fiete NRW v. Fashion in Black-Rock Forever, gezogen von Robert Drenker, im Besitz von Dr. Peter Brenske und vorgestellt von Kira Laura Soddemann. Es ist beeindruckend zu sehen, wie Rock Forever seinen prägnanten athletischen Typ auch in zweiter Generation von Mutterseite noch weitergibt. Fiete ist jedenfalls ganz klar der gleiche Typ wie sein Opa – langbeinig, elegant, sportlich, aber mit mehr Elastizität und Grundschwung ausgestattet.


Leider gab es gleich zu Beginn der Aufgabe ein kleines Missverständnis, als der Hengst nach dem Gruß angaloppieren wollte, statt anzutraben. Soddemann konnte das fast sofort korrigieren, aber das war schade und teuer. Der erste Mitteltrab geriet denn auch etwas laufend. Aber spätestens bei den Seitengängen hatte die Reiterin den Hengst dann wieder bei sich und steigerte sich Minute zu Minute.


Im Schritt marschierte Fiete locker los und machte Meter. Danach ließ er sich willig zurückführen und zeigte recht kleine und aktive Schrittpirouetten.


Der Galopp ist aktiv springend und federnd, ausbalanciert und schon mit sehr ansprechender Lastaufnahme. Die Wechsel waren alle durchgesprungen, bis auf der erste auch bereits recht selbstverständlich und zum Teil schon richtig ausdrucksvoll.


Kommentar


Auch hier hätte ein Wow gepasst, aber Nicole Nockemann formulierte es diesmal anders: „eine ingesamt ganz ganz tolle Vorstellung“ und begründete dies mit dem „sehr kraftvollen, sehr energischen Trab“, bei dem „die Silhouette stimmt“. Fließende Übergänge waren auch auf der Habenseite. Die leichte Eile in den Verstärkungen verhinderte eine noch höhere Note als 8,7.


Im Schritt konstatierte Nockemann, dass dieser „von Anfang an gleichmäßig mit guter Dehnungsbereitschaft“ und auch im starken Tempo auf der Diagonalen durchgehalten gezeigt wurde, dass die Schrittpirouetten schon sehr zentriert waren. 8,8 gab es hier.


De energischen Ablauf aus dem Trab fand die Jury auch im Galopp wieder, dazu viel Abdruck und „die Möglichkeit, ins Vorwärts-Aufwärts zu arbeiten“. Aber auch hier sei an der Frequenz in den Verstärkungen zu arbeiten, so dass die Sprünge größer und nicht eiliger werden. 8,6


Was die Durchlässigkeit angeht, lobten die Richter die Einstellung des Pferdes, zusammen mit der kurzen Unsicherheit am Anfang und der „nicht perfekt ruhigen Maultätigkeit“ gab es hier eine 8,8.


In der Perspektive gab es eine 9. Endergebnis: Silber mit 8,78.


Bronze an das Dreamteam


Zwischen all die Profis hatte sich mit Zoe Marie Hachmeier auch eine 17-jährige Juniorin gemischt. Sie stellte den lackschwarzen Secret-Sohn Sparky vor – und das wunderschön! Dabei hatten die beiden den Umweg über kleinen Finale nehmen müssen, dass sie mit 8,56 gewinnen konnten – exakt der Bewertung, mit der sie heute ziemlich sensationell und hoch verdient Bronze gewannen.


Mit ganz feiner, leichter Anlehnung und alles in einem Guss und Fluss gelang den beiden ihr Auftritt. Im Trab und Schritt erzielte das Paar eine 8,4, im aktiv springenden Galopp eine 8,8, in der Durchlässigkeit eine 8,5 und für die Perspektive eine 8,7.


Nicole Nockemann sprach von einer „gleichzeitig kraftvollen und leichtfüßigen Trabarbeit“. „Hier und da“ hätten sie sich ein ruhigeres Maul gewünscht. Im Schritt lobten sie vor allem das Gleichmaß. In den Schrittpirouetten monierten sie allerdings minimale Unsicherheiten, die in der Durchlässigkeit berücksichtigt wurden. Im Galopp lobten die Richter Losgelassenheit und Aktivität, aber auch den Umgang der Reiterin mit der Situation, als der Wallach beim zweiten Wechsel nicht gleich auf die erste Hilfe umsprang und sie einfach in Ruhe noch einmal „nachfragte“.


Der harmonische Eindruck, den die beiden machen, kommt nicht von ungefähr. Sparky war vierjährig, als Zoe ihn übernahm. Da war er schon einmal in Warendorf gewesen. 2023 belegte er noch unter Jessica Lynn Thomas Rang fünf bei den dreijährigen Stuten und Wallachen. Vierjährig stellte Zoe Hachmeier ihn dann selbst in Reit- und Dressurpferdeprüfungen der Klasse A vor.


Fünfjährig gewannen sie Dressurpferdeprüfungen der Klasse L in Serie und konnten sich erneut für Warendorf qualifizieren, kamen aber nicht übers kleine Finale hinaus. Tolle Entwicklung!


Alle Ergebnisse finden Sie hier.


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