„Classical Breeding“ im Equidenpass: Trakehner Verband kennzeichnet Fohlen, die aus Natursprung, Frischsamen oder TG-Sperma-Besamung entstanden sind

Trakehner kennzeichnen zukünftig Fohlen, die bei leiblicher Mutter groß werden

Zucht
Im Equidenpass eines Trakehner Pferdes soll zukünftig die Bezeichnung „Classical Breeding“ darauf hinweisen, dass die Mutterstute nach Besamung (Frischsamen oder TG-Sperma) bzw. Natursprung das Fohlen selbst ausgetragen hat. Foto: Trakehner Verband/ Florentina Büttner Im Equidenpass eines Trakehner Pferdes soll zukünftig die Bezeichnung „Classical Breeding“ darauf hinweisen, dass die Mutterstute nach Besamung (Frischsamen oder TG-Sperma) bzw. Natursprung das Fohlen selbst ausgetragen hat. Foto: Trakehner Verband/ Florentina Büttner
Besamt, gespült, eingefroren, aufgetaut, eingesetzt, von Empfängerstute ausgetragen. Die moderne Pferdezucht kennt die gesamte Klaviatur der Reproduktionsmedizin. Der Trakehner Verband will nun mit dem Begriff „Classical Breeding“ alle Fohlen kennzeichnen, die von ihrer leiblichen Mutter zur Welt gebracht und aufgezogen werden. Das soll Transparenz schaffen und man will eine Vorreiterrolle einnehmen, schreibt der Pferdezuchtverband.









Künftig werden Trakehner Fohlen mit dem Zusatz „Classic Breeding“ gekennzeichnet, wenn sie ohne den Einsatz moderner Reproduktionstechnologien entstanden sind. Gemeint sind Anpaarungen per Natursprung, Frischsamen oder Tiefgefriersperma – vorausgesetzt, die Stute trägt das Fohlen selbst aus und zieht es auch auf. Die Kennzeichnung erfolgt im Pferdepass. Ziel ist mehr Transparenz für Züchter, Käufer und die Fachöffentlichkeit.


Biotechnologie auf dem Vormarsch


Hintergrund ist die wachsende Bedeutung moderner Verfahren in der Pferdezucht. Techniken wie Embryotransfer (ET) oder Ovum Pick Up (OPU) in Verbindung mit Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) werden international zunehmend genutzt – vor allem, um genetisch besonders interessante Stuten intensiver einzusetzen.


Beim Ovum Pick Up (OPU) wird einer Stute Follikelflüssigkeit mit unreifen Eizellen aus den Eierstöcken abgesaugt. Dabei wird die Stute unter Schmerzmittel gesetzt und mit einer Nadel werden die unreifen Eizellen (Oozyten) entnommen. So können mehrere Eizellen gewonnen werden, die dann anschließend noch heranreifen müssen bevor sie besamt werden. Hier kommt ICSI zum Einsatz. Ein Spermium wird direkt in die Eizelle injiziert. Der daraus entstehende Embryo wird dann einer Empfängerstute direkt eingesetzt oder aber tiefgefroren.


Auch der Trakehner Verband stellt seinen Züchtern dazu Informationen und Unterstützung bereit. Die Verfahren gelten insbesondere bei seltener Leistungsgenetik als sinnvoll.


Kennzeichnung von Trakehner Fohlen: Ergänzung, kein Gegenmodell


Mit „Classic Breeding“ will der Trakehner Verband nach eigenen Angaben kein Gegenmodell schaffen, sondern eine zusätzliche Differenzierung. Das Prädikat soll jene Zuchtwege sichtbar machen, die weiterhin ohne biotechnologische Eingriffe auskommen. Sprich: Wo „Classic Breeding“ drauf steht, ist ein Fohlen „drin“, das von seiner Mutter selbst ausgetragen wurde. Die Sozialisation des Fohlens erfolgt also durch die genetische Mutter. Beim Embryotransfer werden häufig auch Stuten anderer Populationen, beispielsweise Traberstuten eingesetzt.


Mit dieser Kennzeichnung betont man auch den Gedanken der Reinzucht, der die Trakehner von allen anderen Warmblütern unterscheidet. Bei den Trakehnern dürfen neben Vertretern der eigenen Population nur englische Vollblüter, Vollblutaraber oder Angloaraber zur Zucht eingesetzt werden. Reinzucht, über Generationen geführte Stutenfamilien und die Aufzucht beim Muttertier gelten weiterhin als prägend für die Population.


Die neue Kennzeichnung trifft auf ein wachsendes Informationsbedürfnis auf Käuferseite. Herkunft, Aufzuchtbedingungen und die Möglichkeit, die Mutterstute im Betrieb zu sehen, spielen bei der Auswahl junger Pferde eine zunehmende Rolle, schreibt der Verband in einer Pressemitteilung. „Classic Breeding“ trage zur Transparenz bei. Die Bezeichnung soll nicht als Gegenmodell verstanden werden, sondern als ergänzendes Angebot.











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