Sachsen-Anhalt holt WM Gold der Jungzüchter in Celle

Sachsen-Thüringens Jungzüchter sind Weltmeister!

Zucht
Die erfolgreichsten Pferdezüchter von morgen kamen bei der Jungzüchter WM 2026 vom Pferdezuchtverband Sachsen-Thüringen, gefolgt vom Irish Sport Horse und dem Holsteiner Verband.
Foto: Deutsche Jungzüchter Die erfolgreichsten Pferdezüchter von morgen kamen bei der Jungzüchter WM 2026 vom Pferdezuchtverband Sachsen-Thüringen, gefolgt vom Irish Sport Horse und dem Holsteiner Verband. Foto: Deutsche Jungzüchter
Vier Tage lang war das Niedersächsische Landgestüt Celle die Bühne für die Pferdezüchter von morgen aus aller Welt bei den 12. WBFSH-Weltmeisterschaften. Jungzüchter aus 19 Zuchtverbänden und zehn Nationen traten hier gegeneinander an, um ihre Champions zu ermitteln. Es wurde ein deutsch-irisches Podium.

Das Team des Pferdezuchtverbands Sachsen-Thüringen sicherte sich am Ende die meisten Punkte in der altersübergreifenden Gesamtwertung – vor dem Irish Sport Horse-Verband und dem Holsteiner Verband. Zusätzlich gewann der ZV Sachsen-Thüringen Gold in der Altersklasse 21 bis 26 Jahre.


Fünf Disziplinen für den Titel


Bei Jungzüchterwettbewerben müssen die Pferdekenner fünf Teildisziplinen meistern. Erste Disziplin bei der WM war die Theorie –  eine Stunde Zeit, um 50 Multiple-Choice-Fragen zu beantworten. Danach ging es in die Maske – die für die Pferde. Inklusive Einflechten mussten die Nachwuchszüchter die ihnen zugewiesenen Pferde bestmöglich herausbringen und präsentieren. Wichtig dabei: der eigene Stil.


Dann folgten die Exterieurbeurteilung, das Bewerten eines Pferdes im Freispringen sowie die Königsdisziplin eines jeden Jungzüchterwettbewebs: das Vormustern auf der Dreiecksbahn mit korrektem Aufstellen und Vorführen der Pferde in Schritt und Trab.


Richter Walter Wadenspanner erklärte, worauf die Jury dabei achtet: „Im Grunde ist es wie bei einer Dressurprüfung, die ganze Präsentation soll schön im Fluss sein. Wir möchten sehen, dass das Pferd ganz korrekte, gerade Linien geht, dass es um die Ecke noch im Schritt geht und dann erst gerade antrabt. Und wir beobachten, wie der Teilnehmer mit seinem Peitschenführer kommuniziert, denn beide müssen als Team gut zusammenarbeiten.“ Und weiter: „Wichtig ist, dass man ein Pferd optimal präsentiert, also nicht nur vorsichtig und brav. Dass man ruhig auch etwas riskiert, ohne den Harmoniefluss zu stören.“ Mit anderen Worten – die Pferde sollen schon richtig traben, aber den Takt halten.


Am besten erfüllten die Jungzüchter des Pferdezuchtverbands Sachsen-Thüringen die gestellten Aufgaben. Zum Senior-Team gehörten Julienne Freund, Lena Opitz, Mirjam Münch und Adrian Kromer. Bei den Junioren hatten Laura-Sophie Popp, Rebekka Tschirpig, Anna Rabe und Lilly Springer ihren Anteil am Weltmeister-Titel.


Jungzüchterfamilie mit Organisationstalent


Die Idee, die WM ausgerechnet in Celle auszutragen, entstand bei den Bundeschampionaten, wie Landstallmeister Dr. Axel Brockmann berichtete:


„Es ging darum, dass die Verbandsanlagen ja irgendwo in der ganzen Welt ein bisschen ähnlich sind. Da habe ich gesagt, wenn ihr Jungzüchter aus aller Welt zusammenholen wollt, dann wäre doch auch einmal so ein historischer Ort wie Celle schön.“


Die Jungzüchter haben sich offenbar ordentlich ins Zeug gelegt, um dem Ambiente des Niedersächsischen Landgestüts gerecht zu werden. Dr. Axel Brockmann war schwer beeindruckt von den organisatorischen Fähigkeiten der Jungzüchter: „Ich bin begeistert, wie toll die Jungzüchter das organisieren. Mit welcher Freude, mit welcher Einsatzbereitschaft sie vor Ort dabei sind, aber auch wie super sie alles in den anderthalb Jahren vorab durchorganisiert haben. Diese Veranstaltung ist nicht nur eine Weltmeisterschaft, sondern es ist auch Weltklasse, wie unsere Jungzüchter arbeiten.“


Pferde vom Veranstalter organisiert


Worum sich die Veranstalter aus Celle kümmern mussten, waren die Pferde. Denn eine der Schwierigkeiten bei Jungzüchterwettbewerben besteht darin, dass die Teilnehmer nicht mit ihren eigenen Pferden antreten, sondern dass ihnen welche zur Verfügung gestellt werden. Brockmann erklärte: „Die Freispringpferde kommen komplett vom Gestüt. Wir können einfach standardisierte Rahmenbedingungen schaffen, weil wir unsere Pferde kennen. Das hat komplett das Team mit Heiko Tietze und Wolfhard Witte aus Adelheidsdorf geleistet.“


Da beim Vormustern keine Hengste erlaubt waren, kamen dafür 35 Fremdpferde aus dem Celler Umland. Die genossen während des Jungzüchterwettbewerbs ein paar Tage Spa. „Sie wurden hier aufgestellt und von den Jungzüchtern versorgt, geputzt und gepflegt. Auch das läuft super“, so Brockmann.


Eine wirkliche Weltmeisterschaft


„Wir sind eine große Jungzüchter-Community“, verdeutlicht Ines Rathke, Vorsitzende des Vereins Deutsche Jungzüchter, den Charme, der diese Wettkämpfe ausmacht. Natürlich geht es auch um den Erfolg. Aber vor allem war auch die WM in Celle wieder eine gute Gelegenheit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und Kontakte zu knüpfen.


Von deutscher Seite schickten neben dem Hannoveraner Verband und dem Pferdezuchtverband Sachsen-Thüringen auch der Landesverband Bayerischer Pferdezüchter, der Verband der Pferdezüchter Mecklenburg-Vorpommern, der Pferdezuchtverband Rheinland-Pfalz-Saar, der Verband der Züchter des Oldenburger Pferdes, der Verband der Züchter des Holsteiner Pferdes sowie der Trakehner Verband je ein oder zwei Teams ins Rennen.


International reisten Teilnehmer aus Belgien, Dänemark, Schweden, Frankreich, Lettland, den Niederlanden und Österreich an – die weiteste Anreise hatte das kanadische Team.


„Wir sind 2017 auch zu der WM in Spruce Meadows mit einem ganzen Flieger mit allen deutschen Zuchtverbänden rübergeflogen“, erinnert sich Ines Rathke. „Jetzt kommen sie nach Europa und verbinden das noch mit einem kleinen Europa-Trip.“


Entsprechend stand in Celle auch Sightseeing auf dem Programm: Neben einer Führung durchs Landgestüt besuchten die Gäste das Gestüt Famos und den Hof Schulze Brüning.


Die Medaillengewinner in der Übersicht


Gesamtwertung Teams

Gold: Sachsen-Thüringen (1.813,5 Punkte)

Silber: Irish Sport Horse (1.811,5 Punkte)

Bronze: Holstein (1.796,5 Punkte)


Junior Teams (U21)

Gold: Selle Français (927,5 Punkte)

Silber: Holstein (921,5 Punkte)

Bronze: Brandenburg-Anhalt (914,5 Punkte)


Senior Teams (21 bis 26 Jahre)

Gold: Sachsen-Thüringen (910,5 Punkte)

Silber: Irish Sport Horse (902 Punkte)

Bronze: Swedish Warmblood (897 Punkte)


Junior Einzelwertung:

Gold: Hilma Alden, Swedish Warmblood (319 Punkte)

Silber: Henni Edler, Brandenburg-Anhalt (315 Punkte)

Bronze: Ambre Bouvier, Selle Français (312 Punkte)


Senior Einzelwertung:

Gold: Julienne Freund, Sachsen-Thüringen (307 Punkte)

Silber: Ellen McWey, Irish Sport Horse (305,5 Punkte)

Bronze: Thea Karlsson, Swedish Wamblood (305 Punkte)


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