Bundeschampionat der siebenjährigen Dressurpferde 2026 an Felice FRH

Felice FRH zum zweiten Mal Bundeschampionesse – und wie!

Zucht
Bundeschampionesse der siebenjährigen Dressurpferde 2026: Felice FRH mit Greta Heemsoth (hier bei der WM der jungen Dressurpferde). Foto: sportfotos-lafrentz.de Bundeschampionesse der siebenjährigen Dressurpferde 2026: Felice FRH mit Greta Heemsoth (hier bei der WM der jungen Dressurpferde). Foto: sportfotos-lafrentz.de
Das Komplettpaket aus Qualität und guter Ausbildung hat das Bundeschampionat der siebenjährigen Dressurpferde 2026 gewonnen. Es trägt den Namen Felice FRH.

Felice FRH – Reiter formt das Pferd at its best


Vor zwei Jahren war die Hannoveraner Stute Felice FRH v. Fürst Samarant-Riverside-Sandro Hit aus der Zucht von René Janzen und im Besitz von Ingo Pape und Ken Steele mit Greta Heemsoth im Sattel Bundeschampionesse der fünfjährigen. Sie war damals eine richtig zarte Maus, dabei aber hoch elegant und ausbildungsmäßig erkennbar auf dem richtigen Weg. Jetzt, zwei Jahre und zwei Top Ten-Platzierungen in WM-Finals später, hat sie sich zu einer kraftvollen Tänzerin entwickelt. Noch immer ist sie ein feingliedriges Pferd, aber sie hat an Substanz zugelegt und spielt nur so mit den Lektionen der schweren Klasse.


Mit ihrem leichten Genick ist die Gefahr groß, dass die Stute zu eng wird und hinter die Senkrechte kommt. Dass das nicht passiert, ist der Ausbildung von Heemsoth zu verdanken, die es verstanden hat, den Energiefluss stets von hinten noch vorne an die Hand heran zu lenken. So konnte Felice FRH heute auch als eines von nur wenigen Pferden echte Rahmenerweiterung in den Verstärkungen zeigen. Das gelingt auch auf Grand Prix Niveau den wenigsten, obwohl es doch eigentlich der Prüfstein wahrer Versammlung und Tragkraft ist. Auf gebogenen Linien bewegte die Stute sich so sicher in der Spur, wie auf Schienen. Dazu diese Seitengänge, im Takt wie ein Metronom, geschmeidig zu beiden Seiten gestellt und gebogen. Das Zügel aus der Hand kauen lassen prompt und willig aus dem Widerrist heraus. Hier hätte die Nase noch mehr nach vorne gedurft.


Der Schritt ist losgelassen, taktsicher und im Raumgriff okay. In der Versammlung blieb der Rücken locker und der Takt erhalten. Lediglich bei der Schrittpirouette nach links verlor die Stute einmal minimal die Balance.


Dann der Galopp – kein hypermobiler Schaukelpferdgalopp, sondern echte Lastaufnahme bei jedem Sprung. Bei den doppelten halben Traversalen war der Wechsel nicht ganz sicher durchgesprungen und die Stute kippte etwas ab. Aber Heemsoth bekam sie gleich wieder vor sich und entwickelte eine tolle Verstärkung bis zum Punkt mit sicherem Aufnehmen und gut herausgearbeitetem Wechsel. Die Pirouetten – nach links könnte Felice vermutlich auch schon problemlos eine ganze Pirouette springen. Nach rechts sprang sie heute hinten beidbeinig. Der anschließende Wechsel gelang gut. Die Serienwechsel waren sicher, auch wenn die Stute den Wechsel nach rechts immer etwas ausdrucksvoller sprang als den nach links. Noch eine Wow-Ganze Parade am Ende, fertig. Tolle Runde!


Kommentar


Eine „Trabarbeit, die kaum Wünsche offen lässt“ leitete Nicole Nockemann ihren Kommentar ein, mit dem sie die Wertnoten der Richter übersetzte. Sie sprach von einem „Hochmaß an Elastizität“, von der „wirklich fließenden Energie, immer ins Bergauf“, dem Gleichmaß. Wie „bei einem Dimmer“ habe Heemsoth die Stute in den Übergängen regulieren können. 9,5 gab es für den Trab.


Im Schritt lobten sie den Takt und die Erhabenheit in der Versammlung. In der Verstärkung merkten sie an, dass sie sich noch mehr Vor- und Übertritt gewünscht hätten. Dafür gab es eine 8,0.


Im Galopp lobte Nockemann das Engagement und die Bereitschaft, Last aufzunehmen. Hier dürfe die Stute aber noch mehr über den Rücken arbeiten, „so dass der Durchsprung noch losgelassener ins Bergauf beibehalten wird“. Die Wertnote: 8,5.


In der Durchlässigkeit floss einerseits die tolle Trabarbeit ein, andererseits zwei kleine Versehen bei den fliegenden Wechseln, 8,8.


Der Gesamteindruck war dann aber wieder „sehr gut“, sprich 9,0. Das summierte sich zu 87,6 Prozent für die Qualität. Im Bereich technische Ausführung der Lektionen, die von Thomas Keßler bei C bewertet wurde, gab es 75,606 Prozent. Gesamtergebnis: überlegene Bundeschampionesse mit 81,603 Prozent.


Silber für Richter und Found Gody PS


Noch ein Paar, das bereits sein drittes Bundeschampionat bestreitet, bislang allerdings ohne Medaille geblieben war, sind der hoch gewachsene Oldenburger Wallach Found Gody PS v. Foundation-Vivaldi aus der Zucht des Gestüts Lewitz – der Wallach ist ein weiterer Vertreter des so erfolgreichen Gesine-Stamms der Schockemöhle-Zucht – und seine Ausbilderin Ellen Richter.


Sie hatten die eine Abteilung der Qualifikation gewonnen, zählten also zu den Mitfavoriten. Found Gody federte geschmeidig durch die Trabtour, wirkte aber nicht immer ganz zufrieden im Maul und kam häufig hinter die Senkrechte. Im Zügel aus der Hand kauen lassen rollte er sich eher ein, als dass er sich ans Gebiss streckte. Dem gegenüber standen jedoch sehr schöne Seitengänge und gut entwickelte Verstärkungen.


Doch auch im Schritt hätte man sich im starken Tempo mehr Zug zur Hand hin gewünscht. Der versammelte Schritt gelang dafür äußerst erhaben und taktsicher.


Das Highlight war der Galopp. Zwar musste Ellen Richter auch hier immer wieder aufpassen, dass der Wallach sich nicht einrollte, aber sein aktiv und kraftvoll vom Boden abspringendes Hinterbein macht es ihm hier nicht nur leicht, die Lektionen überhaupt auszuführen, sondern er hat dabei auch noch jede Menge Ausdruck.


Kommentar


Als einen „langbeinigen, großbewachsenen Athleten“ beschrieb Nicole Nockemann Found Gody sehr passend, um dann anzumerken, dass er auch mit seinen sieben Jahren wohl immer noch nicht ganz in seinem Körper angekommen ist. Im Trab lobte sie die Leichtfüßigkeit und den Abdruck, den Schub und den lockeren Fluss der Bewegung durch den Körper. Sie merkte aber auch an: „Auch hier die Anlehnung nicht immer optimal.“ Die reine Trabnote war dennoch erstmals eine 9,0.


Im Schritt lobte die Jury Takt und Fleiß, merkte aber die noch zu verbessernde Dehnungsbereitschaft an. „Mit Blick auf die sichere Taktgegebenheit“ gab es dennoch eine 8,2.


Die positive Energie im Galopp, dieses „vom Boden wollen“, wie Nockemann es ausdrückte, klare Lastaufnahme usw. ergaben eine 8,8.


In Sachen Durchlässigkeit mahnten die Richter an, dass die Selbsthaltung, also „die getragene Anlehnung“ in eine „noch stabilere Bergauftendenz mit Stirnlinie leicht vor der Senkrechten“ verbessert werden müsse. Dennoch gehöre das zur Entwicklung des eigentlich gut gerittenen Pferdes – 8,4.


Zusammen mit dem Gesamteindruck von 8,6 kamen die beiden auf genau 86 Prozent. Im technischen Bereich kamen 73,181 Prozent Hinzu. Machte 79,590 Prozent in Summe und damit Silber.


Bronze für Zuccador QD


2023 war der Oldenburger Wallach Zuccador QD v. Zenon-Lauries Crusador xx aus der Zucht des Hofes Kasselmann über die PSI Auktion für 150.000 Euro versteigert worden. Heute gehört er Angie Quin und in seinem Sattel sitzt seit Mitte des Jahres Kasselmann-Stallreiterin Nicole Wego-Engelmeyer. Vorher wurde der hochgewachsene Braune von Lydia Jordan vorgestellt, mit der er schon fünf- und sechsjährig auf dem Warendorfer Viereck im Einsatz war. Nun gewann er zum ersten Mal gewann er eine Medaille.


Zuccador verfügt über ansprechende Grundgangarten, der Trab könnte vielleicht noch etwas mehr Eigendynamik vertragen. Hier hatte man den Eindruck, dass die Reiterin den Wallach noch sehr aktiv unterstützen muss. Die Seitengänge gelangen zu beiden Seiten geschmeidig gestellt und gebogen und auch sicher in der Beibehaltung von Takt und Fluss.


Sehr gut ist der Schritt in allen drei Tempi – losgelassen, mit guter Dehnungsbereitschaft und viel Raumgriff im mittleren und starken Tempo, aber taktsicher zurückgeführt in der Versammlung.


Sowohl in der Galopptour als auch im Trab hätte man sich das Genick geöffneter und die Nase mehr vor der Senkrechten gewünscht. Die Lektionen im dem aktiv durchgesprungenen Galopp gelangen bereits recht sicher. Gerade in den Pirouetten hätte man sich aber schon mehr Lastaufnahme und dadurch eine freiere Vorhand vorstellen können – insbesondere weil der Wallach beim Aufnehmen eigentlich sehr taktstabil und aktiv weitersprang. Die Serienwechsel waren schön energisch nach vorne durchgesprungen.


Kommentar


Ein geöffneterer Rahmen und Fluss in den Seitengängen waren u.a. auch Thema im Kommentar der Richter. Beides schlug sich in der Durchlässigkeitsbewertung nieder. Für die Mechanik, Schwungentfaltung und Elastizität im Trab vergaben die Richter eine 8,8. Im Schritt sprach Kommentatorin Nockemann von „unglaublichem Vorfußen“ und „sicherem Raumgewinn“ und gleichzeitig der Fähigkeit sich zu versammeln. Hier gab es eine 9,0.


Im Galopp lobten die Richter den guten springenden Ablauf mit Bergauftendenz, merkten aber erneut die Stirn-Nasen-Linie an. Beim Überstreichen habe man dann sehen können, dass die Möglichkeit für den Durchsprung gegeben ist. Auch sei in den Pirouetten die Möglichkeit zur Lastaufnahme gegeben, 8,5 für den Galopp.


Kleines Aber: „Ja, es braucht noch eine selbstverständlichere Nasen- und Stirnlinie im Vordergrund, 7,8 in der Durchlässigkeit.“ Dennoch sei Zuccador ein Pferd mit „klarer Perspektive und guten Reiteigenschaften, 8,6.“


Damit kam der Wallach auf 85,4 Prozent als qualitätative Bewertung, zusammen mit 73,636 Prozent für die technische Ausführung der Aufgabe ergab das 79,518 Prozent und Bronze.


Zaubermann Vierter


Franz Trischbergers westfälischer Wallach Zaubermann v. Zoom-Belissimo M war als fast ungeschlagenes Pferd nach Warendorf gekommen. Von acht Prüfungen, die er dieses Jahr gegangen ist, hat er sieben gewonnen und war einmal Zweiter. Zweiter war er auch am Freitag in der Qualifikation. Der bunte Fuchs stammt aus der Zucht von Winfried Albers und vertritt den Stamm, der auch die Dressurpferde-WM- und Burg-Pokal Teilnehmerin Scarlett O’Hara (Lena Haßmann) hervorgebracht hat.


Wie diese überzeugt auch Zaubermann mit sehr viel Go, wurde insbesondere im Trab vielleicht etwas zu viel mit Hand gehalten, so dass er wenig Rahmenerweiterung in den Verstärkungen zeigte und zum Teil eng wurde. Sorgfältig herausgearbeitet waren sowohl die Tempiwechsel als auch Stellung und Biegung in den Seitengängen. Beim Zügel aus der Hand kauen lassen streckte der Wallach sich vertrauensvoll nach vorne. Lehrbuchreif war der versammelte Schritt. Im Galopp hätte man sich den Fuchs besser vor den treibenden Hilfen und auf dem Hinterbein gewünscht. Die Lektionen gelangen überwiegend, wenngleich er in den fliegenden Wechseln sowohl einzeln als auch in Serie noch schief wurde und abtauchte.


Mit Blick auf die Anlehnungsprobleme und die noch zu entwickelnde Tragkraft vergaben die Richter für die Durchlässigkeit eine 7,6. Aber in Kombination mit unter anderem einer 9 im Trab wurden es trotzdem noch 84 Prozent für die Qualität. Bei C gab es 74,393 Prozent für die technische Ausführung der Lektionen. Bedeutete ein Endergebnis von 79,196 Prozent.


Alle Ergebnisse finden Sie hier.


 


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