Frühere britische U21-Europameisterin Phoebe Locke reitet nun für Deutschland

Eines der erfolgreichsten britischen Vielseitigkeitstalente nun für Deutschland im Sattel

2022 ritt Phoebe Locke (2. v. li.) noch an der Seite der Granden der britischen Vielseitigkeit, Piggy March (ganz links) und Tom McEwen (2. v. re.) im siegreichen Nationenpreisteam von Houghton Hall. Foto: FEI/Libby Law 2022 ritt Phoebe Locke (2. v. li.) noch an der Seite der Granden der britischen Vielseitigkeit, Piggy March (ganz links) und Tom McEwen (2. v. re.) im siegreichen Nationenpreisteam von Houghton Hall. Foto: FEI/Libby Law
Vielseitigkeits-Deutschland hat ein neues Talent in den eigenen Reihen: Phoebe Locke, einst die erfolgreichste britische Nachwuchsreiterin, hat die Nationalität gewechselt.

Seit dem 1. Juni 2026 sitzt die 26-jährige Phoebe Locke nicht mehr für ihre britische Heimat im Sattel, sondern für Deutschland. Bei der FEI wird sie bereits mit GER Nationalität geführt und gestern veröffentlichte sie die Neuigkeiten auch auf ihren Social Media Kanälen. Die Entscheidung hat familiäre Hintergründe. Sie schreibt:


„Nach einer erfolgreichen Karriere unter britischer Flagge bedeutet meine Entscheidung einen zutiefst persönlichen und symbolischen Wandel – einen, der in meiner deutschen Herkunft und meiner Familiengeschichte verwurzelt ist.“


Wie sie gegenüber EQUI PAGES berichtet, hat Phoebe Locke in der Tat deutsche Wurzeln, denn ihr Großvater war Deutscher. Sie wuchs jedoch in England auf und war schon als kleines Mädchen hoch erfolgreich.


Mit 128- und 138 cm-Ponys ritt Phobe Locke im Springparcours von Schleife zu Schleife, unter anderem sogar bei der Horse Of The Year Show und in Hickstead, zwei der prestigeträchtigsten Turniere Großbritanniens.


2014 entschied Locke sich, den Springsattel an den Nagel zu hängen und sich auf die Vielseitigkeit zu konzentrieren. Ihr Talent wurde schnell entdeckt.


Fünf EMs für GBR


Gleich in der ersten Saison wurde Phoebe Locke für die Europameisterschaften der Ponyreiter aufgestellt, zunächst als Einzelreiterin. In den folgenden Jahren wurde sie jedoch nicht nur nationale Meisterin, sondern auch eine feste Größe in den erfolgsverwöhnten britischen Buschteams. Von keiner EM kehrte sie ohne Medaille heim. Zweimal gewann sie Gold, einmal Silber und einmal Bronze.


Mit 20 Jahren gewann Phoebe Locke ihre erste Vier-Sterne-Prüfung und war damit die bis dato jüngste Reiterin der Geschichte, der dies je gelungen ist. Mehrfach ritt sie in britischen Teams bei den FEI-Nationenpreisen.


Ihr Fünf-Sterne-Debüt gab sie letztes Jahr in Luhmühlen, war hindernisfehlerfrei im Cross, musste ihr Pferd aber vor der zweiten Verfassungsprüfung zurückziehen.


Die Möglichkeiten in Deutschland nutzen


Locke führt einen eigenen Ausbildungs-, Trainings- und Handelsstall in Somerset in den Cotswolds. Den will sie auch nicht aufgeben, wie sie gegenüber EQUI PAGES erklärte. „Ich habe mir hier ein Business aufgebaut mit Verkaufspferden auf Vier- und Fünf-Sterne-Niveau bis hin zu Ponys.“ Sie habe hart dafür gearbeitet, das aufzubauen und wolle es auf keinen Fall verlieren. Das Ziel sei es hingegen, Deutschland weiterhin bei internationalen Turnieren zu vertreten – und möglichst auch bei Championaten.


In England gebe es unheimlich viele Paare, die auf dem Niveau reiten, so Locke. „Ich denke, in Deutschland könnten sich mir wirklich interessante Möglichkeiten bieten. Es ist unglaublich schwer, in ein britisches Team zu kommen. Und ich denke, die Unterstützung, die die Deutschen haben mit ihrem Training in Warendorf und allem ist echt spannend.“


In Deutschland gebe es weniger Reiter. Von daher sei alles individueller und die Trainingsmöglichkeiten seien für sie ein großer Anreiz. „Ich hatte fantastische Erfolge“, so Locke. „Aber ich hatte wahrscheinlich nie das Pferd, mit dem ich für Olympische Spiele oder Weltmeisterschaften infrage gekommen wäre.“ Aber genau das ist ihr Ziel.


„Ich würde gerne Besitzer finden, die mir dabei helfen, mir meinen Traum zu erfüllen, für Deutschland in LA zu reiten.“


Sie habe in den letzten Jahren ein wirklich gutes Pferd gehabt, das sie dann an Kitty King verkauft hat. „Ich musste ja den Betrieb führen. Dabei habe ich einige richtig gute Entscheidungen getroffen. Dadurch kann ich mich jetzt ein bisschen mehr darauf konzentrieren, selbst im Spitzensport Fuß zu fassen.“


Fazit: „Ich freue mich unheimlich, ab jetzt für Deutschland zu reiten und kann euch hoffentlich stolz machen und Medaillen für Deutschland gewinnen.“


Erst Staat, dann Start


Wie die Vorsitzende des deutschen Vielseitigkeitsausschusses, Dr. Annette Wyrwoll, erklärt, lief der Prozess, damit Locke für Deutschland reiten kann, schon seit 1,5 Jahren. Damals hatte die Reiterin die Anfrage gestellt. Doch ehe sie unter der deutschen Flagge starten durfte, musste sie die deutsche Staatsangehörigkeit annehmen, was durch ihren deutschen Großvater möglich war. Nur mit dem Zertifikat in der Hand, konnte sie einen deutschen Turnierausweis beantragen.


Damit sind von Seiten der FN alle Voraussetzungen erfüllt, um unter deutscher Flagge reiten zu können. Ob sich allerdings der Traum von LA und/oder anderen Championatseinsätzen erfüllt, hinge allein von den Leistungen ab, betont Dr. Annette Wyrwoll. Da werden keine Unterschiede gemacht.


Übrigens ist Phoebe Locke nicht die einzige junge Britin, die die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen hat und nun mit dem Kürzel GER statt GBR reitet. Seit dem 13. Mai gilt das auch für die U25-Reiterin Georgina Herrling, die deutsche Eltern hat, aber in England aufwuchs. Sie war 2017 Einzeleuropameisterin bei den Ponys und ritt ihr bestes Pferd Cooley Now or Never 2023 auf Platz sechs bei der U21-Euro. Mit dem 14-jährigen Iren hat sie auch bereits zahlreiche Vier-Sterne-Prüfungen beendet.


 


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