Der Weltranglisten-Erste Tim Price mit Gelber Karte wegen "Abuse of Horse" – was ist geschehen?

Tim Price wieder Weltranglisten-Erster – aber warum erhielt er eine Gelbe Karte?

Tim Price mit Happy Boy auf dem Weg zu Gold bei der WM junger Vielseitigkeitspferde 2019. Foto: Archiv sportfotos-lafrentz.de/Dirk Caremans Tim Price mit Happy Boy auf dem Weg zu Gold bei der WM junger Vielseitigkeitspferde 2019. Foto: Archiv sportfotos-lafrentz.de/Dirk Caremans
Tim Price ist zurück an der Spitze der Weltrangliste in der Vielseitigkeit. Erst vergangenes Wochenende war er im CCI4*-S von Kronenberg siegreich. Allerdings erhielt er bei derselben Veranstaltung auch eine Gelbe Karte wegen "Abuse of Horse". Was ist dort geschehen?

Der neuseeländische Tim Price ist nicht nur einer der besten Vielseitigkeitsreiter der Welt bzw. seit diesem Monat wieder der beste, er und seine Frau Jonelle gelten auch als echte „Horsemen“.


Umso mehr verwunderte es, dass Tim Price vergangenes Wochenende in Kronenberg beim „Grandorse Eventing“ eine Gelbe Karte erhalten hat. Wir haben mit ihm gesprochen, was dort eigentlich vorgefallen ist.


Der Vorwurf


Tim Price hatte im CCI4*-S von Kronenberg drei Pferde am Start. Mit dem neun Jahre jungen Hannoveraner The Highlander v. Diacontinus (Z.: Nicole Nehm) gewann er die Prüfung. Mit dem zehnjährigen Eldorado de Hus-Sohn Garcon wurde er Elfter.


Das dritte Pferd, das er dabei hatte, war zugleich das erfahrenste: der KWPN-Wallach Happy Boy, der 2019 Weltmeister der jungen Vielseitigkeitspferde wurde, siegreich war in den Vier-Sterne-Prüfungen von Blenheim und Boekelo sowie die Saison 2025 als Vierter in Pau abschloss. Happy Boy schied an Hindernis 23a wegen Verweigerungen aus.


Diese Situation war der Stein des Anstoßes weswegen Price eine Gelbe Karte bekommen hat. Der Vorwurf: „Abuse of Horse - Excessive use of whip, bit and/or spurs (Eventing Rules Art. 526.1.3)“.


Die FEI wollte sich nicht zu den Einzelheiten des Vorfalls äußern, ebenso wenig die Stewards. Man verwies stattdessen auf die Erklärung des Paragraphen gegen den Price verstoßen hat, der ja schon besagt, dass es eine „exzessiven Gebrauch von Peitsche, Gebiss und/oder Sporen“ gegeben habe. Aber was bedeutet „exzessiv“? Wie gesagt, weder die FEI noch kontaktierte Stewards wollten hier Einzelheiten preisgeben. Die Erklärung von Tim Price selbst lautet wie folgt.


Was war genau passiert?


Tim Price erklärte auf Anfrage von EQUI PAGES, das Problem sei vor allem gewesen, dass es eine neue Regel gibt, die ihm nicht geläufig war. Nach dieser Regel darf die Gerte im Gelände nämlich nur noch vor bzw. am Sprung als Ermutigung eingesetzt werden, nicht aber nach dem Hindernis.


Doch der erfahrene Happy Boy sei an diesem Sprung wirklich „naughty“ also „frech“ gewesen. In Kenntnis der alten Regel, nach der ein Pferd nur maximal dreimal mit der Gerte geschlagen werden darf habe er dem Wallach als Reaktion auf das Vorbeilaufen einmal mit der Gerte geschlagen. Das wäre nach altem Reglement kein Problem gewesen, nach neuem schon.


„Die Richter haben gesagt, dass sie mein Handeln absolut nachvollziehen konnten, aber dass sie keine andere Wahl haben, als entsprechend der neuen Regel zu handeln und mich zu verwarnen“, so Price.


Gleichzeitig betont er, dass er keineswegs emotional reagiert hat, sondern sehr wohl überlegt. Nur, dass in dieser Überlegung die neue Regel keine Rolle spielte. „Es ist natürlich meine Schuld, dass mit die Regel nicht geläufig war“, so Price. „Ich bin wahrscheinlich einer der Reiter mit den meisten internationalen Starts, die derzeit aktiv sind. Ich habe noch nie eine Verwarnung bekommen. So bin ich einfach nicht“, betont er.


Zwei Fünf-Sterne-Turniere trotz gebrochenem Schlüsselbein


Tatsächlich ist Tim Price eigentlich als Reiter bekannt, dessen Pferde außerordentlich lange gesund im Sport unterwegs sind, wie etwa sein Luhmühlen-Sieger und Olympiapartner Wesko, der 17-jährig als Dritter von Pau aus dem Sport verabschiedet wurde. Oder aktuell der zweifache WM-Bronzegewinner und Olympia-Sechste Falco. Der ist nun ebenfalls 17-jährig und fit ist wie eh und je.


Dass Price mit Falco eine besondere Partnerschaft verbindet, wurde unter anderem in Badminton deutlich. Als die beiden dort Zweite wurden, hatte Tim Price gerade erst eine zweite Operation wegen eines gebrochenen Schlüsselbeins hinter sich – nachdem er zuvor eine Woche nach dem Sturz vom Fahrrad, bei dem er sich das Schlüsselbein brach, mit dem 16-jährigen Vitali Vierter beim CCI5*-L in Kentucky geworden war.


Price: „Ich halte mich nicht für einen harten Kerl, aber manchmal muss man da durch: Wenn man stürzt und sich das Schlüsselbein bricht, genau zu der Zeit, als die Pferde in Amerika landen, sind die Optionen begrenzt. Ich war es den Besitzern und der Situation schuldig, zumindest dort anzutreten und zu sehen, was ich erreichen kann.


(…) Ich hatte großes Glück, mit Falco einen alten Freund an meiner Seite zu haben, den ich in- und auswendig kenne. Wäre es ein Pferd gewesen, das Badminton noch nicht kannte, wäre die Geschichte vielleicht anders ausgegangen und das Ziel nicht erreichbar gewesen. Aber durch die besondere Verbindung zu diesem Pferd und weil ich ihn so gut kenne, konnte ich diese Aufgaben (Kentucky und Badminton) meistern.“


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