15 von 20 Startern beenden Gelände des CCI5*-L von Luhmühlen, britische Doppelspitze
Luhmühlen: Caroline Harris übernimmt CCI5*-L Führung, Liz Hallidays Schicksalspferd mit Boyd Martin Dritter
Caroline Harris und D. Day, das einzige Paar, das im CCI5*-L Luhmühlen 2026 fehlerfrei durchs Gelände kam.
Foto: Thomas Ix Schon im Vorfeld hatten Mike Etherington-Smith und sein neuer Assistent Kai-Steffen Meier Neuerungen im Aufbau der Strecke von Luhmühlen angekündigt. Nach Einschätzung der Reiter bot der Kurs nicht DIE eine große Aufgabe, sondern es war eher die Summe derer, die die Schwierigkeit des Kurses ausmachte – erst recht bei den hochsommerlichen Temperaturen, die durch den ausgiebigen Regen am Morgen zwar gemildert wurden, aber es war immer noch warm genug. So erreichte ein Viertel der Starter die Ziellinie nicht und selbst die Reiter, die am Ende ganz vorne standen sagten zum Teil, ihre Pferde seien heute nicht ganz sie selbst gewesen.
Auftritt der deutschen Debütanten

Zu den Paaren, die morgen mit der Entscheidung nichts mehr zu tun haben, gehörte leider auch eine von zwei deutschen Reiterinnen, Heike Jahncke mit Mighty Spring FRH. Auf der ersten Hälfte der Strecke sah die 16-jährige Mighty Magic-Tochter noch gut aus. Doch am Meßmer Teich, Hindernis Nummer 13, hatten die beiden zwei Vorbeiläufer. An der Irish Bank, Hindernis 16d, kam ein weiterer hinzu. Das war das Ende der Reise für die beiden Fünf-Sterne-Debütanten.
Viel besser lief es bei dem anderen Paar, das heute CCI5*-Premiere hatte, Katharina Meyer und Aspen T. Dressur ist nichts, was dem 16-jährigen Canstakko-Sohn Spaß macht. Da waren die beiden mit 41,4 Minuspunkten Vorletzte. Aber heute im Cross spielte Aspen T, ein Sprössling des berühmten Butt-Stammes (u.a. Butts Abraxxas/Ingrid Klimke), seine Stärken voll aus und kam mit nur 4,4 Zeitfehlern ins Ziel. Die Freude bei Katharina Meyer war riesengroß, die Belohnung auch. Damit haben sie sich von Rang 19 auf Platz acht vorgekämpft.
Meyer: „Es ist so ein emotionaler Moment, diese Strecke hier mit gerade mal zehn Sekunden über der Bestzeit zu reiten, es ist einfach der Wahnsinn. Ich kann es gar nicht glauben und bin meinem Pferd erstmal um den Hals gefallen und habe mich bei ihm bedankt.“
Einzige Null-Fehler-Runde
Nur ein einziges Paar blieb heute innerhalb der erlaubten Zeit, die Britin Caroline Harris mit dem zwölfjährigen Billy Mexico-Sohn D. Day. Die beiden kennen sich in und auswendig. Vierjährig hatten die Züchter den Wallach zu Harris in Ausbildung gegeben. Seither hat sich an dem „D. Day-Team“ nichts geändert – die Züchter sind immer noch die Besitzer, Caroline Harris die Reiterin. Die beiden waren 2024 schon einmal Zwölfte in Luhmühlen. Kurz danach gewannen sie den CCI5*-L in Pau. 2025 vertraten sie die britischen Farben bei der EM in Blenheim, wo sie allerdings ausschieden.
Heute in der Heide zeigten sie, wie es gehen kann, ohne Strafpunkte ins Ziel zu kommen und arbeiteten sich so von Rang vier nach der Dressur an die Spitze vor. Vor allem in Bezug auf die Qualität des Bodens, dem der ergiebige Regenguss am Morgen nichts ausgemacht hat, war Caroline Harris voll des Lobes. Ansonsten sei sie „ziemlich nervös“ gewesen, denn „Mike (Etherington-Smith) hat den Kurs bis Hindernis 10 noch sehr freundlich gebaut und erst danach ging es so richtig zur Sache“. Sie habe sich dann die Tipps ihres Trainers ins Gedächtnis gerufen. „Ich habe versucht, jeden Sprung genauso anzureiten, wie wir es besprochen hatten. Das hat perfekt geklappt.“ Kann man wohl sagen!
Mit 31,1 Minuspunkten gehen sie und D. Day morgen als letzte ins Abschlussspringen. Einen Abwurf dürfen sie sich nicht leisten. Allerdings sind sie auch bei ihren letzten 14 Abschlussspringen ohne Springfehler durch den Parcours gekommen.
Die Verfolger

Den Führenden dicht auf den Fersen sind mit 33,8 Minuspunkten Emily King (GBR) und ihr höchst erfahrener Selle Français Wallach Valmy Biats. Die Badminton-Vierten und -Fünften von 2024 und 2025 waren gestern mit 27 Minuspunkten in Dressurführung gegangen. Heute im Gelände kamen 6,8 Minuspunkte für Zeitüberschreitung hinzu.
Emily King sagte, ihr 17-jähriger Orlando-Sohn sei heute „nicht ganz er selbst“ gewesen. Normalerweise sei er schon fast ein bisschen zu mutig, aber heute habe ihm das Wetter zu schaffen gemacht. Dennoch war sie „super zufrieden“ mit ihm. „An den Sprüngen war er spitze – sehr gerade und ganz schnell auf den Beinen.“ Aber als Reiter habe man eben auch eine große Verantwortung: „Unser wichtigstes Ziel ist es, die Pferde gesund und munter nach Hause zu bringen. Darum muss man bei solchen Temperaturen gut ins Pferd hineinhören“, betonte sie. Dementsprechend zufrieden war sie, dass Valmy Biats auch im Ziel noch „super fit“ und seine Herzfrequenz „ausgezeichnet“ war.
Kurzfristig war diskutiert worden, ob die beiden eine „missed flag“ hatten. Aber die wurde am Ende wieder von der Ergebnisliste entfernt.
Pferd mit besonderer Geschichte auf Rang drei

Ein noch recht frisches Team sind Boyd Martin (USA) und der elfjährige Ire Shanroe Cooley, die nun auf Rang drei bei ihrem Luhmühlen-Debüt liegen. Der Dallas-Sohn war von Elisabeth Halliday ausgebildet worden. Doch dann hatten die beiden einen schlimmen Sturz, aufgrund dessen Liz Halliday nun von der Vielseitigkeit in die Para-Dressur wechseln musste.
Danach war die Frage: Was passiert mit ihren guten Pferden? Boyd Martin gibt unumwunden zu, eigentlich sei Shanroe Cooley für seinen Geschmack etwas zu groß und zu schwer. Recht viele Leute hätten ihn überreden müssen, Shanroe Cooley zu übernehmen. Inzwischen weiß Martin: Was dem Wallach an Blütigkeit fehlt, macht er durch Biss und Willen wieder wett. Die Dressur ist allerdings noch eine kleine Baustelle mit „Moments of Greatness und Moments of Desaster“, wie die Nummer fünf der Weltrangliste und vierfache Olympiareiter es formuliert.
Dafür können sie allerdings auf eine beachtliche Erfolgsbilanz verweisen, seit Martin den Wallach im August vergangenen Jahres erstmals präsentierte: sechs Starts, fünf auf Vier-Sterne-Niveau, und fünf Top fünf-Platzierungen. Heute war nun Fünf-Sterne-Premiere, die die beiden mit nur 2,4 Zeitstrafpunkten abschlossen. Zusammen mit ihrem Dressurergebnis (35,7 Minuspunkte, Rang elf) ergibt das Stand jetzt 38,1 Minuspunkte, das drittbeste Gesamtergebnis vor dem Abschlussspringen.
„Wir sind nur mit einem kleinen Team hier“, berichtete Boyd Martin später. „Aber halb Amerika ist heute Morgen sehr früh aufgestanden und klebte am Livestream. Ich glaube, ich muss nachher ca. 400 Textnachrichten beantworten. Ich bin unendlich glücklich für Liz, denn sie hat ihn ausgebildet.“
Licht und Schatten aus Neuseeland
Hinter den Top drei liegt Jonelle Price mit ihren zwei Pferden in Lauerstellung. Mit der 15-jährigen Grappa Nera, Siegerin im CCI5*-L von Pau 2022, war sie nur elf Sekunden über der erlaubten Zeit. 35,5 Minuspunkte aus der Dressurplus entsprechend 4,4 Zeitfehlern im Gelände bringen sie mit 39,9 Minuspunkten auf Tuchfühlung zu Boyd Martin, dessen Ire allerdings mit ihm noch nie einen Springfehler im Parcours hatte.
Prices zweites Eisen im Feuer ist der 14-jährige Zangersheider Wallach Capitaine de Hus Z v. Cosinhus, gezogen im Haras de Hus in Frankreich. Ginny Thomasen (NZL) hatte den Wallach in den Sport gebracht und stellte ihn 2024 beim CCI5* in Pau vor. Hier gaben die beiden allerdings auf. Es war der letzte gemeinsame Auftritt. Seit 2025 sitzt nun Jonelle Price im Sattel und hat mit Capitaine de Hus bereits auf Vier-Sterne-Niveau gewonnen. Heute war ihr erster Auftritt in einem Fünf-Sterne-Kurs, den sie mit 7,2 Minuspunkten mit Bravour absolvierten. Zusammen mit 33,1 Minuspunkten aus der Dressur liegt das Paar damit an fünfter Stelle (40,3).
Nicht ganz so gut lief es für Jonelles Ehemann Tim Price, den Weltranglistenersten. Er hatte den KWPN-Wallach Happy Boy für die Fünf-Sterne-Prüfung genannt. Mit dem 14-jährigen Indoctro-Sohn hatte Price vor wenigen Tagen eine Gelbe Karte erhalten. Heute schieden sie nach einem Vorbeiläufer mit anschließendem Sturz an Hindernis 12 (Meßmer-Teich) aus.
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