Julia Krajewski auf den Plätzen 1 und 2 CCI4*-S Luhmühlen, Malin Hansen-Hotopp Dritte, Christoph Wahler Bronze in Deutscher Meisterschaft Vielseitigkeit
Julia Krajewski zum fünften Mal Deutsche Meisterin in Luhmühlen

Mit einem Doppelsieg machte Julia Krajewski ihren fünften Deutschen Meistertitel klar: Platz eins mit ihrem Olympiapferd Nickel (27,7). Die silberne Schleife ging an „Pauli“, den Iren Tullabeg Platinum (34,4). Dritte wurde Malin Hansen-Hotopp mit Quidditch, das bedeutete Silber in der Deutschen Meisterschaft, weil pro Reiterin oder Reiter nur ein Ergebnis für die DM-Wertung zählt. Bronze ging an Christoph Wahler und D‘Accord FRH, die Elften des CCI4*-S (44,0).
Lehrvideo-Sieg Deutsche Meisterschaft Julia Krajewski und Nickel
Nach zwei Bilderbuchrunden in Dressur und Gelände nahm sich Julia Krajewski mit Nickel im CCI4*-S die Weisheit zu Herzen, wonach aller guten Dinge drei sind: Eine abwurffreie Prcoursrunde im Stadion von Luhmühlen, zwei Zeitfehler, und der fünfte Deutsche Meistertitel war perfekt.
Schöner reiten geht kaum
Der Springparcours knüpfte Julia Krajeswki an die Leistungen der Vortage an: Der Holsteiner Nickel galoppiert im sicheren Rhythmus über den Kurs. Er sprang, ganz gutes Pferd, genauso hoch wie er musste. Es klapperte eigentlich nirgends. Wollte man ein Lehrvideo drehen, „So soll das aussehen“, dann hatte man in Luhmühlen dazu die Gelegenheit. Und das nicht nur einmal, sondern mindestens dreimal: Sowohl die Runden von Sieger Nickel, als auch die Vorstellungen von Krajewskis Tullabeg Platinum und Quidditch mit Malin Hansen-Hotopp zeigten all das, was den Vielseitigkeitssport ausmacht: Zwei Athleten, ein Ziel. Vertrauen, Kooperation. Siegerin Julia Krajewski brachte es gut auf den Punkt: „Ich denke immer wieder, es ist schon toll, was man Pferden alles beibringen kann. Die gucken sich das (Gelände) nicht vorher an und sausen dann so dadurch.“
Nickel: Saisonplanung mit Bedacht
Natürlich, so die jetzt fünffache Deutsche Meisterin, hätten auf Nickel die größeren Erwartungen gelastet. Über eigentlich jedem Ritt in der Heide schwebte irgendwie die Wörter „WM Aachen 2026“. Erst recht über dem Holsteiner. „Wir haben bewusst einen bisschen bedachteren Anlauf in die Saison genommen, sodass er regelmäßig auf einem gewissem Niveau geht. Das kann man nicht sechs Monate lang machen. Noch etwas gebremst in Strzegnom, jetzt mit ein bisschen mehr Anlauf“, beschreibt Krajewski ihren Plan in Richtung WM.
„Pauli“ – der „arme Kerl“, der immer Zweiter wird
Routinier Nickel war nicht allein gen Lüneburger Heide gereist. Sein Stallkollege Tullabeg Platinum darf sich jetzt auch Weltpferd nennen. Das erste Mal Luhmühlen hat „Pauli“ in bestechender Art und Weise gemeistert. Nicht nur, was den zweiten Platz anbelangt, sondern auch das „Wie“. Einen Schönheitsfehler hatte die Platzierung, sagt Julia Krajewski: „Das dritte Mal in Folge Zweiter, einmal hinter Michi (in Marbach) einmal hinter Samantha Lissington (in Strzegom) und hinter mir selber.
Der arme Kerl hat es eigentlich verdient, mal zu gewinnen.
Pauli ist ein Beweis, dass es sich lohnt, kontinuierlich zu arbeiten, verrät Julia Krajewski. „Das ist nicht immer ein Geschenk, den Dressur zu reiten. Ich habe auch schon mal zu Anne-Kathrin Pohlmeier (Disziplintrainerin Dressur) gesagt, ich schaffe das nicht. Doch hat sie gesagt, er wird doch immer besser.“ Stimmt, Luhmühlen hat’s bewiesen.
Quidditch spielt seine Routine aus

Malin Hansen-Hotopp musste ihren groß galoppierenden Holsteiner Schimmel einmal im Parcours kurz aufnehmen, um die Konzentration auf die letzten Hindernisse zu bekommen. Wo möglich ließ das Paar hier die 1,87 Sekunden liegen, die die Mannschafts-Europameister zwei Zeitfehler bescherten. Beide sind ein nahezu perfekt eingespieltes Paar. Konnte der Holsteiner Quiwi Dream-Sohn früher schon einmal ungestüm sein, motiviert ihn heute die Stimmung in großen Stadien. „Auf dem Abreiteplatz kann er jetzt auch mal etwas gemütlich sein, beim Reinreiten in die Arena ist die Power, die er schon als junges Pferd hatte, aber wieder da“, sagt Hansen-Hotopp mit einem Lächeln im Gesicht.
Bronze für Christoph Wahler und D’Accord FRH
Platz elf im CCI4*-S nach zwei Abwürfen im Parcours – „seine Lieblingsdisziplin wird das nicht mehr, ich glaube, das wissen wir alle“ – ließen Christoph Wahler auf dem DM-Podium landen. Die Bronzemedaille um dem Hals, zieht er für sich ein positives Fazit von Luhmühlen 2026. Schließlich war der Hannoveraner, der im Gelände am dichtesten an die Idealzeit von allen Teilnehmern galoppiert war, verletzt. Luhmühlen war sein erstes Turnier nach der Verletzungspause.
Routiniert zurück im Sport
Die gemeinsame Routine, Platz sieben in Badminton, habe sich ausgezahlt, sagt der Hengsthalter vom Klosterhof Medingen, der im Nebenjob auch noch Trainer der indonesischen Vielseitigkeitsmannschaft ist. „Dann machst du fünf Sprünge auf dem Abreiteplatz und dann hast du das Gefühl, ok, kann losgehen.“ Auf dem Weg zur WM will er noch „Detailarbeit“ leisten. „Ein, zwei Sprungrunden mehr reiten, um Routine zu bekommen, und an der einen oder anderen Stellschraube drehen“.
Die Schweizerin Nadja Minder setzte sich mit einer fehlerfreien Parcoursrunde von Top Job’s Jalisco (35,5) vor die nach dem Gelände an zweiter Stelle liegenden Belgierin Lara de Liederkerke-Meier und Kiarado d’Arville (36,9). Der Diarado-Sohn sprang an allen Hindernissen ideal. Nur an einem nicht, die Stange fiel, Platz fünf.
Mit 67 Jahren …
… da fängt das Buschreiten an. Der Beweis: Andrew Hoy. Der achtfache Olympiateilnehmer ritt sein WM und Olympiapferd Vassily de Lassos auf Rang sechs (37,5). Das Pferd, sagt Hoy, sei der Grund, warum man ihm sein Alter im Sattel nicht ansehe. Tatsächlich hätte man auch die Runden dieser ältesten Kombination im Starterfeld für ein Lehrvideo nutzen können.
WM-Team wird nach dem CCI4*-NC-S in Avenches nominiert
Für alle Reiterinnen und Reiter, die für eine WM-Teilnahme iin Frage kommen, ist das CCI4*-NC-S in Avenches in der Schweiz verpflichtend. Vom 16. bis 19. Juli wird dort das Nationenpreisturnier ausgerichtet. Anschließend muss nominiert werden. Bundestrainer Peter Thomsen, der wegen eines Reitunfalls nicht in Luhmühlen sein konnte, wird in der Zwischenzeit durch ein Team ersetzt. Dr. Annette Wyrwoll, Vorsitzende des Vielseitigkeitsausschuss des DOKR (Deutschen Olympiade Komitees für Reiterei) erläuterte das Prozedere: „Der erste Schritt war Luhmühlen, morgen wird wie geplant die AG Spitzensport in einer Videokonferenz morgen Abend über die Longlist (15 Reiterinnen oder Reiter) entscheiden.“
So wird Bundestrainer Peter Thomsen ersetzt
In Sachen Geländebetreuung hat der Franzose Rodolphe Scherer die Zügel in der Hand. „Rodolpe ist quasi der Chef, Andreas Dibowski unterstützt ihn. Um organisatorische Belange kümmere ich mich“, erläutert Annette Wyrwoll. „Jetzt schauen wir, wie es weitergeht.“
Kondition und Fitness erhalten und aufbauen
Für die Reiterinnen und Reiter ist jetzt nur ein kurzer Moment des Durchatmens angesagt. „Unser Urlaub richtet sich ja soundso immer nach den Intervallen im Galoppiertraining“, sagt Julia Krajewski, „und damit nie länger als fünf Tage“. Kondition weiter aufbauen, Pferde fit halten – oder „noch fitter machen“, das steht jetzt auf eem Programm.
In Avenches in vier Wochen sollen alle Pferde an den Start gehen, um „einmal nochmal alles abzurufen“. Dann wird nominiert für die Weltmeisterschaft in Aachen.
Endergebnis CCI4*-S Luhmühlen, Deutsche Meisterschaft Vielseitigkeit 2026
Deutsche Meisterschaften Vielseitigkeit 2026
GOLD Julia Krajewski/Nickel
SILBER. Malin Hansen-Hotopp/Quidditch
BRONZE Christoph Wahler/D’Accord FRH
- Nicolai Aldinger/Bart
- Libussa Lübbecke/Darcy