Vorstellung der deutschen Kandidaten bei der Weltmeisterschaft der jungen Vielseitigkeitspferde in Lion d'Angers
Deutschlands wilde 13 für die WM junge Vielseitigkeitspferde
Anna Lena Schaaf und Lagona OLD waren 2022 die letzten deutschen Weltmeister in Lion d'Angers.
Foto: FEI/PSV Photo Es ist schon vier Jahre her, dass zuletzt ein deutsches Paar eine Medaille bei den Weltmeisterschaften der jungen Vielseitigkeitspferde gewonnen hat. 2022 gelang Anna Lena Schaaf und ihrer Oldenburger Stute Lagona OLD die Titelverteidigung. Die Stute wurde danach verkauft und seither ist es ruhig um sie geworden. Letztes Jahr holte der Hannoveraner Helios mit Lara de Liedekerke-Meier die Silbermedaille bei den Siebenjährigen, das allerdings unter belgischer Flagge. Dieses Jahr konnten sich 13 deutsche Paare für die WM in Lion d’Angers, Frankreich, empfehlen, die am Mittwoch beginnt.
Sechsjährige
Die Sechsjährigen gehen in Lion d’Angers einen CCI2*-L. Um sich dafür zu qualifizieren, ist eine Platzierung in CCI2*-S erforderlich, wobei die Pferde im Gelände ohne Hindernisfehler ins Ziel gekommen sein müssen und im Springen höchstens einen Abwurf haben durften. Auf der Liste mit den „nominated Entries“ 2026 stehen nun acht deutsche Paare:
Ann-Catrin Bierlein mit Daisy Dynamite
Daisy Dynamite ist eine westfälische Diacontinus-Tochter aus einer Casall-Polydor-Mutter. Züchter und Besitzer der Stute ist Tierarzt Dr. Rolf Wilcken, Großvater von Ann-Catrin Bierlein, die Daisy Dynamite hat aufwachsen sehen. Die Schimmelstute ging letztes Jahr ihre ersten Turniere, zuerst unter dem Italiener Paolo Mario de Simone, dann unter Bierlein, die dieses Jahr bekanntlich auch U25-WM Silber mit der Mannschaft gewinnen konnte und mit ACSI Diacondiva schon in den vergangenen Jahren in Lion d’Angers erfolgreich war. Bierlein platzierte Daisy Dynamite 2025 auf Rang vier beim Bundeschampionat und auch dieses Jahr wären sie im Finale dabei gewesen, traten hier allerdings nicht mehr an. Die notwendigen internationalen Ergebnisse holte die Stute in Arville und in Langenhagen, wo sie jeweils mit ihrem Dressurergebnis Vierte wurde und sich in der Dressur vom ersten zum zweiten Termin um drei Prozent steigern konnte.
Andreas Dibowski mit Codero
Der Holsteiner Codero stammt ab von Corfu de la Vie aus einer Rocadero-Sacramento Song xx-Mutter. Züchter dieses Vertreters des „Cardento und Quintender-Stammes“ ist hier Thorsten Groeneveld, das Gestüt Irenenhof der Familie Dibowski die Besitzer. Auch Codero ging im vergangenen Jahr im Bundeschampionatsfinale und belegte Platz 15. Dieses Jahr holte er bei fünf Starts drei Top Ten-Platzierungen in CCI2*-S. Zweimal beendete er mit seinem Dressurergebnis. Auf dem Viereck liegt seine aktuelle Bestleistung bei 32,6 Minuspunkten.
Alina Dibowski mit MaMa’s Vaiana
Der Vorname „MaMa“ der von Mareike Leers-Schreiber gezogenen Hannoveraner Stute Vaiana leitet sich von ihren Besitzern ab, der „MaMa’s Zuchtgemeinschaft“. Auch diese Vidar-Tochter (Mutter v. El Bundy) wuchs im Stall der Familie Dibowski in den Sport hinein. Letztes Jahr ritt die WM-Einzelreiterin von 2022, Alina Dibowski, sie von Geländepferde Klasse E bis ins Bundeschampionatsfinale, wo sie sich an neunter Stelle qualifizieren konnten. Dieses Jahr waren sie in sechs CCI2* Prüfungen am Start, wobei sie bei der Lion d’Angers Generalprobe, dem CCI2*-L in Strzegom am vergangenen Wochenende mit Rang 13 ihre bislang beste Saisonleistung erzielten. Das war auch die erste Gelegenheit, wo die Stute im Parcours keinen Abwurf hatten. Sonst hatten sie jedes Mal vier Strafpunkte auf dem Konto.
Felix Etzel mit Royal Novellist
Royal Novellist ist ein Sohn des blutgeprägten Dressurvererbers Rocky Lee aus einer Vollblutmutter. Der Warendorfer Architekt Ferdinand Leve, der auch Galopprennpferde züchtet und hält, ist hier verantwortlich als Züchter und Besitzer. Felix Etzel sitzt seit der ersten Geländepferdeprüfung im Sattel des Hannoveraners, nahm mit ihm 2025 am Bundeschampionat teil und stellte ihn dieses Jahr bei den ersten internationalen Turnieren vor. Das bisherige Bestergebnis war Rang 14 im Mai in Ostbevern.
Sven Lux mit Berlioz TSF
Michael Jungs Stallreiter Sven Lux hat gleich zwei Eisen im Feuer bei den Sechsjährigen. Ein gr0ßer Hoffnungsträger ist der Trakehner Hengst Berlioz v. Zauberdeyk a.d. Berlinale v. Heuberger-Suchard aus dem hoch erfolgreichen Stamm der Sylvia, der bei Monika Mittermeyer gepflegt wird. Berühmte Vertreter sind das internationale Springpferd Balisto von Judy-Ann Melchior, der bis Inter I erfolgreiche Balsamico, der später EM Gold für Deutschland bei den Children gewann, der gekörte Blancor, der bis CCI4* erfolgreiche Basmati und viele andere. Diese Gene sicherte sich frühzeitig das Haupt- und Landgestüt Marbach, das den Hengst bei Lux in Ausbildung gab, nachdem er 2024 erste Turniererfolge mit Gestüterin Eva-Maria Lühr hatte. Letztes Jahr war er Trakehner Geländepferdechampion und belegte Rang sechs beim Bundeschampionat. Dieses Jahr konzentrierte Lux sich mit ihm auf den internationalen Sport und platzierte ihn bei vier CCI2*-Einsätzen dreimal unter den Top Ten – obwohl sie kein einziges Mal fehlerfrei aus dem Parcours kamen. Dafür kamen sie aber bei vier von fünf Starts null und in der Zeit aus dem Cross und hatten fast immer eine U30-Dressur.
Sven Lux mit De Johnny
Lux‘ zweites Pferd ist der gekörte Holsteiner Halbblüter De Johnny, der den weltbesten Buschvererber Diarado auf der Vaterseite mit einer Vollblutmutter kombiniert. Berenice Weber ist hier Züchterin und Besitzerin. Anders als Berlioz ist De Johnny erst seit dieser Saison mit Sven Lux im Sattel unterwegs. Vorher war er von Lena Reinstorf vorgestellt worden, die sich mit ihm 2025 ins Finale des Bundeschampionats vorkämpfen konnte. Lux stellte den Hengst bislang zweimal auf CCI2*-Niveau vor, einmal in einer Youngsterprüfung. Dabei war er im Gelände beide Male ohne Hindernisfehler unterwegs, im Springen allerdings nicht. Hier hatte er bei jedem Start vier Strafpunkte.
Anna Lena Schaaf mit Barcley FRH
Die einstige Doppelweltmeisterin (s.o.) und Multi-Medaillengewinnerin im Nachwuchsbereich, Anna Lena Schaaf, ist ja inzwischen als Bereiterin für Felix Vogg im Einsatz. Für Lion d’Angers qualifizierte sie aber wieder ein Pferd aus der erfolgreichen Zucht ihres Großvaters Gerd Neukäter, den Hannoveraner Barcley FRH v. Buster Moon-Cascadello. Wie so viele Pferde zuvor hat Schaaf ihn von der Pike an selbst ausgebildet, wobei der vorläufige Höhepunkt der gemeinsamen Karriere der Titel beim Bundeschampionat 2025 war. Das Jungpferdetreffen in Warendorf haben die beiden dieses Jahr ausgelassen. Stattdessen war Schaaf mit ihrer Zukunftshoffnung international im Einsatz. Einen CCI1*-Intro konnten sie gewinnen, ein weiteres Mal waren sie Dritte. Auf Zwei-Sterne-Niveau war das beste Ergebnis Rang fünf im Juli in Avenches. Bei den vier Turnieren, wo sie ohne Hindernisfehler aus dem Cross kamen, waren sie jedes Mal vorne dabei. Dreimal verzeichneten sie allerdings auch einen Vorbeiläufer. Im Parcours zeigte Barcley sich als zuverlässig null springend. Lediglich bei der Generalprobe in Wesel fielen zwei Stangen.
Jandrik Markus Tech mit Equitech’s Diacello FRH
Monika und Carsten Tech liefern gleich zwei WM-Qualifikanten aus eigenem Haus: ihren Sohn Jandrik Markus und dessen vierbeinigen Partner Equitech’s Diacello FRH v. Diamant de Plaisir. Der Mutter des WM-Kandidaten, Roccella v. Rabino, verdankt Jandrik Markus Tech seine ersten internationalen Vielseitigkeitserfolge. Mit Diacello war er 2025 Zwölfter beim Bundeschampionat und holte dieses Jahr sensationell Bronze. Wie gut die beiden in Form sind, demonstrierten sie auch letztes Wochenende in Strzegom, wo sie den CCI2*-L mit ihrem Dressurergebnis auf Rang fünf abschlossen.
Update
Inzwischen hat die FEI die Liste mit den Nominated Entries der Sechsjährigen angepasst. Für Deutschland bleiben drei Paare übrig: Ann-Catrin Bierlein mit Daisy Dynamite, Andreas Dibowski mit Codero und Sven Lux mit Berlioz.
Siebenjährige
Die Siebenjährigen brauchen zwei Mindestleistungen. Sie müssen jeweils mindestens einmal in CCI2*-L und CCI3*-S ohne Hindernisfehler im Gelände und mit maximal vier Strafpunkten beendet haben. In Lion d’Angers treten sie dann in einem CCI3*-L an. Fünf Paare aus Deutschland haben den Cut geschafft.
Caro Hoffrichter mit Archie CC
Angeführt wird Deutschlands Aufgebot bei den Siebenjährigen von den Deutschen Amateurmeistern, Caro Hoffrichter und Archie CC v. Alaba-Lancer II. Die beiden sind ein eingespieltes Team. Archie stammt aus familieneigener Zucht. Schon mit der Mutter war die Düsseldorfer Rechtsanwältin im Busch erfolgreich. Archie gewann fünfjährig Bronze beim Bundeschampionat und war dieses Jahr nicht nur bei den DAM in Langenhagen auf CCI3*-Niveau erfolgreich, sondern davor auch schon in Strzegom.
Ben Leuwer mit Alf PH
Eine super Saison hat Ben Leuwer mit seinen Nachwuchspferden. Road2LA Kandidat Zuccini war letztes Wochenende Zweiter im CCI4*-L Strzegom und nun geht es mit dem ebenfalls von Alaba abstammenden Hannoveraner Alf PH (Z. u. B.: Katrin Ackermans-Voelkel) zur WM. Bis zu ihrer Babypause hatte Pia Leuwer den Dunkelfuchs noch in Beritt und stellte ihn gemeinsam mit Johanna Voelkel-Hinrichs auf Turnieren vor. Letztere war mit ihm 2025 Dritte beim Deutschen Amateur-Championat der Vielseitigkeitsreiter. Pia Leuwer ritt den Wallach 2024 auf Rang sechs beim Bundeschampionat. Nun also WM mit Ben Leuwer. Dafür haben die beiden sich u.a. mit einem vierten Platz im CCI2*-L von Saulieu empfohlen, wo sie mit ihrem Dressurergebnis beenden konnten. Ihr bestes CCI3*-Ergebnis war Platz 10 Ende Juli in Strzegom.
Christin Schulz mit Heho Dennis
Die Schleswig-Holsteinerin Christin Schulz konnte mit dem Hannoveraner Heho Dennis (v. D’Olympic) den Vertreter eines hoch prominenten Vielseitigkeitsstammes für Lion d’Angers qualifizieren. Es ist die Mutterlinie, aus der Ingrid Klimkes Olympiasieger Butts Abraxxas hervorging. Und der CCI5*-L Held von Luhmühlen, Aspen T. Doja Hacker zeichnet als Züchterin von Heho Dennis verantwortlich, wobei sie den Vollblutgenen der Mutterlinie mit dem Redefiner Landbeschäler D’Olympic auf der Vaterseite Donnerhall- und Cor de la Bryère-Blut zuführte und beim Muttervater beste Springgenetik durch Canstakko v. Canturo beimischte. Das Ergebnis dieser züchterischen Überlegungen wurde 2024 von Christin Schulz erfolgreich in ersten Geländepferdeprüfungen vorgestellt. 2025 waren die beiden beim Bundeschampionat am Start und sammelten erste internationale Erfahrungen. Die konnten sie dieses Jahr erweitern mit unter anderem einem sechsten Platz im CCI2*-L in Sahrendorf und einem Drei-Sterne-Qualifkationsergebnis in Hamm. Im Gelände hatte der Wallach nur einmal Probleme an einem Sprung, bei seinem ersten Einsatz. Ansonsten ging er immer null. Im Parcours ist die Bilanz nicht ganz so gut: zweimal null bei acht Starts.
Anna Siemer mit Eliope
Eine regelmäßige Lieferantin für Lion d’Angers-Pferde ist auch Anna Siemer. Dieses Jahr stellt sie die estnische Trakehner Stute Eliope vor, eine Tochter des 1,60-erfolgreichen Chromas. Andres Kiieve aus Estland ist der Züchter von Eliope und hat sie als Fohlen über eine Online-Auktion verkauft. Heute ist Reitsport und Pferdezucht Klüter als Besitzer eingetragen. Erste Starts in Springpferdeprüfungen absolvierte die Stute vierjährig unter Katrin Metz. Anna Siemer stellt sie seit Anfang 2025 vor. In der ersten Saison hatten die beiden vier CCI1*-Starts und waren zweimal unter den Top Ten. Dieses Jahr waren sie unter anderem Dritte im CCI2*-L von Westerstede und sicherten sich ihr WM-Ticket mit Rang 13 beim CCI3*-S in Hambach.
Jule Wewer mit Deena
Die Hannoveraner Stute Deena ist eine direkte Tochter von WBFSH Spitzenvererber Diarado, hier von Züchter Stefan Aust kombiniert mit einer Contendro-Frappant-Mutter. Der Stutenstamm brachte ebenso erfolgreiche Spring- wie Dressurpferde hervor. Deena ist allerdings das erste vielseitige Talent. Sie gehört inzwischen Jasper Düx, der der früheren Deutschen Nachwuchsmeisterin Jule Wewer den Beritt anvertraut hat. Sie stellte die Stute, die schon ein Fohlen hat, 2024 beim Bundeschampionat vor und letztes Jahr bei ersten internationalen Gelegenheiten. Ihre Qualifikationsergebnisse für die WM holten Wewer und Deena im Juni in Westerstede (Platz 19 im CCI3*-S) und im Juli in Luhmühlen (Rang 34 im CCI2*-L).
Weitere deutsche Pferde
Auch die anderen Nationen sind zum Teil mit deutschen Pferden beritten. Bei den Sechsjährigen stehen insgesamt 81 Pferde auf der Starterliste, inklusive der deutschen Paare stammen davon 20 aus deutschen Zuchtgebieten.
Allein von Australiens sieben Paaren sind drei Reiter mit Pferden mit aus deutschen Zuchtgebieten am Start: Capture 2 (Hannoveraner v. Clarimo, Z.: Gerald Wiese) unter Jasmine Fordham, Elton 80 (Mecklenburger v. Action Blue, Z.: Bodo Bathke) unter Katja Weimann und Caspari (Holsteiner v. Colcannon, Z.: Herbert Ulonska) mit Emma McNab.
Für Österreich sind zwei Paare genannt. Daniel Dunst stellt mit Isselhook’s Federation TSF v. Fidelio de Donjon (Z.: Siegfried Lask) einen Trakehner Wallach vor.
Belgiens Lara de Liedekerke-Meier reitet zwei Pferde bei den Sechsjährigen, darunter den Hannoveraner Herakles v. Herald (Z.: Christina Sendagorta).
Von den drei Pferden, die für Tschechien gehen, stammt eines aus deutscher Zucht: Cascaritas v. Cascadello-Favoritas (Z.: Norbert Frings) von Miroslav Trunda.
Spanien ist mit zwei Paaren vertreten, darunter Nuria Lladonosa Peiretó auf der Holsteiner Stute Soel’rings Laya v. Colcannon (Z.: Heidi Schurek).
Der finnische U18 EM-Teilnehmer Mikko Moisala reitet mit Locked In K v. Karajan (Z.: Thomas Ahrens) einen Hannoveraner.
Von den acht niederländischen Paaren reitet Bente Bartels mit Miss Marley BB v. Perigueux (Z.: Elke Freistedt) eine DSP-Stute und Merel Blom-Hulsman setzt auf Holsteiner Power mit Dream Levisto v. Zinedream (Z.: ZG Wieck) und Proud Mary v. Santos (Z.: Erja Aholainen).
Auch die Schweiz hat Holsteiner Gene im Angebot dank Nadja Minders Concert March v. Conthargos (Z.: March Stud Limited).
Siebenjährige
Bei den Siebenjährigen ist der Anteil der deutschen Pferde deutlich geringer, sieben von 61 Startern auf der Liste. Außer den deutschen Reitern setzt noch Italiens Pietro Grandis auf „German Horse Quality“, wobei der ja in Deutschland zuhause ist. Er hat die Hannoveraner Duke of Hearts xx-Tochter Daylight B 5 für Lion d’Angers genannt (Z.: Henning Brandt).
Ansonsten ist nur noch ein Holsteiner mit Philipp Dutton für die USA im Einsatz: Darwinn v. Denver aus der Zucht von Dirk Ahlmann.