In Rosengarten im Landkreis Harburg wurde ein Oldenburger Fohlen von einem Wolf angegriffen und schwer verletzt
Wolfsangriff auf Warmblut Fohlen im Süden Hamburgs
Symbolfoto Adobe Stock Früh am Morgen des 11. Juni, um 6 Uhr, wollte die Tierärztin Kristin Schütt, Betreiberin der Tierärztlichen Praxis am Eichenhain in Rosengarten, ihre Pferde auf einer Weide in Alvesen füttern. Schütt züchtet Oldenburger und Trakehner. Auf besagter Koppel standen zu der Zeit drei ausgewachsene Pferde und ein Fohlen, eine Tochter des Dante Weltino aus einer Sandro Hit-Mutter, die jüngst vom Oldenburger Verband als Elite-Fohlen ausgezeichnet worden war. Wie man den Videos und Fotos auf Schütts Social Media Account entnehmen kann, ein sehr korrektes und typvolles Fohlen, das eigentlich über die „Oldenburger Special Edition Auktion“ am vergangenen Wochenende verkauft werden sollte. Doch daraus wurde nichts.
Wunden mit eindeutigem Muster
Denn als Kristin Schütt am Donnerstagmorgen auf die Koppel kam, fand sie das Fohlen mit schweren Verletzungen an den Hinterbeinen vor. Wie sie gegenüber dem Hamburger Abendblatt sagte: „Das Fohlen sah schlimm aus, die Hinterbeine waren ganz blutig und wiesen tiefe Löcher auf.“
Während sie die Wunden versorgte, fiel ihr ein, dass sie vor kurzem das Pferd einer Kundin behandelt hatte, das identische Verletzungen aufwies. Es seien „die gleichen Löcher mit dem gleichen Abstand“ gewesen, so Schütt. Erst da dachte sie an einen Wolfsangriff und verständigte die Behörden.
Wolf als Verursacher
Schütt verständigte die zuständigen Behörden. Rissgutachter kamen und untersuchten das Fohlen und nahmen DNA-Proben. Gegenüber EQUI PAGES gab Schütt allerdings zu: „Als Tierärztin habe ich als erstes die Wunden versorgt. Ich dachte ja zunächst gar nicht an einen Wolf und die Sicherung von DNA-Spuren.
Schütt: „Die typischen 4,5 Zentimeter Fang-Abstand waren immer wieder festzustellen. Es wird auch kein freilaufender Hund gewesen sein, denn ich war abends um 23 Uhr zum letzten Mal an der Koppel und dann morgens um 6 Uhr erneut. In dieser Zeit ist bestimmt kein Spaziergänger mit Hund daran vorbeigekommen.“
Aber selbst wenn die Laboranalyse Hunde DNA in der Probe feststellt, sei das noch kein Beweis, hat Schütt erfahren. „Ich habe erst jetzt gelernt, dass es fast gar keine reinrassigen Wölfe mehr gibt“, so Schütt. Da die DNA-Analysen hier noch nicht differenzieren, könne es sein, dass selbst wenn ein Wolf nur zu 20 Prozent Hundegene in sich trägt, die DNA-Analyse als Ergebnis „Hund“ ausgibt, obwohl es ein Wolfshybride war.
Die Rissgutachter konnten den „Täterkreis“ nicht nur anhand der Bissspuren eingrenzen. Sie sind überzeugt, dass es ein alleinstehender durchziehender Jungwolf war. Die Tatsache, dass das Fohlen überlebt hat, spreche dafür, so Schütt. „Wären es zwei gewesen, hätte einer das Fohlen festgehalten und der andere hätte die Kehle durchgebissen“, so die Tierärztin, die sich angesichts der jüngsten Ereignisse eingehender mit der Jagdtechnik von Wölfen befasst hat. Zwar gebe es in der Nähe ein Rudel mit einer Fähe, die derzeit Welpen hat und dem dazugehörigen Rüden. Aber auch den schließen die Experten der Landwirtschaftskammer als Täter aus, weil sie sicher sind, dass auch der das Fohlen getötet hätte, so Schütt.
Dieser Wolf müsse von der Stute verjagt worden sein, ist Schütt sicher.
Wie geht es weiter?
Wie geht Kristin Schütt mit der Situation nun um? Gerade erst hat sie ein weiteres Fohlen bekommen, ein heiß ersehntes Stutfohlen aus bester Trakehner Mutterlinie, über das sie überglücklich ist. Umso größer ist nun die Sorge. Aber die Fachtierärztin für Pferde sagt auch: „Ich will, dass die Fohlen artgerecht groß werden!“
Sie von der Koppel zu holen, ist also keine Option. Schon deshalb nicht, weil die Mutterstuten nicht aus den Herden rauswollen und auf den kleineren Weiden am Haus so ein Theater gemacht haben, dass Schütt sagt: „Ich musste erkennen, dass ich dann die Wahl habe, ob die Fohlen durch den Wolf sterben oder weil ihre Mütter durchdrehen.“
Sie hat nun einen Kompromiss gefunden und die Pferde auf eine Weide mit einem geschlossenen Unterstand gebracht, wo sie nachts eingestallt werden können. Auch die Zäune haben sie nun alle den Vorgaben entsprechend aufgerüstet, berichtet sie.
Über Herdenschutzhunde habe sie sich intensiv informiert, dabei aber immer wieder erkennen müssen, dass es mindestens zwei Jahre dauert, bis Hunde, Herde und Mensch ein so eingespieltes Team sind, dass die Hunde effektiven Schutz bieten können. Auch habe sie durch einen Schäfer, der auf einer benachbarten Weide Kangals zum Schutz seiner Tiere eingesetzt hatte, gesehen, dass die Akzeptanz aus der Bevölkerung für das intensive Verteidigungsverhalten der Herdenschutzhunde nicht gegeben sei.
Auf der Suche nach Möglichkeiten der Co-Existenz
Überhaupt das Thema Akzeptanz – Schütt berichtet: „Was mich am meisten geschockt hat, waren die persönlichen Anfeindungen, die ich erlebt habe, nur weil ich gesagt habe, dass es ein Wolf war.“
Dabei habe sie überhaupt nichts gegen den Wolf, betont sie, „auch jetzt nicht, nachdem uns das passiert ist!“ Ihr Fazit: „Wir müssen einen Weg finden, miteinander zu leben. Aber wie dieser Weg aussieht, ist noch nicht ganz klar.“