Dressurrichter Stephen Clarke gestorben
Abschied vom früheren Olympiarichter und Judge General Stephen Clarke
Stephen Clarke (1955 - 2026).
Foto: Archiv Sportfotos-lafrentz.de Stephen Clarke war eine der bekanntesten Figuren der internationalen Dressurszene. Als Richter war er bei drei Olympischen Spielen dabei, 2004 in Athen, 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro. 2012 war er Chefrichter. 2013 wurde er außerdem zum „FEI Judge General“ ernannt und folgte damit auf Ghislain Fouarge als „Klassensprecher“ der Richterschaft. Ferner war er mehrere Jahre lang Teil des FEI-Dressurkomitees und hatte großen Anteil am Inhalt des bis heute gebräuchlichen Richterhandbuchs. Später wurde er Präsident des International Dressage Officials Club (IDOC).
Eigene Karriere im Sattel
Stephen Clarke stammte aus Wales. Die Ponys eines Nachbarn waren sein erster Kontakt zu Pferden – ein Verbindung, die nie wieder abbrach. Schon als Twen begann er mit dem Richten. Wie Eurodressage im Nachruf des IDOC zitiert, war der Grund für seine Entscheidung, sich auch hinter dem Richtertisch zu versuchen, dieser: Er hatte „die Nase voll davon, dass jeder sich über das Richten beklagt“. Das sei typisch für seine Art der Problemlösung gewesen: Statt zu jammern, ist er selbst aktiv und Teil der Lösung geworden.
Geritten ist er aber auch, und zwar sehr erfolgreich. 1980 war er beim Olympischen Ersatzfestival in Goodwood mit seinem Pferd Ulysses am Start. 1988 war er mit Becket Reservist für die britische Mannschaft bei den Olympischen Spielen in Seoul. Fünfmal wurde er Britischer Meister. Als Reiter hatten ihn unter anderem Ernst Bachinger von der Spanischen Hofreitschule, Jennie Loriston-Clarke und Ferdi Eilberg geformt.
Unermüdlicher Einsatz
Stephen Clarke war nicht nur ein Mann der Theorie, sondern auch der Praxis. So unterhielt er einen eigenen Stall in Cheshire, in dem er unter anderem Trainernachwuchs ausbildete.
Von Seiten seiner Kollegen beim IDOC wird im tiefste Wertschätzung entgegengebracht. Die Richtervereinigung sei dank seiner Führung zu einer „besseren, stärkeren und sinnvolleren Organisation geworden“.
Bis zum Schluss habe er den Kontakt zu früheren Kollegen gehalten und ein offenes Ohr für sie gehabt. Nun hat er den Kampf gegen den Krebs verloren. Mit nur 71 Jahren. Viel zu früh.
„Es war ein Privileg und eine Ehre“ – mit diesen Worten schließen Marietta Withages als frühere IDOC-Präsidentin und Hans-Christian Matthiesen als aktueller Präsident der Richtervereinigung ihren Nachruf.
Unser tiefes Mitgefühl all jenen, die Stephen Clarke nahegestanden haben!