Global Champions Tour-Etappe von Riesenbeck an Victor Bettendorf vor Deußer und Kukuk
Victor Bettendorf sprengt die deutsche Party bei der Global Tour-Etappe von Riesenbeck
Sieger bei der Global Champions Tour Etappe von Riesenbeck: Victor Bettendorf und Gibbs Un Prince.
Foto: sportfotos-lafrentz.de „Ja, das war ein schwieriger Kurs“, bestätigte Abdel Said den Eindruck, den Peter Schumachers Parcours für die Global Champions Tour Etappe von Riesenbeck machte. Er forderte an diversen Stellen seine „Opfer“, so auch Said und seine Stute Bonne Amie, die letztes Jahr den GCT Super Grand Prix für sich entschieden hatten. Sie gehörten zu den 15 Paaren, die den Parcours mit vier Fehlern bewältigt hatten – ebenso wie Marcus Ehning auf Coolio, Christian Ahlmann mit Untouched LB, Sophie Hinners auf My Prins und Jörne Sprehe mit Toys. Die beiden letzteren waren sogar noch schnell genug, um eine Platzierung mitzunehmen.
Dem gegenüber standen neun Paare, die freiwillig aufgaben, und sechs, die es fehlerfrei ins Ziel des ersten Umlaufs schafften, darunter mit Henrik von Eckermann und Christian Kukuk zwei ehemalige Riesenbecker Stallreiter.
Das Stechen
Es hatten zwar sechs Paare, das Stechen erreicht, aber Gilles Thomas zog seinen EM-Bronzegewinner Ermitage Kalone zurück – vermutlich, um ihn für die WM in Aachen zu schonen.
Den Anfang im Stechen machten Henrik von Eckermann und sein zwölfjähriger Belgier Minute Man. 2024 übernahm der Doppelweltmeister den Vigo d’Arsouilles-Sohn von Willem Greve, war mit ihm 2025 unter anderem doppelnull im Nationenpreis von Falsterbo. Das war allerdings für eine ganze Weile das letzte Turnier für das Paar. Erst Ende Mai stellte von Eckermann ihn wieder turniermäßig vor. Riesenbeck ist die erste Global Champions Tour-Etappe seit die beiden in Paris 2025 aufgegeben haben. Noch nie konnten sie sich in einem dieser Springen platzieren. Heute machten sie im ersten Umlauf vor, wie man Peter Schumachers Meisterstück von einem Parcours anzugehen hat.
Und im Stechen wiederholten sie das Kunststück. Allerdings war abzusehen, dass Henrik von Eckermann eher auf Sicherheit denn auf Sieg reiten würde. Mit 41,83 Sekunden ließen sie die Tür für die Konkurrenz weit offen.
Deußers flinke Pepita versus Lynchs „LKW“
Als zweites Paar kamen Daniel Deußer und die elfjährige quirlige Fuchsstute Pepita van’t Meulenhof auf den Platz. Die Stute hat keinen Riesengaloppsprung, bewegt sich aber kraftvoll und leichtfüßig und genauso sprang sie auch. Mit 36,34 Sekunden waren sie deutlich schneller als von Eckermann und Minute Man.
Dagegen hatten der Ire Denis Lynch und sein eher behäbiger Holsteiner Casall-Sohn Cordial nicht den Hauch einer Chance. Lynch versuchte alles und Cordial auch. Aber ein LKW schlägt nun mal keinen Sportwagen – fehlerfrei, 38,79 Sekunden.
Dann brandete Applaus auf – Christian Kukuk und Checker, die beiden Olympiasieger, die auf Ludger Beerbaums Anlage so lange zuhause waren, und denen vor dem Eingang des Riesenbeck International Hauptgebäudes inzwischen ein Bronzedenkmal gewidmet wurde, waren an der Reihe. Auch hier: alles gegeben und Checker ist deutlich flinker auf den Beinen als Cordial. Aber so eng um die Wendungen herum wie Pepita kam er nicht. 36,82 Sekunden sagte die Uhr. Und was sagte Ludger Beerbaum? Offenbar viel, denn er begleitete seinen ehemaligen Schützling den ganzen Weg aus dem Parcours auf den Abreiteplatz und machte noch einmal Manöverkritik.
Bettendorfs Traumritt
Auf dem heiligen Riesenbecker Rasen machten sich derweil der Luxemburger Victor Bettendorf und sein erst zehnjähriger Selle Français-Wallach Gibbs Un Prince bereit für ihren Auftritt. Es gibt wohl kaum ein unauffälligeres Pferd als diesen Number One d’Iso-Sohn – braun, groß, kantig und am Sprung auch eher von der Fraktion „ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es muss“. Aber das tut er! Und schnell ist er noch dazu. In 35,37 Sekunden nahmen die beiden Daniel Deußer und Pepita auf der letzten Linie noch fast eine ganze Sekunde ab. Das war der verdiente Sieg. Die Freude bei Bettendorf war riesig, vor allem über seinen vierbeinigen Sportpartner.
„Ich weiß, er ist ein Superstar, aber ich hätte nicht gedacht, dass er dafür schon bereit ist“, verriet der Luxemburger später im Interview. Zumal die beiden eine nicht ganz einfache Zeit hinter sich haben. „Rückblickend habe ich im vergangenen Jahr allerdings etwas zu schnell zu viel von ihm verlangt. Das war dem Pferd gegenüber nicht fair“, räumte er selbstkritisch ein. „Deshalb haben wir einen Schritt zurück gemacht, sind kleinere Prüfungen geritten und haben ihn in Ruhe aufgebaut. Jetzt zahlt sich diese Geduld aus.“
Checkers sportliche Antwort
Daniel Deußer wurde mit Pepita Zweiter. Er trug die Niederlage mit Fassung: „Wenn man bis zum letzten Starter in Führung liegt, möchte man natürlich gewinnen. Aber Victor war heute unglaublich schnell. Ich bin trotzdem sehr zufrieden mit meiner Runde. Pepita ist in hervorragender Form und heute wieder fantastisch gesprungen. Für sie war das nahezu eine perfekte Runde und ich bin sehr glücklich mit meinem Pferd.“
Dahinter wurde Christian Kukuk Dritter. Sein Checker buckelte beim Einreiten zur Siegerehrung so fröhlich, als wollte er allen noch einmal zeigen, wie fit ein 16-jähriger Olympiasieger ist. Und vielleicht auch dem Bundestrainer, der das Paar für die WM in Aachen nicht ins Team berufen hat. „Ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen“, hatte Christian Kukuk nach der Veröffentlichung der Mannschaftsaufstellung gegenüber der dpa gesagt. Dieses Wochenende haben er und Checker eine sportliche Antwort gegeben, schließlich war er auch im gestrigen Global Champions League Springen über 1,60 Meter fehlerfrei.
Kukuk: „Natürlich wäre ich gerne noch einen Platz weiter vorne gewesen. Aber ehrlich gesagt bin ich mit Rang drei sehr zufrieden. Vor allem freue ich mich darüber, wie Checker gestern, heute und auch im Stechen gesprungen ist. Er ist ein außergewöhnliches Pferd und ich bin unglaublich stolz auf ihn. Der Druck war in dieser Woche schon spürbar, aber ich denke, wir haben im Parcours die richtige Antwort gegeben. Es war außerdem das erste Mal, dass ich nach Riesenbeck zurückgekehrt bin, ohne dass es noch meine Heimatbasis ist. Trotzdem fühlt es sich jedes Mal wie Zuhause an, wenn ich durch das Tor fahre. Ludger und das gesamte Team wiederzusehen, war etwas ganz Besonderes. Heute Abend haben wir auf jeden Fall allen Grund, diesen Erfolg gemeinsam zu feiern.“
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