Frankreich gewinnt Nationenpreis von La Baule vor Deutschland mit zwei Doppelnullern und zwei Netzrollern
Nationenpreis-Krimi in La Baule mit Frankreich an der Spitze und Deutschland dahinter
Mal wieder doppelnull für Deutschland: André Thieme und Chakaria. Foto: Archiv sportfotos-lafrentz.de Zwei Aachen-Sieger mit André Thieme auf Chakaria (2024) und Richard Vogel im Sattel von United Touch S (2026), die beste Nationenpreisreiterin 2025 in Gestalt von Sophie Hinners, dazu die Weltcup-Zweiten Daniel Deußer und Otello de Guldenboom, die dieses Jahr in einer außergewöhnlichen Form sind – Otto Becker hätte kaum ein stärkeres Team für den Nationenpreis von La Baule zusammenstellen können. Das stellte später auch der französische Equipechef Edouard Couperie vor laufender Kamera fest. Umso stolzer war er, dass es seinem Quartett am Ende doch gelang, den Deutschen den Rang abzulaufen.
Erster Umlauf
Nach Runde eins sah es nicht so aus, als sie Deutschland heute zu schlagen. Auch wenn ausgerechnet Richard Vogel und United Touch S, die schon so oft bewiesen haben, dass sie am besten sind, wenn es drauf ankommt, als letztes Paar zwölf Fehler kassierten. Doch in diesem Fall kam es nicht darauf an, denn ihre drei Teamkollegen hatten jeweils souveräne Nullrunden vorgelegt – Thieme mit Chakaria, Hinners im Sattel des unglaublich athletischen Iron Dames Singclair und Daniel Deußer mit dem Sohn seines Erfolgspferdes Tobago Z, Otello de Guldenboom.
Bei Vogel und United Touch fiel schon am ersten Sprung eine Stange. Zwei weitere folgten. Zufall? Für den Moment war das jedenfalls egal. Deutschland hatte eine weiße Weste.
Und die Konkurrenz? Nina Mallevaey demonstrierte mit Dynastie de Beaufour einmal mehr, warum sie die derzeit beste Reiterin auf der Weltrangliste ist, null Fehler. Das Olympiapaar Olivier Perreau und die selbstgezogene Dorai D’Aiguilly leisteten sich einen Abwurf. Shooting Star Antoine Ermann und Floyd de Pres kamen ohne Hindernis-, aber mit einem Zeitfehler ins Ziel. Der Meister, Julien Epaillard, gab seinem elfjährigen Mylord Carthago-Sohn Fringan de Vesquerie eine Sicherheit im Parcours, wie fast nur er es kann. Sie blieben fehlerfrei bei ihrem zweiten Nationenpreis-Aufritt für Frankreich.
Vorn mit dabei vor der Entscheidung waren noch die Briten mit null Strafpunkten und Schweden mit vier Fehlern. Acht schlugen für Belgien zu Buche, je neun für die Schweiz und Irland.
Glanzleistung von Frankreich, Pech für Deutschland
Dann stand der zweite Umlauf an. Nina Mallevaey und Dynastie de Beaufour, die im Winter in mehr als einem Dutzend Parcours keinen Stangenkontakt hatten, kassierten als erstes Paar einen Abwurf. Enttäuschtes Aufstöhnen beim Publikum. Aber die Runden von Mallevaeys Teamkollegen waren Balsam für die Seelen der Fans – drei Nullrunden und bei jedem einzelnen Hindernis konnte man die Steine von der Seele purzeln hören. Der Jubel nachdem auch Julien Epaillard als Schlussreiter fehlerfrei ins Ziel kam, war so jäh und laut, dass Fringan de Vesquerie einen erschrockenen Satz machte, sich aber gleich beruhigen ließ. Damit hatte Frankreich einen Strafpunkt, der zählte.
Nun kam es auf die Deutschen an. André Thieme und Chakaria – die Stute ist besser in Form als vor ihrer Verletzung. Sophie Hinners und Singclair sahen nicht so aus, dächten sie auch nur daran, einen Fehler zu machen. Das wusste der clevere schwedische Wallach aktiv zu verhindern. Auch Daniel Deußers Otello sprang mit einer Souveränität, die ihn wie einen heißen WM-Kandidaten aussehen ließ – zumindest bis zum letzten Hindernis. Hier fiel dann doch die Stange. Von daher war es an den Aachen-Siegern Vogel/United Touch S, den Sack zuzumachen. Ein fehlerfreier Ritt hätte Deutschland den Sieg beschert.
Der Hallo-wach-Moment aus Runde eins schien erfolgreich gewesen zu sein. United Touch sprang wieder mit der gewohnten Ruhe und Überlegenheit. Auf der letzten Linie hatte sich Parcourschef Grégory Bodo noch eine kleine Gemeinheit ausgedacht: eine Kombination mit einem schmalen Steil als Aussprung, der oben von einer Planke, eher einer Latte abgeschlossen wurde, die aussah, als müsste man sie nur anhusten, dass sie fällt. United Touch wischte leicht dagegen. Die Planke fiel. Aus der Traum vom Sieg für die Deutschen, Riesenjubel bei den Franzosen.
Die Gastgeber standen damit als Sieger mit einem Zeitfehler fest. Mit vier Fehlern mussten Otto Becker und Crew sich dahinter einreihen. Rang drei ging nach einer furiosen Aufholjagd mit drei fehlerfreien Ritten nach Irland. Hier waren Darragh Kenny/Eddy Blue (4/0), Bertram Allen/Conquest de Rigo (1/0), Cian O’Connor/Chatolinue PS (4/0) und Shane Sweetnam/James Kann Cruz (4/WD) im Einsatz.
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