Kortison-Präparat bei Kick On von Lillie Keenan gefunden
Lillie Keenans Kick On beim TSCHIO Aachen positiv getestet
Lillie Keenan und Kick On im Frühjahr 2026 in Aachen.
Foto: sportfotos-lafrentz.de Beim TSCHIO Aachen vom 21. bis 24. Mai hatte Lillie Keenan mit Kick On die zweite Qualifikation für den Rolex Grand Prix gewonnen. Der zwölfjährige Hengst musste in die Doping- und Medikationskontrolle. Er wurde positiv auf die Substanz Triamcinolone acetonide getestet.
Bekanntes Medikament
Bei Triamcinolone acetonide handelt es sich um ein Kortisonpräparat, das in der Humanmedizin sowohl bei Hautproblemen (auch auf Schleimhäuten) als auch bei Gelenkproblemen, allergischen Reaktionen und entzündlichen Erkrankungen wie Asthma oder COPD zur Anwendung kommt.
Beim Pferd wird es meist zur Behandlung der Gelenke eingesetzt. Ein prominenter Fall war in den 2000er Jahren Shutterfly von Meredith Michaels-Beerbaum. Dieses Jahr wurde unter anderem Josch Löhdens Schabernack in Basel positiv auf die gleiche Substanz getestet. Sie gehört zur Rubrik „Kontrollierte Medikation“.
Fast Track Verfahren
Da nie zuvor eines von Lillie Keenans Pferden positiv getestet worden war und es sich bei der gefundenen Substanz um eine aus dem Bereich „Kontrollierte Medikation“ handelt, stand es der US-Reiterin frei, sich für das Fast-Track-Verfahren der FEI zu entscheiden. Sie akzeptiert damit die Verwaltungsstrafe, muss 1.500 Schweizer Franken Strafe sowie 1.000 Franken für die entstandenen Kosten zahlen. Außerdem wird sie disqualifiziert, verliert ihre Platzierung, damit auch ihre Ranglistenpunkte sowie das Preisgeld.
Was war passiert?
Lillie Keenan berichtete gegenüber EQUI PAGES, Kick On sei in Vorbereitung auf den CSI5* Aachen im Mai mit dem Medikament behandelt worden. Die FEI gibt für das Medikament eine Nachweiszeit von 7 Tagen an.
Keenan sagt nun: „Ich habe während des gesamten Prozesses offen mit der FEI und meinen Tierärzten zusammengearbeitet, um festzustellen, dass der Nachweis von Triamcinolonacetonid während des Wettkampfs nicht vorherzusehen war. Meine Tierärzte und ich haben uns an die von der FEI festgelegten Richtlinien gehalten, und dass das Medikament noch im Gelenk nachweisbar war, ist eine Anomalie. Nichts ist für mich wichtiger als die Pflege und das Wohlergehen meiner Pferde. Mein Team arbeitet gewissenhaft daran, die Wettkampfvorschriften einzuhalten, und das haben wir auch in diesem Fall getan.“
Problematische Zeitangaben
Tatsächlich lief es bei dem Fall Josch Löhden (sowie zu dem Zeitpunkt noch zwei weiteren Fällen) ganz ähnlich. Spricht man mit FEI-Tierärzten, erfährt man, dass es sich hier um ein bekanntes Problem handelt. Die FEI gibt nur die Ausscheidungszeit an. Diese wurde definiert, indem man einer begrenzten Anzahl an Pferden das zu testende Medikament in therapeutisch wirksamer Dosis verabreicht und anschließend getestet hat, wie lange es dauerte, bis die Substanz nicht mehr nachweisbar war. Diese Angaben sind allerdings immer nur Richtwerte und repräsentieren nicht die gesamte Pferdepopulation, weil jeder Stoffwechsel individuell ist. Darauf weist die FEI auch explizit hin.
Die FN gibt für die gleiche Substanz eine Karenzzeit von 56 Tagen an. Dafür wird die Ausscheidungszeit zusammen mit der Wirkweise des betreffenden Medikaments als Ausgangsbasis genommen und ein Sicherheitszuschlag hinzuaddiert, der die individuellen Stoffwechseleigenschaften der Pferde berücksichtigt.
Drei weitere Fälle gelistet
Lillie Keenan ist eine Reiterin von vieren, die aktuell auf der Liste mit den Fast Track Verfahren geführt werden. Die anderen sind zum einen der Franzose Alexis Gourdin, bei dessen Pferd Chacido im Rahmen eines CSI1* in Royan (FRA) vom 20. bis 25. Juli der Entzündungshemmer und Schmerzstiller Meloxicam gefunden wurde.
Dann ist da der spanische Dressurreiter Juan Antonio Jimenez Cobo, dessen Pferd Quatar beim CDI3* Lier Anfang März positiv auf Cannabidiolsäure getestet wurde, also dem Wirkstoff der Hanfpflanze, der eine beruhigende Wirkung haben soll, aber auch bei Gelenk- und Magenproblemen eingesetzt wird.
Und schließlich wurde bei dem Pferd MRF Nonchalant von der US-Vielseitigkeitsreiterin Catie Cejka im Rahmen des CCI2*-L in Kalispell, Montana, Firocoxib gefunden, ebenfalls ein Entzündungshemmer und Schmerzstiller.
Die Fälle sind nach Veröffentlichung vier Wochen lang einsehbar. Hier ist der Link.