Gold der Siebenjährigen bei WM junge Dressurpferde an KWPN Stute Odi Murona

WM siebenjährige Dressurpferde: Dreamteam an der Spitze, L.A. 2028 Hoffnung auf dem Silberrang

Dressur
Weltmeisterin der siebenjährigen Dressurpferde 2026: Odi Murona mit Tessa Kole.
Foto: sportfotos-lafrentz.de Weltmeisterin der siebenjährigen Dressurpferde 2026: Odi Murona mit Tessa Kole. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Wer dachte, Charlotte Dujardin und Secret Agent hätten den Titel der Siebenjährigen bei der WM junge Dressurpferde 2026 sicher, wurde heute eines Besseren belehrt. Die Goldmedaille ging ans KWPN, die Schrittnote gab den Ausschlag.

Im Vergleich zu der Qualifikationsprüfung verlangt die Finalaufgabe den Siebenjährigen bei der WM junge Dressurpferde einiges mehr ab – u.a. Zügel aus der Hand kauen lassen auf dem halben Zirkel im Trab, im Galopp halbe Pirouetten statt Arbeitspirouetten, nicht nur Vierer-, sondern auch Dreierwechsel, eine doppelte halbe Traversale mit fliegendem Wechsel beim Umstellen etc.


Genau diese technischen Anforderungen, die deutlich auf den Ausbildungsstand der Pferde verweisen, waren es, in denen die neue Weltmeisterin brillierte. Die Rede ist von der KWPN-Stute Odi Murona v. Farrell-Johnson mit der 22 Jahre jungen Tessa Kole im Sattel.


Schon in der Qualifikation hatte das Paar mit einer sehr korrekten und harmonischen Prüfung überzeugt und sich Rang drei gesichert. Heute legten sie noch eine Schippe drauf – energische Trabverstärkungen, gleichmäßig gestellte und gebogene Seitengänge, Dehnungsbereitschaft beim Zügel aus der Hand kauen. Ausreichender Raumgriff im starken Schritt, gute Rückführung in die Versammlung, ein kurzer Moment des Balanceverlusts in der zweiten Schrittpirouette. Aber dann auch im Galopp – tolles Reiten! Schönes Vorbereiten aller Lektionen mit prompten Reaktionen der Stute. Die ist sicherlich nicht das Pferd, das mit „Überbewegungen“ daherkommt, aber sie besticht durch ihre leichtfüßige Eleganz und Aktivität und durch die gute Feinabstimmung mit ihrer Reiterin.


Vorbildliche Vorstellung


„Das ist die Art, wie wir uns wünschen, dass ein Pferd vorgestellt wird“, leitete

die Niederländerin Monique Peutz-Vegter ihren Kommentar für die Richtergruppe ein. Sie kennt die Reiterin Tessa Kole gut, denn sie ist nicht nur als Richterin tätig, sondern betreut die niederländischen Nachwuchsreiter auch als Trainerin. So war sie mit Tessa Kole schon bei drei Europameisterschaften vom U21- bis U25-Lager. Vor wenigen Tagen waren die beiden noch zusammen bei der U25 EM in Pilisjaszfalu und hatten über Bronze mit der Mannschaft gejubelt.


Im Trab gaben die Richter eine 9,5 für Leichtfüßigkeit und natürliche Kadenz sowie die schönen Übergänge. Im Schritt hätten sie sich etwas mehr Raumgriff im starken Tempo gewünscht und mussten den kurzen Balanceverlust in der zweiten Pirouette berücksichtigen, 8,5. Im Galopp lobten sie Lastaufnahme, Aktivität und Taktstabilität, 9,0. Was die Durchlässigkeit angeht, kamen sie zu dem Schluss: „Schöner Rahmen, immer den treibenden Hilfen, ein Happy Horse – 9,5.“ Das war denn auch die Bewertung für die Perspektive.


Mit den 92 Prozent, die Peutz-Vegter und Elke Ebert bei C vergaben konnten Tessa Kole und Odi Murona ausgleichen, dass sie in den technischen Wertnoten „nur“ die zweithöchsten Ergebnisse erzielt hatten, 74,429 und 75,286 Prozent. Endergebnis: 83,429 Prozent. Das war die Goldmedaille für die Farrell-Stute aus der Zucht von J.J.M. van de Broek und aus dem Besitz der BG Van Belois.


Plötzlich Weltmeisterin


Dass Odi Murona und Tessa Kole ein so gut abgestimmtes Team sind, ist kein Wunder. Tessa bekam die Stute dreijährig unter den Sattel. Ihre Besitzer kauften sie als Fohlen, eigentlich als Zuchtstute. Aber, wie Besitzer Ko van Belois berichtet: „Tessa begann sie auszubilden und sie gewann praktisch überall, wo sie an den Start ging. Da haben einige Leute zu mir gesagt, ich würde gut daran tun, sie erst im Sport zu lassen. Also haben wir die Pläne geändert und jetzt sind wir Weltmeister!“, strahlte er. Tessa sei die „perfekte Reiterin“ für die Stute.


Ein Fohlen hatte Odi Murona allerdings trotzdem, als sie fünfjährig war. Sechsjährig hätte sie an der WM teilnehmen dürfen. Aber ihre Reiterin nicht. „Letztes Jahr galt noch die Regel, dass man nicht zwei Championate reiten darf und ich war auch bei der Jungen Reiter-EM am Start, deswegen durfte ich die WM nicht reiten.“ Eine Regelung, aufgrund derer u.a. auch Rose Oatley letztes Jahr nicht mit Opoque für das KWPN in Verden an den Start gehen durfte.


Silber für Secret Agent


Rückführungen wie diese waren es, mit denen Charlotte Dujardin und Secret Agent heute überzeugen konnten. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Rückführungen wie diese waren es, mit denen Charlotte Dujardin und Secret Agent heute überzeugen konnten. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Das Paar, das technisch die Nase vorn hatte, waren die Sieger der Qualifikation, der Hannoveraner Hengst Secret Agent v. Secret-De Niro aus der Zucht der ZG Sievers und mit seiner Besitzerin Charlotte Dujardin im Sattel. Der super elegante Rappe wirkte heute gelassener als noch in der Qualifikation. Dujardin präsentierte den Hengst in wunderschöner Selbsthaltung und so durchlässig, dass sie in der schwierigen Aufgabe für die Siebenjährige schon echte Höhepunkte herausarbeiten konnte – die Seitengänge, das mustergültige Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen – hier schwang der Hengst dann auch gleichmäßig durch –, die tollen Übergänge während der gesamten Prüfung, die schon sehr ausgereifte Galopptour. Auch der Schritt war heute besser als noch in der Qualifikation und die Pirouetten so geritten, wie man es von Charlotte Dujardin kennt.


Dennoch war der Schritt das Zünglein an der Waage bei der Medaillenentscheidung, denn auch heute merkten die Richter die Phasenverschiebung in der Versammlung an, die zwar weniger ausgeprägt als noch in der Qualifikation, aber erkennbar war. Note: 7,0. Das konnten die anderen Einzelnoten – 9,6 im Trab, 9,5 in Galopp und Durchlässigkeit, 9,3 für die Perspektive (Peutz sagte, es wäre mehr gewesen, aber sie mussten den Schritt berücksichtigen) – nicht aufwiegen.


Mit 83,115 Prozent gewannen Charlotte Dujardin und ihre große Zukunftshoffnung, von der sie sagt, sie habe noch nie ein Pferd geritten, das von Natur aus so geschmeidig und elastisch ist, die Silbermedaille. Nicht das letzte Edelmetall, wenn es nach Dujardin geht. „Die Olympischen Spiele in Los Angeles sind nicht mehr so weit entfernt. Es wäre schön, mit ihm eine Option dafür zu haben.“


Unrealistisch ist das nicht. 2028 ist Secret Agent neunjährig. So alt war Freestyle, als Dujardin mit ihr Bronze bei den Weltreiterspielen in Tryon gewann.


Bronze nach Dänemark


Nicht nur im Schritt eine Wucht: Bronzemedaillengewinnerin Brandtbjergs Divya unter Theresa Rosenkilde. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Nicht nur im Schritt eine Wucht: Bronzemedaillengewinnerin Brandtbjergs Divya unter Theresa Rosenkilde. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Mit einer sympathischen Unbekümmertheit gingen die Dänin Theresa Rosenkilde und Brandtbjergs Divya das Finale an. Die Hesselhøj Donkey Boy-Tochter, die auf dem Hof Brandtbjerggaard der Familie Buhl zur Welt kam und letztes Jahr noch von Anders Sjøbeck Hoeck zur Silbermedaille geritten worden war, wechselte nach der WM zur Familie Rosenkilde. Theresa ist erst 20 und hat bereits reichlich Erfahrungen und Medaillen in Nachwuchschampionaten gesammelt. Heute kam ihre erste bei einer Jungpferde-WM hinzu.


Sie präsentierte ihre Stute in einem sehr schönen Seitenbild in der Trabtour. Die Stute machte den Eindruck, als wäre sie beim Sonntagsausritt, so losgelassen und im positiven Sinne aufmerksam präsentierte sie sich, nahm alles wahr, blieb aber trotzdem konzentriert bei der Sache. Der Trab selbst – aktiv im Hinterbein , die Energie floss durch den ganzen Körper. Beim Zügel aus der Hand kauen lassen hätte man sich etwas mehr Dehnung gewünscht.


Im Schritt marschierte Divya locker-flockig mit Siebenmeilenstiefeln im Mittel- und starken Schritt los. In der Versammlung hätte man sich jedoch schon mehr Geschlossenheit gewünscht, und das zog sich auch durch die Galopptour. So ließ sie einige Punkte liegen, wie die Richter der Reiterin mit auf den Weg gaben.


„Wir würden gerne mehr Versammlung sehen und eine bessere Vorbereitung auf die Lektionen“, mahnte Monique Peutz-Vegter. Was aber nichts am positiven Eindruck änderte, den die beiden hinterließen. „Die Stute arbeitet willig konzentriert und hat drei sehr gute Grundgangarten“, übersetzte Peutz-Vegter die 8,8 für die Perspektive.


Im Trab vergaben sie eine 8,9, im Schritt 9,0, im Galopp 8,6 und in der Durchlässigkeit 8,5. Alles in allem wurden es 80,979 Prozent.


Benicios Erbe


Ein kleiner elastischer Gummiball: Belcanto HB unter der Portugiesin Mafalda Galiza Mendes. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Ein kleiner elastischer Gummiball: Belcanto HB unter der Portugiesin Mafalda Galiza Mendes. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Platz vier ging an einen Hannoveraner unter portugiesischer Flagge, Belcanto HB v. Benicio-Rascalino aus der Zucht von Helmut Bäßmann und vorgestellt von seiner Besitzerin Mafalda Galiza Mendes. Die beiden waren vor zwei Jahren schon Achte im Finale bei den Fünfjährigen. Wer Belcanto sieht, fühlt sich sofort an seinen Vater Benicio erinnert, etwas heller in der Farbe, aber ähnlich bunt und mit der gleichen Power und der gleichen Schulterfreiheit in den Bewegungen. In der Qualifkation waren die beiden Fünfte. Heute konnten sie noch einen draufsetzen: Rang vier mit 80,465 Prozent trotz eines Patzers in den Dreierwechseln für diesen hoch motivierten und sympathischen Fuchs.


Und die Deutschen?


Ann-Christin Wienkamp und Schatzmeister. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Ann-Christin Wienkamp und Schatzmeister. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Erneut waren Ann-Christin Wienkamp und ihr Kraftprotz Schatzmeister MZ OLD v. Secret-De Niro (Z.: Ewald Grotelüschen, B.: Mandy Zimmer) bestes deutsches Paar. Der Anfang der Aufgabe war super – Visitenkarten-Grußaufstellung, tolles Traben mit viel Power, Kadenz und Schulterfreiheit, alles in vorbildlichem Rahmen. Die Erweiterung besagten Rahmens in den Verstärkungen wollte man schon feiern, da galoppierte Schatzmeister in der zweiten Verstärkung an. Im Schritt präsentierte der Wallach sich raumgreifend und taktsicher, doch in der Versammlung hätte er sich mehr schließen dürfen. Besonders im Galopp wurde Schatzmeister dann recht stark in der Anlehnung, was die Richter in der Durchlässigkeitsnote berücksichtigten – ebenso wie die Serienwechsel, die noch etwas festgehalten waren. Alles in allem gab es 79,322 Prozent für Ann-Christin Wienkamp und Schatzmeister, Platz sechs.


Direkt dahinter konnten Senta Kirchhoff und der elegante Don Martillo-Sohn Dribbler aus der Hannoveraner Zucht von Angela Fitschen sich Rang sieben sichern (78,643) noch vor dem zweifachen Titelverteidiger, dem KWPN-Hengst Red Viper v. Romanov-Sir Sinclair (Z.: Coen Kerbert) unter Dinja van Liere, der tolle Momente hatte, aber noch sicherer in der Selbsthaltung werden muss und zudem in der Linkstraversale im Trab angaloppierte (78,2).


Das „Great, greater, Greta“-Plakat der Familie Heemsoth, die in Verden praktisch zuhause ist, begrüßte die Hannoveraner Stute Felice FRH v. Fürst Samarant-Riverside (Z.: René Janzen), als sie mit Greta Heemsoth im Sattel als erstes Paar des heutigen Finaltages in Verden das Viereck betrat. Sie läuteten diesen Tag auf die bestmögliche Weise ein mit einer Prüfung aus einem Guss mit fließender Trabtour, wunderschöner Anlehnung und einer schon sehr ausgereiften Galopptour. Lediglich bei den fliegenden Wechseln kam zum Teil noch etwas Spannung auf und zwei sprang die Stute nach. Das drückte zwar die Note, aber trübte nicht den positiven Gesamteindruck, den die Richter in einer Perspektivnote von 8,9 für die 2024er Bundeschampionesse zusammenfassten. Alles in allem gab es 77,1 Prozent. .


Die Gewinnerin des kleinen Finales, Carina Scholz‘ Oldenburger Escamillo-Londonderry-Tochter La Jolie SW OLD, begann mit einer wunderbaren Trabtour – ausdrucksvoll, losgelassen, aktiv vom Boden wegfedernd und herrlich in der Anlehnung. Doch in der Galopptour kam Spannung auf, die sich vor allem in den fliegenden Galoppwechseln bemerkbar machte. Mit 76,486 Prozent belegten die beiden Rang elf.


Primaballerina Felice FRH, fein vorgestellt von Greta Heemsoth. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Primaballerina Felice FRH, fein vorgestellt von Greta Heemsoth. Foto: sportfotos-lafrentz.de

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