Faustino G ist Weltmeister der jungen Dressurpferde bei den Sechsjährigen
WM Verden: Dänisches Gold, Bronze für Sir Gribaldi, Viva Diamond toll, aber heiß
Weltmeister der sechsjährigen Dressurpferde 2026: Faustino G. mit Betina Jæger Jensen.
Foto: sportfotos-lafrentz.de Betina Jæger Jensen und der dänische Hengst Faustino G. v. Farrell-Sezuan aus der erfolgreichen Zucht des Stutteri G von Helene Geervliet hatten bereits die Finalqualifikation gewonnen und waren heute letztes Paar im Finale der Sechsjährigen bei der WM junge Dressurpferde 2026 in Verden. Die Dramaturgie passte und die Vorstellung der beiden in weiten Teilen ebenfalls.
Der bildschöne elegante Hengst zeigte sehr viel Elastizität und Schwung im Grundtrab und hielt dabei ein schönes Gleichmaß, auch in Seitengängen und Wendungen. In Verstärkungen wünschte man sich mehr Schluss von hinten, so dass die Hinterbeine mehr unter den Schwerpunkt fußen und die Reiterin den Rahmen nach vorne öffnen kann.
Im Schritt marschierte Faustino losgelassen los und war in allen Tempi ganz sicher im Takt. Mustergültig gelangen die Schrittpirouetten und daraus ein sehr schönes Angaloppieren.
Der Galopp ist aktiv und sicher im Dreitakt. Daraus entwickelte der Hengst bereits recht sichere fliegende Wechsel, wobei er bei dem dritten, der aus der Ecke kehrt nach einer halben langen Seite im Außengalopp rechts nach links geritten werden muss, einmal energisch ausschlug und damit seinen Unmut kundtat, dass seine Reiterin ihn mit viel Geschick daran gehindert hat, vor dem Punkt umzuspringen.
Knut Danzberg hatte heute das Kommentieren für die Richtergruppe übernommen und lobte Balance, Takt, Elastizität, Engagament und Durchlässigkeit in den Übergängen der Trabtour, 9,7. Im Schritt hätten sich die Richter mehr Schulterfreiheit gewünscht, 8,7. Im Galopp hob Danzberg unter anderem ebenfalls die Regulierbarkeit hervor, 8,8. Diese Wertnote wurde es auch in der Durchlässigkeit, wobei Danzberg betonte, dass es mehr geworden wäre, wäre da nicht das Ausschlagen beim Wechsel gewesen.
Zusammen mit der 9,5 in der Perspektive erreichten die beiden damit 91 Prozent – Weltmeister! Und das eine Woche, nachdem Betina Jægers Tochter Filippa in Le Mans zum ersten Mal Pony-Europameisterin geworden war. Was für ein Jahr für die Familie!
Züchtererfolg

Groß war die Freude auch bei der Züchterin Helene Geervliet. Letztes Jahr stellte sie mit Quinn G. die Weltmeisterin der Siebenjährigen in Verden, wo Faustino bereits Vierter geworden war. Diesmal stand sie neben Faustino bei der Siegerehrung, um die Gratulationen für die Züchterin des siegenden Pferdes entgegenzunehmen. Und das, wo der ebenfalls von ihr gezogene Hengst Daan G. v. Donkey Boss, die 2 Millionen Euro-Preisspitze des Verdener Hengstmarkts 2024, am Freitag parallel die Einlaufprüfung des Hannoveraner Championats für vierjährige Hengste überlegen für sich entschied. Gut möglich, dass Helene Geervliet morgen noch einen Titel zu begießen hat.
Der Erfolg ist umso größer angesichts dessen, dass Faustino G. ein Vertreter der vierten Generation ist, die in ihrem Stall zur Welt kam. Wie man einen Weltmeister züchtet? „Man muss mit ganzem Herzen züchten und auf gute Berater hören. Und man braucht für die besten Pferde auch die besten Reiter.“
Silber ebenfalls nach Dänemark

Und auch auf Rang zwei blieb alles beim Alten – die von Merita Hagren für Helgstrand Dressage vorgestellte Dizzy v. Hesselhøj Donkey Boy-Zack aus der Zucht des Gestüts Hesselhøj gewann Silber.
Knut Danzberg lobte die Positivität, die die Stute ins Viereck bringt und damit hat er recht. Sie hat unglaublich viel Go, die Ohren sind immer gespitzt, die Stute immer auf Sendung. Bei aller Vorwärtsenergie in den schwunghaften Grundgangarten ging sie trotzdem einen sehr losgelassenen, raumgreifenden Schritt und ließ sich auch problemlos und taktstabil zurückführen. In der ersten Schrittpirouette trat sie einmal nicht mit, die zweite gelang besser.
In Trab- und Galopparbeit zeigte sie heute recht wenig Versammlung und blieb eng im Hals. Die Verstärkungen waren eher eilig und im Trab schob die Stute auf die Vorhand statt ins Bergauf. Bei der Rückführung aus dem starken Galopp in die Versammlung machte sie sich einmal deutlich frei. Die Wechsel gelangen aber bereits mit großer Selbstverständlichkeit.
Die Richter lobten insbesondere das natürliche, gleichmäßige und aktive Traben. Die Stute sei „in der Lage Versammlung zu zeigen“. Im Galopp hätten sie sich in den Verstärkungen mehr Bergauftendenz gewünscht. Was die Durchlässigkeit angeht, erklärte Danzberg: „Das einzige, was wir uns wünschen, ist mehr Kreuzen in den Traversalen.“
In Wertnoten ausgedrückt: Trab 8,5, Schritt 9,5, Galopp 8,3, Durchlässigkeit 8,8, Perspektive 9,0. Gesamtnote: 88,2 Prozent.
Sternstunde von Sir Gribaldi

Bronze ging an den Hannoveraner Hengst Sir Gribaldi, einen von 18 (!) Secret-Nachkommen bei dieser Weltmeisterschaft, was diesen Hengst zum meistrepräsentierten Vererber in Verden 2026 macht. Vitalis ist mit 9 Nachkommen dabei, Escolar mit 8.
Sir Gribaldi heißt Sir Gribaldi, weil seine Züchter, die ZG Janßen und Aronis Secret an eine All Inclusive-Mutter angepaart hatten, und der ist ein Gribaldi-Sohn. Das Gestüt Sprehe ist die Heimat des Ergebnisses dieser Anpaarung, das unter anderem letztes Jahr beim Bundeschampionat dabei war und hier Platz 24 im kleinen Finale belegte. Nun konnten er und seine ständige Reiterin Beatrice Arturi nicht nur das deutsche Auswahlkomitee für die WM von sich überzeugen, sie holten auch noch eine Medaille.
In der Qualifikation wirkte Sir Gribaldi noch etwas unzufrieden in der Anlehnung. Das war heute viel besser. Zwar war er bisweilen immer noch etwas eng, aber viel gleichmäßiger. Die Trabverstärkungen waren an der unteren Grenze, aber der Hengst zeigte schöne Seitengänge, in denen er die Qualität des Trabs erhalten konnte, sowie eine super Schritttour.
Der Galopp war das Highlight der Prüfung mit viel Abdruck und Durchsprung bei gleichzeitig bereits deutlicher Lastaufnahme, wenngleich man sich auch eine tiefere Kruppe wünschte. Daraus entwickelte der Hengst bereits sehr ausgereifte schöne fliegende Wechsel. Die Verstärkung war minimal eilig. Aber trotzdem – das war eine Sternstunde der beiden.
Knut Danzberg: „Die Reiterin hat den Hengst sehr schön vorgestellt. Der Trab war gut im Takt. In der Versammlung wünschten wir uns mehr Kadenz und mehr Aktivität und in den Verstärkungen mehr Schub von hinten, 8,2. Der Schritt war gut in Takt und Raumgriff, 8,8. Im Galopp zeigte er viel Aktivität und war gut herangeschlossen. Er könnte zum Teil etwas mehr bergauf springen, aber zeigte viel Potenzial für die Lastaufnahme, 8,8. Was die Durchlässigkeit anbelangt – die Seitengänge waren gut ausbalanciert, die fliegenden Wechsel exzellent. Die zweite Schrittpirouette war etwas groß und im Trab hätten wir uns einen etwas offeneren Rahmen gewünscht, 8,7.“
Die gleiche Wertnote gab es auch in der Perspektive und damit 86,4 Prozent in Summe.
Medaillengewinnerin der Herzen

Hätte es einen Publikumspreis gegeben, vielleicht wäre er an die beiden Silbermedaillengewinner des Vorjahres gegangen, Linda Weiß und ihre Oldenburger Stute Viva Diamond OLD v. Vitalis-Don Diamond aus der Zucht des Zuchthofs Alberding und im Besitz der 360° Sportpferde GmbH.
Schon in der Qualifikation schien Viva Diamond sich im WM-Stadion von Verden einsam zu fühlen und rief nach ihren Kollegen auf dem Abreiteplatz. Das tat sie auch heute, schon gleich nach dem ersten Gruß. Es war zu sehen: Da war jemand on fire.
Wenn die Stute sich phasenweise entspannte, war die Prüfung eine Augenweide. Die Trabtour – fließend, losgelassen, bombensicher im Takt, ein Tritt wie der andere, die Anlehnung am Zwirnsfaden und trotzdem beständig. Sogar im Schritt kam Viva Diamond zunächst aktiv, losgelassen, sicher an die Hand heranziehend zum Schreiten. In der Versammlung merke man aber: Da ist noch Spannung.
Es war eine reiterliche Meisterleistung von Linda Weiß, wie sie die Schrittpirouetten gemanagt hat und die Stute in den Galopp manövrierte, ohne dass sie explodierte. Das gelang ihr auch bei den fliegenden Wechseln, nur einen sprang Viva Diamond in zwei Phasen. Auch Verstärkung und Rückführung im Galopp – die Stute kann alles. Aber ja, spannungsfrei war die Aufgabe heute nicht.
Im Kommentar hoben die Richter die Balance im Trab hervor. Die Verstärkungen hätten sie sich gleichmäßiger von hinten herangeschlossen gewünscht und sie merkten an, dass die Stute hier etwas schief wurde (8,2). Im Schritt gaben sie die 9,0. Im Galopp (8,2) bemängelten sie unter anderem, dass in der Vorbereitung auf die fliegenden Wechsel das Bergauf des Galopps etwas verloren ging. Für die Durchlässigkeit vergaben sie u.a. aufgrund der schönen Anlehnung und des offensichtlichen Vertrauens der Stute eine 8,7, in der Perspektive eine 8,8. Machte 85,8 Prozent, diesmal Rang vier.
Zwei schwarze Hengste

Ein niederländischer und ein dänischer Rapphengst teilten sich den fünften Platz mit jeweils 84 Prozent.
Der KWPN-Vertreter war der All at Once-Vitalis-Sohn Pythagoras WK aus der Erfolgszucht von Willeke Bos vom Stal 104. Inzwischen steht Pythagoras in gemeinschaftlichem Besitz von Willem van Kampen und Franka Loos, die auch im Sattel saß. Pythagoras gehörte heute ebenfalls zu den Pferden Sorte „Heißer Ofen“. Im Trab (8,1) schien er seiner Reiterin etwas davonzueilen, so dass sie nicht wirklich zum Treiben und Nachgeben kam, obwohl sie sich immer wieder bemühte, so auch Länge in den Hals zu bringen. Sehr schön gelang die Schritttour (8,8), wenngleich die Pirouetten etwas hektisch gerieten. Auch im Galopp (8,5) gab es mehrere Highlights, u.a. die schon sicheren Wechsel und eine gute Rückführung nach der Verstärkung. Grußaufstellungen fand Pythagoras heute allerdings sehr überflüssig. In keiner von beiden mochte er stillstehen (Durchlässigkeit 8,0).
Der zweite schwarze Hengst auf Rang fünf aus Dänemark war der bildschöne Bronzmedaillengewinner des Vorjahres, Straight Horse Leonardo, ein Pferd, das seinen Vater Lord Europe (Mutter v. De Niro, Z.: Straight Horses ApS) nicht verleugnen kann. Noch immer sitzt Mette Sjebjerg Jensen für Helgstrand Dressage in Leonardos Sattel. Auch dieses Jahr präsentierte sie den Hengst sehr gleichmäßig und sicher in allen Phasen der Aufgabe, wenngleich das beständige Nicken im Trab darauf hindeutete, dass Leonardo sich in der Oberlinie noch nicht voll losließ. Aber in Sachen Lektionen war das einzige Problem die fliegenden Wechsel nach rechts, die er beide in zwei Phasen sprang. Im Trab gab es die 8,8, im Schritt 8,2, im Galopp 8,5, in der Durchlässigkeit 8,0 und in der Perspektive 8,5.
V-Power heute mit Problemen

Mit Spannung erwartet worden war der Auftritt von Isabell Werth und dem ehemaligen westfälischen Siegerhengst V-Power, ein wunderschöner Dunkelbrauner, dessen Köpfchen dem seines Vaters Viva Gold wie aus dem Gesicht geschnitten ähnelt. Gezogen wurde V-Power von Bernd Goeke aus einer Fidertanz-Mutter, Besitzer ist Helgstrand Dressage und Isabell Werth hat den Beritt übernommen, als die deutsche Dependance des Handelsstalls Anfang des Jahres auf ihre Anlage in Rheinberg zog.
Dass Werth den Dunkelbraunen gerne reitet, ist kein Wunder. Er trabt mit der Mechanik seines Vaters, aber mehr Elastizität. Auch er wirkte heute zunächst zufriedener in der Anlehnung als noch in der Qualifikation. In der Trabtour sah das noch nach einer Medaille aus – auch wenn der Hengst in den Verstärkungen etwas eilig wurde und im Schulterherein links einmal kurz die Balance verlor und die Vierecksumrandung zum Einsturz brachte. Dass danach ein Teil der Umrandung ins Viereck ragte, brachte weder Pferd noch Reiterin aus dem Konzept. Sie ritten einfach drumherum.
Das Problem begann mit der Schritttour. V-Power fand nicht zur Losgelassenheit, zog nicht zur Hand hin. Im Mittelschritt war der Takt noch da, in den Pirouetten machte er sich aber deutlich fest.
Danach hätte er angaloppieren sollen, aber Werth kam mit ihren Hilfen nicht durch. Da musste sie ihr ganzes reiterliches Geschick aufwenden, bis es klappte. Auch der erste Wechsel war noch fest im Rücken, die anderen gelangen besser.
So gab es heute zwar eine 9,5 im Trab und eine 9,3 im Galopp, aber mit 6,8 im Schritt, 7,6 in der Durchlässigkeit – angesichts der Probleme großzügig – und 8,6 für die fraglos vorhandene Perspektive reichte es diesmal „nur“ für Platz sieben.
Die wahre Liebe
Sabrina Geßmann und die hoch elastische und sympathische Westfalen-Stute True Love WS v. Toto Jr.-Self made (Z.: Elena Starr, B.: Westphalian Stables) wurden Neunte mit 82,6 Prozent. Hier wünschte man sich u.a., dass sie den Abdruck und die Kadenz aus der Versammlung noch mehr mit in die Verstärkungen nehmen würde. Der eigentliche Haken war der Schritt, wo True Love etwas brauchte, um zur Losgelassenheit zu finden und in der Versammlung leichte Spannung aufkam. Das war die einzige Wertnote unter 8 (7,5).
Bemerkenswert bei True Love WS und Sabrina Geßmann war, dass die Stute zwar noch etwas konstanter in der Anlehnung hätte sein können, aber Geßmann wirkte nie rückwärts oder „haltend“ ein, so dass die Stute nie eng wurde. Das gefiel. Und das sah man bei anderen Paaren anders, wo die Reiter bemüht waren, ihren Pferden eine Form vorzugeben, was diese mit entsprechender Abwehr, unzufriedenen Mäulern und engen Hälsen quittierten. Das wurde von den Richtern im Kommentar dann aber auch deutlich angemerkt.
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