Einfach Imposant B Weltmeister der jungen Dressurpferde bei den Fünfjährigen

WM Fünfjährige mit drei Medaillen für Deutschland und einfach imposantem Sieger

Dressur
Würdiger Weltmeister: Einfach Imposant B unter Kira Laura Soddemann.
Foto: sportfotos-lafrentz.de Würdiger Weltmeister: Einfach Imposant B unter Kira Laura Soddemann. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Seine erste WM wurde zum Durchmarsch für den Hannoveraner Wallach Einfach Imposant B, der erst die Qualifikation und heute dann auch das Finale der Fünjährigen bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde für sich entschied. Dahinter hat sich in der Rangierung allerdings einiges getan.

Eigentlich wollte Dr. Peter Brenske ein anderes Pferd aus dem Verdener Auktionslot erwerben, doch da verpasste er den Zuschlag. Und weil die von ihm mit dem Ausprobieren der Pferde beauftragte Kira Laura Soddemann schon beim ersten Reiten fühlte, dass Einfach Imposant nicht nur so heißt, sondern auch so ist, kaufte Brenske stattdessen diesen Escolar-Sohn aus der Zucht von Daniela Burkhardt-Robert (Mutter v. Westernhagen), der seinen Vater in vielen Merkmalen nicht verleugnen kann. Spätestens heute dürfte er sehr froh sein, damals nicht den Zuschlag für seinen eigentlichen Wunschkadidaten bekommen zu haben.


Einfach Imposant B und Kira Laura Soddemann begannen mit einer herrlich fließenden Trabtour. Der Braune bewegt sich hoch elastisch, kraftvoll, schon sehr gut ausbalanciert in den vielen Wendungen der FEI-Aufgabe für die Fünfjährigen und mit deutlichem Zug zur Hand – manchmal vielleicht sogar etwas zu viel, besonders rechts.


Im Schritt marschierte er groß los, jede einzelne Bewegung durch den ganzen Körper gehend und mühelos in der Rückführung zum Mittelschritt. Prompt galoppierte der Wallach an.


Der Galopp selbst ist einer, wie man ihn von seinem Vater kennt – maximal aktives Hinterbein, viel Raumgriff und lange Schwebephase, aber auch die Fähigkeit, sich zurückführen zu lassen. Die demonstrierte Einfach Imposant heute eindrucksvoll in den Einfachen Wechseln, die von Kira Laura Soddemann allerdings auch perfekt vorbereitet waren. Der einzige nicht ganz ideale Moment war der Übergang vom Galopp in den Trab. Der war über Schritt geritten. Aber danach noch einmal ein tolles Zügel aus der Hand kauen lassen. Alles in allem eine herrliche Runde!


Das fanden definitiv auch die Richter, für die Peter Storr die Kommentierung übernommen hatte und aus tiefstem Herzen mit den Worten begann: „Danke für diese schöne Vorstellung!“ Das sagt viel. Noch mehr aber sagt die Begründung für die Perspekitvnote von 9,5: „Dieses Pferd hat alles! Ein tolles Pferd und dazu noch die schöne Verbindung mit der Reiterin.“

Im Trab vergaben Storr und Kollegen die 9,5, in Schritt und Galopp die 9,0, in der Durchlässigkeit die 9,3. Endergebnis: 92,6 Prozent, Weltmeister.


Silber an Global Amour


Alexander Yde Helgstrand und Global Amour OLD. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Alexander Yde Helgstrand und Global Amour OLD. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Ähnlich harmonisch wie die Vorstellung des Siegerpaars war auch die des Duos auf Rang zwei, das waren der Oldenburger Hengst Global Amour OLD v. Global Player-Fürstenball, gezogen von Britta Budeus-Wiegert aus dem Stamm des San Amour I, im Besitz von Helgstrand Dressage und vorgestellt von Alexander Yde Helgstrand.


Peter Storr beschrieb sehr anschaulich den Eindruck, den Global Amour vermittelt. Zum Trab sagte er, dies sei kein „überspektakulärer“ Bewegungsablauf, aber er biete ein schönes Bild. Etwas mehr Schub in den Verstärkungen hätten er und seine Kollegen sich gewünscht, 8,8. In dem Bereich bewegten sich auch die weiteren Wertnoten – Schritt 8,8, Galopp 8,7, Durchlässigkeit und Perspektive 9,0. Um noch einmal Storr zu zitieren: „Das Pferd hat nichts falsch gemacht. Er war gehorsam, losgelassen und gleichmäßig in der Anlehnung.“


Damit wurden es 89,4 Prozent und Silber für das oldenburgisch-dänische Duo, das in der Qualifikationsprüfung noch Platz vier belegt hatte.


Weihe’s Beste


Bundeschampionesse 2025, WM Bronzemedaillengewinnerin 2026: Weihe's Happiness mit Alina Schneider. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Bundeschampionesse 2025, WM Bronzemedaillengewinnerin 2026: Weihe’s Happiness mit Alina Schneider. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Ihren Platz aus der Qualifikation verteidigt hat die ebenfalls beim Oldenburger Verband registrierte Weihe’s Happiness v. Dynamic Dream-Sir Donnerhall, Bundeschampionesse der vierjährigen Stuten und Wallache 2025, gezogen und im Besitz von Christine Arns-Krogmann, vorgestellt von Alina Schneider.


Bei dem Namen ahnt man schon, aus welchem Stamm die leichtfüßige Ballerina kommt, dem von Weihegold OLD. Als Weihe’s Happiness in der Qualifikation Dritte wurde, schwärmte Christine Arns-Krogmann, die Weihegold ja als Zweijährige entdeckte, kaufte und damit den Grundstein für ihr heutiges Lebenswerk legte, Happiness sei wie ein „Upgrade von Weihegold“. Was der dreifachen Weltcup-Siegerin an Vorderbeinmechanik fehlte, bringe diese Stute mit. Dann kann man ja noch einiges erwarten, das Zeug dazu hat Weihe’s Happiness allemal. Allerdings verlief die heutige Aufgabe nicht ganz problemlos.


Während der gesamten Prüfung war die Stute unruhig im Maul, was sich später im Linksgalopp auch durch eine Störung bemerkbar machte. Alina Schneider behielt in bewundernswerter Weise die Ruhe. Die Richter merkten das Maul an und erklärten, die Stute habe sogar versucht, die Zunge hochzuziehen. Darum seien sie in der Durchlässigkeit auf eine 7,2 runtergegangen. Aber dieses leichtfüßige, akzentuierte Traben, das wunderbar aktive Hinterbein, der raumgreifende, taktsichere Schritt, der sich auch schon sehr gut zurückführen ließ und das natürliche Bergauf im Galopp waren ihnen hohe Noten wert: 94 im Trab, 9,0 im Schritt, 8,8 im Galopp, 8,5 in der Perspektive. Gesamt: 85,8 Prozent.


Der Sensible


DSP Lord Löwenherz mit Ellen Richter. Foto: sportfotos-lafrentz.de
DSP Lord Löwenherz mit Ellen Richter. Foto: sportfotos-lafrentz.de

In der Qualifikation war DSP Lord Löwenherz von Bellin mit einer satten 9,8 im Trab Zweiter geworden. Dementsprechend groß war die Erwartungshaltung, als der Lord Europe-United-Sohn aus der Zucht und im Besitz der MJS Gestüt von Bellin GmbH mit seiner Ausbilderin Ellen Richter das Viereck betrat.


Der Schwarzbraune bewegt sich in den schwunghaften Grundgangarten mit katzengleicher Kraft und Geschmeidigkeit. Im Trab kann man fast von Schwerelosigkeit sprechen. Aber er macht auch den Eindruck, als sei er höchst sensibel und schnell aus dem Konzept zu bringen. Noch größer scheint allerdings das Vertrauen zu seiner Reiterin zu sein.


Die Grußaufstellung nutzte Ellen Richter gleich, um ihn beim Grüßen kurz hinter dem Sattel zu streicheln und zu signalisieren, dass alles okay ist. Dann begann die Aufgabe. Im ersten Mitteltrab stutzte Lord Löwenherz beim Aufnehmen kurz, weil er außerhalb des Vierecks irgendetwas erspäht hatte, was ihn kurz einen Satz zur Seite machen ließ. Es spricht für die Beziehung zu seiner Reiterin, dass er sich sofort wieder konzentrierte. Aber so ganz geheuer schien ihm die Atmosphäre im Verdener WM-Stadion heute nicht zu sein. Auch im Schritt kam er nicht ganz zur Losgelassenheit, worauf die Richter die leichten Spannungstritte in der Vorhand zurückführten. Im Trab erkannten sie heute ein nicht ganz regelmäßiges Ausschwingen vorne links.


Auch im Galopp – Lord Löwenherz machte keine Fehler, galoppierte imposant und kraftvoll, zeigte ansprechende Einfache Wechsel mit sehr guter Lastaufnahme. Aber seine Anspannung war z.B. im Außengalopp zu erkennen, wo er hinter die Senkrechte kippte und Ellen Richter einiges Geschick aufwenden musste, um ihn wieder vor die treibenden Hilfen zu bekommen. Auch beim letzten Gruß kam er nicht zum gelassenen Stehen. Doch Ellen Richters beruhigend streichelnde Hand war sofort zur Stelle, um ihm die Angst vor dem aufbrandenden Applaus zu nehmen.


Es war die Vorstellung eines Pferdes, das Riesenpotenzial und zudem eine Reiterin hat, die weiß, wie sie ihn an die Hand nehmen muss. 9,0 im Trab, 7,6 im Schritt, 9,0 im Galopp, 8,4 in der Durchlässigkeit, 8,8 in der Perspektive ergaben ein Endergebnis von 85,6 Prozent, Rang vier.


Und sonst?


Mal ein anderes Wort für Happy Athlete? Senza Parole F! Foto: sportfotos-lafrentz.de
Mal ein anderes Wort für Happy Athlete? Senza Parole F! Foto: sportfotos-lafrentz.de

Die 9,8, die Lord Löwenherz heute nicht bekam, erhielt die hoch sympathische westfälische Stute McMary NRW v. McLaren-Ampere aus der Zucht der ZG Slot/Schurink und im Besitz der Reesink Stallions B.V. mit der Britin Phoebe Peters im Sattel. Die beiden waren als Zwölfte der Qualifikation gerade noch ins Finale reingerutscht und konnten heute eine ganze Schippe drauflegen. Mit 84,8 Prozent wurde ihre harmonische Vorstellung bedacht, Platz fünf.


Einen Sonderehrenpreis für den schönsten Übergang vom Galopp in den Trab hätten Thomas Schulze und die Hannoveraner Stute Senza Parole F v. Secret-For Romance I (Z. u. B.: Dr. Christine Feichtinger) verdient gehabt. Überhaupt zeigten auch die beiden eine sehr harmonische Runde, die Stute wunderbar zufrieden in der Anlehnung und mustergültig im Seitenbild, immer in Balance und ganz konzentriert bei der Sache. Unglücklicherweise peilte Schulze in der Schritttour das falsche Ziel beim Wechseln über die Diagonale an, was ihm ein halbes Prozent Abzug bescherte. So wurde es Platz sieben mit 83,5 Prozent hinter dem Sieger des kleinen Finales, dem schwedischen Hengst Buskhagans Sanjay v. Suarez unter Linnéa Holmgren (83,8).


Fazit vom Richter


Dr. Sven-Günter Rothenberger, Vater der hoch erfolgreichen drei Rothenberger Geschwister Sanneke, Sönke und Semmieke, erklärte nach dem Finale der Fünfjährigen, was eigentlich die große Herausforderung ist, wenn man eine WM richtet:


„Das Richten heute war nicht einfach. Die Pferde waren toll, aber absolut unterschiedlich – da muss man nur einen Blick auf die drei Medaillenträger werfen. Von der sehr eleganten Weihe’s Happiness bis zu dem eher soliden Sieger Einfach Imposant und dazwischen der moderne Hengst Global Amour. Und viele der jungen Pferde hatte ihre kleinen Problemchen und dann kam der Sieger und zeigt uns schon eine so ausgereifte, fließende Prüfung. Wir mussten die Balance finden zwischen richtig guter Qualität, Rittigkeit und Präzision. Und dann kommt die große Frage hinzu, wie genau die Perspektive zu bewerten ist. Es steht nicht in den Regeln, dass die Perspektive beinhalten muss, ob wir ein späteres Grand Prix Pferd erkennen können. In den Regeln steht: Ist es ein gutes Pferd? Ist es gut ausgebildet? Das muss man alles im Hinterkopf haben – also, es war schwierig heute, aber fantastisch.“


Alle Ergebnisse finden Sie hier.


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