Isabell Werth und Viva Gold hängen den Rest des Feldes im Grand Prix von Herning ab
Isabell Werth und Viva Gold siegen in CDI3*-Grand Prix Herning
Viva Gold punktet auch im Galopp - hier ein Archivbild vom Finale des Louisdor Preis 2025 in der Frankfurter Festhalle. Foto: sportfotos-lafrentz.de Start-Ziel-Sieg für Isabell Werth und Viva Gold beim 3*-Grand Prix im Rahmen der dänischen Hengstkörung in Herning: Mit 77,5 Prozent setzte sich die 56-Jährige deutlich vom Feld ab. Viva Gold, Enkel der Olympiazweiten Weihegold und teuerstes Auktionsfohlen beim Oldenburger Verband 2016 an dem Tag, an dem seine Großmutter in Balve erstmals deutsche Meisterin wurde, hat an Kraft hinzugewonnen. Das zeigt sich unter anderem an den Passagen, die er mit mehr Abdruck und gleichmäßig im Hinterbein zeigte.
Die erste Piaffe gelang mit schwingendem Rücken in guter Balance und mit geschmeidigen Übergängen. In der zweiten Piaffe packte den Vivaldi-Sohn der Ehrgeiz. Auf kleinstem Raum machte sich der Dunkelfuchs dabei selbst das Leben etwas schwerer als notwendig. Ehrgeizig arbeitete er bei tiefer Kruppe. Dadurch geriet das Vorderbein, das eigentlich im 90-Grad-Winkel zum Boden fußen sollte, in deutliche Rücklage. Das kompensierte der engagierte Hengst mit hohem Fußen im Vorderbein. Dann aber klappte er dabei im Hals nach vorne ab und zeigte mehr als die geforderte Anzahl von Tritten. Werth schob die Hand vor, klopfte den Hengst als er dann den Weg in Richtung Passage gefunden hatte. Schon im Rückwärtsrichten, der am niedrigsten bewerteten Lektion des Ritts, war der Fuchs nicht klar vor den treibenden Hilfen und war zum Ende im Hals „abgetaucht“.
Wie sein Urgroßvater Donnerhall
In der Passage erinnert Viva Gold in der Silhouette und auch in der Art, das Vorderbein hoch aufschwingen zu lassen, an den Hengst, dem er auch sein goldenes Fell verdankt: an seinen Urgroßvater Donnerhall. Nur eben in der Version des 21. Jahrhunderts, der 2020er Jahre.
Hohe Bewertungen erzielte der zehnjährige Oldenburger für sehr zentrierte Galopppirouetten, von denen die zweite noch flüssiger gelang als die erste. In den 15 fliegenden Galoppwechseln von Sprung zu Sprung wünschte man sich noch etwas mehr Volumen. Sowohl im Ganaschenwinkel als auch im Galoppsprung. Dabei springt der Hengst die Serienwechsel aber sicher und gerade mit ruhig pendelndem Schweif. Werth hatte die Wechsel sehr früh eingeleitet, worunter die Einteilung dann litt.
Die Dänin Susanne Baarup war Richterin bei B und vergab 80,761 Prozent. Realistischer fiel die Einschätzung der Richterin bei H aus. Ulrike Nivelle vergab 74,783 Prozent. 77,5 Prozent in einem „normalen“ Grand Prix sind persönliches Bestergebnis des Paars.
21-mal zückten die Richterinnen die 9,0 – elfmal war es Susanne Baarup. Sie war es auch, die für die abschließende Passage ein 10 vergab. Die anderen Juroren waren bei dieser Lektion zwar auch begeistert (zweimal 8,0, je einmal 8,5 und 9,0), wollten aber das Optimum noch nicht erkennen.
Lord Europe Zweiter
Platz zwei ging nicht nur nach Deutschland, sondern ebenfalls an eine Reiterin mit engem Bezug zum Sponsor der Prüfung, Helgstrand Dressage. Leonie Richter und Lord Europe erzielten 70,109 Prozent. Wie Viva Gold stand der Hengst 2025 im Finale des Louisdor Preises. Dort landeten die beiden in der Endabrechnung auf Platz zehn. In Münster konnte das Paar in Intermediaire II und Kurz Grand Prix die Konkurrenz hinter sich lassen. Damit hatten sie sich den Titel „Derby-Star von morgen“ gesichert.
Herning war der erste internationale „lange“ Grand Prix für das Paar. Die Prüfung war ohne groben Schnitzer. An einigen Stellen hakte es noch in der Feinabstimmung. Zu den Highlights zählten die Galoppirouetten.
Leonie Richter hat lange für Helgstrand Dressage Germany geritten und sich zum Jahreswechsel selbstständig gemacht. Den Rheinländer Lord Leatherdale-Sohn darf sie aber weiterhin reiten.
Platz drei ging an Annabella Pidgley (GBR) und den von Charlotte Dujardin übernommenen Gio. Mit 69,978 Prozent schlidderten die beiden knapp an der 70-Prozent-Marke vorbei. Dem Paar waren die Zweierwechsel zum Verhängnis geworden.