Frederic Wandres und Imo Pectore gewinnen Louisdor-Preis Qualifikation in Hagen
Imo Pectore und Szechuan zum Louisdor-Finale und eine Qualifikantin der Herzen
Frederic Wandres und Imo Pectore. Foto: Sportfotos-lafrentz.de Frederic Wandres und der elegante Fuchs Imo Pectore waren gleich zweites Paar heute in der Qualifikation für den Louisdor-Preis von Hagen. In der Einlaufprüfung waren sie Dritte. Aber da Wandres seinen Siegpartner Veuve Clicquot heute bewusst noch nicht ein zweites Mal gehen lassen wollte, fiel ein Konkurrent schon mal weg.
Geritten wurde heute der Louisdor-Grand Prix, bei dem direkt nach dem starken Trab die erste Passage-Piaffe-Passage-Tour kommt und die Schlusslinie bereits mit Piaffe bei X geritten wird. Für Imo Pectore war dies heute die zweite S***-Prüfung seines Lebens und dafür machte er es richtig gut.
Er ging eine Prüfung ohne große Patzer mit viel versprechenden Ansätzen vor allem in Piaffe und Passage. Die Passagen gelangen schon richtig gut. In den Piaffen nimmt „Imo“ viel Last auf und senkt die Kruppe, fußt auch diagonal, bleibt vorne aber rückständig und findet auf diese Weise noch sein Gleichgewicht. Sehr schön herausgearbeitet war der versammelte Schritt und im starken Schritt marschierte der Asgard’s Ibiza-Sohn entspannt und fleißig los. In die Pirouetten bremsten die beiden etwas hinein, aber die Lektion selbst gelang ebenfalls. Kurz: Hier gab es viel zu mögen, aber alles ist noch im Werden.
Dr. Dietrich Plewa lobte in seinem Kommentar, wie Wandres das Pferd durch die Aufgabe begleitet hat, ohne ihn zu überfordern. „Das Einfühlungsvermögen des Reiters ermöglicht es ihm, sich bestmöglich zu präsentieren“, so Plewa.
Damit, dass dies die Runde zum Sieg sein würde, hatte Wandres selbst nicht gerechnet: „Ich hätte mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass Imo hier in Hagen auch noch bei der ersten Etappe – Hagen ist immer ein schwieriges Pflaster, konkurrenzmäßig und von der Qualität – gleich auftrumpfen konnte. Darüber freuen wir uns RICHTIG! Ich bin sehr froh, dass er ohne große Patzer durch diese Aufgabe gekommen ist. Sicher gibt es noch 100.000 Stellen, an denen wir feilen können – und das werden wir auch. Aber erstmal ist es gut, dass man einen Moment zum Durchatmen hat und das Pferd in Ruhe weiter ausbilden kann, ohne dass man noch an die Qualifikation denken muss. Das nimmt den Druck.“
Zu verdanken hat Wandres seinen nächsten Louisdor-Preis Kandidat seiner Chefin Bianca Kasselmann. Denn er war gar nicht so scharf darauf, Imo von ihr zu übernehmen. „Sie hat mich schon ein bisschen gepusht“, gibt er zu. Im Herbst vergangenen Jahres hat er ihn unter den Sattel bekommen. Inzwischen sagt er auch, wie viel Talent für Piaffe und Passage der Wallach mitbringt. Am Feinschliff wird nun weiter gearbeitet, um sich in acht Monaten in Bestform in Frankfurt zu präsentieren.
Overachiever Szechuan

Kandidat Nummer zwei für das Finale ist der zehnjährige Oldenburger Wallach Szechuan v. Sezuan mit Dr. Annabel Frenzen im Sattel, die den statiösen Schwarzbraunen in gewohnt gefühlvoller Manier präsentierte. Allerdings konnte auch sie nicht verhindern, dass der Wallach zum Teil deutlich sperrte. Die große Stärke des Pferdes ist die Pi und Pa Tour, hier fußt er taktsicher und federt durch den ganzen Körper und zwar auch in den Übergängen.
„Die Perspektive beurteile ich mit Plusplus“, lautete das Fazit von Dr. Dietrich Plewa und das kann Annabel Frenzen nur bestätigen: „Ich bin total happy, der ist so motiviert und hat so viel Spaß und bei den Wechseln will er am liebsten immer gar nicht mehr aufhören. Das ist zwar toll, aber da muss er mir schon noch ein bisschen besser zuhören“, schmunzelte sie und dachte dabei an ein kleines Versehen im Mittelgalopp als der Wallach den Wechsel „klaute“.
Alles in allem gab es 71,149 Prozent für Szechuan, Platz zwei, und damit sind sie nach fünf Jahren der gemeinsamen Partnerschaft für den großen Meilenstein Louisdor-Preis qualifiziert.
Siegerin der Herzen

Als drittletztes Paar betraten U25-Europameisterin Anna Schölermann und der schicke Dunkelfuchshengst Vitally PCH das Hagener Viereck. Der achtjährige Vitalis-Sohn, dessen Mutter keine Geringere als Weihegold OLD ist, ist nicht der Größte, aber er bewegt sich wie ein ganz Großer. Hinzu kommt das Gerittensein. Keiner der heutigen Konkurrenten präsentierte sich so geschmeidig im Körper, immer mit aktiv tragendem und schiebendem Hinterbein, immer sicher und zufrieden in der Anlehnung. Und dann auch noch lektionssicher mit tollen Serienwechseln und klaren Höhepunkten in Piaffe und Passage. Es war ein Ritt aus einem Guss. Taktsicherheit? Check! Losgelassenheit? Check! Anlehnung? Check! Schwung und Fleiß? Check! Geraderichtung? Check! Versammlung und Lastaufnahme? Check, Check!
„Richtig coole Runde“, jubelte auch Moderatorin Kim Kreling. Und der ehemalige 5*-Richter Dr. Dietrich Plewa als Kommentator war ebenfalls begeistert: „Das hat mir außerordentlich gut gefallen! Ich fand die Runde insofern beeindruckend, da es sich noch um eine junge Grand Prix-Reiterin handelt, die im besten Sinne professionell reitet mit großem Einfühlungsvermögen und ganz viel Erfahrung, und zum anderen sehen wir hier ein Pferd, das ganz offensichtliches Talent hat.“
Besonders hob er die Piaffe-Passage-Tour hervor: „immer mit gesenkter Kruppe, immer im bergauf.“ Gute Verstärkungen sind bekanntlich das Ergebnis reeller Versammlung. Dazu Plewa: „Im Trab wie im Galopp von allerhöchster Qualität.“
Das sahen die Richter offenbar anders, wie sich zeigte, als die Noten kamen: 70,532 Prozent, Rang vier. Die Seitenrichter bei B und E vergaben unter 70 Prozent. Das Publikum hingegen setzte das Paar beim Spectator Judging auf Rang eins.
Damit waren Schölermann und Vitally die Sieger der Herzen. Ein Ticket nach Frankfurt können sie sich damit jedoch leider kaufen. Verdient gehabt hätten sie es.
Piaffe-Passage-Maschinchen Theo
Der Zweitplatzierte der Intermédiaire II, der KWPN-Hengst Majestic Taonga, Stallname „Theo“, wurde heute Dritter mit 70,617 Prozent. Fehler in den Wechseltouren wurden ihm heute zum Verhängnis. Der Rappe ist in Sachen Optik und Talent ganz klar von Großvater Totilas geprägt. Bereits als Youngster bekam Isabell Werths Stallreiterin Lisa Wernitznig ihn in Beritt und zeigte ihn heute mit vielen schönen Momenten. Dabei stach die Piaffe-Passage-Arbeit heraus. Das kann mal richtig gut werden. Sehr schön gelangen auch die beiden Pirouetten. Auch der Schritt war gut. Das Aber: die Anlehnung. Die ist beinahe durchgehend fest und der Hengst hat oft ein offenes Maul.
Lisa Wernitznig erklärte später: „Die zwei Feuervögel (so bezeichnet ihre Chefin Isabell Werth sie und Majestic Taonga) hatten heute vielleicht ein bisschen zu viel Energie. Aber der bringt alles mit – Talent, Geist, dieses Pferd braucht einfach nur noch Kraft und Routine und muss noch ein bisschen relaxter werden. Aber wenn wir ins Viereck kommen, wachse ich auch ein Stückchen. Er gibt mir das Gefühl, etwas Besonderes zu sein.“
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