Dressur in Lier: deutsche Nationenpreis-Debüts, CDI-Einsatz Premiere Wernitznig/Superb, Zonik Plus
Einst wurde ernsthaft erwogen, Forster auf den letzten Weg zu schicken. Heute geht er Nationenpreis für Deutschland. Foto: sportfotos-lafrentz.de Seit dem Justin Verboomen- und Zonik Plus-Boom ist Dressur ein Thema in Belgien. Das wurde spätestens beim Nationenpreis in Lier 2025 deutlich, wo Belgien erstmals in der Geschichte des Sports ein „Länderspiel“ auf dem Viereck für sich entscheiden konnte. Keine Frage, Verboomen und sein schwarzer Hengst haben aus Belgien einen ernstzunehmenden Gegner für die etablierteren Dressurnationen gemacht.
Verboomens WM-Vorbereitung
Verboomen und Zonik Plus sind die heißen Favoriten auf das Einzelgold bei den Weltmeisterschaften in Aachen. Lier soll das letzte Turnier vor der WM sein, verriet der Doppel-Europameister von Crozet nun im Gespräch mit dem Turnierveranstalter.
„Nach Lier werde ich den ganzen Juni mit Zonik zuhause bleiben. Er wird auch ein bisschen Urlaub bekommen. Vor den Weltmeisterschaften in Aachen geht er kein Turnier mehr. Ende Juli haben wir nochmal ein Trainingslager mit der belgischen Mannschaft, das reicht mir. Es gab nicht wirklich noch ein weiteres Turnier bis Aachen, bei dem ich dachte: Dort will ich echt starten. Ich ziehe es vor, zuhause an den Details zu feilen.“
Was genau er damit meint? „Seit Fontainebleau (wo er Grand Prix und Kür mit Personal Best gewann, Anm. d. Red.) habe ich zuhause kaum Lektionen geritten. Ich habe mich hauptsächlich auf die kleinen Details konzentriert: Losgelassenheit im Galopp und Anlehnung. Aber am Ende sind das überhaupt keine Details. Das ist die Basis.“
Sein Ziel für Lier sei es, im Viereck das gleiche Gefühl abrufen zu können, wie bei der Arbeit zuhause – ein Galopp mit schwingendem Rücken und die die Harmonie in den Passagen und Piaffen wie in Fontainebleau.
Der Neue von Justin Verboomen
Dass er nach Lier kein Turnier mehr bis zu den Weltmeisterschaften in Aachen reiten will, bedeutet auch, dass Justin Verboomen bei den Belgischen Meisterschaften in der kommenden Woche fehlt. Wobei er ursprünglich überlegt hatte, hier einen neuen Partner zu präsentieren: Fellini du Soleil.
Fellini du Soleil ist ein zwölfjähriger Hannoveraner Wallach v. Foundation-Rubin Royal, gezogen in Deutschland von Marianne Eichenberger, aber in französischem Besitz des einstigen Olympiareiters Dominique Brieussel und dessen Frau Stephanie, die ihn bislang auch auf Turnieren vorgestellt hat. Doch Anfang April meldete Eurodressage, dass das Ehepaar Brieussel sich entschieden hat, den Fuchs zu Verboomen zu geben. Hintergrund waren gesundheitliche Probleme. Eine schwere Erkrankung ihres Mannes führte dazu, dass Stephanie die Arbeit für zwei erledigen musste, während sie selbst auch Probleme mit der Schulter hat. In dieser Situation vertraute sie ihr „Baby“ Justin Verboomen an.
Der sagte nun im Interview: „Ich hatte geplant, Fellini bei den Belgischen Meisterschaften an den Start zu bringen, aber wir sind noch nicht ganz so weit. Ich möchte alles so gut wie möglich machen und mir dafür die Zeit nehmen. Darum werde ich kommende Woche nicht reiten.“
Sein Hengst brauche nicht mehr Starts, um sich auf dem Turnier zu entspannen, sondern die Ruhe um die Veranstaltungen herum. „Was er wirklich braucht, ist, früh bei einem Turnier anzukommen, so dass er sich eingewöhnen kann. Das entspannt ihn.“
Deutschlands Debütanten-Team in Lier
Aus deutscher Sicht wird der Nationenpreis in Lier ebenfalls hoch interessant. Monica Theodorescu hat sich für ein Team mit in Nationenpreisen auf Grand Prix-Niveau noch unerfahrenen Paaren entschieden.
Semmieke Rothenberger kennt das Gefühl, für Deutschland zu reiten, zwar von den unzähligen EMs, die sie in ihrer Nachwuchszeit bestritten hat (und bei denen sie stets mit mindestens einer Goldmedaille, meistens mehreren heimkehrte), aber dieses Wochenende sind sie und ihr Aachener Kür-Sieger von 2025, Farrington, erstmals in einem Senioren-Team am Start.
Ganz neu ist das Gefühl, den Bundesadler auf der Brust zu tragen, für Tobias Nabben. Er wird seinen Finest-Sohn Forster an den Start bringen, mit dem er letztes Jahr noch Finalist im Louisdor-Preis am Start war. Dass die beiden nun erstmals für Deutschland reiten, hat fast etwas vom Cinderella-Märchen, wenn man sich die Geschichte dieses zarten Wallachs und seines Reiters und Vertrauten anschaut. Ein Werdegang, der zeigt, was alles möglich ist, wenn ein Pferd nur zum richtigen Menschen findet.
Forster ist nicht der einzige Louisdor-Preis Finalist des Vorjahres, der nun erstmals im Nationenpreis an den Start geht. Das gleiche gilt auch für die beiden weiteren Teampferde mit ihren Ausbildern.
Das ist zum einen der neun Jahre junge Global Power OLD mit Evelyn Eger. Die beiden haben in Fontainebleau ein internationales Debüt nach Maß gegeben, wo sie riesiges Potenzial offenbarten.
Zum anderen hat Louisdor-Vize Champion Escolar’s Emil mit Thomas Wagner seinen ersten Auftritt für Deutschland.
Der Nationenpreis steht für Samstag, 13 Uhr, in der Zeiteinteilung von Lier.
Österreichs WM-Kandidaten Wernitznig und Superb
Vor wenigen Tagen berichteten wir, dass Isabell Werths Stallreiterin Lisa Wernitznig als gebürtige Österreicherin bei der WM-Sichtung ihrer Heimat mit der Stute Superb am Start, die bis zum letzten Frühjahr noch unter Isabell Werth ging. Bei der Sichtung erreichte das Paar über 70 Prozent. Es fehlt ihnen allerdings noch die internationale Qualifikation, um überhaupt für die Nominierung infrage zu kommen. In Lier holten sie sich gestern die erste Ü66 Prozent-Bewertung im Grand Prix, die dafür notwendig ist und bei zwei verschiedenen CDI3* und höher erbracht werden muss.
Mit 68,826 Prozent wurden sie Sechste der Prüfung.
Nachtrag: Nach dem Grand Prix hatte sich Wernitznig für den Special statt der Kür als zweite Prüfung entschieden. Hier belegte das Paar mit 68,830 Prozent Platz drei.
Platz zwei im U21 Nationenpreis für GER
Lier ist auch Nationenpreis-Gastgeber für den Nachwuchs. Hier sind die Entscheidungen bereits gestern gefallen. Deutschland hatte nur ein Junge Reiter-Team geschickt, keines für Junioren und Ponyreiter. Mit 214,166 Prozent mussten sich Lotte Beckmann/Devito van de Kempenhoeve (69,118), Carolina Miesner/Exclusiv (69,657), Martha-Sophie Pickers/Ferri Rousseau (71,274) und Lana-Pinou Baumgürtel/Escalla OLD FH (73,235) nur dem Team aus Dänemark geschlagen geben.
0,343 Prozent machten den Unterschied, mit dem Luna Købæk Rosenberg/Extreme Noir Hit (68,382), Theresa Rosenkilde/Blue Hors Zwobber (71,255), Andrea Hamann Sand/Blue Hors Victor (70,735) und Anna Have Larsen-Ledet/Finnigan-Vitz (72,549) aufs oberste Treppchen trabten.
Dänemark hat übrigens auch die Nationenpreise der Ponyreiter und Junioren für sich entschieden.
Lana-Pinou Baumgürtel und die Escolar-Tochter Escalla, die ihren Vater weder optisch noch in Sachen Bewegungsqualität verleugnen kann, lieferten eine tolle Vorstellung, mit der sie sich zudem den Sieg in der Einzelwertung sicherten.
Alle Ergebnisse aus Lier finden Sie hier.