Charlotte Dujardin gewinnt mit Brave Heart II Grand Prix Gold Championship bei den Nationalen Meisterschaften

Charlotte Dujardins und Brave Heart hängen bei Nationalen Meisterschaften WM-Paar ab

Dressur
Charlotte Dujardin und Brave Heart gewannen die britischen "Nationals" im Grand Prix.
Foto: British Dressage/Kevin Sparrow Charlotte Dujardin und Brave Heart gewannen die britischen "Nationals" im Grand Prix. Foto: British Dressage/Kevin Sparrow
Charlotte Dujardin hat bei der Britischen Dressurmeisterschaft mit Brave Heart II die Grand Prix Gold Meisterschaft gewonnen und ließ dabei ein WM-Paar hinter sich. Und: Sadie Smiths Stute Sassy nach Horrorunfall zurück an der Spitze.

In Großbritannien sind sie ein Saison-Höhepunkt: die National Championships – kurz die Nationals – sind die offizielle britische Dressur-Nationalmeisterschaft. Über vier Tage und in drei Vierecken werden mehr als 700 Paare in Gold- und Silber-Abteilungen erwartet, vom Einsteigerniveau bis zum Grand Prix, verteilt auf rund 25 Titel. Ausgetragen wird das Turnier auf der Anlage Somerford Park Farm. Hier eine Auswahl der Titelträger(innen).


Freches Pony schlägt WM-Paar


Brave Heart II, ein zwölfjähriger Wallach v. Bordeaux, gehört Ellie McCarthy und ist seit Anfang des Jahres unter dem Sattel der dreifachen Olympiasiegerin. Das Paar war auf britischem Terrain bereits mehrfach erfolgreich und war auch im Gespräch für die WM in Aachen. Allerdings gab man hier Fiona Bigwood und der selbst gezogenen Donna Bella den Vorzug. Sie waren das Streichergebnis der britischen Silbermannschaft in Aachen.


Nun trafen Dujardin/Braveheart und Bigwood/Donna Bella bei den Nationals aufeinander – eine Begegnung, die haushoch zugunsten von Dujardin und Braveheart ausging. Mit 75,044 Prozent setzte das  international besetzte Richtergremium (Sven Rothenberger, Nick Burton, Isobel Wessels, Øivind Instefjord Oedemotland, Sandy Phillips) die beiden an die Spitze. Sie erhielten u.a. eine 9 für die zweite Galopppirouette und für eine Piaffe eine 8,5.


Zweiter wurde Dujardins vielfacher Mannschaftskollege bei Championaten, Gareth Hughes, auf Mowgli-Olympia MC (70,457 Prozent). Das WM-Paar Fiona Bigwood und Donna Bella belegte mit exakt 70 Prozent den dritten Platz.


Dujardin betonte, Brave Heart II baue noch immer Kraft und Selbstvertrauen auf: „Er gewinnt iim Viereck einfach immer mehr Sicherheit mit mir. Als ich ihn bekam und wir anfingen, wusste ich definitiv, dass noch viel mehr in ihm steckt. Man braucht eben Geduld, um diese Entwicklung zu fördern und ihn Kraft bekommen zu lassen. Er musste durch das Training körperlich stärker werden, und meine Erwartungen an ihn waren wahrscheinlich ziemlich hoch im Vergleich zu dem, was er zuvor gewohnt war. Ich finde, als Reiterin ist es viel schwieriger, ein Pferd zu übernehmen, das man nicht selbst ausgebildet hat. Ich musste also erst einen Schritt zurückgehen, um voranzukommen. Wir stehen noch ziemlich am Anfang – wir haben bisher vielleicht sieben oder acht Turniere bestritten, also noch nicht sehr viel.“


Auf dem Turnier könne er schon mal schüchtern sein. Doch eigentlich sei er ganz anders, wie ein „freches Pony“. „Selbst wenn er im Viereck dann ein bisschen zurückhaltend wird, behält er sich doch diesen frechen Charakter bei. Er will einem einfach gefallen – und ich glaube, das gibt einem als Reiter viel Hoffnung für die Zukunft.“


Erst die Kinder, dann der Sport


Charlotte Dujardins Jahr 2026 war bislang kein einfaches. Im März sorgte ihr Aufwärmen beim Weltcup-Turnier in Amsterdam für heftige Diskussionen um Tierwohl und Reitmethoden – nicht die erste Kontroverse dieser Art in ihrer Karriere. Im April dann verkaufte sie ihre Grand-Prix-Stute Alive and Kicking an die Familie Oatley, zeigte aber mit dem siebenjährigen Hengst Secret Agent bereits, welches Nachwuchspferd sie in der Hinterhand hat.


Bei den Nationals sprach die 41-Jährige nun offen darüber, wie sehr sich ihre Prioritäten verschoben haben, seit Tochter Isabella (3, reitet bereits Schritt, Trab und Galopp) und Sohn William auf der Welt sind. Die Kinder kommen zuerst. Rückschläge im Sport wögen seitdem anders.


Sassys zweites Leben


Ganz andere Geschichte, ähnlich viel Drama: Das Finale der Siebenjährigen gewann Sadie Smith mit der Stute River Rise Onassis – genannt Sassy –, einer Tochter des nun vierfachen Weltmeisters Glamourdale aus einer Amsterdam-Mutter im Besitz von Sue Gerrard mit satten 81,167 Prozent und damit einem klaren Vorsprung vor Jayne Turney mit Vienna WD (76,584 Prozent) und Ruth Hole mit 00 Heaven (74,900 Prozent).


Im Vorjahr war Sassy bei den Sechsjährigen Zweite geworden. So weit, so gut. Allerdings ereignete sich auf der Rückreise von eben jenem Turnier ein Unfall, der die Stute nicht nur ihre Karriere, sondern ihr Leben hätte kosten können. Der Transporter mit Sassy an Bord wurde in einen Auffahrunfall verwickelt. Der Anhänger kippte um. Wie durch ein Wunder überlebten sowohl Pferd als auch Fahrerin die Sache.


Ein Wermutstropfen: Die Stute zog sich einen tiefen Riss in der Fesselbeuge zu. Da dies eine Stelle ist, die immer in Bewegung ist, dauerte die Heilung lange und von allen Beteiligten war unendlich viel Geduld gefordert. Doch nun – geblieben ist davon: nichts, weder physisch noch psychisch.


Sadie Smith sagt: „Das zeugt einfach von ihrem Wesen. Weil sie so ein tolles Pferd ist (…). Sie hat nicht ein einziges Mal gezögert, in den Transporter zu gehen – es ist, als wäre ihr nie etwas passiert. Sie ist so brav und vertraut uns, und das bedeutet uns einfach unglaublich viel.“


Smith hat große Pläne mit der eleganten Schimmelstute: „Ich werde mit ihr wahrscheinlich im kommenden Winter die ‚Small Tour‘ in Angriff nehmen. Darauf werden wir uns konzentrieren. Sie macht wirklich gute Fortschritte … wir werden sie also weiter in Richtung Grand Prix ausbilden.“


Weitere Infos von den „Nationals“ finden Sie hier.


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