Guxhagen: Isabell Werth und Back for Good sowie Anna Schölermann mit Vitally PCH für Louisdor Preis-Finale qualifiziert
Isabell Werth und Back for Good für Louisdor Preis-Finale qualifiziert, Anna Schölermann mit Traumritt
Isabell Werth und Back for Good. Foto: Screenshot Clipmyhorse Isabell Werth und Back for Good haben sich mit einem Sieg mit knapp 76 Prozent in Guxhagen die Teilnahme am Finale des Louisdor Preis gesichert. Der Dunkelfuchs aus dem Besitz der Österreicherin Victoria Max-Theurer lief eine fehlerfreie Runde mit einigen Höhepunkten. Deutlich besser noch als in Pinneberg, wo das Paar ebenfalls gesiegt hatte, aber wegen einer fehlenden S-Dressur-Platzierung vorm Start im Nachhinein disqualifiziert worden war.
Back for Good freundet sich mit der Atmosphäre an
Beim Gruß schaute Back for Good wie schon in der Einlaufprüfung tags zuvor einmal zur Hallendecke, fand sich dann aber schnell wieder. Dann „meterte“ er richtig los. Im starken Trab versteht der Ben Benicio-Sohn zu punkten. Die Passage wirkte heute losgelassener. Der Übergang aus der ersten Piaffe heraus gelang fleißig und mit großer Selbstverständlichkeit. Zwischenzeitlich musste Werth immer wieder einmal parieren, um die Energie des Brandenburgers in die richtigen Bahnen zu lenken. Die zweite Piaffe zeigte das Paar wie bereits die erste schon sehr präzise am Punkt. Der versammelte Schritt gelang losgelassener als in der Prüfung des Vortags.
Prüfungsroutine fehlt noch
Der starke Schritt zählt nicht zu den Highlights im Portfolio des DSP-Wallachs. Zumindest noch nicht. Ihn wünschte man sich losgelassener, mit klarem Schreiten und deutlicherem Übertritt. Isabell Werth aber ist sich sicher: „Normalerweise hat er wirklich auch einen Achter-Schritt“, heute sei er eben „ein bisschen ,an‘ gewesen.
In der Pirouette nach links spielte Isabel Wert ihre Routine aus. Sie war minimal größer, als die gestern gezeigte. Die fliegenden Galoppwechsel zu zwei Sprüngen waren gerade und im Vorwärts. Und auch die 15 Enerwechsel gelangen dem Paar am heutigen Sonntag. Gestern fehlte da der Zug nach vorn.
Neunen für die Passage
Auf der letzten Mittellinie blitzte noch einmal das ganze Talent für Passagen und Piaffen des Ben Benicio-Sohns auf. Für die Passage gab es hier überwiegend Neunen. Mit mehr Routine und daraus resultierender Losgelassenheit ist der Wallach ein Pferd, dass man sich überall vorstellen kann. Auch ganz weit vorne.
Werth war mehr als glücklich. „Der ist wirklich unglaublich geil – darf man das sagen? Super lieb. Der gibt alles, was er kann. Und natürlich muss sich das noch ein bisschen konsolidieren. Aber wenn man sieht, welche Technik das Pferd in der Piaffe-Passage, welche Diagonalität, er hat. Das Pferd hat eigentlich keine Schwäche. Und macht super Spaß zu reiten, weil er auch so ehrlich ist.“
Routine im Sattel gibt dem Pferd Sicherheit
Kommentatorin Heike Kemmer betonte, wie wichtig die Selbstsicherheit der Reiterin für ein Pferd ist, in dem so viel Energie steckt. „Das ist natürlich die routinierteste Reiterin der Welt, die hier Piaffe-Passage präsentiert. Und sie hat so eine klare Vorstellung, wie das zu gehen hat und kann das auf jedes Pferd umsetzen und jedem Pferd vermitteln. Und die Pferde setzen es dann um. Jeder Reiter geht dann nochmal vielleicht unsicher daran – vielleicht habe ich meinen Übergang noch nicht so in Schuss oder ist die Piaffe noch im Vorwärts. Isabell nicht. Die weiß, wie Passage geht. Die Piaffe bleibt auf der Stelle, es geht wieder raus. Das vermittelt sie ihren Pferden, das ist ihr großes Talent.
Anna Schölermann gelingt ein Hammerritt
Anna Schölermann und Vitally PCH hatten heute den vielleicht besten Ritt ihrer gemeinsamen Karriere. Zumindest im Turnierviereck. Der Oldenburger Vitalis-Sohn hatte es sich augenscheinlich vorgenommen, den Sieg nicht so einfach herzugeben. Piaffen und Passagen gelangen so, als seien sie seine vierte Grundgangart. Für Sekunden fehlte manchmal in den Übergängen noch die letzte Kraft im Hinterbein. Aber schnell hatte Anna Schölermann auch hier das Hinterbein wieder aktiviert.
Traumhafte Anlehnug
Was das vielleicht schönste neben allen technischen Highlights war: die mustergültige Anlehnung. Die Schülerin von Hubertus Schmidt zeigte mit dem Dunkelfuchs ein Pferd, das sich wirklich in jeder Phase reell trägt. Dazu eine Reiterin im Sattel, die aus tiefem Sitz heraus mit gerade so viel Hilfen einwirkt, wie notwendig. So soll Dressurreiten aussehen!
Heike Kemmer: „ein geborenes Grand Prix-Pferd“
Nur die 15 Einerwechsel, die sollen anders aussehen. Nach 13 war nämlich Schluss. Heike Kemmer brachte das Problem in ihrem Kommentar genau auf den Punkt. „Ein wunderbares Pferd, was absolut ein geborenes Grand Prix-Pferd ist. Dieses Talent für Piaffe/Passage! Aber auch in den anderen Lektionen lässt er wenig Punkte liegen. Wenn die Reiterin natürlich noch besser zählen würde, wird es auch in den Einern klappen. Nein, Scherz beiseite. Das lag nicht daran, sondern die Linie war schon unglücklich gewählt. Sie kamen schon mit sehr viel Schwung aus der Ecke. Sie brauchte auch Schwung. Aber er driftete nach links. Und dann wird es für die Pferde eng und dann ist für die Pferde auch irgendwann Ende mit Einern. Sie hätte mehr nach rechts rüberreiten müssen, mehr die Ecke anpeilen, wenn man weiß, dass ein Pferd nach links zieht, um ihm den Raum zu geben.“
Anna Schölermann bestätigte die Analyse der Mannschafts-Olympiasiegerin. Sie war aber mehr als glücklich. Bei der Siegerehrung musste sie ein paar Tränen aus den Augenwinkeln wischen. Mit 74,234 Prozent erzielte das Paar vom Fleyenhof die zweithöchste Bewertung der Saison.
„Sie ist noch in dem Alter, das nehmen wir noch mit…“
Lucie-Anouk Baumgürtel und First Vienna kamen auf Platz drei. Die amtierenden U25-Mannschaftseuropameisterinnen spielten ihre ganze Routine aus. Weil die Stute, die die noch junge Reiterin alleine ausgebildet hat, in diesem Jahr zehn Jahre ist und damit noch für den Louisdor Preis in Frage kommt, hatte sie sich entschieden die Hannoveraner Vitalis-Tochter in zwei Qualifikationen zu reiten.
Die Prüfungsroutine und die Präzision einer erfahrenen Championatsreiterin – 19 Titel bei Europameisterschaften in Summe! – lobte Heike Kemmer. „Lucie, natürlich auch durch die ganze gute Ausbildung in der deutschen Reiterei von Pony, Junioren, Junge Reiter, weiß, gute Linien zu reiten. Das Pferd hat unheimlich Potenzial auch für Piaffe-Passage, herrliche Passagen hat sie uns gezeigt. Auch tolle Piaffen, im Rausreiten fehlt noch so das kleine I-Tüpfelchen, das dann die Übergänge vielleicht auch noch eine höhere Note bekommen“.
Mit 72,319 Prozent und Platz drei hat es zwar nicht für eine direkte Qualifikation gereicht. Aber sollte ein Paar ausfallen, ist das Duo vom Freiberger Hof prädestiniert, nachzurücken.
Finalisten Louisdor-Preis 2026
Hagen
Imo Pectore unter Frederic Wandres – 71,809 Prozent
Szechuan unter Dr. Annabel Frenzen – 71,149 Prozent
Hamburg
Maxi Kraft’s Barcelo OLD unter Dorothee Schneider – 72,851 Prozent
Majestic Taonga unter Lisa Wernitznig – 71,383 Prozent
Donzdorf
Henriettenhof’s Kinshasa OLD unter Franz Trischberger – 72,255 Prozent
Gidday unter Carlos Manuel Valerio Caetano – 70,979 Prozent
Pinneberg
Veuve Clicquot FRH unter Frederic Wandres – 73,984 Prozent
Vaderland OLD unter Bernadette Brune – 72,723 Prozent
Guxhagen
Back for Good unter Isabell Werth – 75,809 Prozent
Vitally PCH unter Anna Schölermann – 74,234 Prozent