Charlotta Rogerson und Nice Touch W qualifizieren sich fürs Burg-Pokal Finale
Die Schwiz hoppt von Darmstadt nach Frankfurt – Burg-Pokal Quali an Charlotta Rogerson und Nice Touch W
Charlotta Rogerson und Nice Touch W, hier auf dem Weg zur Bronzemedaille bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde 2024 in Ermelo, nun qualifiziert für den Nürnberger Burg-Pokal.
Foto: Archiv Sportfotos-lafrentz.de Vom Himmel troff beständig der Regen, der Sand im Darmstädter Viereck hatte eine Schlammfarbe angenommen, aber das konnte Charlotta Rogerson und ihre achtjährige KWPN-Stute Nice Touch W v. Dettori-Florencio I nicht aufhalten. Vom ersten bis zum letzten Gruß zeigten die beiden eine Prüfung aus einem Guss mit vielen Höhepunkten.
Das fing schon in der Trabtour an. Herrlich erhaben, wie die Stute sich hier bewegt und das auch in die Traversalen mitnimmt. Die Schritttour zeigten sie im starken Tempo taktsicher, fleißig, losgelassen und mit guter Dehnung. In der Versammlung war der Takt leicht verschwommen, aber die Pirouetten trat die Stute sicher mit. Sie hätten vielleicht noch etwas zentrierter sein können. Dieses Kriterium erfüllte die erste Galopppirouette dafür umso schöner, die zweite war ein bisschen größer, aber ebenfalls gelungen. Toll dann die nach vorne oben entwickelten Verstärkungen, schon sehr sicher die Serienwechsel und die schwierige Schlusslinie mit dem Halten, Rückwärtsrichten, daraus im Mitteltrab anreiten und bei Ga halten und grüßen war noch einmal ein richtiges Highlight.
Wie es war? „Es war nass und rutschig – aber gigantisches Reitgefühl und gigantisches Pferd!“, so dass begeisterte Fazit der verhinderten WM-Reiterin Rogerson, die die Stute schon seit einigen Jahren unter dem Sattel hat und mit ihr auch schon Bronze bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde 2024 gewinnen konnte. Sie beschreibt Nice Touch W so: „Der Begriff ,klein aber oho‘ trifft auf sie voll zu. Wenn ich das reiterlich hinkriege – dieses Pferd hat keine Schwächen.“
Alle Richter sahen das Paar auch heute auf Rang eins. 76,537 Prozent wurden es am Ende für die beiden. Das ist das beste aller Qualifikationsergebnisse dieser Saison vor der letzten Etappe, die vom 8. bis 11. Oktober in Guxhagen-Dörnhagen auf dem Programm steht. Das zweitbeste, genau 76 Prozent, hatten in Schäftlarn Sina Aringer und Dalma Sia Bellante erreicht.
Platz zwei an Turnier-Debütant Opoque
Eine ganz enorme Entwicklung von gestern auf heute hat Rose Oatleys erst siebenjähriger und ebenfalls beim KWPN registrierter Opoque v. All At Once genommen. Für den ehemaligen Prämienhengst aus der Zucht von Willeke Bos vom Stal 104 BV war Darmstadt das erste richtige Turnier mit Rose Oatley und die erste S-Dressur seines Lebens. Gestern hatten die beiden noch einige teure Fehler – Umspringen in der Linkspirouette, Patzer in den Dreierwechseln, Anackeln im versammelten Schritt. Das alles konnten die beiden von gestern auf heute abstellen.
Sicher, im Galopp war Opoque noch etwas übereifrig und auch in der Trabtour muss Oatley aufpassen, dass aus Fleiß nicht Eile wird. Aber alles in allem waren das an beiden Tagen Ritte, die für die Zukunft einiges erwarten lassen. „Ein unbeschreibliches Gefühl“, freute die U25-Europameisterin sich nach ihrem Ritt. „Ich bin nicht angereist mit irgendwelchen Erwartungen. Das war unser erstes Turnier, seine erste S-Dressur und ich bin einfach stolz auf ihn, wie er das gemeistert hat!“
Zumal sie mit 73,878 Prozent Zweite wurden. Theoretisch haben auch die Zweitplatzierten eine Chance, sich für das Finale des Nürnberger Burg-Pokals zu qualifizieren. Allerdings nur die vier Punktbesten, und Rose und Opoque sind schon jetzt die Fünften hinter Franziska Haase und Alissimo, die mit 73,950 Prozent vor der letzten Etappe in Guxhagen auf dem Schleudersitz sitzen. Hier könnten Rose und Opoque es theoretisch noch einmal versuchen, sich zu qualifizieren. Es ist die einzige Quali in der Halle.
Trabwunder Vitafina
Als letztes Paar der Prüfung kämpften die Zweitplatzierten von gestern mit den Elementen, Lena Haßmann und Vitafina Amour PS von Bellin. Von der ersten Sekunde an ließ Haßmann keinen Zweifel aufkommen: Sie hatte sich heute etwas vorgenommen mit der Vitalis-San Amour-Tochter aus der Zucht des Gestüts Lewitz. Vitafina flog nur so durch die Trabtour. Das war ein Wow-Moment nach dem anderen. Leider kann der Schritt da nicht ganz mithalten und im Galopp fehlt der Stute zum Teil noch die Sicherheit, wobei zum Beispiel die Höchstschwierigkeiten, die Pirouetten, schon ausgesprochen gut gelangen. Aber alles in allem ein sehr schöner Ritt, der heute mit 73,780 Prozent und Rang drei bewertet wurde.
Lena Haßmann ist keine, die sich mit fremden Federn schmückt. „Dass das Pferd im Trab imponierend ist, ist so. Es ist keine große Kunst, dieses Pferd traben zu lassen.“ Wo ihr reiterliches Geschick gefragt ist, seien die Sequenzen zwischen den Lektionen. „Man hat auch im Galopp gemerkt, dass die Ecken ihr hier schwer fallen. Aber wer dafür kein Verständnis hat, ist falsch in unserem Sport“, stellte sie klar und betonte: „Gerade was die Lastaufnahme angeht, hat dieses Pferd alle Möglichkeiten. Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich sie im Moment reiten darf.“
Nochmal Haßmann und dann der King
Lena Haßmann hatte in Darmstadt zwei Eisen im Feuer, beide hat sie erst Anfang des Jahres in Ausbildung genommen. Neben Vitafina gilt das auch für den achtjährigen Oldenburger Bacchabundus OLD v. Baron-Dimaggio aus der Zucht von Gudula Vorwerk-Happ und im Besitz von Dr. Beate Rickert. Bereits gestern hatte der ehemalige Vize-Bundeschampion Rang vier erreicht, und der wurde es auch heute, diesmal mit 73,317 Prozent.
Gestern musste sich Bacchabundus den Platz noch mit Moritz Treffingers Neuzugang For Kingdom („King“) teilen. Heute mussten der Weltcup-Finalist und sein achtjähriger For Emotion-Sohn, Halbbruder zur früheren britischen Dressurpferde-Weltmeisterin Woodlander Farouche, sich mit 73,171 Prozent mit Rang fünf begnügen. Trotzdem – die Tendenz für das Paar, das in Darmstadt erst seinen zweiten Turnierauftritt hatte, zeigt klar nach oben.
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