Anush Agarwalla nicht für Asian Games 2026 nominiert – Dressurreiter spricht von Verrat
Asian Games ohne Hubertus Schmidts Schüler Anush Agarwalla, Reiter fühlt sich von Verband „betrogen“
Anush Agarwalla und Straight Horse Floriana beim CD1* in Hagen, wo sie jeweils Zweite in Prix St. Georges und Intermédiaire I wurden (70,147 und 69,088 Prozent), während der Prozess bereits lief. Die beiden sind damit in dieser Saison das einzige indische Paar, das mehrfach Ergebnisse über 70 Prozent erritten hat.
Foto: sportfotos-lafrentz.de Mehrere indische Zeitungen bestätigen den Ausgang des Prozesses. Auf Instagram hat Anush Agarwalla seinem Frust Luft gemacht: „Der Traum von den Asian Games 2026 ist offiziell ausgeträumt. Worte können nicht den Schmerz und die Leere beschreiben, die ich jetzt gerade empfinde. Ich habe Indien immer mit unglaublichem Stolz vertreten und werde das auch immer tun. Aber diesmal bin ich tief verletzt – nicht weil ich verloren habe, sondern weil ich gar nicht erst die Chance hatte, anzutreten.“
Mit Niederlagen im Sport könne er umgehen. „Aber das hier fühlt sich mehr wie ein Betrug an. Ein Ergebnis zu akzeptieren, bedeutet nicht, dass ich daran glauben muss.“
Und weiter: „Obwohl ich mich an den Verband, das IOA (Indischer Olympischer Verband) und das Ministerium gewandt habe, wurden keinerlei Anstrengungen unternommen, die Geschehnisse zu untersuchen. Ich kann nur hoffen, dass nie wieder ein Sportler so etwas durchmachen muss. Wenn Indien eine wirkliche Sportnation werden will, verdienen die Athleten ein System, das fair und transparent ist und das die jahrelange Arbeit respektiert, die hinter jeder Chance steckt.“
Nur als Reserve nominiert
Auf dem Papier hatte Anush Agarwalla die besten Chancen, Indien bei den Asian Games vertreten zu können. Im Juni, als die Nominierungen bekannt wurden, war er der beste indische Reiter im „Kleine Tour“ Ranking der FEI, nachzuverfolgen in der FEI Datenbank. Zudem hatte der 26-Jährige aus Kolkata bei den Asian Games 2022 in Hangzhou Team-Gold und Einzel-Bronze in der Dressur gewonnen und sich als erster indischer Dressurreiter überhaupt für Olympische Spiele qualifiziert (Paris 2024).
Doch als das Ad-hoc-Komitee des indischen Verbands EFI im Juni das Team für Aichi-Nagoya nominierte, führte es Agarwalla nur als ersten Nachrücker, Sudipti Hajela als zweite Reserve. Gesetzt wurden stattdessen Shruti Vora, Gaurav Pundir, Jai Sud und Hriday Chheda.
Daraufhin haben sowohl Agarwalla als auch Hajela Klage eingereicht. Um Agarwallas Beweggründe zu verstehen, lohnt ein Vergleich der Platzierungen und der Turniere, wo diese erritten wurden.
Platzierungsvergleich
Die Mannschaftsentscheidung bei Asian Games wird in einem Prix St. Georges ausgetragen, die Einzelwertung in einer Intermédiaire I und die dritte Medaille gibt es in der Kür auf Inter I Niveau. Anush Agarwalla hat dieses Jahr sieben internationale Turniere mit seiner Asian Games-Hoffnung Straight Horse Floriana bestritten und dabei unter anderem in Hagen Ergebnisse von über 70 Prozent im Prix St. Georges erreicht.
Zusammentreffen Vora und Agarwalla
Zu einem Direktvergleich zwischen Agarwalla und den fest nominierten Mannschaftsreitern kam es nur einmal. In Lier trafen Agarwalla und seine Asian Games Hoffnung Straight Horse Floriana auf Shruti Vora auf Magnanimous, der mit Helen Langehanenberg auch Grand Prix Erfolge hat.
Agarwalla war in Lier Achter im St. Georges (67,912) und Vierter in der Intermédiaire I (68,853). Vora war 21. im Prix St. Georges (66,235 Prozent) und 14. in der Intermédiaire I (65,441).
Die Prix St. Georges Platzierungen in der Übersicht
Anush Agarwalla ritt vor der Nominierung noch in Tolbert (Platz 5 im PSG, 68,725) und in Hagen (Rang 2 im PSG, 70,941) sowie ein weiteres Mal in Lier (Platz 11 im PSG, 67,294).
Shruti Vora startete nach Lier nur noch bei englischen CDIs, in Hartpury, Hickstead und Hackfield. Dort war sie in den Prix St. Georges-Prüfungen, die für die Mannschaftsmedaillen relevant sind, Dritte (69,412), Zweite (69,853) und Fünfte (68,725).
Gaurav Pundir und Milli bestritten drei CDIs auf estländischen Turnierplätzen, waren im Mai Vierte in Pärnu (67,157), Zweite (68,186) am 21. und siegreich (67,451) am 26. Mai in Perila. Wobei bei dem ersten Termin in Perila sieben Reiter am Start waren und beim zweiten zwei.
Jai Sud ritt Goofy la Perla vor der Nominierung bei sieben internationalen Turnieren, zweimal in Jerez de la Frontera, einmal in Vejer de la Frontera, dann in Mariakalnok, Olomouc und Lipica. Dabei war er in den Prix St. Georges Prüfungen Sechster (65,088), Sechster (67,157), Zweiter (68,177), Sechster (67,549), Dritter (67,549) und zuletzt Erster (68,412).
Hriday Chheda ist mit dem inzwischen 19-jähirgen Dono di Maggio OLD nominiert, der unter anderem 2018 mit Emile Faurie im Sattel die britischen Farben bei den Weltreiterspielen in Tryon vertrat. Anfang 2025 hat Hriday Chheda den Wallach von Theodora Livanos übernommen, die in ihm ein Grand Prix-Lehrpferd hatte. Mit Chheda ging Dono Di Maggio dieses Jahr ebenfalls in Olomouc (Rang 14, 62,108), dann in Lipica (Dritter, 66,912), in Gosciszow/POL (Siebter, 66,814) und in Verolanuova/ITA (Dritter, 68,333).
Die als zweite Reserve nominierte Sudipti Hajela stellte ihren achtjährigen Hengst Biden, der offiziell noch Helgstrand Dressage gehört, zunächst im Prix St. Georges in Aachen vor (Zehnte., 65,441), dann in Lier (65,265), in Gosciszow/POL, wo sie Chheda als Dritte (68,971) deutlich hinter sich ließ, und in Verolanuova (Sechste, 67,108), wo Chheda wiederum deutlich besser war.
Rechtsstreit ohne Erfolg
Die Klage von Agarwalla und Hajela blieb erfolglos. Der Delhi High Court lehnte im Juli ein Eingreifen ab, der Supreme Court wies die Klagen anschließend zurück – Gerichte würden sich bei Nominierungsentscheidungen im Individualsport grundsätzlich zurückhalten, so die Begründung. Auch das Sportministerium blieb im August bei seiner Linie und hielt trotz „aufgebauten Drucks“ an den bestehenden Auswahlkriterien fest, wonach Athletinnen und Athleten eine „realistische Medaillenchance“ nachweisen müssen.
Persönliche Animositäten?
Angesichts der Ergebnisse, die Agarwalla erritten hat, ist klar, dass er für die Mannschaft von größtem Wert hätte sein können. Im Juni erklärte er gegenüber Eurodressage, er habe sofort bei der Besetzung des mit der Nominierung betrauten Ad hoc-Komitees Bedenken beim Verband angebracht, weil er eines der Komiteemitglieder als befangen erachtete. Es ging dabei um Kapil Modi, bei dem Agarwalla mehrere Jahre geritten war, ehe er nach Deutschland zog und von Hubertus Schmidt weiter gecoacht wurde. Agarwalla erklärte damals, Modi habe schon immer eine persönliche Abneigung gegen ihn gehegt.
Doch von Seiten des Verbandes habe man ihn beruhigt und erklärt, er müsse sich keine Sorgen mache, die Auswahl würde ausschließlich auf Basis der errittenen Ergebnisse erfolgen. Wir haben den Verband um eine Stellungnahme gebeten.
Blick nach Los Angeles
Nach der endgültigen Absage kündigte Agarwalla eine Pause vom Sport an. Sein Ziel bleiben die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles, für die er sich mit seinem Pferd Floriana empfehlen will. Von Verband und Ministerium fordert er unterdessen ein transparenteres System – damit anderen Athletinnen und Athleten nicht widerfährt, was er gerade durchlebt.