Charlotta Rogerson und Nice Touch W gewinnen Qualifikation für Finalqualifikation des Nürnberger Burg-Pokals in Darmstadt

Darmstadt: Charlotta Rogerson Nice Touch W mit einem Bein in Frankfurt, Turnierepremiere von Oatley und Opoque

Dressur
Charlotta Rogerson und Nice Touch W.
Foto: Archiv Sportfotos-lafrentz.de Charlotta Rogerson und Nice Touch W. Foto: Archiv Sportfotos-lafrentz.de
Auf die WM in Aachen musste Charlotta Rogerson schweren Herzens verzichten. Aber sie ist auf gutem Weg gen Burg-Pokal mit ihrer achtjährigen Nachwuchshoffnung Nice Touch W, eine KWPN-Stute, die nicht erst heute in Darmstadt für Furore sorgte. Und dann gab es da noch einen KWPN-Hengst, der heute seine ersten Auftritt auf einem deutschen Turnierplatz hatte.

Darmstadt ist dieses Wochenende die siebte von insgesamt acht Qualifikationsmöglichkeiten für den Nürnberger Burg-Pokal. Heute stand zunächst einmal die Qualifikation für die Wertungsprüfung auf dem Plan. 18 Paare hatten abgehakt und bis zum vierletzten sah es nach einem Sieg für Lena Haßmann mit ihrer super ausdrucksstarken und talentierten Vitafina Amour PS von Bellin OLD aus.


Die beiden hatten die Prüfung mit einem tollen Ritt voller Power, aber auch noch „grüner“ Momente eröffnet. Besagte Momente waren zeitweise Unsicherheiten in Sachen Balance und zum Beispiel die fliegenden Wechsel, vor allem aber der Schritt, wo in Sachen Losgelassenheit und dadurch auch Fleiß und Raumgriff noch viel mehr drin sein dürfte. Aber die Ansätze für ein außergewöhnliches Dressurpferd sind da bei der Vitalis-Tochter aus der Zucht des Gestüts Lewitz und im Besitz des Gestüts von Bellin. Mit 72,902 führten die beiden die Prüfung lange an.


Schweizer-niederländisches Duo nach vorn


Während Lena Haßmann und Vitafina Amour erst seit dieser Saison ein Team sind, kennen sich die Schweizer Dressurreiterin Charlotta Rogerson und ihre achtjährige KWPN-Stute Nice Touch W v. Dettori-Florencio schon seit einigen Jahren. 2024 sorgten sie für eine Sensation als sie die Bronzemedaille bei den Weltmeisterschaften der sechsjährigen Dressurpferde in Ermelo in die Schweiz holten.


Eine Medaille gab es heute nicht, aber eine gelbe Schleife. Mit einem schon sehr sicheren Ritt, dem man ansah, dass die beiden ein eingespieltes Team sind, sicherten sie sich den Sieg in der Qualifikation für die Burg-Pokal Qualifikation von Darmstadt. 74,366 Prozent bedeuteten einen deutlichen Vorsprung. Das dürfte schon mal ein großes Trostpflaster für Rogerson gewesen sein, die die WM in Aachen mit ihrem Toppferd Bonheur de la Vie schweren Herzens absagen musste.


Belli goes Burg-Pokal


Rang drei sicherte sich Mannschaftsweltmeisterin Katharina Hemmer auf der rührend engagierten Oldenburger Stute BreFood’s Total Belize v. Total Hope-Bordeaux. Hemmer präsentierte die Stute in ausgesprochen schönem Seitenbild, der sichersten Anlehnung der drei Toppaare, und „Belli“ war bemüht, alles ganz genauso zu machen, wie von ihrer Reiterin gewünscht, was auch gut gelang. Es war der erste Burg-Pokal Auftritt für die Stute aus der Zucht und dem Besitz der Gestüt Fünfhausen GmbH. Das einzige, was ihr noch fehlt, damit es mehr werden als heute 72,146 Prozent ist eine Prise Pep, der mit Routine und Sicherheit kommen dürfte.


Der „King“ und Bacchabundus auf Rang vier


Gut zueinander gefunden haben Moritz Treffinger und der einstige Leistungsprüfungssieger For Kingdom v. For Emotion aus der Zucht von Lynn Crowden. Erst seit wenigen Monaten hat Treffinger den Halbbruder der einstigen Dressurpferdeweltmeisterin Woodlander Farouche unter dem Sattel. Darmstadt ist ihr zweites Turnier. Mit 71,780 Prozent trotz eines lauten Moments, wo „King“ die Schritttour nutzte, um den Kollegen auf dem Abreiteplatz etwas zuzuziehen, wurden sie Vierte. Besonders gut gelang ihnen die Galopptour mit schon sehr ausgereiften Pirouetten und Traversalen und ausdrucksvollen Wechseln.


Wenigstens in der Platzierung musste For Kingdom sich nicht einsam fühlen. Mit Lena Haßmanns ebenfalls in Oldenburg registriertem Baron-Dimaggio-Sohn Bacchabundus gab es nämlich noch ein zweites Pferd, dessen Auftritt den Richtern 71,780 Prozent und eine blaue Schleife wert war. Auch diesen Wallach hat Haßmann erst seit dieser Saison unter dem Sattel. In den Sport gebracht wurde der Fuchs von Jerome Schneiders, mit dem er 2024 Zweiter beim Bundeschampionat der sechsjährigen Dressurpferde war, gleichauf mit Veuve Clicquot, der sich gerade mit Freddy Wandres für den Louisdor-Preis qualifizieren konnte. Letztes Jahr Bacchabundus mit Tanja Fischer beim Bundeschampionat der Siebenjährigen.


Turnierpremiere für Opoque und Rose Oatley


Eines der interessantes Pferde des Darmstädter Turnierplatzes war heute der sieben Jahre junge KWPN-Hengst Opoque v. All at Once aus der erfolgreichen KWPN-Zucht von Willeke Bos vom Stal 104. Er gewann 2023 die Prüfung für die Vierjährigen im Rahmen der Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde unter der Dänin Mette Seijbjerg Jensen, damals noch im Besitz des Stalls Helgstrand. Danach wurde er zusammen mit anderen Pferden an die Familie Oatley verkauft als Nachwuchspferd für Tochter Rose, frisch gebackene U25-Europameisterin. Die hätte sich mit dem Hengst fünfjährig für die WM junge Dressurpferde qualifiziert und dort das KWPN vertreten. Aber sie gehörte auch zur deutschen Mannschaft bei den Europameisterschaften der jungen Reiter. Beides zu reiten, erlaubte das FEI-Reglement zu der Zeit nicht und so musste sich Rose entscheiden. Sie wurde U21-Europameisterin und Opoque betrat nie wieder einen WM-Platz. Dafür aber heute das Viereck in Darmstadt.


Es war das erste reguläre Turnier für die beiden und es gab viele Momente, in denen Opoque begeisterte, allein schon mit seinen Bewegungsmöglichkeiten. Aber auch die Lektionen, wie Traversalen, fliegende Wechsel und zum Beispiel auch die Rechtspirouette lassen erahnen, wohin die Reise einmal gehen kann. Dem gegenüber standen einige Lektionsfehler des Youngsters bei seiner Turnierpremiere.


In der Pirouette nach links sprang er um. Rose parierte in Ruhe durch, klopfte ihn kurz beruhigend am Hals und galoppierte im richtigen Galopp wieder an. Die fliegenden Wechsel können eines Tages ein Highlight werden. Aber heute waren wo Dreier gefragt waren mal zwei, mal drei, mal nur ein Galoppsprung dazwischen. Am teuersten war aber die Schritttour. Im versammelten Schritt zackelte Opoque zwischendurch an und auch davor im starken Schritt fehlte es an Losgelassenheit. Nach dem Durchparieren zog der Hengst die Vorderbeine deutlich mechanisch nach oben und fand nur allmählich in einen natürlicheren Bewegungsablauf.


Alles in allem kamen die beiden auf 70,683 Prozent und konnten damit gleich beim ersten Turnierstart eine Schleife in der schweren Klasse ergattern: die grüne für Rang sechs.


Grand Prix an Piaff Förderpreis-Paar


Schon beim Sichtungsturnier für den Piaff-Förderpreis 2025 waren Fiona Serafina Lukas und ihr 13-jähriger Oldenburger Aragorn T v. Antango eines der auffälligsten Paare. Sie belegten damals Rang zwei. Gestern gewannen sie bereits die Intermédiaire II von Darmstadt mit starken 73,991 Prozent, ihrem bislang besten Ergebnis. Heute im Grand Prix legten sie nach: Sieg mit 71,740 Prozent.


Platz zwei ging mit 71,060 Prozent an die Silbermedaillengewinnerin des deutschen Berufsreiterchampionats, Pia Hesse-Wischerath, auf Franco Salentino. Dahinter reihte sich Sarah Runge auf Just Romance mit 68,160 Prozent ein.


Schneider verzichtet


Seinen ersten langen Grand Prix ging Dorothee Schneiders Burg-Pokal Sieger Barcelo OLD. Das Ticket für den Louisdor-Preis hat der Bon Coeur-Sohn aus dänischer Zucht ja schon seit Hamburg in der Tasche. In Vorbereitung auf den Auftritt in der Festhalle, wo ein „richtiger“ Grand Prix ohne Gerte geritten werden muss, stellte Schneider Barcelo heute schon mal in Darmstadt im Grand Prix de Dressage vor. Sie ritt die Aufgabe zu Ende, allerdings war heute deutlich Spannung im Pferd. In den Passagen schlichen sich ungleiche Tritte ein, der Schweif war ständig in Bewegung, die Serienwechsel nicht losgelassen. Gut gelangen die Lektionen höchster Versammlung, sowohl die Piaffen als auch die Pirouetten. Schneider verzichtete dennoch, in dem sie die zweite Grußaufstellung schwänzte und den Braunen stattdessen die Zügel aus der Hand kauen ließ, während sie zum Leichttraben überging und ihn anerkennend lobte.


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