Bonds in Gold Bundeschampion der vierjährigen Hengste 2026

Bundeschampionats-Gold für Bonds in Gold

Zucht
Sina Aringer und Pramwaldhof's Bonds in Gold.
Foto: Rebecca Thamm Sina Aringer und Pramwaldhof's Bonds in Gold. Foto: Rebecca Thamm
Der Bundeschampion eines außergewöhnlichen Jahrgangs vierjähriger Hengste 2026 nach spannender Prüfung heißt Bonds in Gold.

Es war ein spannendes Finale beim Bundeschampionat der vierjährigen Hengste 2026, und das lag nicht nur an dem starken Starterfeld mit alleine zwei Siegerhengsten. Das lag auch an dem neuen Format für die Vierjährigen – ohne Fremdreitertest, dafür mit einer Dressurpferdeprüfung Klasse A, bei der die Pferde alleine aufs Viereck gehen.


Das ist schon deshalb anspruchsvoller, weil die Aufgabe viel längere Reprisen im Aussitzen verlangt. Schon gestern im Finale der Stuten und Wallache hatte man den Eindruck, dass das manch einem Pferd noch schwerfällt, und der bestätigte sich auch heute bei den Hengsten.


Auch alleine auf dem Viereck zu sein, schmeckte nicht allen Pferden. Der Sieger der Qualifikation, der Württemberger DSP-Hengst Be My Guest, erschreckte sich einmal und suchte sein Heil in der Flucht in Richtung Abreiteplatz zu den Kollegen. Im letzten Moment konnte er von seiner Reiterin daran gehindert werden, das Viereck ganz zu verlassen. Ein ausführliches Fazit, auch mit Stimmen der Beteiligten, werden wir in den kommenden Tagen veröffentlichen. Nun zu den Medaillenträgern.


Gold für Bonds in Gold


Sina Aringer hatte gleich zwei Pferde in das Finale der vierjährigen Hengste gebracht, die dementsprechend erstes und letztes Pferd waren. Den Anfang machte der Viertplatzierte, der Qualifikation, Pramwaldhof’s Bonds in Gold. Der Siegerhengst der DSP-Körung und DSP-Champion v. Bonds-Goldberg ist ein Pferd, das sofort alle Blicke auf sich zieht. Das liegt einerseits an seiner bedeutenden Aufmachung mit seiner Dunkelfuchsjacke, aber vor allem an seinem Bewegungspotenzial. Er hat nicht nur eine beeindruckende Vorhandmechanik, sondern die korrespondiert auch mit einem entsprechend kraftvoll abfegenden Hinterbein. Das alles schön durch den Körper über den Rücken nach vorne in die Hand getragen – zumindest in den Phasen, wo er sich entspannte und zur Losgelassenheit kam.


Das war heute nicht immer der Fall und wurde insbesondere in der Schritttour deutlich. Man kann sich vorstellen, dass er eigentlich über guten Raumgriff verfügt, wenn er denn erst einmal zum losgelassenen Schreiten kommt. Aringer, ganz Profi, überspielte das Problem geschickt, indem sie an der kurzen Seite etwas früher antrabte. Beim letzten Abwenden auf die Mittellinie machte der Hengst sich einmal frei, aber Aringer hatte ihn schnell wieder bei sich und das abschließende Halten gelang gut.


Kommentar für Bonds in Gold


Auch heute übernahm Katrin Burger die Kommentierung der Wertnoten. Sie war zusammen mit Wolfgang Egbers und Catrin Wingender als Richterin im Einsatz. „Ein bedeutendes Pferd mit einem bedeutenden Bewegungsablauf“, fasst Burger den Eindruck zusammen, den sie bei C ebenso gewonnen hatten wie die Zuschauer. Im Trab lobten sie das lockere ins Bergauf Schwingen, die schon gute Geraderichtung und die Balance. Sie merkten aber auch an, dass der Hengst in den Wendungen noch geringfügig eng wird. Wertnote für den Trab: 9,0.


Die Spannung im Schritt merkten sie zwar an, aber für den klaren Takt und das Gleichmaß bei „ansprechendem“ Vor - und Übertritt gaben sie dennoch eine 8,0.


Bei der Kommentierung des Galopps geriet Burger ins Schwärmen und hob auch hier noch mal die bereits weite Förderung und Geraderichtung hervor, ebenso wie die Ausstrahlung und den Ausdruck des Hengstes. Die Wertnote 10,0 sagte alles.


In Sachen Durchlässigkeit sprachen sie das eng werden in den Wendungen an. Hier müsse die Selbsthaltung noch verbessert werden. Auch hätten sie sich beim Tritte verlängern noch etwas mehr Rahmenerweiterung gewünscht. 8,8.


Was den Gesamteindruck angeht, formulierte Burger ihren Eindruck so: „Ein beeindruckendes Pferd mit ganz vielen Möglichkeiten für die Zukunft, 9,5.“


Das bedeutete ein Gesamtergebnis von 9,04 zum Auftakt der Prüfung. Letztlich sollte es kein Pferd mehr überbieten. Auch nicht der Sieger der Qualifikation.


Silber nach Abzug


Be my Guest FBW und Dionne Korringa. Foto: Rebecca Thamm
Be my Guest FBW und Dionne Korringa. Foto: Rebecca Thamm

Es dauerte lange, bis das Richtertrio sich zu einer Notengebung für den Württemberger Landeschampion und Qualifikationssieger Be my Guest durchringen konnte. Der Bonds-Sezuan-Sohn aus der Zucht von Zoe Sierks ist ähnlich wie der Sieger ein Pferd, an dem niemand vorbeischauen kann – groß, maskulin, mit einem wunderschönen Kopf, ausdrucksvollem Auge und dazu einer herrlichen Dunkelfuchsfarbe.


Auch bewegt er sich eindrucksvoll, besonders vorne. Der subjektive Eindruck im Trab: Die Hinterhand kann in Sachen Kraft und Abdruck und damit auch Anschluss nicht ganz mit der Vorhand mithalten. Im Schritt marschiert Be My Guest groß los und lässt sich nicht aus dem Takt bringen. Ähnlich wie der Trab ist auch der Galopp klar ins Bergauf angelegt und war heute im Durchsprung auch deutlicher als noch in der Qualifikation. Eine massive Störung gab es in der Prüfung, als der Hengst wie erwähnt kurz vor dem Angaloppieren auf dem Zirkel bei A auf der linken Hand über die rechte Schulter wegbrach. Vermutlich hatte er auf der Tribüne irgendetwas erspäht, das ihn erschreckt hatte, jedenfalls ließ er sich erst kurz vor dem Ausgang stoppen. Danach setzte er die Prüfung fort, als sei nichts gewesen.


Lange Diskussion


Wie geht man mit so einer Situation um und wie bewertet man sie? Es dauerte, bis Katrin Burger zum Mikrofon griff, um die Notenvergabe zu verkünden und zu begründen. In den drei Gurndgangarten dürfte ihr das leicht gefallen sein.


Trab: „Eine beeindruckende Mechanik durch den Körper ins Bergauf, sehr fleißig und energisch. Man hatte das Gefühl, er wartet nur, was er machen soll, und hat es dann ausgeführt. 9,8.“


Schritt: „Klar geregelt, fleißig durch den Körper mit guter Dehnung, 8,7.“


Galopp: „Vom Fleck weg beeindruckend ins Bergauf, Übergänge bereits ausgezeichnet herausgearbeitet, aus dem Mittelgalopp (sic!) sauber auf dem Hinterbein bleibend. Es bleiben keine Wünsche offen, 10.0.“


Dann kam die Bewertung der Durchlässigkeit. Hier wurde es schwierig, denn trotz aller Begeisterung für den Hengst konnten die Richter den Aussetzer nicht unberücksichtigt lassen. Katrin Burger formulierte es so: „Der Hengst war ganz sicher ausbalanciert auf der Mittellinie, geschlossen im Maul und sicher in der Selbsthaltung. Das Pferd war immer bei der Reiterin – bis er sich bei X einmal erschrocken hat. Aber wir kamen von einer ganz, ganz hohen Note und wir sind der Meinung, wenn man von einer sehr guten bis ausgezeichneten Note kommt, sind wir dann immer noch bei einer 7,5.“ Die wurde es dann auch.


Und was die Perspektive angeht – da wurde es die 9,5. Das hätte eine 9,1 bedeutet und damit den Titel – jedoch mussten 0,2 für das Verlassen der vorgebenen Linie abgezogen werden. So wurde es Silber mit 8,9 für Be My Guest und seine niederländische Reiterin Dionne Korinna bei ihrem ersten Bundeschampionatsauftritt.


Jungpferdereiten wie aus dem Lehrbuch


Einfach schön anzusehen: Danubio unter Linus Keller holen Bronze bei den vierjährigen Hengsten. Foto: Rebecca Thamm
Einfach schön anzusehen: Danubio unter Linus Keller holen Bronze bei den vierjährigen Hengsten. Foto: Rebecca Thamm

Die Bronzemedaille ging an den westfälischen Fuchs Danubio v. Damaschino-Dimaggio aus der Zucht von Karl-August Schulte-Varendorff mit Linus Keller für das Haupt- und Landgestüt Marbach im Sattel. Der Fuchs hat drei gute bis sehr gute Grundgangarten, ist aber im Vergleich zu den beiden vor ihm platzierten Hengsten noch deutlich jugendlicher in seinem Erscheinungsbild. Und genauso wurde er von Linus Keller auch präsentiert. Wer sich fragt, wie man ein vierjähriges Pferd altersentsprechend vorstellt – genau so!


Danubio war während der gesamten Prüfung immer im passenden Rahmen. Er arbeitete taktsicher, losgelassen mit guter Hinterhandaktivität in allen drei Grundgangarten über den schwingenden Rücken nach vorne in die Hand herein, kaute mit geschlossenem Maul am Gebiss und hatte dabei stets den Ausdruck der Zufriedenheit und des Vertrauens im Gesicht. Beim Zügel aus der Hand kauen lassen, streckte er sich der nachgebenden Hand hinterher nach vorwärts-abwärts und ließ sich danach gewissermaßen stufenlos regulieren und wieder in Arbeitshaltung bringen, ohne aus der Balance zu kommen. Richtig toll! Dafür gab es vollkommen zu recht sowohl in der Durchlässigkeit als auch in der Perspektive eine 9,0. Dass es für die Durchlässigkeit keine noch höhere Note gab, begründete Katrin Burger mit leichten Balanceproblemen auf der Mittellinie. Die hatten sie und ihre Kollegen bei C gut im Blick.


Im Trab hätten sie sich noch etwas mehr Engagement gewünscht, erkannten aber auch an, dass der Reiter genau das abgefragt hat, was der Hengst zu geben in der Lage war, 8,5. Im Schritt griffen sie zur 8,7. Im Galopp hätten sie sich ebenfalls ein noch etwas kraftvolleres Bergauf gewünscht, 8,5. Gesamtnote: 8,74.


Und dahinter?


Als Sina Aringer mit dem westfälischen Hengst Zacolar v. Zanetti-Escolar (Z.: Markus Schulze-Finkenbrink, B.: Mathieu Beckmann) als letzte Teilnehmerin das Viereck betrat, hatte sie den Titel bereits in der Tasche, denn noch immer führte sie mit Bonds in Gold. Und Zacolar war in der Qualifikation Zweiter und damit vor Bonds in Gold platziert gewesen. Tatsächlich hätte der Hengst auch das Potenzial für zumindest eine Medaille. In Trab und Galopp bewegt er sich hinten wie vorne kraftvoll und elastisch. Er ist einer, der immer weg will vom Boden und der auch einen guten Schritt zeigt. Allerdings war gerade der heute besonders in den ersten Schritten etwas gebunden. Auch wurde heute das noch deutlicher, was sich in der Qualifikation bereits gezeigt hatte: eine gewisse Unzufriedenheit im Maul. Zudem sprang er einmal im Galopp um und eine Dehnung beim Zügel aus der Hand kauen lassen war heute nur angedeutet. Katrin Burger begründete die Unzufriedenheit im Maul in ihrem Kommentar mit der längeren Reprise im Aussitzen. Auch attestierten sie und ihre Kollegen dem Hengst heute eine „gewisse Festigkeit“ im Genick. Seine Wertnoten lauteten 8,9 im Trab, 8,4 im Schritt, 9,0 im Galopp, 8,2 in der Durchlässigkeit und 8,7 im Gesamteindruck. Gesamtnote: 8,64.


Der zweite Siegerhengst des Starterfeldes, der Oldenburger La Paix v. La Vie-Sir Donnerhall (Z.: Dr. Katharina Paschertz, B.: Helgstrand Dressage) unter Vanessa Crnadak hatte heute nicht seinen besten Tag, wirkte fest und ungeschmeidig. Obwohl die Reiterin sich sehr bemühte, ihn gefühlvoll an die Hand heranzuschieben, blieb er zweigeteilt und arbeitete mit den Springgelenken eher nach hinten heraus als unter den Schwerpunkt. Beim Tritte verlängern verlor er zu Anfang dann auch kurz die Balance. Im Galopp war der Eindruck etwas besser. Die Richter gaben ihm eine großzügige 8,62 in Summe. Bei der Siegerehrung fehlte der Hengst.


Über Rang sechs in dem stark besetzten Finale konnte sich Thomas Schulze auf dem Hannoveraner Salsero CF v. Secret-Vivaldi aus der Zucht und im Besitz von Dr. Christine Feichtinger freuen. 8,32 wurden es hier.


 


 


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