Be my Guest gewinnt Bundeschampionatsqualifikation der vierjährigen Hengste
Quali vierjährige Hengste – Höchstnoten-Hagel in Warendorf
Be my Guest v. Bonds beim Landeschampionat Baden-Württemberg.
Foto: Doris Matthaes/Reiterjournal Schon beim Landeschampionat des Pferdezuchtverbandes Baden-Württemberg war der Bonds-Sezuan-Sohn Be My Guest aus der Zucht von Zoe Sierks das Maß der Dinge. Der imposante Dunnkelfuchs hat niederländische Besitzer und wird von einer Niederländerin geritten, Dionne Korringa. Beim Württemberger Landeschampionat gewann er das Finale (Dressurpferdeprüfung Klasse A) mit einer Gesamtnote von 8,4 und eine 9 erhielt er nur in der Rittigkeit. Heute wurden es wesentlich mehr – wobei heute in der Quali auch erstmal „nur “ die Reitpferdeprüfung auf dem Plan stand.
Der Hengst hat eine beeindruckende Vorhandmechanik und wurde von der Reiterin in schönem Seitenbild präsentiert. Allerdings hätte man sich die Bewegungen noch mehr durch den Körper fließend gewünscht und der Hengst trug den Schweif nicht wirklich frei. Beim Zügel aus der Hand kauen lassen verlor er etwas an Bewegungsqualität (Trab 9,8). Im Schritt marschiert er losgelassen, fleißig und mit überzeugendem Raumgriff los, 9,5. Im Galopp war das Bild ähnlich wie im Trab – beeindruckendes Vorderpferd mit viel Mechanik und auch gut von hinten herangeschlossen – wenngleich man sich ein noch energischeres Unterspringen des inneren Hinterbeins unter den Schwerpunkt gewünscht hätte, 10,0.
Die Höchstnote vergab das Richtertrio Katrin Burger, Reinhard Richenhagen und Catrin Wingender auch für die Rittigkeit, des in der Tat sehr stabil und ausbalanciert wirkenden Hengstes. Das Exterieur war gestern mit 8,6 bewertet worden. Die letzte Note für Harmonie und Funktionalität lautete 9,8. Damit kam er unter dem Strich auf eine 9,7. So hoch war in Warendorf schon lange nicht mehr in die Notenkiste gegriffen worden.
Zu der Harmonie-Note erklärte Wolfgang Egbers, der diese Prüfung nicht richtete, sondern nur für Interessierte in seiner Eigenschaft als Richter und Vorsitzender der Fachgruppe Dressur der Bundesvereinigung der Berufsreiter (BBR) kommentierte, dass er sie sehr befürworte, weil die jetzige Aufteilung es den Richtern erlaube, die Harmonie der Vorstellung separiert zu bewerten.
Zanetti lässt grüßen
Der Warendorfer Landbeschäler Zoom, inzwischen mit Helen Langehanenberg auf Grand Prix Niveau unterwegs, hat viel gedeckt und kann bereits jetzt auf einen Stammhalter verweisen. Die Nachkommen des Zanetti schieben sich immer mehr in den Vordergrund – so, wie Sina Aringers Westfalen-Hengst Zacolar, den Markus Schulze Finkenbrink aus einer Escolar-Mutter gezogen hat, und der im Besitz der Sportpferde Beckmann GmbH & Co. KG steht.
Der Braune wurde unter Sina Aringer bereits Westfalenchampion mit 9,6 bewertet, heute belegte er mit 9,46 Rang zwei. Der im Typ eher abgedrehte Hengst (Exterieur 7,9), entwickelt in der Bewegung eine enorme Elastizität, die er mit viel Schub, Abdruck und Raumgriff vereint, das alles immer durch den ganzen Körper schwingend. Dass diese Bewegung wirklich natürlich ist, sieht man spätestens beim Zügel aus der Hand kauen lassen – da bleibt ein Tritt wie der andere (Trab 9,7). Ebenso in den Wendungen, ausbalanciert ist er also auch, was auch in den sehr schönen Übergängen deutlich wurde. Man hätte sich allerdings einen etwas offeneren Ganaschenwinkel und ein ruhigeres, zufriedeneres Maul gewünscht. Das gute Gleichgewicht des Hengstes war den Richtern trotzdem eine 9,8 in der Rittigkeit wert.
Der Schritt war losgelassen, geregelt, fleißig und dabei genug räumend, 9,0. Die Wertnote für Harmonie und Funktionalität lautete 9,7.
Oldenburger Siegerhengst auf Platz drei
Die letzte Abteilung der Prüfung war das Siegerhengst-Rennen – Oldenburger Siegerhengst La Paix versus DSP-Siegerhengst Bonds in Gold. Es war ein Fotofinish. Am Ende hieß es Kampf, kurzer Kopf zu Gunsten des Oldenburgers.
Der von Dr. Katharina Paschertz gezüchtete La Vie-Sohn La Paix gehört Helgstrand Dressage und wird von Vanessa Crnadak ausgebildet, die ihn im vergangenen Jahr zur Silbermedaille bei den Dreijährigen geritten hatte. Heute wurde es mit 9,06 der dritte Rang. Wie Zacolar ist auch La Paix eher der Typ quadratisch, praktisch, gut. Allerdings entwickelt er längst nicht die Elastizität und das Schwingen, das Zacolar auszeichnet. Er präsentierte sich zwar ansprechend im Seitenbild, aber wirkte eher stramm, so dass er auch immer mal eine Nickbewegung zeigte und nicht immer zufrieden in der Anlehnung war. Der Takt ist in allen drei Grundgangarten geregelt, der Raumgriff ausreichend, die Bergauftendenz gegeben, aber wie gesagt alles wenig durch den Körper fließend. Im Trab gab es eine 8,4, im Galopp 9,6, im Schritt 9,0 und in der Rittigkeit 9,5. Von gestern brachte er eine 8,6 fürs Exterieur mit die Wertnote für den Grad der Harmonie und der Funktionalität lautete 9,0. Endergebnis: 9,06.
Knapp geschlagener Vierter
Der bedeutend aufgemachte DSP-Siegerhengst und diesjährige DSP-Champion Pramwaldhof’s Bonds in Gold v. Bonds-Goldberg (Z.: Hendrik Niehe/Zuchtgebiet Brandenburg-Anhalt, B.: Gestüt Pramwaldhof) zeigte sich ebenfalls unter dem Sattel von Sina Aringer. Er trabt erhaben, elastisch und durch den ganzen Körper schwingend, dabei stets weich in der Anlehnung – allerdings auch mit nur angedeutetem Zügel aus der Hand kauen lassen (9,3).
Auch der Galopp: energisch ins Bergauf, mit viel Raumgewinn und Volumen. Es gelang ihm aber auch immer wieder, die großen Bewegungen ausbalanciert zurückzuführen für die Übergänge (9,4).
Der Wermutstropfen war heute der Schritt. In der Prüfung kam er kaum zur Losgelassenheit und auch nach Beendigung der Aufgabe fand er nicht wirklich ins gelassene Schreiten und zeigte nur begrenzten Raumgriff. 8,3 gab es hier.
Die Rittigkeit war den Richtern eine 9,0 wert, ebenso wie Harmonie und Funktionalität. Das Exterieur war bereits gestern mit 9,3 bewertet worden.
Zwei weitere Finalisten
Knapp an der 9 vorbei geschrammt ist der Hannoveraner Vize-Champion Salsero CF v. Secret-Vivaldi, der Halbbruder zum inzwischen in Klasse S*** erfolgreichen Burg-Pokal Finalisten und Siegerhengst-Vater Bon Courage aus der Zucht von Dr. Christine Feichtinger. Im Sattel saß der Stammreiter der Feichtinger-Pferde, Thomas Schulze. Das Highlight des Hengstes ist der Galopp, der mit 9,5 bewertet wurde. Im Trab hätte man sich auch bei ihm die Bewegungen etwas mehr durch den Körper fließend gewünscht. Die Richter gaben eine 9,0. Im Schritt wurde es die 8,5, in der Rittigkeit 8,8. Im Bereich Harmonie und Funktionalität vergaben sie wieder die 8,5. Zusammen mit einer 9,6 fürs Exterieur von gestern lautete das Endergebnis 8,97.
Publikumsliebling
Hätten die Zuschauer die Prüfung zu richten gehabt, hätte der Sieger mit 9,13 Danubio geheißen. Der Westfalen-Hengst v. Damaschino-Dimaggio aus der Zucht von Karl-August Schulte-Varendorff wurde von Linus Keller für das Haupt- und Landgestüt Marbach vorgestellt und zeigte sich ziemlich genauso, wie man sich einen Vierjährigen wünscht – mit natürlichen Grundgangarten, einer Kopf-Hals-Einstellung, die es ihm erlaubte, sein Gleichgewicht selbst zu finden und dabei während der ganzen Prüfung mit vertrauensvollem Zug zur Hand. Das belohnten die Richter mit einer 9,8 in der Rittigkeit.
In den drei Grundgangarten bringt er Takt, Losgelassenheit, Fleiß, Raumgriff und Elastizität mit. Er hat allerdings nicht die „Überbewegungen“, bei denen man sich fragen muss, ob die nicht schon etwas zu viel des Guten sind. Im Trab gaben die Richter dem Fuchs eine 8,4, im Galopp 8,5, im Schritt 8,7. Von gestern brachte er die Exterieurnote 9,2 mit. Hinzu kam heute eine 8,8 für den Bereich Harmonie und Funktionalität. Endergebnis: 8,88, qualifiziert fürs Finale.
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