Newsletter WM Tag 4: Hitze, Hilflos im Gelände, WM-Pferd mit Huhn

Reisen bildet, das gilt auch für Dienstreisen. WGBT – na, macht es da klick? Genau, Wet Bulb Globe Temperature Index, ein Faktor, der den ZP (Zeitplan) des GPS (Grand Prix Special) heute beeinflusst hat. Der fängt nämlich früher an, weil der WGBT zwischen 13 und 15 Uhr heute am höchsten ist. Wer sich für die Wetterfeinheiten interessiert, wir haben uns schlau gemacht. Auch darüber, was sonst noch so alles für die Pferde in Aachen gemacht wird (zum Interview).
Fakt ist: Ab 15 Uhr, da startet Frederic Wandres, geht die zweite Hälfte der qualifizierten Paare im Grand Prix Special ins Stadion. Dort soll es dann Bulb Globe Temperature-mäßig wieder OK sein. Wer das schwarz-rot-goldene Fähnchen schon auf dem Couchtisch oder neben dem Laptop liegen hat: Hier die Startzeiten der vier Deutschen.
12:08 Uhr Raphael Netz/Great Escape Camelot
15.00 Uhr Frederic Wandres/Bluetooth OLD
16:17 Uhr Isabell Werth/Wendy
16:39 Uhr Katharina Hemmer/Denoix PCH
Es wird auf jeden Fall eine heiße Entscheidung. Als wir gestern Abend die Geländestrecke abgegangen sind, sah man am Himmel eine langgestreckte merkwürdig braune Wolke. Der Wald in Hürtgenwald (keine 20 Kilometer entfernt) brennt. In Aachen soll man angeblich Fenster und Türen geschlossen halten. Mehrere Hektar sind schon ein Raub der Flammen geworden. Das konnte auch Lukas Fischer, Hengstmanager bei Paul Schockemöhle, indirekt bestätigen. Er ist mit seiner Frau Tanja nach Aachen gereist. Vorbei an brennenden Feldern, unten weißer Qualm, oben gelb züngelnde Flammen. Ich möchte jetzt nicht über den Klimawandel schwadronieren, aber …
Mit sorgenvollem Blick gen Himmel trafen wir gestern auch noch Andrew Hoy. Der sorgte sich nicht um den brennenden Wald, sondern das schwindende Sonnenlicht. Denn er wollte noch einmal die Geländestrecke abgehen. Dazu braucht man Licht und auch die eine oder andere Erleuchtung. Denn Giuseppe della Chiesa hat einen Kurs auf den Kuhweiden hinter dem Aachener Stadion erschaffen, der einiges an Hirnschmalz verlangt. Schon die direkten Wege sind nicht gerade eben selbsterklärend. „Six routes in the water“, sagt Lucinda Green, die britische Buschikone. „Wenn ich reiten müsste, müssten ich noch mindestens sechsmal den Kurs abgehen, um mir die Alternativen einzuprägen.“ Aber das sei schlussendlich gut so, denn die Kunst bei einer Weltmeisterschaft ist es ja, so zu bauen, dass die Besten vorne stehen und die anderen heile ankommen. Dafür braucht es dann eben manchmal mehr als nur eine Alternative. „Davon habe ich Dutzende gesehen“, sagt Lucinda und blickt immer noch etwas verwirrt drein.

Nachher wird uns Andreas Dibowski Details des Kurses erläutern. Mal sehen, was er anzumerken hat.
Erste Eindrücke meinerseits: Hindernis fünf, der direkte Weg, mit ganz schmalen Sprüngen fragt schon früh auf der Strecke die Rittigkeit ab. Coffin (8) und Sunken Road (9) stehen inmitten eines Fahrhindernisses – das kann wie reiten in der Holzzuschnittabteilung des Baumarkts meines Vertrauens aussehen.
Im ersten Wasserkomplex geht es kringelig zu. Der Tiefsprung von dem Wall hinunter dürfte eine Klippe sein. Der direkte Weg ist nur für Fachleute als solcher zu erkennen.
Ein Sprung, den die Stiftung Deutscher Pferdesport gesponsert hat, hat Schnecken zum Thema. Auf einem der hölzernen Schleimer prangt ein Autogramm von Rüdiger Schwarz. Ob der an der Stelle mal jemanden zur Schnecke gemacht hat? Gewisse Geheimnisse wird man nie lüften.
An dieser Stelle gibt es nicht nur wie an eigentlich allen Sprüngen eine Menge an Details zu sehen. Hier kommt auch der olfaktorische Genießer auf seine Kosten. Auf der Weide nebenan hat der Bauer frisch gedüngt.
Der Boden der Trasse ist, auch wenn wir ihn selbstverständlich nicht betreten haben, ein Traum von grünen Halmen, die auf einem elastischen, aber stabilem Geläuf der Dinge harren, die auf sie zukommen. Ihre Kumpels links und rechts darben derweil, tragen eher braun als grün.
Diejenigen, die am Samstag hier entlang galoppieren werden, waren teilweise heute auch schon gefragt. Libussa Lübbeke mit der von der Familie selbstgezogenen Caramia machte den Auftakt. Meine Kollegin Dominique Wehrmann war begeistert, wie gechillt die Stute sich von der gesamten Familie vorm Einreiten noch einmal den letzten Schliff (und jede Menge Fliegenspray) verpassen ließ.
Wer kennt noch Tony Holiday? Tanze Samba mit mir? Und wer ist textsicher? Die erste Zeile? „Du bist so heiß wie ein Vulkan.“ So fühlte sich Malin Hansen-Hotopp heute auf Quidditch. Der Holsteiner tanzte zwar stellenweise mit der Anmut eines Sambatänzers, er kann aber auch übelsten Disco Fox, sprich Knotentanz. „Wie auf einem Vulkan.“ Gestern vor allem in der Galopptour. Aber so ist das manchmal. Mein persönlicher Musikwunsch fürs Gelände: Vielleicht Dschingis Khan? „He Reiter, ho Reiter, immer weiter …“
Noch eine Anmerkung zu den Vielseitigkeitspferden: Ich hoffe nicht, dass Christoph Wahler und D’Accord immer nur die Alternativen – „chicken ways“ – ansteuern. Warum die Sorge? Meine sorgfältige investigative Recherche hat ergeben, dass der Riesen-Hannoveraner ein Verhältnis mit einem Chicken namens Chiquitita hat. Die ganze Geschichte gibt es hier: Das WM-Pferd, das ‘nen Vogel hat.
Letzte Tipps für alle, die heute beim Grand Prix Special mitfiebern:
36 Lektionen + eine Schlussnote für Harmonie
Mit Faktor zwei in die Bewertung eingehen:
- Trabtraversale links und rechts
- drei Piaffen
- starker und versammelter Schritt
- Galopppirouetten links und rechts
Maximale Punktzahl pro Richter: 470
In diesem Sinne – bis morgen!
Jan Tönjes
jan.toenjes@equi-pages.de
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Dieser Text wurde erstmals am 14. August 2026 veröffentlicht.
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Reisen bildet, das gilt auch für Dienstreisen. WGBT – na, macht es da klick? Genau, Wet Bulb Globe Temperature Index, ein Faktor, der den ZP (Zeitplan) des GPS (Grand Prix Special) heute beeinflusst hat. Der fängt nämlich früher an, weil der WGBT zwischen 13 und 15 Uhr heute am höchsten ist. Wer sich für die Wetterfeinheiten interessiert, wir haben uns schlau gemacht. Auch darüber, was sonst noch so alles für die Pferde in Aachen gemacht wird (zum Interview).
Fakt ist: Ab 15 Uhr, da startet Frederic Wandres, geht die zweite Hälfte der qualifizierten Paare im Grand Prix Special ins Stadion. Dort soll es dann Bulb Globe Temperature-mäßig wieder OK sein. Wer das schwarz-rot-goldene Fähnchen schon auf dem Couchtisch oder neben dem Laptop liegen hat: Hier die Startzeiten der vier Deutschen.
12:08 Uhr Raphael Netz/Great Escape Camelot
15.00 Uhr Frederic Wandres/Bluetooth OLD
16:17 Uhr Isabell Werth/Wendy
16:39 Uhr Katharina Hemmer/Denoix PCH
Es wird auf jeden Fall eine heiße Entscheidung. Als wir gestern Abend die Geländestrecke abgegangen sind, sah man am Himmel eine langgestreckte merkwürdig braune Wolke. Der Wald in Hürtgenwald (keine 20 Kilometer entfernt) brennt. In Aachen soll man angeblich Fenster und Türen geschlossen halten. Mehrere Hektar sind schon ein Raub der Flammen geworden. Das konnte auch Lukas Fischer, Hengstmanager bei Paul Schockemöhle, indirekt bestätigen. Er ist mit seiner Frau Tanja nach Aachen gereist. Vorbei an brennenden Feldern, unten weißer Qualm, oben gelb züngelnde Flammen. Ich möchte jetzt nicht über den Klimawandel schwadronieren, aber …
Mit sorgenvollem Blick gen Himmel trafen wir gestern auch noch Andrew Hoy. Der sorgte sich nicht um den brennenden Wald, sondern das schwindende Sonnenlicht. Denn er wollte noch einmal die Geländestrecke abgehen. Dazu braucht man Licht und auch die eine oder andere Erleuchtung. Denn Giuseppe della Chiesa hat einen Kurs auf den Kuhweiden hinter dem Aachener Stadion erschaffen, der einiges an Hirnschmalz verlangt. Schon die direkten Wege sind nicht gerade eben selbsterklärend. „Six routes in the water“, sagt Lucinda Green, die britische Buschikone. „Wenn ich reiten müsste, müssten ich noch mindestens sechsmal den Kurs abgehen, um mir die Alternativen einzuprägen.“ Aber das sei schlussendlich gut so, denn die Kunst bei einer Weltmeisterschaft ist es ja, so zu bauen, dass die Besten vorne stehen und die anderen heile ankommen. Dafür braucht es dann eben manchmal mehr als nur eine Alternative. „Davon habe ich Dutzende gesehen“, sagt Lucinda und blickt immer noch etwas verwirrt drein.
Nachher wird uns Andreas Dibowski Details des Kurses erläutern. Mal sehen, was er anzumerken hat.
Erste Eindrücke meinerseits: Hindernis fünf, der direkte Weg, mit ganz schmalen Sprüngen fragt schon früh auf der Strecke die Rittigkeit ab. Coffin (8) und Sunken Road (9) stehen inmitten eines Fahrhindernisses – das kann wie reiten in der Holzzuschnittabteilung des Baumarkts meines Vertrauens aussehen.
Im ersten Wasserkomplex geht es kringelig zu. Der Tiefsprung von dem Wall hinunter dürfte eine Klippe sein. Der direkte Weg ist nur für Fachleute als solcher zu erkennen.
Ein Sprung, den die Stiftung Deutscher Pferdesport gesponsert hat, hat Schnecken zum Thema. Auf einem der hölzernen Schleimer prangt ein Autogramm von Rüdiger Schwarz. Ob der an der Stelle mal jemanden zur Schnecke gemacht hat? Gewisse Geheimnisse wird man nie lüften.
An dieser Stelle gibt es nicht nur wie an eigentlich allen Sprüngen eine Menge an Details zu sehen. Hier kommt auch der olfaktorische Genießer auf seine Kosten. Auf der Weide nebenan hat der Bauer frisch gedüngt.
Der Boden der Trasse ist, auch wenn wir ihn selbstverständlich nicht betreten haben, ein Traum von grünen Halmen, die auf einem elastischen, aber stabilem Geläuf der Dinge harren, die auf sie zukommen. Ihre Kumpels links und rechts darben derweil, tragen eher braun als grün.
Diejenigen, die am Samstag hier entlang galoppieren werden, waren teilweise heute auch schon gefragt. Libussa Lübbeke mit der von der Familie selbstgezogenen Caramia machte den Auftakt. Meine Kollegin Dominique Wehrmann war begeistert, wie gechillt die Stute sich von der gesamten Familie vorm Einreiten noch einmal den letzten Schliff (und jede Menge Fliegenspray) verpassen ließ.
Wer kennt noch Tony Holiday? Tanze Samba mit mir? Und wer ist textsicher? Die erste Zeile? „Du bist so heiß wie ein Vulkan.“ So fühlte sich Malin Hansen-Hotopp heute auf Quidditch. Der Holsteiner tanzte zwar stellenweise mit der Anmut eines Sambatänzers, er kann aber auch übelsten Disco Fox, sprich Knotentanz. „Wie auf einem Vulkan.“ Gestern vor allem in der Galopptour. Aber so ist das manchmal. Mein persönlicher Musikwunsch fürs Gelände: Vielleicht Dschingis Khan? „He Reiter, ho Reiter, immer weiter …“
Noch eine Anmerkung zu den Vielseitigkeitspferden: Ich hoffe nicht, dass Christoph Wahler und D’Accord immer nur die Alternativen – „chicken ways“ – ansteuern. Warum die Sorge? Meine sorgfältige investigative Recherche hat ergeben, dass der Riesen-Hannoveraner ein Verhältnis mit einem Chicken namens Chiquitita hat. Die ganze Geschichte gibt es hier: Das WM-Pferd, das ‘nen Vogel hat.
Letzte Tipps für alle, die heute beim Grand Prix Special mitfiebern:
36 Lektionen + eine Schlussnote für Harmonie
Mit Faktor zwei in die Bewertung eingehen:Trabtraversale links und rechts
drei Piaffen
starker und versammelter Schritt
Galopppirouetten links und rechts
Maximale Punktzahl pro Richter: 470
In diesem Sinne – bis morgen!
Jan Tönjes
jan.toenjes@equi-pages.de
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Dieser Text wurde erstmals am 13. August 2026 veröffentlicht.
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