Mannschaftsweltmeisterschaft in Aachen: Gold für Deutschland, Silber für Großbritannien, Bronze für Dänemark
WM Aachen: Deutschland ist Dressur-Weltmeister, Mannschaft siegt vor Briten und Dänen
Deutschland ist Mannschaftsweltmeister in der Dressur. Foto: sportfotos-lafrentz.de Nach eineinhalb Tagen, in denen die Richterurteile weitestgehend nachvollziehbar waren, wurde es in der Konkurrenz der letzten 15 Paare dann herausfordernd. Für die sieben Jurorinnen und Juroren in den Richterhäuschen, aber auch für das Publikum. Nicht immer waren die Vorstellungen, wie das gerade Gesehene zu beurteilen sei, deckungsgleich. Dass Cathrine Laudrup-Dufour mit Mount St. John Freestyle den besten Ritt gezeigt hatte, war der allgemeine Tenor.
Unterschiedliche Sichtweisen
Nicht wenige hatten aber beispielsweise auf ihrem persönlichen Ranking Katharina Hemmer noch weiter vorne als auf dem fünften Platz, den ihr die Jury zugestanden hatte. Auch der Belgier Justin Verboomen, mit Zonik Plus amtierender Europameister, erwischte einen jener Tage, an denen er nicht zwangsläufig ganz weit nach vorn gehört hätte. Er rangierte auf Platz zwei noch vor der Titelverteidigerin Charlotte Fry und Glamourdale. Die Britin hatte zwar einen leichten Störmoment zu Beginn ihrer Prüfung, zeigte den Rappen aber weiter gereift, lockerer und losgelassener als noch im vergangenen Jahr.
Deutschland, Großbritannien Dänemark
Am Ende siegten die Deutschen vor den Briten und den Dänen. Ein Ausgang, mit dem viele gerechnet hatten. Deutschland ist damit seit 2018 wieder Mannschaftsweltmeister. Die 30 besten Paare aus dieser Prüfung gehen am Freitag im Grand Prix Special an den Start. Dort gibt es einen ersten Medaillensatz für die Einzelwertung.
So geht es weiter im Programm der Dressur-WM
Samstagabend fällt die Entscheidung in der Kür. Unter Flutlicht sind dann die besten 15 Kombinationen aus dem Grand Prix Special am Start, allerdings nur die besten drei einer jeden Nation.
Hier die Top-Ritte des Nachmittags:
Cathrine Laudrup-Dufour (DEN) und Mount St John Freestyle
Wie bekommt man eine Wertung von mehr als 80 Prozent am einfachsten hin? Antwort: Indem man eigentlich jede Lektion so reitet, dass fast immer eine Acht vor dem Komma steht. Diesem Prinzip fühlte sich die Dänin Cathrine Laudrup-Dufour verpflichtet.

Das begann schon beim Einreiten: 8,9. Anschließend alles im Fluss, alles in echter Kadenz im versammelten Trab. Und das im Vorwärts wie im Seitwärts. Das Rückwärtsrichten unterstrich die Durchlässigkeit der Hannoveraner Stute: Sicheres Treten, daraus ein weiches Hineingleiten in den versammelten Trab.
Die Varianz im Sitz
Interessant ist zu beobachten, wie Cathrine Laudrup-Dufour ihren Sitz in der Pi/Pa-Tour verändert. In der Passage etwas leichteres Sitzen, in der Piaffe nimmt die Dänin wieder voll Platz im Sattel und die Stute kippt im Becken ab, trägt die Last. Beim Übergang aus der zweiten Piaffe gab es eine kleine Unregelmäßigkeit.
Galopp – noch etwas Luft nach oben
Die Sprünge in den Zweierwechsel waren nicht eben neun kleine Explosionen. Dafür aber zeigte die Stute die Lektionen nahezu durchgehend mit einem ruhig pendelnden Schweif, ein zufriedenes Pferd. Etwas holprig war die erste Pirouette, die aber von der Jury trotz nicht mehr ganz klarem Dreitakt generös bewertet wurde.
Mit schwingender Passage und einer präzise am Punkt ausgeführten Piaffe endete die Vorstellung.
Was während der Prüfung immer wieder zu beobachten war: Das nicht immer geschlossene Maul. Man hatte den Eindruck, dass die Hannoveraner Fidermark-Tochter dabei auch die Zunge hochgezogen hatte. Mit 82, 376 Prozent trug Cathrine Laudrup-Dufour maßgeblich zum Endergebnis des dänischen Teams bei, das die Bronzemedaille gewann (229,426). Auch dank des starken Ritts am Vormittag von Daniel Bachmann Andersen, der mit Flash Gordon Zehnter der Einzelwertung wurde.
Cathrine Laudrup-Dufour konnte nicht genug Worte des Lobs finden für ihre Sportpartnerin: „Sie ist 17, ging vor acht Jahren ihre erste Weltmeisterschaft, ich bin in Herning 2022 meine erste WM geritten. Jetzt sind wir hier zusammen.“
Justin Verboomen und Zonik Plus

Beim Halten stand der Hengst auf allen vier Beinen, aber er hätte mit den Hinterbeinen weiter unterm Körper stehen können. Die Traversale nach links war noch etwas geschmeidiger als die nach rechts. Vor dem Halten zum Rückwärtsrichten gab Justin Verboomen eine deutliche Schenkelhilfe. Die quittierte Zonik Plus mit hoher Kruppe. In der ersten Piaffe war eine Rückwärtstendenz zu erkennen. In der zweiten Piaffe trat der Zonik-Sohn zumindest einmal klar mit dem rechten Hinterbein zurück.
In der Zick-Zack-Traversale war das Genick nicht immer frei und dann gab es auch noch einen Fehler in den Einerwechseln. In der Rechtspirouette hakte das Hinterbein ein weiteres Mal. Fazit: ein dicker Patzer, mehrere Kleinigkeiten – zu viel, um ganz vorn zu landen.
Das sah die Jury anders. Mit 80,885 Prozent setzten sie das Paar auf Platz zwei.
Charlotte Fry (GB) und Glamourdale

Die Titelverteidiger begannen mit schwungvoller Trabarbeit und gehorsamem Rückwärtsrichten. Aus der Passage hielt der Rappe dann kurz an, anstatt anzupiaffieren. Ein Missverständnis, das sich schnell ausräumen ließ. Auch die zweite Piaffe hatte eine, wenn auch deutlich geringere Taktproblematik.
Galopp? Stark!
Im Galopp arbeitete der KWPN-Hengst gut über den Rücken und holte viele Punkte. Für die Zweierwechsel gab es eine 9,1 für den starken Galopp eine 9,6.
Insgesamt ist Glamourdale nicht mehr der im Rücken feste, dafür mit spektakulärer Mechanik auftrumpfende Kraftbrocken, sondern ein Pferd, das seine natürlichen Talente losgelassener als früher im Viereck präsentieren konnte.
Der Weltmeister von 2022 – deutlich verbessert
Deutlich verbessert waren die Pirouetten bei denen der Hengst nicht mehr im Hinterbein stemmte, sondern wirklich um den inneren Hinterfuß sprang. Wenngleich auch gerade bei der ersten Pirouette auf etwas größerem Kreisbogen. Die letzte Piaffe war die beste der drei geforderten.
Charlotte Fry: „Der Fehler in der ersten Piaffe geht voll auf meine Kappe. Danach war er entspannt, und ich auch.“
80,311 Prozent erhielt das Paar, die drittbeste Bewertung der 91 teilnehmenden Paare und der größte Anteil an der Punktsumme von 231,445, die die Silbermedaille für Großbritannien bedeuteten.
Isabell Werth und Wendy
Die Prüfung begann mit einer tendenziell eiligen Trabverstärkung. Die Traversalen ließen dann die Noten deutlich steigen. Nach einem sicheren Halten vorm Rückwärtsrichten gab es zwischenzeitlich in dieser Lektion einen leichten Widerstand.
Die erste Piaffe war gleichmäßig, rhythmisch und aktiv, bei leichter Anlehnung. Vielleicht wurde sie kurz vorm eigentlichen Punkt ausgeführt.

Losgelassen marschierte Wendy im starken Schritt über die Diagonale. Der versammelte Schritt kam an die Qualität des starken Tempos nicht heran. Mehrfach schnaubte die Sezuan-Tochter in der zweiten Piaffe, ohne dabei den Takt zu verlieren.
Technisch sicherer Auftakt im Galopp
Dann der Galopp – in dem zu Beginn schon das erste Mal Serienwechsel lauern. Den fliegenden Galoppwechseln zu zwei Sprüngen wünschte man mehr Volumen, mehr Durchsprung. Sie waren technisch fehlerfrei. In den Einerwechwechseln kam es dann nach gutem Start zu einem Fehler.

Bundestrainerin Monica Theodorescu erläutert die Situation: „Die Zweier waren sehr gut und die zwölf (Einer) waren richtig gut, und sie (Wendy) hält dann ein bisschen die Luft an, weil sie natürlich auch aufgeregt ist, und beim 13. hat sie geschnauft. So lange Luft anhalten ging dann doch nicht. Sie ist dann auch ein bisschen heiß da drin. Draußen auf dem Abreiteplatz waren die Wechsel fehlerlos und ruhig. Aber wenn sie reinkommt, ist Wendy schon auch heiß. Bis dahin fand ich die Wechsel von sehr guter Qualität und auch die Pirouetten besser als sonst schon mal, gesetzter und besser in Durchsprung, auch sonst das Galoppieren schön flüssig eine ganz tolle Zickzack-Traversale. Das war eine sehr gute Prüfung insgesamt. Klar, es kostet natürlich die 80 Prozent. Aber nichtsdestotrotz: eine tolle Teamleistung.“
Pirouetten verbessert
Die Pirouetten waren eine Idee größer als man sie schon bei dem Paar gesehen hat. Dafür sprang die Stute aber im Galopptakt auf dem Kreisbogen und kam nicht in die Verlegenheit, zu stemmen.
Eine mustergültige Piaffe zum Schluss bei X half der Note noch einmal nach oben. Dabei gab es vor allem von der deutschen Richterin Ulrike Nivelle viele Punkte – 2,4 Prozent mehr als die nächstniedrigere Bewertung (80,326 Prozent von Maribel Alonso de Quinzaños (MEX) bei F). Isabell Werth sagte, die Stute sei angesichts der Atmosphäre so „an“ gewesen, dass sie sich für einen kontrollierten Ritt entschieden habe.
Eine noch größere Differenz gab es bei der Beurteilung von Cathrine Laudrup-Dufour: 4,3 Prozent unterschieden sich die Noten von dem Dänen Kurt Christensen (84.130) und der Finnin Maria Colliander (79,783).
Deutsche Damen auf Platz vier und fünf
Mit 79,876 Prozent setzte sich Isabell Werth hauchdünn vor Katharina Hemmer und Denoix auf Platz vier. Damit war der Sieg für Deutschland sicher. 235,063 Punkte brachte das Team zusammen. Isabell Werth gewann ihre zehnte Goldmedaille auf Weltmeisterschaften, „und das ist keine Selbstverständlichkeit“, wie Werth betonte. Mit einem Abstand von 3,618 Prozent gewannen die Briten Silber. Mit einem Abstand von 2,016 Prozent freuten sich die Dänen über die Bronzemedaille.
Im Einzelranking landete Frederic Wandres auf Rang neun. Raphael Netz wurde beim Championatsdebüt 13.
Direkt qualifiziert für die Olympischen Spiele sind neben den drei Mannschaften auf dem Podium außerdem die Belgier (223,044), die Niederlande (221,428) und die Schweden (216,552).
WM Aachen: Katharina Hemmer und Denoix liefern den – bislang – besten Ritt ihres Lebens
zum Artikel: Hemmer, Bachmann Andersen, van Liere und mehr

Marieke van der Putten (NED) und Zantana RS2 OLD
Nachdem die dritte Kombination für die Niederlande, Dinja van Liere mit Mauro Turfhorst, vormittags schon einen sehr guten Eindruck hinterlassen hatte, war es an Marieke van der Putten (NED) und Zantana RS2 OLD alles für eine vielleicht noch zu erreichende Bronzemedaille zu tun. Die Oldenburger Stute Zantana ist das dritte Pferd unter den Top 15 in diesem Grand Prix, das Zonik v. Zack-Romanov zum Vater hat.

Die Stute kann vor allem durch ihre Mechanik punkten. In puncto Rückentätigkeit kam sie nicht an viele der ähnlich hoch bewerteten Paare heran. Das zeigte sich schon beim Rückwärtsrichten. Das geriet eilig und im Sprunggelenk hakend und ungeschmeidig.

Eine leichte Taktstörung in der Piaffe war die einzige Auffälligkeit in den Lektionen des höchsten Grads der Versammlung. Spannung trat beim Angaloppieren auf. Was vor allem in der Galopptour, aber nicht nur da das Gesamtbild trübte: Immer wieder schlug die Stute mit dem Schweif. Technisch alles in Ordnung, die fliegenden Galoppwechsel gerade und bergauf. Die Pirouetten waren hastig. 77,764 Prozent ließen in der Endabrechnung die Niederlande auf dem vierten Platz landen (221,428).
Einzelwertung Grand Prix Weltmeisterschaften Aachen 2026