WM Aachen: Katharina Hemmer und Denoix liefern im Grand Prix persönliche Bestleistung, Carl Hester Zweiter in Zwischenwertung

WM Aachen: Katharina Hemmer und Denoix liefern den – bislang – besten Ritt ihres Lebens

Dressur
Der Moment, wenn du aus dem Aachener Stadion reitest und bei einer WM für restlose Begeisterung gesorgt hast … Katharina Hemmer und Denoix, dieser Grand Prix war einer, der im Gedächtnis bleibt.
Foto: sportfotos-lafrentz.de/Sharon Vandeput Der Moment, wenn du aus dem Aachener Stadion reitest und bei einer WM für restlose Begeisterung gesorgt hast … Katharina Hemmer und Denoix, dieser Grand Prix war einer, der im Gedächtnis bleibt. Foto: sportfotos-lafrentz.de/Sharon Vandeput
Es braucht nur ein Wort, um den Ritt von Katharina Hemmer und Denpoix m Grand Prix bei der Weltmeisterschaft in Aachen zu beschreiben: Sensationell! Zweifelsohne war es die beste Leistung des Paars. Und eine, die Team Deutschland näher an die Goldmedaille rücken lässt. Aber auch Carl Hester war stark unterwegs.

Um 12.30 Uhr kam Katharina Hemmer mit Denoix im Schritt am nahezu hingegeben Zügel ins Stadion in Aachen. Immer wieder klopfte sie den Oldenburger am Hals. Der Fuchs zeigte eine gewissen Anspannung, seine Reiterin gar nicht, wie Monica Theodorescu im Anschluss erklärte. „Der war ja ein bisschen unsicher beim Reinkommen, weil auch applaudiert wurde. Aber Katha reitet einfach locker weiter im Schritt, wird nicht unruhig, Gehen wir dann mal in Ruhe auf den Sand und dann drehen wir um und dann galoppieren wir an. Total souverän, mental, ganz, ganz stark. Und ich meine, dass sie reiten kann, ist keine Frage, aber das ist unglaublich.


Ein Seitenbild wie aus dem Lehrbuch


Unglaublich auch die konstante leichte Anlehnung, die herrliche Silhouette. So und nicht anders soll Dressurreiten aussehen. Weit kreuzende, elastische Traversalen zum Auftakt. Da zeigt die Anzeigetafel am Rand mit den Live-Bewertungen das erste Mal während der Weltmeisterschaft in Aachen mehr als 80 Prozent in einer Prüfung an. Es folgen federnde Passagen, genauso schwungvoll wie aktiv. In der ersten Piaffe marschierte der 14-Jährige vielleicht 24 Zentimeter vorwärts. Auch hier: aktiv, fleißig, alles leicht, alles Lehrbuch.


Der starke Schritt gelang sicher, der versammelte war ein Highlight. Perfekter Viertakt, fleißig aber eben auch versammelt.


Wer wissen möchte, wie eine Piaffe aussehen soll: einfach mal bei Clipmyhorse die zweite Piaffe angucken, inklusive der fließenden Übergänge. Hinein- und wieder heraus, Gänsehaut.


Starke Galopptour


Die Zweierwechsel waren perfekt eingeteilt, der fünfte fliegende Wechsel genau bei X. Beim starken Galopp meinte man den Hauch eines Sicherheitsgedanken zu erkennen. Die Zick-Zack-Traversalen führten Denoix weit links und rechts der Mittellinie aus. Die 15 Einerwechsel – Lehrbuch, schon wieder!


Die erste Pirouette: spitze, die zweite nahezu genauso gut. Eine kleine Unsauberkeit beim Übergang zum versammelten Trab. Und dann die letzte Mittellinie: Absolute Weltklasse Passage, Piaffe, Passage bis zum Punkt G. 79,294 – neue persönliche Bestleistung. Auf den letzten Metern, gibt Katharina Hemmer zu, seien ihr die Tränen gekommen.


Aber ansonsten voller Fokus: „Ich bin total aufs Pferd konzentriert und versuche ihm da so eine Sicherheit zu suggerieren. Das hat, glaube ich, heute gut geklappt. Auch wenn er mal mit einem Ohr vielleicht woanders war, habe ich ihn so ein bisschen angeklopft, dass er wirklich wusste, er kann sich da auch auf mich verlassen.“


Druck? Fehlanzeige


Aachen. Gold in Reichweite – Katharina bleibt da cool. „Die Jungs haben gestern super vorgelegt und ich hab mich gestern schon bedankt. Ihr habt viel Druck rausgenommen für heute. Ich habe aber mit Druck sowieso nicht so viel am Hut, zum Glück.“


Nach dem Ritt lag Katharina Hemmer klar vor Carl Hester, der bei seiner Abschiedsvorstellung aus dem Championatsgeschehen Fame in Bestform präsentierte.


Carl Hester und Fame


Carl Hester trabte erst noch einmal leicht bevor er ins Viereck hineingaloppierte. Der Bordeaux-Sohn hat die Tendenz zu eng zu gehen. Daran scheint Hester noch einmal gearbeitet zu haben. Selten rutschte der Wallach massiv hinter die Senkrechte mit der Stirn-Nasenlinie. Das Rückwärtsrichten war eines der besten des Tages. Die erste Piaffe war sicher, präzise am Punkt, im Hals zum Schluss etwas eng.  Zwar gelang der starke Schritt im klaren Viertakt, aber etwas mehr Übertritt hätte dem routinierten Paar gut zu Gesicht gestanden.


In der Passage wünschte man sich energischeres Abfußen der Hinterbeine. Sichere Zweierwechsel, im starken Galopp hätte der KWPN-Wallach noch mehr Rahmenerweiterung zeigen dürfen. Im versammelten Tempo war der  Rhythmus manchmal grenzwertig. Da schnalzte man etwas in Gedanken.


Hester Highlight


Der absolute Höhepunkt des Ritts: Die beiden Galopppirouetten. Besser kann man sie sich eigentlich kaum vorstellen. Auf engstem Kreisbogen gesprungen, nicht gestemmt mit klar gebeugten Hanken. 77,314 Prozent – wichtige Punkte für Team GB.


Daniel Bachmann Andersen und Flash Gordon


Daniel Bachmann Andersen und der Oldenburger Flash Gordon sind noch keine zwei Jahre ein Paar. Aber so routiniert wie ihre Runde, das Championatsdebüt des Paars, heute aussah, konnte man das kaum glauben. Es war erst der fünfte gemeinsame internationale Grand Prix der beiden. Und den beendeten sie mit einer persönlichen Bestleistung.


Potenzial


Von Turnier zu Turnier hat sich der Wallach weiterentwickelt. Daniel Bachmann Andersen gehört zu den Reitern, denen es immer wieder gelingt, Championatspferde in der Zusammenarbeit im Nathalie zu Sayn-Wittgenstein herauszubringen. Mit Flash Gordon scheint das in Rekordzeit gelungen zu sein. Der bedeutende Fuchs ist noch immer „im Werden“. In Sachen Piaffen und Passagen mag er manchmal noch leicht hinter die Senkrechte mit der Stirn-Nasenlinie rutschen. Aber der Impuls kommt von hinten und der Fiderbach-Sohn trägt sich immer besser.


Die Übergänge rund um die Piaffen, die noch leicht im Vorwärts angelegt waren, lassen Lust auf mehr aufkommen.


Im Schritt musste das Paar Punkte lassen. Da hätte sich der Fuchs noch mehr strecken, noch ergiebiger schreiten müssen. Der Schritt war auch nicht ganz spanungsfrei, sicherlich der mangelnden Routine und dem Stadion geschuldet.


Knapp an der Acht in vielen Galopplektionen


Sicher in den Lektionen und ausdruckstark zeigte sich das Paar im Galopp. Von sehr gut eingeteilten, gerade und bergauf gesprungenen Zweier- und Einerwechseln, bis zu einer Linkspirouette Marke „extra gut. Die letzte Piaffe hätte zwei, drei Tritte mehr vertragen können. Mit 74,876  Prozent, Personal best, brachte Bachmann Andersen Dänemark wieder zurück ins Medaillenrennen.


Die Shootingstars der Niederlande


Dinja van Liere und Mauro Turfhost sind nicht nur die Newcomer im niederländischen Sport. Sie könnten auch die Joker für das Dressurteam aus dem Nachbarland sein.


Mit neun Jahren ist der Hengst das jüngste Pferd im Feld. Seine Jugendlichkeit teilt sich in seiner Frische und Bewegungsfreude mit. Andererseits bestechen die beiden auch durch ihre Lektionssicherheit. Sei es im elastischen starken Trab, in den Traversalen – auch wenn es da am Ende einen Moment gab, bei dem man sich Rappen etwas geschmeidiger in der Ganasche gewünscht hätte. Das Rückwärtsrichten war sehr gut getreten, die Hilfe zum Antraben kam erst in der zweiten Sekunde durch. Alles kleinste Kleinigkeiten bei einem Ritt, der auch in den Lektionen des höchsten Versammlungsgrads mehr als nur überzeugte.


Alles da, vieles schon sehr weit ausgereift


Die erste Piaffe zeigte das Paar am Platz. Dinja van Liere agierte nicht übermäßig, eher weniger forciert. Diese Taktik verlieh dem Auftritt seinen besonderen Charme. Auf Hermes, mit dem sie 2022 bei der Weltmeisterschaft in Herning auf dem Podium war, hatte das zumeist ganz anders ausgesehen. Hermes war der gehorsame Zinnsoldat, Mauro Turfhorst ist ein Solo-Tänzer.


Das zeigte sich auch daran, wie entspannt der Zonik-Sohn im starken Schritt über die Diagonale schritt. Für eine Acht – und Noten dieses Kalibers sind für dieses Paar allemal in Reichweite –hätte das Pferd noch etwas mehr übertreten können. Beispielhaft aber das Ausgreifen aus der Schulter.


In der zweiten Piaffe stutzte der Hengst einmal. Nach den ersten Tritten fanden der Rappe aber schnell wieder den Takt.


Galopp? Top!


Der gute Eindruck der Trabtour setzte sich im Galopp fort: Die Zweierwechsel schön im Vorwärts, kein Schweifschlagen. Im starken Galopp gab es etwas „Seitenwind von links“ am Ende der Diagonale. Vielleicht hätte Dinja van Liere etwas versammelter die erste Piaffe einleiten können. Aber auch hier war das Potenzial des eleganten Hengstes klar zu erkennen.


Mit einer klar abgesetzten Passage und einem geschmeidigen Übergang in die letzte Piaffe setzte das Dutch Duo auf der letzten Mittellinie noch einmal ein Zeichen.


Buchstäblich auf den letzten Metern gab es dann den einzigen Fehler, den das Paar zu verzeichnen hatte. Kurz vorm Halten gab es einen Taktfehler.


Dass der dänische Richter Kurt Christensen den Ritt lediglich mit 71,848 Prozent beurteilte führte zum ersten Mal für Unruhe bei der Bekanntgabe der Juryurteile bei dieser Weltmeisterschaft. Mit 74,161 Prozent hat diese junge Kombination eine Visitenkarte gen L.A. 2028 gesendet.


Zwischenergebnis Dressur Grand Prix WM Aachen


Drei Pferde eliminiert


Artikel 424.5.6.2 des Reglements des Weltreiterverbandes (FEI) ist landläufig als „Blutregel“ bekannt. Wenn der Steward, der nach jedem Ritt Maul und Flankenregion des Pferdes überprüft, Blutspuren findet, führt das zum Ausschluss.


Das war bei zwei Pferden im Grand Prix, der Mannschaftswertung bei der Dressur Weltmeisterschaft in Aachen, der Fall.


Wendi Williamson stammt aus Neuseeland. Ihr Hannoveraner Don Vito MH ist in Neuseeland zur Welt gekommen. Dieses Paar und die Türkin Jale Ibrahimzade, die mit Morgan Barbançon trainiert, und den 18-jährigen Hexagon’s Double Dutch geritten hatte, mussten wegen Blut im Maul nach der Prüfung ausscheiden. Der Fuchshengst war bis Februar 2023 mit der Niederländerin Thamar Zweistra international unterwegs.


Dreamboat v. Voice ging für Thailand und Suphakamol Vuntanadit ins Viereck. Vuntanadit lebt mit ihrer Schwester in Belgien. Ihr reiterliches Rüstzeug hat sie in der Academy Bartels in deni Niederlanden erlangt. Das Paar wurde wegen Lahmheit aus dem Wettkampf genommen.


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