Fazit von Trakehner Zuchtleiter Neel-Heinrich Schoof nach dem Trakehner Bundesturnier mit Reitpferdeprüfungen nach altem Format
Zwei Fragen an den Trakehner Zuchtleiter und Verbandsgeschäftsführer Neel-Heinrich Schoof
Champion der dreijährigen Trakehner Hengste: Hannu Hakoon ND v. Scaglietti. Foto: Trakehner Verband/Bauernschmitt EQUI PAGES: Herr Schoof, die Reitpferde-Bundeschampionate sehen dieses Jahr anders aus als in den Vorjahren – nur noch eine Prüfung für Dreijährige, auch bei den Vierjährigen kein Fremdreitertest mehr, dafür eine Dressurpferdeprüfung Klasse A statt einer Eignungsprüfung sowie der Wegfall der Gebäudebeurteilung unmittelbar nach der Aufgabe. Fast alle Verbände haben dem Rechnung getragen und ihre Championate entsprechend angepasst. Sie nicht. Warum?
Neel-Heinrich Schoof: Wir haben in unseren Gremien beschlossen, dass wir ein bewährtes Modell nicht einfach aufgeben, zumal eine nachvollziehbare Argumentation für so einen Schritt fehlt. Die Situation, die wir beim Bundeschampionat sehen werden, ist das Ergebnis eines Kompromisses. Eigentlich sollten die Dreijährigen ganz abgeschafft werden. So hat man sich nun auf das jetzige Format geeinigt. Aber wir sind überzeugt, dass die Struktur des bisherigen Prüfungssystems vollkommen pferdegerecht war, sofern es richtig durchgeführt wurde. Eine kleinere Anpassung hat allerdings auch der Trakehner Verband im Zuge seiner Reitpferdechampionate vorgenommen – Wir haben die Prüfungen in diesem Jahr mit einer, statt wie gewohnt zwei Fremdreitern durchgeführt.
Besonders wichtig ist für uns, dass die Reitpferdeprüfungen als Einheit aus Vorstellung unter dem eigenen Reiter, der Exterieurbeurteilung und dem Fremdreitertest im Finale bestehen bleibt. Dies ist für Zuschauer informativ und interessant und bringt für die Richter wichtige Erkenntnisse. Dies haben uns auch die Richter auf dem Trakehner Bundesturnier noch einmal bestätigt und unsere Herangehensweise ausdrücklich begrüßt.
Und wie stehen Sie zu der Neuerung, dass die Dreijährigen in Warendorf nur noch einmal gehen?
Auch hier bin der prinzipiellen Meinung, dass das ursprüngliche Modell mit Einlaufprüfung und Finale gut war. So konnte in der Vergangenheit, doch das eine oder andere Pferd im Finale die Grundqualität besser offenbaren als noch in der Einlaufprüfung wo die Umwelteffekte nicht selten die Präsentation noch vermehrt beeinflusst haben. Für die Beurteilung und Rangierung war dies ohne Zweifel das bessere System. Wichtig ist aber doch vielmehr die Art und Weise der Vorstellung, wenn hierauf der Fokus liegt, ist man auf dem richtigen Weg.
Für mich ist ein ganz anderer Aspekt wichtig und der wird in der gesamten Diskussion zu wenig beachtet und dies ist die individuelle Entwicklung des Pferdes, daran sollten wir uns orientieren. Es gibt spätreife Pferde für die ist ein dreijähriger Turnierstart nicht geeignet, andere Pferde hingegen müssen z.B. für die mentale Entwicklung Erfahrungen sammeln, hier können auch mehrere Turnierstarts für die weitere Ausbildung vorteilhaft sein. Wenn wir uns nicht fachlich mit den Pferden selbst beschäftigen, sondern der Aktionismus im Vordergrund steht, werden wir nicht weiterkommen.



