FN erklärt, wie Bundeschampionate für Reitpferde und Ponys durchgeführt und bewertet werden
Vorreiter, Notenvergabe usw. – das neue Bundeschampionat der Reitpferde
Wie die einzelnen Verbände ihre Sichtungen für die Reitpferde- und -Ponybundeschampionate 2026 durchführen, bleibt ihnen selbst überlassen.
Foto: Sportfotos-lafrentz.de Es hat viel Kritik gegeben zu den geplanten Neuerungen beim Reitpferde-Bundeschampionat, unter anderem aus den Reihen der Richter aus Gründen, die der Vorsitzende der Deutschen Richtervereinigung, Dr. Carsten Munk im Interview mit EQUI PAGES darlegte. Daraufhin wurde die Beurteilung von Typ und Qualität des Körperbaus an der Hand zurück ins Programm genommen, allerdings in anderem zeitlichen Ablauf.
Das Ponyforum als bedeutender Umschlagplatz für Reitponys und Kleinpferde in Deutschland und langjähriger Sponsor der Reitponyprüfungen in Warendorf hat seine Zusammenarbeit nach 20 Jahren gekündigt. Die Reaktion der FN auf diese Kündigung war knapp, wie man hier nachlesen kann: UPDATE Wegen der Änderungen beim Bundeschampionat – Ponyforum 2026 kein Sponsor.
Dafür wurde heute eine lange Erklärung veröffentlicht, wie genau der Ablauf auf dem Reitpferdeplatz beim Bundeschampionat 2026 aussieht – und der Weg dorthin.
Eine Prüfung für die Drei-, zwei Aufgaben für die Vierjährigen
- Die Dreijährigen gehen nur noch eine Prüfung und absolvieren zuvor ein Pflichttraining, bei dem die Pferde und Ponys sich mit dem Prüfungsviereck vertraut machen sollen.
- Die Vierjährigen absolvieren in der Qualifikation eine Reitpferdeprüfung und im Finale eine Dressurpferdeprüfung Klasse A (Aufgabe DA3 einzeln geritten, aber ohne Grußaufstellung zu Beginn der Prüfung). Für die Bundeschampionatswertung zählt ausschließlich das Ergebnis des Finales. Kein Pflichttraining für die Vierjährigen.
- Der Fremdreitertest fällt weg. Die Rittigkeitsnote wird nur noch von den Richtern vergeben.
Neue Bewertungssystematik
- Es wird weiterhin Noten für Schritt, Trab, Galopp und Rittigkeit geben, aber mit Zehntelnoten statt wie zuletzt halben Noten.
- Die fünfte Note ist der „Gesamteindruck als Reitpferd“. Sie setzt sich aus zwei gleich gewichteten Teilnoten zusammen: der Bewertung von Typ und Qualität des Körperbaus vor der Prüfung und der Eindruck unter dem Sattel. Hier wird bewertet, wie das Pferd seinen Körper unter dem Reiter gebraucht und wie harmonisch sich Reiter und Pferd gemeinsam präsentieren.
„Durch die Aufteilung des Gesamteindrucks als Reitpferd in diese beiden Teilnoten wird die altersgerechte Präsentation junger Pferde noch stärker gewichtet, ohne dabei die grundlegenden Qualitätsmerkmale als Reitpferd aus dem Blick zu verlieren.“ (FN Pressemitteilung)
Ablauf der Vorstellung an der Hand
Die Vorstellung der Pferde an der Hand erfolgt bei den Dreijährigen nach dem Pflichttraining unter dem Sattel und bei den Vierjährigen am Vortag der Reitpferdeprüfung. Der Prüfungsteil ist Pflicht, erfolgt öffentlich in der Reithalle und wird via ClipMyHorse übertragen. Die Wertnoten werden bekannt gegeben und im weiteren Verlauf der Prüfung nicht mehr verändert.
Die öffentliche Durchführung und die mediale Begleitung unterstreichen den Anspruch, die Bewertung bei Aufteilung der Prüfung auf zwei Tage transparent, nachvollziehbar und objektiv zu gestalten. (FN Pressemitteilung)
Vorreiter mit Vorbildqualitäten
Bei dem Jungpferdegipfel „Heiße Eisen“ der FN kam unter anderem auch das Thema Bundeschampionate zur Sprache und die Idee auf, jeweils Vorreiter aufs Viereck zu schicken. Die wird nun umgesetzt. Je zwei Reiter-Pferd-Kombinationen zeigen die Prüfungen und die Richter kommentieren sie.
FN: „Diese Vorreiter werden mit ihren Pferden bzw. Ponys in Bezug auf die Art der Präsentation besprochen und die potentielle Notengebung dem Publikum erklärt. Der Fokus soll sowohl bei den Ritten als auch bei der Bewertung stets auf einer remontengerechten Vorstellung liegen.“
Qualifikation? Jeder, wie er mag …
Die Frage war auch, wie werden die Sichtungen in den einzelnen Zuchtverbänden durchgeführt. Denn anders als bei Dressur- und Springpferden empfehlen die Reitpferde sich nicht durch Mindestnoten bei Qualifikationsprüfungen, sondern sie werden von den Zuchtverbänden nominiert, in der Regel nach den jeweiligen Verbandschampionaten. Das bleibt auch so, bringt allerdings mit sich, dass die Qualifikationen unterschiedlich aussehen.
Wie die FN es formuliert: „Während einige Zuchtverbände weiterhin das ursprüngliche, klassische Modell der Reitpferde- bzw. Reitponyprüfungen durchführen, wollen einige Zuchtverbände neue Wege gehen und das ursprüngliche Modell der Arbeitsgruppe ohne Vorstellung an der Hand, oder auch das diesjährig auf den Al Shira‘aa Bundeschampionaten durchgeführte Modell ausprobieren.“
Was wo verlangt wird, erfährt man in den jeweiligen Ausschreibungen.
Im Anschluss an die Bundeschampionate sollen die unterschiedlichen Erfahrungen von der Arbeitsgruppe, die die Bundeschampionatsneuerungen eingeführt hat (und deren Zusammensetzung nicht genannt wird), gemeinsam mit den Pferdesport- und -zuchtverbänden ausgewertet werden.