Die Niederlande dominierten die Küren zum Abschluss der U21- und U25-Europameisterschaften in Pilisjaszfalu

Lara van Nek holt zweiten U21 EM-Titel, Marten Luiten gewinnt U25-Kür, Bronze für Oatley

Dressur
Rose Oatley und Alive and Kicking bei der EM in Pilisjaszfalu.
Foto: FEI/Lukasz Kowalski Rose Oatley und Alive and Kicking bei der EM in Pilisjaszfalu. Foto: FEI/Lukasz Kowalski
Die letzten Medaillen der U21- und U25-Europameisterschaften in Pilisjaszfalu wurden in den Küren verteilt. Eine ging nach Deutschland.

Es war ein harter Kampf um die letzten Medaillen bei den Europameisterschaften der U21- und U25-Dressurreiter in Pilisjaszfalu, besonders im U25-Lager.


Lara van Nek in eigener Liga


Bei den Jungen Reitern erwiesen sich die 21-jährige Lara van Nek und die All at Once-Tochter Jatilinda, die wie der Vater aus familieneigener Zucht stammt, als das überragende Paar. Das zeichnete sich schon der Teamaufgabe ab, auch wenn sie da noch Zweite in der Einzelwertung waren. Aber bereits gestern schnappte sich die Schülerin von Adelinde Cornelissen mit einer sehr harmonischen Runde auf der eleganten, ausdrucksstarken Rappstute den Einzeltitel. Heute setzten sie noch einen drauf und holten mit satten 80,255 Prozent den zweiten Einzeltitel ihrer EM-Karriere.


Lara war bereits bei den Children, im Pony- und im Juniorenlager bei Europameisterschaften am Start. Doch dies waren ihre ersten Goldmedaillen, errungen in ihrem letzten Junge Reiter-Jahr. Übrigens stellt Lara auch den Vater von Jatilinda und einen Sohn erfolgreich vor.


Züchterisches

Der Vater, All at Once, war mit dem Marokkaner Yessin Rahmouni unter anderem bei den Olympischen Spielen in Tokio am Start. Jetzt ist der 16-jährige Ampere-Sohn Grand Prix-Professor für die Tochter seiner Züchterin und hat sich als hervorragender Vererber erwiesen, wie nicht nur Jatilinda in Pilisjaszfalu demonstrierte, sondern auch Rose Oatleys Alive and Kicking.


Jatilinda hat sich ebenfalls bereits in der Zucht bewährt. Sie selbst ist ja eine Schwester des populären Hengstes Jameson RS2. Sie hat neun Nachkommen, darunter den gekörten Obsession Taonga, der mit Lara van Nek als Fünf- und Sechsjähriger bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde am Start war und dabei erst Rang elf und dann Platz sechs belegte. Inzwischen sind die beiden in der schweren Klasse angekommen und gehören auch dieses Jahr zum KWPN WM-Aufgebot für Verden.


Silber nach Dänemark, Bronze für England


Lara van Nek und Jatilinda, erzielten ein Personal Best mit ihrer Kür – die beiden anderen Medaillengewinnerinnen ebenso. Silber ging an die Dänin Michella Skovsager, die letztes Jahr noch mit Blue Hors Elliott EM-Mannschaftsbronze gewonnen hatte, sich aber mit der von Cathrine Dufour ausgebildeten Zimillione bestens eingefuchst hat. Mit 77,845 Prozent konnte sie sich über die erste Silbermedaille ihrer Karriere in der Einzelwertung freuen.


Mette Dahl, die Tochter von Olympiareiterin Fiona Bigwood, ritt den einstigen Bundeschampionatsfinalisten Daytona Platinum, zuhause bekannt als „Dino“, mit einem weiteren Personal Best von 75,930 Prozent auf den Bronzerang. Ihre Mutter postete bereits auf Social Media, wie stolz sie auf ihre Tochter ist, die während des vergangenen Jahres ihr Studium und die Pferde unter einen Hut bekommen musste und so bereits morges um 5.30 Uhr im Stall anfängt, dann zur Uni geht und abends noch einmal in den Stall zum Grasen gehen etc. Engagement, das bei ihrem sechsten EM-Einsatz mit der ersten Einzelmedaille belohnt wurde.


Rang vier für Schmitz-Heinen


Die beiden dreifachen Junioreneuropameister des Vorjahres, Julie Sofie Schmitz-Heinen und ihr AC-DC-Sohn Attractive aus der Zucht von Stephan Borgmann, verpassten heute mit 74,790 Prozent die Medaillenränge und schlossen ihr Debüt bei den Jungen Reitern auf Platz vier ab. Ausschlaggebend waren Fehler in den Serienwechseln, sowohl den Dreiern als auch den Vierern.


Die beiden anderen deutschen Ergebnisse: Marie Sohler, U18 Europameisterin von 2024, hatte heute Probleme in der Rechtspirouette mit ihrem Dänen Askehavens Beau Sancy und belegte mit 71,085 Prozent Rang zwölf.


Lana Pinou Baumgürtel und Escalla erwischte der Fehlerteufel in den Serienwechseln. Sie wurden mit 69,565 Prozent 15.


Marten Luiten komplettiert seinen Medaillensatz


So wird man Europameister. Marten Luiten und Johnny. Foto: FEI/Lukasz Kowalski
So wird man Europameister – Marten Luiten und Johnny. Foto: FEI/Lukasz Kowalski

Nach Bronze in der Mannschaftswertung und Silber im U25 Grand Prix konnte sich der niederländische Multichampion im Nachwuchsbereich, Marten Luiten, heute über seinen ersten U25-Einzeltitel freuen. Für den 24-Jährigen, der im Oktober 25 wird, also zum letzten Mal bei Nachwuchseuropameisterschaften am Start war, war es die dritte EM in dieser Altersklasse und die erste mit dem zwölfjährigen Westfalen Johnny. Bei den anderen saß er noch im Sattel der Stute Fynona (ebenfalls von Lara van Neks Mutter Willeke Bos gezogen), mit der er drei Einzeltitel im U21-Lager gewinnen konnte und zudem Silber und Bronze bei der U25 EM 2023.


Johnny ist ein hochgewachsener und sehr elastischer Johnson-Sohn, der eher wie ein Fünfjähriger aussieht als wie ein Grand Prix-Pferd. Man hätte sich in traganderes Hinterbein gewünscht, entsprechend blieb der Dunkelfuchs stets sehr hoch und eng aufgerichtet. Rückentätigkeit? Hinterbein unter dem Schwerpunkt? Aber er piaffiert und passagiert wie ein Metronom, elastisch und aktiv. Und Marten Luiten ist ein Reiter, der genau weiß, wie er punkten kann. Die beiden lieferten eine makellose Kür mit sehr passender Musikuntermahlung, die von den Richtern mit 81,565 Prozent bewertet wurde.


Rose Oatley mit toller Trabtour, aber Fehlern im Galopp


Mit ihrem Auftritt drehten Marten Luiten und Johnny den Spieß um. Gestern hatten sie sich hinter Rose Oatley und Alive and Kicking einordnen müssen. Heute schubsten sie die beiden bis dahin Führenden vom Thron. Aber die 19-jährige Oatley hatte die Tücher auch einen Spalt offen gelassen. Die Trabtour mit ihrer ebenfalls von All At Once abstammenden Westfalenstute sah noch titelverdächtig aus. Die kleine Rappstute aus der Zucht von Michael Schulte, die von Charlotte Dujardin ausgebildet und in Weltcup-Prüfungen präsentiert worden war, war stets vor den treibenden Hilfen, gut auf dem aktiv abfußenden Hinterbein und vor den treibenden Hilfen.


Die Galopptour der beiden ist gespickt mit Schwierigkeiten, etwa den Übergängen aus den Pirouetten direkt in die Galopptraversalen. Nach rechts ging das noch gut, aber nach links, verspannte die Stute sich und machte ihrem Unmut einmal deutlichem Auskeilen Luft. Ein Fehler in den Einerwechseln kam hinzu. Trotzdem wurden es 79,255 Prozent für das Duo, das sich erst seit rund vier Monaten kennt. Am Ende sollte das die Bronzemedaille bedeuteten und damit zusammen mit den beiden Goldmedaillen aus Mannschafts- und Einzelwertung eine satte Ausbeute bei ihrer ersten U25-EM!


Familien-Duell


Bis zum letzten Paar sah es noch so aus, als würde das finale Podium dieser EM zwei von Charlotte Dujardin ausgebildete Pferde auf den Medaillenplätzen sehen, neben Oatleys Alive and Kicking auch Gio unter Annabella Pidgley. Mit 77,460 Prozent lagen die beiden auf dem Bronzerang nach einer toll abgestimmten Kür.


Der einzige, der Annabella noch vom Treppchen stoßen konnte, war ihr eigener Freund, Andreas Yde Helgstrand. Der hatte den Gentleman heute im Stall gelassen und ritt seinen erfahrenen Everdale-Sohn Inspiration PF mit einer souveränen Runde ohne Fehl und Tadel auf Platz zwei. 79,640 Prozent gaben die Richter, womit er dann auch noch an Oatley vorbeizog.


Platz sechs und elf für Baumgürtel und Gagel


Die Deutsche Meisterin im U25-Grand Prix, Lucie-Anouk Baumgürtel, ritt ihre First Vienna mit 76,130 Prozent auf Rang sechs. Fehler in den Einerwechseln und eine nicht ganz losgelassene Trabtour verhinderten, dass es mehr wurden.


Auf Platz elf mit genau 73 Prozent beendeten Pia-Carlotta Gagel und Riccio ihre erste Nachwuchseuropameisterschaft.


Alle Ergebnisse aus Pilisjaszfalu finden Sie hier.


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