Dänischer Reiterverband reagiert auf Proteste nach Carina Cassøe Krüth Sieg bei Dänischer Meisterschaft, Daniel Bachmann Andersen abgeläutet

Dänischer Reiterverband reagiert auf Proteste nach Carina Cassøe Krüth Sieg bei Dänischer Meisterschaft, Daniel Bachmann Andersen abgeläutet

Dressur
Carina Cassøe Krüth mit der Stute Heiline's Danciera auf einem Archivbild: Training bei den Weltmeisterschaften in Herning 2022. Foto: sportfotos-lafrentz.de Carina Cassøe Krüth mit der Stute Heiline's Danciera auf einem Archivbild: Training bei den Weltmeisterschaften in Herning 2022. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Die Kür bei der Dänischen Meisterschaft sah bis kurz vor Schluss nach dem Sieg von Daniel Bachmann Andersen aus. Dann aber erklang die Glocke der Chefrichterin. Bachmann Andersen wurde das erste Mal in seiner Karriere disqualifiziert und Carina Cassøe Krüth dänische Meisterin. Ihr Sieg sorgte für Diskussionen, auf die der dänische Reiterverband reagiert hat.

Im Grand Prix der dänischen Meisterschaften hatte Carina Cassøe Krüth mit Heiline’s Danciera noch knapp vor Daniel Bachmann Andersen und Flash Gordon gelegen. In der Kür hatte die Olympiareiterin, die kurz vor den Spielen von Paris 2024 wegen eines Videos, das sie bei tierschutzrelevantem Training zeigte, gesperrt worden war, mit 80,75 Prozent vorgelegt.


Daniel Bachmann Andersen: „Mich hat die Situation total überfordert“


Daniel Bachmann Andersen und der Oldenburger Hengst Flash Gordon, die zuletzt in Hagen siegreich in der Kür waren, mussten 20 Minuten nach Cassøe Krüth ins Viereck. Die Zwischenergebnisse lagen zum Ende der Kür über 80 Prozent. Dann aber wurde Bachmann Andersen abgeläutet. Der Schaum des Pferdes hatte sich auf der letzten Linie leicht rosa verfärbt. Blut im Maul, das zum Ausschluss führte. „Mich hat die Situation total überfordert“, sagt Bachmann Andersen gegenüber EQUI PAGES. „Ich hatte so etwas noch nie!“ In der Rückschau ist der Ausbilder ratlos: „Er hatte einen kleinen Riss an der Spitze der Unterlippe, ich weiß nicht, wie das passiert ist. Ich habe alles immer wieder durchanalysiert, aber ich weiß nicht, wie es dazu gekommen ist und was ich hätte anders machen müssen. Das ist bitter, es war die bislang beste Kür für uns. Aber so ist das Reglement und das soll auch so sein.“


Blick gen Aachen


Daniel Bachmann Andersen ist auf den vergangenen drei Turnieren immer die Kür-Tour geritten. Nun will er zur Vorbereitung auf die Weltmeisterschaften in Aachen in Falsterbo beim Nationenpreis den Grand Prix Special reiten. „Flash Gordon ist ja ein noch vergleichsweise unerfahrenes Pferd. Mit der Kür kann er jetzt gut umgehen, deshalb nun Special.“


In Falsterbo wird Cathrine Laudrup-Dufour das erste Mal ihre neue WM-Kür reiten. Sie war nicht bei den Dänischen Meisterschaften am Start.


Diskussionen um Siegerin


Nach der Disqualifikation von Bachmann Andersen war der Weg frei für Carina Cassøe Krüth und die 15-jährige Fürstenball Tochter Heiline’s Danciera. Sie gewannen ihren ersten dänischen Meistertitel. Platz zwei ging an Lone Bang Zindorff mit Thranegaardens Rostov. Auch Carina Cassøe Krüths langjähriger Trainer Andreas Helgstrand war am Start. Mit der neunjährigen Stute Mississipie TC v. Dream Boy wurde er mit 70,7 Prozent Achter in der Kür.


Dänischer Verband reagiert auf Kritik über Carina Cassøe Krüths Titel


Weil der Sieg von Carina Cassøe Krüth mit Heiline’s Danciera viel kritisiert wurde, nahm der dänische Reitsportverband, Dansk Ride Forbund (DRF), in einer Pressemitteilung Stellung. Die Kritik basierte vor allem auf dem Umstand, dass eine verurteilte Tierquälerin, die auch schon mit Jon D. Pedersen gearbeitet hat, dänische Meisterin werden kann. Der dreifache Olympiareiter Jon D. Pedersen war wegen Prügelvideos, die der dänische Fernsehsender TV 2 ausgestrahlt hatte, von seinem Arbeitgeber entlassen worden. Seit dem Skandal um die Ausbildungsmethoden bei Helgstrand Dressage ist die dänische Öffentlichkeit äußerst sensibel, wenn es um den Dressursport geht.


Verband verweist auf verbüßte Strafe


Dem dänischen Verband war es in seinem Statement wichtig zu betonen, dass Cassøe Krüth ihr Fehlverhalten eingestanden und ihre Strafe verbüßt hat. „Das zentrale Prinzip jedes rechtssicheren Verfahrens ist, dass man nicht unendlich lange für dasselbe Vergehen bestraft werden kann. Carina Cassøe Krüth hat das Disziplinarverfahren durchlaufen, ihre Strafe erhalten und die festgelegte Sperre verbüßt. (…) Das bedeutet nicht, dass das Geschehene vergessen werden soll. Im Gegenteil, der Vorfall sollte weiterhin als Anlass dienen, über das Wohlergehen der Pferde, Trainingsmethoden und die Kultur im Pferdesport zu diskutieren. Es besteht jedoch ein Unterschied zwischen dem Festhalten an der Kritik und der Ablehnung jeglicher Möglichkeit der Rehabilitation.“


DRF: „großes Verständnis für Diskussionen und Emotionen“


Weiterhin betont der Verband, dass er Verständnis hat für all diejenigen, die mit der Teilnahme und dem Sieg Cassøe Krüths Probleme hätten. „Der Fall war schwerwiegend, und genau deshalb wurde reagiert“.


Aber der Start sei regelkonform gewesen und entspräche dem nach den Skandalen im Januar 2025 verabschiedeten speziellen „Protokoll für die Rückkehr von Reitern nach einer Sperre“. Teil dieses Protokolls ist ein „Dialog, die Abstimmung von Erwartungen und die Bewertung der Rahmenbedingungen für die Rückkehr des einzelnen Reiters“.


Außerdem verweist der Vorstand des DRF auf „neue und deutlich verschärfte Sanktionsrahmen für Verstöße gegen die ethischen Richtlinien des Verbandes“, die beschlossen und ab dem 15. Juni 2026 rechtskräftig sind.


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