Ü80 Prozent für Isabell Werth und Wendy im Grand Prix Special von Hamburg, Traumrunde von Helen Langehanenberg

Werth und Wendy gewinnen weiter mit neuer Wechseltaktik und happy Helen in Hamburg

Dressur
Isabell Werth und Wendy in Hamburg. Foto: Thomas Hellmann Isabell Werth und Wendy in Hamburg. Foto: Thomas Hellmann
Heute war Grand Prix Special Tag in Hamburg. Isabell Werth und Wendy hatten erwartungsgemäß in der Fünf-Sterne-Tour die Nase vorn und Helen Langehanenberg hatte gleich zweimal Grund zur Freude.

Die Frage war eigentlich nicht, ob Isabell Werth und Wendy den CDI5* Grand Prix Special von Hamburg gewinnen, sondern wie. Antwort: mit über 80 Prozent. 80,021 Prozent gab es für den Auftritt des Paares, das in Hamburg eine neue Taktik ausprobiert hat – weniger Kontrolle, mehr „lassen“. Damit hatten sie bereits im Grand Prix Erfolg. Die Stute zeigte sich entspannter und geschmeidiger, und vor allem ging sie fehlerfreie Einerwechsel.


Fortschritt trotz Fehlern


Heute im Special war sie – vielleicht auch dem windigen und kalten Wetter geschuldet – nicht ganz so entspannt wie noch im Grand Prix, aber genau in diesen Momenten hat es geholfen, wenn Werth die Zügel in eine Hand nahm und sie beruhigend anklopfte. Zwar hatten die beiden auch heute Fehler in den Zweierwechseln, wo sich ein Einer einschlich (Werth: „Ich kam gut rein, aber habe dann ein bisschen Seitenwind bekommen und dann leider die Hilfe für die Einer gegeben. Das war natürlich blöd, aber ich habe versucht, meine Linie wiederzufinden – das ist gar nicht so einfach mit einer Hand und zwischendurch loben.“), und in den Einern sprang sie einen Wechsel kurz, aber die Wechsellinien waren weniger spannungsgeladen als man es zuletzt von dem Paar gesehen hat. Und die Einer zwischen den Pirouetten gelangen fehlerfrei, was Werth besonders freute: „Noch nie bin ich besser über die Mittellinie gekommen!“


Erinnerung an „den Doktor“


Auf die Idee, es mal mit einer Hand zu probieren, kam sie sowohl durch Gespräche mit ihrem Trainer Götz Brinkmann und Bundestrainerin Monica Theodorescu als auch durch Erinnerung an alte Zeiten. „Ich habe Fabienne (mit der sie 1992 ihren ersten Weltcup gewann, Anm. d. Red.) auch oft mit einer Hand in den Wechseln geritten, weil die auch schon mal ein bisschen heiß wurde. Da habe ich mich auf den Doktor zurückbesonnen. Der sagte, man müssen den Fokus verändern und mit einer Hand ist man als Reiter ja auch damit beschäftigt, seine Balance und die Richtung zu halten.“


Die nächste Station ist nun Balve, dann Hagen und dann will Werth schauen, ob sie vor den Weltmeisterschaften in Aachen eventuell noch ein anderes Turnier reitet, weil sie gemerkt hat, dass auch der Turnierrhythmus ihnen beiden gut tut.


Das Rappen-Trio komplett


Wie schon im Grand Prix präsentierte sich Isabel Freeses Olympiapartner Total Hope auch heute rank, schlank, fit und bestens gelaunt. Und wieder war die letzte Piaffe auf der Mittellinie eine, die Höchstnoten verdiente. Mit einer fehlerfreien, harmonischen Runde – der man immer mal wieder einen offeneren Ganaschenwinkel gewünscht hätte – belegte das designierte norwegische WM-Paar Platz zwei und kam dabei auf 74,808 Prozent.


Über Rang drei konnte sich nach einer reiterlich starken Vorstellung Leonie Richter auf ihrem Louisdor-Preis Finalisten Lord Europe freuen. Dem Lord Leatherdale-Sohn fällt es schwer, Last in den Piaffen aufzunehmen. Aber zumindest in der ersten sah man, dass er hier bereits Fortschritte macht. Und die Passage-Reprisen und Serienwechsel gehörten zu den schönsten der Prüfung.


Alice Schwab bei E konnte sich nicht so recht für das Paar erwärmen und gab nur 66,915 Prozent (Platz sechs). Dr. Evi Eisenhardt ihr gegenüber bei B sah das ganz anders: 74,043 Prozent (Platz drei). Im Mittel gab es 70,553 Prozent, mit denen sie sich knapp gegen Fabienne Müller-Lütkemeier und ihre engagierte Vitalis-Tochter Valencia As durchsetzten. Hier waren es zum Auftakt der Prüfung 70,468 Prozent.


Publikumspreis für Helen Langehanenberg und Daniela


Wer sich erinnern möchte, wie es eigentlich aussieht, wenn ein Pferd vollkommen losgelassen einen Grand Prix geht, konnte sich heute Helen Langehanenberg und die Damsey-Tochter Daniela anschauen. Die 13-jährige Hannoveraner Stute ist nicht nur eine Tochter von Langehanenbergs einstigem Erfolgshengst, sie stammt auch aus der Zucht von dessen Besitzern, der Familie Leatherdale.


Es war das erste Mal, dass die Stute vor einer Kulisse wie in Hamburg ging, ihre Fünf-Sterne-Premiere. Das hat sie so motiviert, dass sie auf der Mittellinie elf statt neun Einerwechsel zeigte. Sicherlich ist Daniela nicht das Pferd mit den imposantesten Bergaufbewegungen, aber sie glitt geschmeidig und willig von einer Lektion in die nächste, immer vor den treibenden Hilfen, immer fein an der Hand und mit der Nase vor der Senkrechten. 68,894 Prozent gab es von den Richtern – eigentlich recht wenig für diesen schönen Ritt.


Den Zuschauern hat’s auch gefallen. Als es um die Abstimmung über den Preisträger des Harmonie und Fairness Preises ging, wählten sie Helen Langehanenberg und Daniela.


Special-Sieg on top


Das war nicht der einzige Grund zur Freude für Helen Langehanenberg bei ihrer Hamburg-Premiere. Heute Vormittag gewann sie mit DSP Danny Cool den Grand Prix Special mit 69,638 Prozent. Für den bayerischen Danciano-Sohn war Hamburg das erste internationale Turnier überhaupt.


Dahinter reihten sich die Dänin Katrine Kraglund auf der Johnson-Tochter Miss Holsteins Marikka (68,319) und Dorothee Schneiders Schülerin Anna-Louisa Fuchs auf ihrer zehn Jahre jungen Zukunftshoffnung Duvetico ein (67,915).


Dorothee Schneider selbst wurde Vierte mit der Governor-Tochter Karlijn V. Den Grand Prix hatten sie gewonnen. Heute drückte vor allem die Piaffe auf der letzten Mittellinie die Bewertung, denn sie war so gut wie nicht gezeigt worden. Trotzdem wurden es noch 67,83 Prozent.


Alle Ergebnisse finden Sie hier. 


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