Doppelsieg für Isabell Werth im CDI5* Grand Prix von Hamburg, entscheidender Schritt mit Wendy in Richtung WM
Versuch’s doch mal mit einer Hand – Werths und Wendys Einerwechsel-Knoten geplatzt
Isabell Werth und Wendy, Sieger im CDI5* Grand Prix von Hamburg. Foto: Thomas Hellmann Die Serienwechsel hatten sich im Laufe der letzten Turniere zur Angstlektion von Isabell Werth und Wendy entwickelt. Schon in der Ecke vor der Diagonalen kam Spannung auf. Wendy begann zu pullen, Werth hielt dagegen. Der Galoppsprung wurde kurz, die Wechsel gingen daneben.
Heute im Grand Prix von Hamburg lief es ganz anders. Schon bevor die Aufgabe begann, ließ Werth die Stute mit nur einer Hand an den Zügeln piaffieren und passagieren und klopfte sie immer wieder beruhigend und bestätigend am Hals. In der Prüfung selbst wurde die Anlehnung dann zwar wieder stärker, aber nicht so fest, wie man es zeitweilig schon gesehen hat. Auch wenn hier immer noch Luft nach oben ist, über weite Teile der Aufgabe zeigte sich die Stute sowohl leichter in der Verbindung als auch losgelassener im Rücken. Piaffe und Passage gehören ohnehin zu ihren Highlights, ebenso der starke Schritt. Dann ging es in Richtung Galopptour. Hier platzte heute ein Knoten.
Schon vor den Zweiern lobte Werth die Stute einmal kurz. Die Diagonale selbst war fehlerfrei, was die Ausführung der fliegenden Wechsel selbst anging, aber noch etwas schwankend. Als es in Richtung Einerwechsel ging, nahm Isabell Werth wieder eine Hand vom Zügel und klopfte die Stute an, kratzte sich einmal an der Nase, klopfte Wendy wieder. Es war, als würde man Luft aus einem Ballon lassen. Die Spannung wich und was herauskam, waren durchgesprungene Einerwechsel, jeder einzelne von einem Klopfen am Hals begleitet. Auch die Pirouetten danach waren verbessert im Durchsprung und mit mehr Ruhe vorgetragenen. Alles in allem war das sicher eine der besten Grand Prix-Prüfungen, die die Stute je gezeigt hat. Belohnt wurde sie nicht nur mit donnerndem Applaus, sondern auch mit einem 81,043 Prozent-Sieg.
Taktik: Kontrolle abgeben
Isabell Werth berichtete später, ihre Taktikänderung sei das Ergebnis eines Reflektionsprozesses: „Wenn man immer wieder Fehler in den Wechseln hat, obwohl es kein Wechselproblem als solches gibt, fragt man sich: Wie kann ich es besser machen? Wie kann ich es ändern, dass sich immer wieder Anspannung auftut?“
Das einhändige Reiten und beruhigende Klopfen half dabei. „Ich habe versucht, wegzukommen von der Kontrolle, sondern sie mehr alleine zu lassen. Das hat sich bewährt. Sie ist nun viel relaxter. Ich komme schon viel legerer dahin und wir fühlen uns beide wohler, beide atmen wir mehr durch.“
Mit diesem Gefühl dürfte auch in Hinblick auf die WM in Aachen ein wichtiger Schritt getan sein. Werth: „Wir sind eben noch keine Lebensabschnittsgefährten. Es ist immer noch eine Entwicklung. Da muss man dann auch nochmal ein paar Turniere mehr reiten, um Dinge herauszufinden. Ich glaube, wir sind jetzt auf einem sehr guten Weg.“
Piaffier-Maschinchen Viva Gold
Heute war quasi ein historischer Tag. Zum ersten Mal in seiner noch jungen Grand Prix-Karriere wurde Werths zehnjähriger Oldenburger Hengst Viva Gold geschlagen. Er wurde zwischenzeitlich ja schon als Alternative für Wendy in Hinblick auf die WM Aachen gehandelt worden. Heute im „Stall-Duell“ musste er sich jedoch noch der erfahreneren Kollegin geschlagen geben – obwohl seine Piaffen und Passagen wirklich herausragend sind. In der zweiten Piaffe kam er heute einmal kurz hinter die treibende Hilfe und verlor etwas die Balance. Aber sonst …
Teure Fehler hatte das Paar in den doppelt zählenden Zick-Zack-Traversalen, wo er beim Umstellen nicht sofort den Wechsel auslöste, und in den Einerwechseln, wo er einen nicht mitsprang. Auf dem Wunschzettel: eine ruhigere, zufriedenere Anlehnung und mehr Durchschwingen in den Verstärkungen. Mit 75,783 Prozent wurde der Vivaldi-Sohn Zweiter.
Er geht dieses Wochenende übrigens seine erste Kür – so die Musik rechtzeitig fertig wird. Es soll ein Neil Diamond-Medley werden. Wendy hingegen soll im Special weiter Sicherheit gewinnen.
Zweimal Isabel(l), zweimal Weihegold
Komplettiert wurden die Top drei von Isabel Freese und Total Hope. Damit war auch diese Prüfung eine kleine Hommage an die großartige Weihegold OLD, denn die ist nicht nur die Mutter von Total Hope, sondern auch die Großmutter von Viva Gold, die beide im Stall von Weihegolds Besitzerin Christine Arns-Krogmann zur Welt kamen.
Auch wenn sich die Vorbereitung von Isabel Freese und dem im Deckeinsatz stehenden Total Hope als nicht ganz einfach herausstellte („Er ist verliebt in Wendy! Ich muss Isabell noch gar nicht sehen, ich weiß, dass Wendy gleich kommt, weil er sich sofort anspannt.“), in der Prüfung war der Totilas-Sohn voll bei der Sache. So sicher auf der Stelle und zugleich aktiv und losgelassen wie Total Hope piaffierte heute kein Pferd. Weitere Highlights hatten die beiden in der Galopptour. Mehr Rahmenerweiterung in den Verstärkungen und eine weniger enge Kopf-Hals-Einstellung in den Traversalverschiebungen, dann wären es wohl noch mehr geworden als heute 73,978 Prozent.
Wo man einfach gerne hinschaut
Ein Paar, dem man einfach gerne zuschaut, sind Ingrid Klimke und die Fürstenball-Tochter First Class. Den eigentlich für Hamburg geplanten Vayron musste Klimke zuhause lassen, weil er sich vertreten hatte. First Class war eine würdige Vertretung. Wenn es ein Beispiel für ein Pferd gibt, das durch die Dressurarbeit schöner und ausdrucksvoller wird, dann ist es diese eigentlich recht unscheinbare 14-jährige Hannoveraner Stute. Die beiden zeigten eine harmonische, fehlerfreie Prüfung, die mit 71,283 Prozent bewertet wurde, Platz vier.
Eleganz und Leichtigkeit prägten auch heute die Prüfung der beiden Weltcup-Finalisten Moritz Treffinger und Fiderdance. Man hat den Eindruck, der 17-jährige Hannoveraner Fidertanz-Sohn hat einfach Spaß an seinem Job und sein 22-jähriger Reiter versteht es, ihn mit feinen Hilfen und leichter Hand im genau richtigen Maß durch die Schwierigkeiten des Grand Prix zu steuern. Kleine Fehler wie ein kurzes Angaloppieren vor der ersten Trabtraversale kosteten Punkte, aber nicht die Harmonie. Mit 70,196 Prozent komplettierten sie die Top fünf.
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