Maimarkt Turnier Mannheim 2026: Werth und Viva Gold siegen vor Simone Pearce/Will Marq und Thomas Wagner/Escolar's Emil
Teure Fehler aber dennoch ein souveräner Sieg für Viva Gold und Isabell Werth im Grand Prix beim Mannheimer Maimarkt-Turnier
Trotz zwei Fehlern in der Galopptour eine Weltklasseleistung: Issbell Werth und Viva Gold siegten im Grand Prix beim Maimarkt-Turnier in Mannheim. Foto: sportfotos-lafrentz.de Isabell Werth hat mit Viva Gold den Grand Prix auf dem Maimarkt-Turier in Mannheim gewonnen. Der zehnjährige Fuchshengst zeigte eine Prüfung, die – abgesehen von zwei Fehlern – ein bisschen so aussah, als wolle er im stallinternen Wettbewerb mit seiner Kollegin Wendy sagen: „Sei dir nicht so sicher, die Nummer eins zu sein“. Denn abgesehen von einem beidbeinig im Hinterbein gesprungenen fliegenden Galoppwechsel am Ende des starken Galopps über die Diagonale und einem Fehler bei den 15 Einerwechseln absolvierte der Vivaldi-Sohn die Aufgabe mit einer Souveränität, die bald schon als lässig bezeichnet werden muss. Ausgerechnet der letzte, der 15. der fliegenden Galoppwechsel von Sprung zu Sprung, wollte nicht funktionieren.
Pirouetten, wie man sie selten sieht
Zu den Highlights zählten die beiden Galopppirouetten, wobei die erste, die Linkspirouette, tatsächlich auf der berühmten Untertasse des Moccatässchens gesprungen war. Und hinter das Wort gesprungen gehört ein Ausrufezeichen! Denn obwohl, auf kleinsten Raum um 360 Grad gewendet, verlor der imposante Dunkelfuchs nicht für den kleinsten Moment den klaren Galoppsprung in dieser Lektion der höchsten Versammlung.
Viele Höhepunkte
Ein weiterer Höhepunkt war der starke Schritt. Die Züge lang, das Pferd, den Kontakt suchend, sicher schreitend – wie es idealerweise in den Protokollen steht. Da war kaum etwas besser zu machen.
Die Übergänge aus den Passagen in die Piaffe und wieder zurück in die Passage waren weitere Hingucker-Momente dieses Ritts. Fließend, energisch, ausdrucksstark im Vorderbein bei abgesenkter Kruppe. Dabei macht sich der Oldenburger Fuchshengst, Enkel von Isabell Werths Weihegold, das Leben selbst sogar noch ein bisschen schwer. Weil er auf kleinem Raum die Piaffe zeigt, bekommt er manchmal etwas Übergewicht nach vorn.
Wollte man an Nuancen feilen, dann sollte Viva Gold in Zukunft das Genick beim Rückwärtsrichten noch stabiler oben behalten. Die Richter waren sich in ihrer Rangierung einig. Alle sahen das Paar auf Platz eins. Dabei gab es aber doch große Unterschiede in den Prozentzahlen. Euphorisch waren die Seitenrichter, allen voran Sven-Günther Rothenberger, der bei E 79,13 Prozentpunkte vergab Und auch bei B, wo der Franzose Raphael Saleh saß, waren es 78,696 Prozent. Bei H gab es von Katrina Wüst die niedrigste Beurteilung. Aber auch das waren noch satte 75 Prozent.
Starke Pi/Pa-Tour von Simone Pearce und Will Marq
Das Endergebnis, 77,087 Prozent, bedeutete nicht nur den Sieg im Dressurstadion von Mannheim, sondern auch ein Abstand zur Zweitplatzierten von nicht weniger als exakt 5 Prozentpunkten!
Und diese Zweitplatzierte war die Australierin Simon Pierce mit dem ebenfalls erst zehnjährigen Will Marq. Dieser in Spanien gezogene Wallach ist eine wahre Passagier- und Piaffier–Maschine. Unwahrscheinlich im Gleichmaß. Unwahrscheinlich gleichmäßig in der gesamten Trab Tour mit weit kreuzenden Trabtraversalen genauso wie in Passagen und Piaffen. Immer mit schwingendem Rücken, immer mit stabiler Anlehnung, immer das Genick, der höchste Punkt. Und auch die Übergänge zwischen Piaffen und Passagen zählten zum Besten, was man an diesem sonnigen Tag im Viereck in Mannheim zu Gesicht bekam.

Ein bisschen mehr Energie täte gut
Was Will Marq nicht ganz so in die Wiege gelegt wurde, oder aber seinem Alter und damit der noch nicht ganz vorhandenen Kraft geschuldet sein mag: Energie im Galopp. Lektionssicher ist der Wallach, aber die Serienwechsel wünschte man sich gerader, und vor allen Dingen in den Pirouetten schnalzt man innerlich mit. Denn die 360-Grad-Wendungen zeigt der kapitale Dunkelbraune dann doch eher an der Grenze zur Zeitlupe. 72,087 Prozent bedeuteten den Platz zwei für die Australierin und das Pferd, das im Besitz ihres Freundes, des Schweizer Springreiters Martin Fuchs steht.
Escolar’s Emil liefert
Thomas Wagner und Escolar‘s Emil waren Finalisten im Louisdor Preis und zählen sicherlich derzeit zu den imposanten Erscheinungen im Viereck. Der kräftige Escolar Sohn aus einer Contender-Mutter gezogen, überzeugte in vielen Lektionen und kam auf 70,652 Prozent.
An der einen oder anderen Stelle hätte man sich noch etwas mehr Gleichmaß im Hinterbein gewünscht, beispielsweise in der ersten Piaffe. Aber diese Dinge dürften eine Frage der Kraft sein. Insgesamt hatte man den Eindruck, dass es Wagner auf eine ruhige Runde ankam, sodass sicherlich im weiteren Verlauf der Karriere dieses Escolar-Sohns noch der ein oder andere Punkt mehr hinzukommt.
Müllers Doppelschlag
Platz vier in dieser Prüfung ging an Lisa Müller im Sattel von Mondrian. Der Millennium-Sohn hatte ausdrucksstarke Momente in der Piaffe und Passage. In der Galopptour, vor allem in den Serienwechseln, war er aber nicht immer optimal vor den treibenden Hilfen. Daraus resultierte ein Abkippen im Hals, so dass das Pferd deutlich hinter der Senkrechten diese Lektion absolvierte. Die Kombination aus bayrischer Reiterin und Hannoveraner Pferd kam auf 69,739 Prozent.
Müller war mit ihrem zweiten Pferd D‘Avie zum Auftakt bereits mit 69,174 Prozent aus dem Viereck gekommen. Das war in der Endabrechnung Platz Sechs.
Fünfte wurde Carina Harnisch mit Sheldon Cooper. Die Kombination, ebenfalls einst im Finale des Louisdor Preis platziert, kam auf 69,41 3 Prozent.
Ergebnisse des Grand Prix Maimarktturnier, Mannheim 2026