Europas Zuchtverantwortliche unterstützen Ruf nach Züchterprämie für Sportpferde

Standpunkt 21.04.2026
Redaktion von Redaktion
Dirk Willem Rosie, Geschäftsführer von HorseTelex Dirk Willem Rosie, Geschäftsführer von HorseTelex
In einem Update zu seiner Kolumne, in der er eine Züchterprämie für international erfolgreiche Sportpferde fordert, kann der Niederländer Dirk Willem Rosie von ersten Reaktionen aus der Pferdezucht berichten. Und ein geplantes Treffen mit dem Weltreiterverband, das das Thema auf der Agenda hat.

Warum eine Züchterprämie für Sportpferde? Ganz einfach: Der allergrößte Teil der Pferde, die Millionen einbringen, wurde vor 10, 15 Jahren von Züchtern konzipiert und hervorgebracht, die nicht Lisa Lourie (Spy Coast Farm, USA, Sponsorin u.a von Shane Sweetnam)  oder Madeleine Winter-Schulze (Isabell Werth, Ludger Beerbaum …) heißen. Die schlichtweg nicht über die Möglichkeiten oder das Netzwerk verfügen, um auf dem Ball der Millionäre mitzutanzen.


„Es ist doch ihr Hobby“


Der Weltreiterverband (FEI), die Verbände der Besitzer, Reiter und Turnierveranstalter haben bisher den Standpunkt vertreten, dass dies das Problem der Züchter sei. Unter dem Motto: „Es ist doch ihr Hobby, ein Fohlen zur Welt zu bringen? Und es ist doch ihre Entscheidung, dieses Fohlen mit Verlust zu verkaufen?“


1,5 Millionen in einem Jahr


Händler und Spitzenreiter verdienen immer mehr Geld. Die Weltcup-Siegerin Greya beispielsweise brachte in den letzten 12 Monaten 1,5 Millionen Euro ein, ohne dabei an der Global Champions Tour teilgenommen zu haben. Das ist völlig in Ordnung. Dieses Geld wurde mit Fleiß und Fachkenntnis verdient. Nur: Die Pferdebranche hat in den letzten Jahren einen finanziellen Wasserkopf entwickelt. Während in anderen Wirtschaftsbereichen der freie Markt das Handeln bestimmt und Produzenten vom Handel profitieren, steht zwischen Spitzensport und Zucht eine Mauer. Eine chinesische Mauer aus Stahlbeton.


Großverdiener


Reiter, Besitzer und Veranstalter können sich nicht länger hinter dem „Hobby“ der Züchter verstecken, die die sündhaft teuren Großverdiener erdacht und geschaffen haben. Reiter, Besitzer und Veranstalter müssen sich bewusst machen, dass sie kaum noch etwas zu reiten und kaum noch etwas zu organisieren haben, wenn nur noch die Züchter übrig bleiben, denen von ihrem „Hobby“ Geld übrig bleibt.


Ohne Züchter keine Pferde


Bevor wir uns an die Parteien wenden, die die Züchterprämien tatsächlich ermöglichen müssen, können wir zunächst feststellen, dass sich die internationale Pferdezucht zusammengeschlossen hat. Alle Beteiligten sind sich einig: Jetzt muss gehandelt werden. „Ich finde deine Idee großartig!“, reagiert Anette Graf, CEO des schwedischen SWB-Stammbuchs. „Unser Motto lautet: ‚Ohne Züchter keine Pferde, ohne Pferde kein Sport‘. Deshalb unterstützt SWB dies natürlich.“


Das Wirtschaftsmodell wieder ins Gleichgewicht bringen


Auch Bérengere Lacroix, Direktorin des französischen Warmblutzuchtverbandes Selle Français, ist begeistert: „Dein Vorschlag erscheint uns unerlässlich, um das Wirtschaftsmodell unseres Sports wieder ins Gleichgewicht zu bringen und den entscheidenden Beitrag der Züchter zu Spitzenleistungen anzuerkennen.“


Die SF-Direktorin fährt fort: „Wir betrachten diese internationale Initiative als logische und notwendige Erweiterung der Maßnahmen, die in Frankreich bereits auf nationaler Ebene ergriffen wurden (Züchterprämien für die Finalisten der Jungpferdewettbewerbe und Prämien für Züchter, die junge talentierte Hengste einsetzen, Anm. d. Red.). Durch die Ausweitung dieses Prinzips auf den Spitzensport wird eine kohärente Kontinuität geschaffen, von der genetischen Selektion und der Ausbildung junger Pferde bis hin zur finanziellen Anerkennung auf höchstem Leistungsniveau. Es wäre auch ein starkes Signal an die Züchter, das sie ermutigt, weiterhin in anspruchsvolle und nachhaltige Zuchtprogramme zu investieren, die für die Zukunft unserer Branche unverzichtbar sind. ”


Züchter in den Wert des Sports einbeziehen


Bérengere Lacroix schließt ihre Erklärung mit den Worten: „Züchter müssen stärker an dem Wert beteiligt werden, der im Sport entsteht. Wenn Pferde das höchste internationale Niveau erreichen – insbesondere bei 5*-Turnieren mit sehr hohen Preisgeldern –, profitieren Züchter selten von den Gewinnen, die sich aus dem Erfolg von Pferden ergeben, die das Ergebnis ihrer langjährigen Selektionsarbeit sind.“


BWP, FN, KWPN


Weitere positive Signale kommen von BWP-Präsident Geert Helsen (Belgien)  und FN-Zuchtdirektor Dr. Klaus Miesner. Zuvor hatte der niederländische KWPN-Präsident Andries van Daalen bereits eine Kolumne im KWPN-Magazin veröffentlicht, in der er dazu aufruft, internationale Züchterprämien einzuführen, zusätzlich zu den Prämien, die Sponsoren des KWPN den Züchtern erfolgreicher KWPN-Pferde bereits gewähren.


WBFSH – 2018 einmal mit Interessenvertretern gesprochen


Doch all diese Begeisterung aus der Welt der Zuchtverbände führt zu nichts, wenn sich nicht auch der offizielle Sprecher der Zucht, die Weltvereinigung der Zuchtverbände (World Breeding Federation of Sport Horses, WBFSH), hinter diese Initiative stellt. Präsident Jan Pedersen teilt mit, dass in der Vergangenheit bereits Versuche unternommen wurden, internationale Züchterprämien einzuführen. Er verweist auf ein Treffen im Jahr 2018 mit der FEI und Vertretern der Turnierveranstalter, Besitzer und Reiter, bei dem die WBFSH sich für diese Sache eingesetzt hat.


Züchterprämien bei der FEI auf der Tagesordnung


„Das Problem ist, dass Züchterprämien bislang keine Unterstützung von der FEI, den Turnierveranstaltern und dem Verband der Pferdebesitzer erhalten“, so Pedersen. „Ein solches Projekt kann unserer Meinung nach nur mit einem Prozentsatz des Preisgeldes finanziert werden, was leider – zumindest bisher – kaum möglich ist. Aber wir streben weiterhin Züchterprämien an, und bei unserem nächsten Treffen mit der FEI am 17. Juni wird das Thema erneut auf der Tagesordnung stehen.“


Dirk Willem Rosie, Geschäftsführer HorseTelex




Über diese Blogserie


Dirk Willem Rosie ist ehemaliger Chefredakteur der niederländischen Pferdemedien Paardenkrant und Horses.nl sowie Mitbegründer und CEO von HorseTelex. Er ist selbst Züchter, unter anderem des 1,60-m-Springpferdes Kyraleen von Caroline Müller und des zweifachen Bundeschampionatsfinalisten und in der Kleinen Tour erfolgreichen Hengstes Matisse GG OLD.

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