Im Millionen-Business Spitzensport fallen die Pferdezüchter hinten runter – Züchterprämien müssen her!
Warum die Züchterprämie kein Gefallen ist, sondern ein Muss
Dirk Willem Rosie, Geschäftsführer von HorseTelex macht sich in seiner Blogserie über die Zukunft der Pferdezucht seine Gedanken. Foto: privat und sportfotos-lafrentz.de Die Ankündigung der Premier Jumping League (PJL) kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Ab 2027 erhalten Springreiter und ihre Besitzer jährlich 100 Millionen Euro zusätzlich an Preisgeld. Dieses Vermögen aus der Tasche des amerikanischen Milliardärs Frank McCourt kommt zu den Millionen hinzu, die bereits jetzt jährlich bei 5*-Turnieren ausgeschüttet werden.
„Ausgebuchte“ Pferde
Vieles ist noch ungewiss. Wie wird die neue Top-Liga mit den bereits bestehenden 5*-Veranstaltungen wie der Global Champions Tour, der Rolex-Serie und der Longines League of Nations zusammengeführt? Wie werden die Reiter ihren Kalender gestalten, da ihre Pferde derzeit bereits „ausgebucht“ sind?
Das Fundament bröckelt
Nur eines ist sicher: Der Millionen-Zirkus des internationalen Springsports wird ab 2027 noch um einiges reicher. Und damit wird die Kluft noch größer – die Kluft, zwischen der Spitze der Pferdebranche, in der riesige Summen im Umlauf sind, und der Basis, wo die Pferde gezüchtet werden, die diese Millionen verdienen. Das Fundament dieses Millionen-Geschäfts bröckelt: Die Zahl der geborenen Fohlen sinkt europaweit strukturell. Angesichts steigender Kosten und stagnierender Preise steigen Züchter aus.
Schöne Worte
Frank McCourt fand bei der Vorstellung in Miami schöne Worte: Dank seiner neuen Serie könnten sich Springreiter unbeschwert auf den Sport konzentrieren, aus dem sie dank dieser jährlichen 100 Millionen Euro nun ihr Einkommen beziehen können. Aber was McCourt als Baseballfan und Eigentümer des Fußballclubs Olympique Marseille vielleicht nicht weiß: Das können die Springreiter auf 5*-Niveau bereits. Und zwar reichlich.
86 5*-Springturniere
Die Zahl der 5*-Springturniere steigt jährlich: von 81 im Jahr 2024 auf 86 im Jahr 2025. Das bedeutet, dass den Springreitern und ihren Besitzern allein im letzten Jahr in den 5*-Prüfungen mindestens 50 Millionen Euro zur Verteilung zur Verfügung standen. In Wirklichkeit liegt dieser Betrag jedoch sogar noch weitaus höher. Allein bei den Play-offs der Global Champions Tour in Prag schwoll der Preisgeldtopf auf 6,5 Millionen Euro an. An einem einzigen Wochenende! Das CHIO Aachen war 2025 mit 3,9 Millionen Euro dotiert. Für den Sieg im Großen Preis gab es 500.000 Euro. Im Masters Grand Prix im kanadischen Calgary ging es in dem Jahr um 5 Millionen kanadische Dollar (3,08 Millionen Eiuro).
Verluste
Großartig könnte man sagen. Für die Reiter, die Besitzer. Aber schauen wir uns doch einmal die Preise an, die die Züchter im Durchschnitt für ihre Fohlen erzielen. Nicht dieses aufgeblasene Getue der wenigen Glücklichen, die über ICSI Fohlen entstehen lassen, die dann teuer über Auktionen verkauft werden, sondern einfach die Realität. Mit der sind 90 Prozent der Züchter konfrontiert. Die können ihre Fohlen bestenfalls kostendeckend verkaufen. Und müssen regelmäßig auch ein finanziell schlechtes Jahr hinnehmen. Sprich: Über einen längeren Zeitraum betrachtet erleiden sie Verluste.
Geistiges Eigentum
Nur die Spitze der Pferdebranche erntet die reichen Früchte der extrem steigenden Preisgelder und des damit verbundenen Werts von Spitzenpferden. Die Züchter dieser Pferde müssen eine Eintrittskarte kaufen, um zu sehen, wie ihr geistiges Eigentum an einem einzigen Nachmittag 100.000 Euro (oder mehr) einbringt.
Nicht nachhaltig
So kann es nicht länger weitergehen. Das ist keine nachhaltige Situation. Es müssen Züchterprämien eingeführt werden. Lange Zeit schien eine Vergütung für genetische Arbeit nicht realisierbar, da Besitzer, Reiter und Turnierveranstalter keine Lust darauf hatten.
Im weiteren Verlauf dieser Blogserie werden wir uns ansehen, wie die Lage derzeit aussieht. Wir werden nach den Instanzen suchen, die die Züchterprämien blockieren. Und wir lassen diejenigen zu Wort kommen, die sich dafür einsetzen wollen.
Ein kleiner Teil des Reichtums von oben muss an die Züchter weiterfließen, sie sind die Architekten des Millionen-Spiels.
Dirk Willem Rosie, Geschäftsführer HorseTelex
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