Piaff-Förderpreis Sichtung mit Turnierprüfung in Warendorf
Lucie-Anouk Baumgürtel siegreich bei Piaff-Förderpreis Sichtung
2024 waren Lucie-Anouk Baumgürtel und First Vienna in Balve bei der Nürnberger Burg-Pokal Qualifikation dabei. Nun können sie dort Deutsche Meister der U25-Reiter werden. Foto: Archiv Sportfotos-lafrentz.de Zum zweiten Mal nach 2024 hat Lucie-Anouk Baumgürtel (22) am Auswahllehrgang für den Piaff-Förderpreis teilgenommen und diesmal stellte sie all ihre Konkurrenten in den Schatten. Im Sattel ihrer selbst ausgebildeten Hannoveraner Stute First Vienna v. Vitalis sicherte Lucie-Anouk Baumgürtel sich den U25 Grand Prix mit 71,008 Prozent vor Fiona Serafina Lukas auf Aragorn T (70,155) und Sophia Gerlach im Sattel von Amaru T (70,078).
Golden Girl
Seit 2016 ist Lucie-Anouk Baumgürtel eine feste Größe im deutschen Nachwuchsdressursport. Sie war damals zwölf Jahre jung, als sie mit Pony Massimiliano drei EM-Goldmedaillen holte. Den Erfolg wiederholten sie 2017 und 2018 gab es zum dritten Mal Teamgold. 2020 knackte Baumgürtel mit Nasdaq den bis dato bestehenden Weltrekord in der Kür bei einem Pony-Championat und krönte den Abschluss ihrer U16-Zeit mit weiteren drei Titeln.
Im Juniorenlager konnte sie nahtlos an die Erfolge anknüpfen. Mit dem einst von Marcus Hermes fürs Burg-Pokal Finale qualifizierten Hugo sicherte sich Baumgürtel 2021 dreimal Gold bei er U18-EM. 2022 wurde es Mannschaftsgold sowie Silber und Bronze in der Einzelwertung bei den Jungen Reitern. Mit Ferati gewann sie im Jahr darauf Silber mit dem U21-Team. 2024 ließ sie mit Hugo in allen drei Prüfungen die Konkurrenz hinter sich. Bei ihrer letzten U21-EM 2025 in Kronberg wurde es noch einmal Gold mit der Mannschaft mit Hugo und in der Kür mussten die beiden sich nur Lucies jüngerer Schwester Lana-Pinou auf Emma geschlagen geben.
Parallel hat sich Baumgürtel mit der zehnjährigen Hannoveraner Stute First Vienna ein Pferd für die große Tour aufgebaut. Sie übernahm die Stute 2021 mit damals fünf Jahren. 2022 wurden die beiden Dritte im Finale des Bundeschampionats. Siebenjährig folgten die ersten S-Platzierungen und 2024 konnten die beiden sich fürs Nürnberger Burg-Pokal Finale in Frankfurt empfehlen.
Genauso gradlinig verlief die Karriere auch auf S***-Niveau weiter mit Siegen in Stars von Morgen-Qualifikationen und zahlreichen weiteren Platzierungen.
Nun sehen die beiden ihrer ersten gemeinsamen Piaff-Förderpreis Saison entgegen, nachdem Lucie 2024 schon eimal mit Damien Hirst dabei gewesen war.
Dreamteam aus dem Ländle
Auch das Paar auf Rang zwei kennt sich schon seit Jahren: Fiona Serafina Lukas und Aragorn T. Anders als Baumgürtel hat die 22-jährige Baden-Württembergerin jedoch keine Meterlange Medaillenliste aus Kindertagen im Rücken. Vor einem Jahr wurde ihr das Goldene Reitabzeichen verliehen, das ihr ebenso zusteht wie ihrem vierbeinigen Partner Aragorn T.
2018 übernahm Lukas, deren Familie einen Reiterhof in Schönfeld führt, den damals fünfjährigen Oldenburger Wallach, einen Ampere-Enkel v. Antango aus einer Rubin-Royal Mutter. Von dem ersten Turniereinsatz in einer Dressurpferdeprüfung der Klasse A (Wertnote: 7,0) haben die beiden sich Stück für Stück auf regionalen Turnieren ins Rampenlicht gerückt. 2021 waren sie erstmals bei den Deutschen Meisterschaften der Junioren am Start und wurden Zehnte. 2022 feierten sie erste S-Erfolge. 2024 gingen sie dann erstmals auf S***-Niveau an den Start.
Bereits im vergangenen Jahr bestritten sie auch die Piaff-Förderpreis Sichtung, endeten hier aber mit 63,915 Prozent unter „ferner liefen“. Damit verpassten sie das Ticket für die großen Turniere in Mannheim, Balve usw. Dafür konnten sie auf regionaler Ebene Erfahrungen auf Drei-Sterne-Niveau sammeln und wurden immer besser. Heute haben sie nun einen weiteren Meilenstein auf ihrem gemeinsamen Weg hinter sich gelassen.
Hemmers Musterschülerin
Für die 24-jährige Sophia Gerlach aus dem Sauerland ist es das erste Mal, dass sie beim Piaff-Förderpreis dabei ist und es ist die zweite Saison auf Drei-Sterne-Niveau. Auch ihr zwölfjähriger Amaru ist ein Ampere-Enkel, allerdings westfälisch gezogen aus einer Fiano-Ehrentusch-Mutter (Z.: Georg Fulhorst).
Amaru war fünfjährig, als er zu Sophia kam. Das erste gemeinsame Turnier war eine Dressurreiterprüfung der Klasse A, die sie mit 8,0 gewannen. Es folgten die ersten L- und M-Erfolge, bis sie 2022 den Sprung in die schwere Klasse wagten. 2023 waren sie bei den Deutschen Meisterschaften der Jungen Reiter dabei. 2025 hatten sie genügend gelbe Schleifen auf S-Niveau gesammelt, um ihr Goldenes Reitabzeichen entgegennehmen zu dürfen und mit dem am Revers des Fracks wagten sie den Schritt in die Klasse S***. Mit Erfolg, wie man nicht zuletzt heute gesehen hat.
Trainiert wird das Paar aus dem Sauerland übrigens von Mannschaftseuropameisterin Katharina Hemmer.
Die qualifizierten Paare in der Übersicht
Insgesamt konnten sich 13 Paare des Auswahllehrgangs für die Piaff-Förderpreis Saison 2026 empfehlen. Neben den drei genannten sind es noch die folgenden:
- Nele Klaus mit Van Tastic (69,264 Prozent in der Sichtungsprüfung)
> Nele ist 19 Jahre jung und startet für den Landesverband Berlin-Brandenburg. Vor genau zehn Jahren ritt sie ihre erste Dressurreiterprüfung der Klasse E. 2020 gewann sie mit ihrem heutigen Erfolgspferd Van Tastic die erste Dressurreiterprüfung Klasse A. Der heute zehnjährige Wallach war damals selbst erst fünfjährig und ging sein erstes Turnier. Zwei Jahre später wurden die beiden für die Deutschen Juniorenmeisterschaften nominiert und hatten die ersten S-Platzierungen in der Tasche. Letztes Jahr gewann Nele DJM Gold bei den Jungen Reitern, das allerdings mit ihrem zweiten Pferd Bonfire. Außerdem stellte sie Van Tastic 2025 in ihrer beider ersten S***-Prüfungen vor und holte direkt mehrere Schleifen. Das heute war die fünfte S***-Prüfung. - Anna Schölermann mit First Romance (67,907)
> Anna Schölermann ist Bereiterin im Stall von Hubertus Schmidt. Mit dem von ihr ausgebildeten Springborgs Guardian (siehe unten) wurde sie letztes Jahr Europameisterin im U25-Grand Prix, nachdem sie zuvor schon maßgeblich zum Mannschaftsgold beigetragen hatten. Der neunjährige First Romance gehört wie Springborgs Guardian der Familie Kindler und wurde von Celestine seit 2022 in den ersten Dressurpferdeprüfungen geritten. Als es in Richtung Klasse M ging, übernahm Schölermann den Beritt und förderte den westfälischen For Romance II-Sohn bis zur Grand Prix-Reife. - Annabelle Josephine Steffens mit Habouche (66,938)
> Die 24-jährige Annabelle ist Pferdewirtin aus Fritzlar in Hessen. Sie wurde unter anderem deshalb bekannt, weil sie Hubertus Schmidts Imperio 2019 als Lehrmeister übernahm und ihn unter Schmidts Ägide auch auf S-Niveau vorstellte, allerdings nicht lange, ehe der Hengst zurückkehrte ins Haupt- und Landgestüt Schwaiganger. Den Schritt in Richtung S*** machte Steffens mit ihrer jetzigen Partnerin Habouche, die übrigens eine direkte Ampere-Tochter ist. Die Schimmelstute war in Großbritannien ausgebildet und von Anna Ross international präsentiert worden, unter anderem beim CHIO Aachen 2024, ehe sie letztes Jahr zu Steffens ging. - Henriette Schmidt mit Feengold (66,628)
> Die 24-Jährige stammt aus Naumburg in Sachsen-Anhalt und war im vergangenen Jahr mit ihrem zweiten Pferd Freundschaft für den Piaff-Förderpreis nominiert. Während sie mit dem bereits seit mehreren Jahren auf S***-Niveau im Einsatz ist, hat sie die elfjährige Hannoveraner Stute Feengold v. Fürst Romancier erst Mitte vergangenen Jahres von Ronald Lüders übernommen, der sie bis Klasse S*** ausgebildet und erfolgreich vorgestellt hat. Das heute war erst das dritte Turnier mit Piaffe und Passage für die beiden. - Lynn Greta Suckow mit DSP Dun Dee (66,628)
> Für die 21-jährige Rheinländerin wird 2026 das erste Piaff-Förderpreis Jahr. Der 13-jährige Württemberger Dimaggio-Sohn DSP Dun Dee war das erste Pferd, mit dem sie S***-Prüfungen geritten ist. Zuvor war der Wallach bereits mit seiner Ausbilderin Alexandra Sessler Grand Prix-erfolgreich. Suckow bekam ihn letztes Jahr unter den Sattel und konnte bereits mehrere Schleifen in Intermédiaire- und Kurz-Grand Prix-Prüfungen mit ihm holen. - Vanessa Sachs mit Bright Diamond NRW (66,279)
> Vanessa Sachs, 23, hält die bayerische Fahne im Piaff-Förderpreis 2026 hoch. Auch sie ist ein neues Gesicht in der Runde. Erst vor zwei Jahren ritt sie ihre ersten S-Prüfungen. Da hatte sie bereits den 14-jährigen westfälischen Bordeaux-Sohn Bright Diamond NRW unter dem Sattel. Der war von Natascha Hülsey von der Pike auf ausgebildet worden und S***-siegreich, als Sachs ihn 2024 übernahm. 2025 waren sie dann in der U25-Tour am Start, platzierten sich international in Ornago und bei den Bayerischen Meisterschaften. Das heute war ihr erster Start in 2026. - Franziska Haase mit Livorno (65,698)
> Die 22-jährige Schleswig-Holsteinerin ist ein vertrautes Gesicht im Piaff-Förderpreis. 2024 war sie Dritte im Finale und auch letztes Jahr dabei, das allerdings noch im Sattel von De Nino, mit dem sie auch letztes Jahr noch die Serie bestritten hat. Statt des inzwischen 18-jährigen Professors hat sie mit dem elfjährigen Livorno nun einen Newcomer im Rennen. Der Hannoveraner Livaldon-Sohn geht seit sechs Jahren mit Haase, die ihn fünf-, sechs- und siebenjährig beim Bundeschampionat vorstellte und sich letztes Jahr an die ersten S***-Prüfungen wagte. - Celestine Kindler mit Springborgs Guardian (65,310)
> Die 22-jährige Kindler stammt eigentlich aus Bayern, trainiert aber im Stall von Hubertus Schmidt. 2023 übernahm sie den einstigen Dressurpferde-WM Teilnehmer und Bundeschampionatsmedaillengewinner Quotenkönig, mit dem sie zahlreiche schöne S-Erfolge feierte, und den sie im vergangenen Jahr auch auf Grand Prix-Niveau präsentierte. Springborgs Guardian gehört der Familie Kindler schon lange und Celestine stellte ihn auch zunächst selbst bis Klasse M vor. Den Schritt in die schwere Klasse und weiter machte der zwölfjährige dänische Hotline-Sohn dann mit Anna Schölermann, siehe oben. - Marie Sohler mit Queolito (65,116)
> Mit ihren 18 Jahren ist Marie, ebenfalls gebürtig aus Bayern stammend, die jüngste Teilnehmerin des Starterfeldes. Sie war 2024 Europameisterin der Junioren mit dem ehemaligen Dressurpferde-Weltmeister Global Player OLD. Für den Schritt in Richtung U25-Lager hat sie den bereits international Grand Prix-erfolgreichen Queolito v. Quaterhall bekommen. Der 14-jährige Hannoveraner war von Nicole Kudernak ausgebildet und unter anderem im Louisdor-Preis Finale 2022 vorgestellt worden. 2023 ging er dann zu Bianca Nowag-Aulenbrock, die ihn bis 2025 ritt, ehe er an Sohler ging. Die hatte bis dahin mit den Werndls in Aubenhausen zusammengearbeitet, trainiert seither aber mit Nowag-Aulenbrock. - Isabelle Rüdiger mit Florestino (65,0)
> Aus Immenhausen in Hessen kommt die 22-jährige Isabelle Rüdiger. Auch für sie wird es die erste Piaff-Förderpreis Saison. Den Hannoveraner Floriscount-Sohn Florestino (14) hat sie seit 2020 unter dem Sattel. Damals ritt sie mit ihm M. Ein Jahr später starteten sie in ihrer ersten S-Dressur, 2025 dann in den ersten Prüfungen mit Piaffe und Passage.
Nicht empfehlen konnten sich Henri Schamburg und Lordswood Dancing Diamond, der einstige Bundeschampion und Weltmeister der jungen Dressurpferde, der nach vier Jahren Abstinenz heute mit Schamburg erstmals wieder unter Turnierbedingungen gestartet ist. Mit 61,667 Prozent wurden die beiden diesmal letzte.
Sowieso teilnahmeberechtigt sind die Mitglieder des U25-Kaders:
- Luca Sophia Collin mit Bonamour
- Pia-Carlotta Gagel mit Riccio
- Anna Schölermann mit Bon Scolari und Superstar
- Katharina Schuster mit Qence L
- Moritz Treffinger mit Cadeau Noir, Fiderdance u. Morricone
- Elisabeth von Wulffen mit Triple A u. Vis a Vis
Das sind die Stationen des Piaff-Förderpreises 2026
- 29.04.-05.05.2026 Mannheim
- 04.-07.06.2026 Balve (DM U25) mit Kür
- 30.07.-02.08.2026 Elmlohe
- 04.-06.09.2026 Anakenenhof, Pinneberg
- 02.-06.12.2026 Aachen - Finale
Sieger des Finales 2025 war übrigens Moritz Treffinger, der außerdem U25 Europameister wurde und nun seinem ersten Weltcup-Finale entgegensieht. Wir haben ihn heute besucht. Demnächst mehr davon.